Gordon W. Allports "Die Natur des Vorurteils". Ein Überblick über die Vorurteilsforschung


Seminararbeit, 2015
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Gordon Allport
2.1. Biografie
2.2. Reputation
2.3. Werke

3. Die Natur des Vorurteils
3.1 Ü berblick
3.2 Erwerb von Vorurteilen
3.3 Dynamik des Vorurteils
3.4 Allport Skala

4. Praxistransfer

5. Fazit

Literaturverzeichnis III

1. Einführung

„ Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen “ 1

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Person Gordon Willard Allport, seinem Leben sowie mit seinem Wirken und seinen Veröffentlichungen im Bereich der Sozialpsychologie. Hauptsächlich wird im Rahmen der Arbeit auf eine seiner bekanntesten Publikationen, „Die Natur des Vorurteils“ eingegangen.

Allport, der als Begründer der experimentellen Sozialpsychologie gilt, setzt sich kritisch mit Entstehung, Auswirkung und Problematik des Vorurteils auseinander.2 Die Sozialpsychologie definiert er wie folgt:

„Sozialpsychologie ist der Versuch, zu verstehen und zu erklären, wie die Gedan- ken, Gefühle und Verhaltensweisen von Personen durch tatsächliche, vorgestellte oder erschlossene Anwesenheit anderer Menschen beeinflusst werden.“3 Eben diesen Versuch stellt Allport im Bezug auf die Natur der Vorurteile in seinem danach benannten 600-seitigen Werk an. Aufgrund des Umfangs wird sich diese Seminararbeit auf ausgewählte Themen beschränken. So wird auf die Entstehung des Vorurteils eingegangen und dabei der Schwerpunkt auf das Thema Konformität gelegt. Bei der Dynamik des Vorurteils wird der Zusammenhang zwischen Frustra- tion, Aggression und Angst auf das vorurteilsbehaftete Verhalten von Personen erläutert. Die Allport-Skala, welche zuletzt vorgestellt wird, zeigt die verschiedenen Ebenen der Feindseligkeit auf, die anderen Personengruppen gegenüber gehegt werden können.

Sind Vorurteile fest und unlösbar in der Denkweise der Gesellschaft verankert oder kann mittels des Verstandes aus diesem „Schubladendenken“ ausgebrochen werden? Diese Frage wird im Rahmen dieser Arbeit mithilfe Allports wissenschaftlichen Ansätzen beantwortet.

Ziel der zugrunde liegenden Arbeit ist es, einen Überblick über Allport selbst sowie seine Vorurteilsforschung zu bekommen.

2. Gordon Allport

2.1. Biografie

Gordon W. Allport wird am 11. November 1897 in Montezuma, Indiana als Sohn eines Landarztes und einer Lehrerin geboren. Er ist der jüngste von fünf Brüdern und wächst in einem strengen und sehr frommen protestantischen Umfeld auf.4 Allport gilt bereits als Kind als eine sehr introvertierte, ruhige und wissbegierige Person. Letzteres bestätigt sich, als er bereits die Grundschule als Zweitbester sei- nes Jahrgangs abschließt. Schulische Erfolge bleiben auch weiterhin nicht aus. So studiert er 1915 bis 1919 in Harvard Sozialethik und Psychologie und lehrt an- schließend Englisch und Soziologie in Istanbul. Weitere Auslandsaufenthalte in Europa folgen. 1920 trifft er beispielsweise in Wien den Begründer der Psychoana- lyse, Sigmund Freud. Zwischen 1920 und 1922 arbeitet er an seiner Doktorarbeit „An Experimental Study of Traits of Personality: With Special Reference to the Problem of Social Diagnosis”, welcher er 1922 seinen Titel des „Doctor of Philoso- phy“ verdankt.5

Danach zieht es Allport erneut ins Ausland. Er studiert in Berlin, Hamburg und auch an der Cambridge University in England. Auf dieser Reise wird Allport in die Ge- staltpsychologie von Max Wertheimer und Wolfgang Köhler sowie in die personalis- tische Psychologie des Begründers der Persönlichkeitspsychologie, William Stern, eingeführt.6 Dieser beeinflusste Allports Persönlichkeitspsychologie am meisten. Im Vorwort zur deutschen Ausgabe seines Werkes „Personality: A psychological inter- pretation“ führt er die deutschen Psychologen William Stern, Eduard Spranger, Max Wertheimer und Kurt Lewin auf, welche rückblickend die Basis seiner Werke und seiner Ansichten bilden, auf denen Allport seine wissenschaftlichen Arbeiten auf- gebaut hat.7

1925 heiratet er die klinische Psychologin Ada Lufkin Gould, mit der kurz darauf seinen Sohn Robert bekommt.

In den Jahren 1924 bis 1926 lehrt Allport an der Harvard University Sozialethik und hält die erste Vorlesung zum Thema Persönlichkeit in den Vereinigten Staaten:

„Personality: Its Psychological and Social Aspects“8.

Nach einem vierjährigen Aufenthalt am Dartmouth College in New Hampshire als Assistenzprofessor für Sozial- und Persönlichkeitspsychologie, kehrt Allport zurück nach Harvard, wo er auch bis zu seinem Tod, am 9. Oktober im Jahr 1967, als Pro- fessor tätig ist.9

2.2. Reputation

Ein belegtes Beispiel für die Motivation bzw. die Inspiration, aufgrund deren Allport den Weg der Psychologie einschlägt, gibt es nicht. Jedoch lassen sich anhand seiner Kindheit und Jugend ein paar Annahmen treffen:

Zum einen wächst Gordon W. Allport, wie eingangs erwähnt, als Sohn eines Land- arztes auf. Er ist dadurch stets umgeben von Patienten und der Arbeit seines Va- ters. Daher lernt er früh, auf das Befinden der Menschen zu achten. Zum anderen studierte sein großer Bruder, Floyd Henry Allport, ebenfalls an der Harvard University Psychologie, was wiederum auch eine Inspiration für Allport gewesen sein könnte.

Heute wird Allport als Pionier der Sozialpsychologie gesehen. Seine Theorien bil- den die Basis von Forschungsarbeiten vieler renommierter Sozialpsychologen, wie beispielsweise Arie Kruglanski, welcher die Vorteilsforschung nach Allport weiter voran trieb.10

Allport war ein sehr angesehener Dozent. Er schaffte es die Denkweise seiner Stu- denten, darunter unter anderem Jerome Bruner und Stanley Milgram, zu beeinflus- sen. Beide gehören, wie Allport, inzwischen zu den bekanntesten Sozialpsycholo- gen.11

Doch nicht nur Studenten und Forscher interessieren sich für seine Werke, auch bekannte Bürgerrechtler wie Martin Luther King und Malcom X haben sein Buch „Die Natur des Vorurteils“, welches auch heute noch gedruckt wird, gelesen.12

Aufgrund des breiten und langlebigen Einflusses seiner Forschungen belegt Gordon Willard Allport auf der Liste der American Psychological Association den elften Platz von 100 der bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts.13

Wissenschaftliche Datenbanken zeigen, dass Allports Werk „Die Natur des Vorurteils“ bis 2012 mehr als15.000 mal zitiert wurde.14

2.3. Werke

Allport verfasst viele Bücher, welche für die Sozialpsychologie auch heute noch eine große Rolle spielen. Die bekanntesten Werke sind15:

1937: Personality: A psychological interpretation. New York: Henry Holt.

1942: The use of personal documents in psychological science. (Bulletin 49). New York: Social Science Research Council.

1950: The individual and his religion. New York: Macmillan.

1954: The nature of prejudice. Reading, MA: Addison-Wesley.

1955: Becoming: Basic considerations for a psychology of personality. New Haven: Yale University Press.

1960: Personality and social encounter. Boston, MA: Beacon

1961: Pattern and growth in personality. New York: Holt, Rinehart and Winston. 1965: Letters from Jenny. New York: Harcourt, Brace and World. 1968: The person in psychology: Selected essays by Gordon W. Allport. Boston, MA: Beacon Press. (postum erschienen)

3. Die Natur des Vorurteils

3.1 Überblick

Im folgenden Kapitel wird zunächst der Begriff Vorurteil definiert. Darauf folgt ein Überblick über Allports bekannteste Veröffentlichung „Die Natur des Vorurteils“.

"Ein Vorurteil ist eine dem Stereotyp nahestehende Einstellung (Meinungsbildung), die kaum auf Erfahrung (Information, Sachkenntnis), umso mehr auf subjektiver Eigenbildung bzw. Generalisierung von Ansichten usw. beruht. Kennzeichnend für das Vorurteil ist auch die zähe, unflexible, unreflektierte Fortdauer und die meist zerstörerische (selten förderliche) Wirkung, die es im Gemeinschaftsleben entfalten kann."16

Allports Werk „Die Natur des Vorurteils“ wurde erstmals 1954 von der Addison- Wesley Publishing Company Inc. veröffentlicht. Es umfasst Thesen und Studien, mit welchen der Sozialpsychologe dem Leser das Thema Vorurteil näher bringen will. Der Autor betont, dass er das Buch beabsichtigt nicht in einem wissenschaftli- chen Jargon verfasst habe, da er jedem der sich für das Thema interessiert die Möglichkeit geben möchte sein Werk zu verstehen. Sei es der Professor, der Psy- chologiestudent oder gar der „Alltagspsychologe“, jeder der sich für dieses Thema interessiert.17

Allport ist der Überzeugung, dass die Psychologie mit Hilfe seiner Arbeit zur Verbesserung der interpersonellen Beziehungen beitragen kann. Die psychologische Seite allein wird jedoch nicht ausreichen, dabei müssen auch andere Wissenschaften einen Beitrag leisten um die Rolle der soziokulturellen-, historischen-, psychologischen sowie ökonomischen- und ökologischen Faktoren zu klären. Desweiteren müssen die wissenschaftlichen Ergebnisse verbreitet werden. Genau hier sieht Allport die Aufgabe seines Buches.18

Das Buch ist ein „Versuch ethnische und soziale Antagonismen empirisch aufzuzeigen und sie auf ihre verschiedenartigen Wurzeln zurückzuführen.“19

3.2 Erwerb von Vorurteilen

In seinem bekanntesten Werk „Die Natur des Vorurteils“ (engl. „Nature of prejudice“), aus dem Jahr 1954, geht Gordon Allport im fünften Kapitel auf den Erwerb von Vorurteilen ein.

Hier beschreibt Allport anfangs den Begriff der Konformität. Konformität bedeutet, die eigenen Einstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen denen der anderen Gruppenmitglieder unaufgefordert anzupassen. Gemeint ist, sich seiner Gesell- schaft und Kultur entsprechend zu verhalten. Wobei jedoch unterschiedliche Aus- prägungen bestehen. Ein Beispiel für ein unbewusstes konformes Handeln ist es, beispielsweise erst die Frau und dann den Mann zu grüßen. Dann gibt es darüber hinaus auch tiefer gehende Sitten. Gordon Allport nennt hier das Recht auf Eigentum. Besonders wichtig ist einigen Menschen auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die eine kulturell-tradierte Lebensweise führt. Ein Beispiel hierfür ist die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinde.20

Es wird davon ausgegangen, dass Kinder in dieselbe ethnische und religiöse Gruppe gehören wie ihre Eltern. Das Kind wird dieselben Vorurteile annehmen, die auch seine Eltern haben und im Umkehrschluss werden es auch die Vorurteile treffen, die gegen seine Eltern gerichtet sind.

Ethnische Einstellungen und Überzeugungen werden nicht über Vererbung weitergegeben, sondern erlernt. Kinder haben eine intuitive Abneigung gegen alles, was sich gegen die Lebensweise oder Ansichten der Eltern richtet. Diese sind für sie allwissend und allmächtig. Für das Kind ist deren Urteil unter dem darwinistischen Aspekt überlebenswichtig. Konformität ist daher ein starkes Bedürfnis des Kindes. Es möchte von seiner Gruppe angenommen werden.21

Kinder ahmen die Eltern nach und identifizieren sich mit ihnen. Überzeugungen, Abneigungen, Gesten, Worte sowie Verhaltensweisen werden übernommen und ausgelebt. Haben Eltern beispielsweise eine distanzierte und kühle Haltung gegen- über Obdachlosen, wird das Kind es ihnen gleich tun. Dies liegt daran, dass es noch zu jung ist sich eine eigene Einstellung zu diesem Thema zu bilden. Zwar ist der Ursprung der Vorurteile die Konformität zum Elternhaus, aber das heißt nicht gleich, dass das Kind ein Spiegel seiner Eltern ist. Sobald es sich in seinem kulturellen Umfeld außerhalb des Hauses aufhält und andere Eindrücke erhält beginnt es eine gewisse Skepsis zu einigen, ihm angelernten Themen, zu entwickeln.22

Es muss daher zwischen den übernommen und den entwickelten Vorurteilen unterschieden werden. Wie bereits dargestellt, werden die übernommenen Vorurteile und Stereotypen der Lern- und Gruppendynamik zugeschrieben. Aufgenommen werden diese im familiären und kulturellen Umfeld.

Die entwickelten Vorurteile dagegen sind in der Regel auf eine strenge und lieblose Kindererziehung zurückführen.

[...]


1 Sapere aude; lat. Sprichwort.

2 Vgl. Coester (2007), S. 255

3 Jonas et al.(2003), S.360.

4 Vgl. Schlüter, C. (2007), S. 220.

5 Vgl. ebenda, S. 220.

6 Vgl. ebenda, S. 220.

7 Vgl. Allport, G.W. (1937), S. 13.

8 Vgl. Salzborn, S. (2014) S. 174 ff.

9 Vgl. Homepage der Harvard University.

10 Vgl. Rettig, D. (2012).

11 Vgl. Homepage der Harvard University.

12 Vgl. Homepage der Harvard University.

13 Vgl. Homepage der Harvard University.

14 Vgl. Salzborn, S. (2014), S. 174 ff.

15 Evans, R. I. (1976), S. 223.

16 Dorsch, F. et al. (2004) S. 741.

17 Vgl. Allport, G. W. (1954), S. 13.

18 Vgl. ebenda, S. 516.

19 Allport, G. W. (1954), S. 516

20 Vgl. Allport, G. W., (1954) S. 291.

21 Vgl. ebenda, S. 298.

22 Vgl. ebenda, S. 299.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gordon W. Allports "Die Natur des Vorurteils". Ein Überblick über die Vorurteilsforschung
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule  (Stuttgart)
Veranstaltung
Wirtschaftspsychologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V340906
ISBN (eBook)
9783668303249
ISBN (Buch)
9783668303256
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allport, Sozialpsychologie, Vorurteil
Arbeit zitieren
Alexandra Freudigmann (Autor), 2015, Gordon W. Allports "Die Natur des Vorurteils". Ein Überblick über die Vorurteilsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340906

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