Im Folgenden soll es nun um das Leben und Werk der bedeutenden Autorin Hermynia Zur Mühlen gehen. Zu Beginn der Arbeit wird ein kurzer biographischer sowie historischer Überblick gegeben. Hierbei soll verdeutlicht werden, wie prägend das Exil für das Handeln der Schriftstellerin war. Daran anschließend wird auf den antifaschistischen Widerstand eingegangen, der von passiver Resistenz bis zum Attentat reichte. Stets unterstütze Hermynia Zur Mühlen mit ihren Worten den Protest gegen den Nationalsozialismus. Ihr Anliegen war einerseits Deutschland aufzuklären und andererseits eine friedvolle Einheit zu schaffen. Dies wird auch in ihrem Werk ‚Unsere Töchter, die Nazinen’ deutlich.
Mit großem Interesse habe ich mich diesem Roman zugewendet und eine eingrenzende Fragestellung entwickelt. Das Ziel der Analyse ist es, die Wandlung der Tochterfiguren aufzuzeigen. Am Ende wird eine Schlussfolgerung zu der vorgestellten Thematik gezogen.
Im Jahr 1933 kamen Adolf Hitler und seine Partei, die NSDAP, an die Macht. Ziel wurde es, alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens mit nationalsozialistischer Ideologie zu durchdringen. Die Vielschichtigkeit der deutschen Kultur hatte aufgehört zu existieren. Eine Atmosphäre der Verunsicherung und Einschüchterung wurde geschaffen. In Scharen verließen die Menschen Deutschland. Auch die Schriftstellerin Hermynia Zur Mühlen ereilte dieses Schicksal. Schockiert von der Skrupellosigkeit des NS-Regimes, emigrierte sie 1933 nach Österreich.
Im Kampf gegen das Grauen verfasste sie zahlreiche literarische Werke. Am bekanntesten ist der Roman ‚Unsere Töchter, die Nazinen’. Hier versucht die Autorin der Frage nachzugehen, warum sich vor allem die jungen Menschen der nationalsozialistischen Bewegung anschlossen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Biographische Vorbemerkung
2. Das Leben im Exil
3. Der Widerstand
4. Die Analyse – Die Wandlungen der Töchter
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Unsere Töchter, die Nazinen“ der Schriftstellerin Hermynia Zur Mühlen, um anhand der literarischen Wandlung von drei Tochterfiguren aufzuzeigen, wie junge Menschen während der NS-Zeit für die nationalsozialistische Ideologie gewonnen werden konnten und welcher Konflikt daraus zwischen den Müttern und ihren Töchtern entstand.
- Biographischer Kontext der Autorin Hermynia Zur Mühlen im Exil
- Die soziologische und psychologische Situation im Exil und im deutschen Widerstand
- Literarische Analyse der Wandlungsprozesse der drei zentralen Tochterfiguren
- Darstellung des Generationenkonflikts und der politischen Spaltung innerhalb der Familien
- Reflektion über die Rolle von Ideologie, Propaganda und Antisemitismus im Alltag einer Kleinstadt
Auszug aus dem Buch
4. Die Analyse – Die Wandlungen der Töchter
Der Roman 'Unsere Töchter, die Nazinen' schildert den Sieg des Nationalsozialismus, die Auswirkungen des Antisemitismus und die Formierung von Widerstand am Modellfall einer süddeutschen Kleinstadt. Drei Perspektiven bestimmen den Blick auf das Geschehen: Die Mutterfiguren Kati Gruber, Agnes Saldern und Martha Feldhüter erzählen von ihren Töchtern und den Vorgängen in der Stadt in der Zeit zwischen dem 3. Januar 1933 und dem Sommer desselben Jahres. Der Erzählvorgang setzt mit dem Rückblick der sozialdemokratischen Arbeitern Kati Gruber auf ihre eigene Lebensgeschichte ein. Gedankenversunken erinnert sie sich: „Wie die Zeit vergeht. Heute, […], sind es gerade sechs Jahre, daß mein lieber Mann gestorben ist, und zwei Jahre, daß meine Toni ihre Arbeit verloren hat.“21 Diese Anfangssituation, die durch Trauer und Verzweiflung gekennzeichnet ist, birgt schon den Keim der Katastrophe in sich.
Im weiteren Verlauf der Geschichte erfährt der Leser Näheres über Anton, dem verstorbenen Ehemann. Voller Liebe berichtet Kati Gruber von dem gemeinsamen Leben, das sie einst führten: […] Der Anton hat ganz gut verdient, und wir haben uns nett eingerichtet und geglaubt, es wird besser werden. Das heißt, der Anton hat das nicht nur geglaubt, er hat es gewusst, hat in Büchern gelesen, dicken Büchern; von denen ich kein Wort verstanden habe. Er war Sozialdemokrat.“22 Diese Beschreibung lässt ihn wie einen Held erscheinen – mutig, klug und stark. Die Erinnerung an ihn ist die Quelle aus der Kati Gruber ihre Kraft schöpft, um den Kampf gegen den Nationalsozialismus aufzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Ausgangslage der Machtergreifung 1933 ein und stellt den Roman „Unsere Töchter, die Nazinen“ von Hermynia Zur Mühlen sowie das zentrale Thema des Generationenkonflikts im Nationalsozialismus vor.
1. Biographische Vorbemerkung: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg der Autorin Hermynia Zur Mühlen, ihre Flucht ins Exil und die Bedeutung ihrer Werke im zeitgeschichtlichen Kontext.
2. Das Leben im Exil: Es wird analysiert, wie Exilschriftsteller ihre literarische Tätigkeit im fremden Land organisierten und welchen emotionalen sowie existentiellen Herausforderungen sie sich stellen mussten.
3. Der Widerstand: Das Kapitel differenziert zwischen passivem Widerstand, Resistenz und aktivem Widerstand im nationalsozialistischen Deutschland und beleuchtet die Schwierigkeiten sowie die Organisation dieser Bewegungen.
4. Die Analyse – Die Wandlungen der Töchter: In diesem Hauptteil wird der Roman inhaltlich analysiert, indem die persönlichen Entwicklungen der drei Töchter und deren Entfremdung von den Müttern untersucht werden.
Fazit: Das Fazit fasst die literarische Bedeutung des Romans zusammen und bewertet die Darstellung des Widerstands sowie die Warnung der Autorin vor der NS-Ideologie.
Schlüsselwörter
Hermynia Zur Mühlen, Nationalsozialismus, Exilliteratur, Widerstand, Generationenkonflikt, Nazinen, Antisemitismus, Machtübernahme, Identitätswandel, politischer Radikalismus, Tochter-Mutter-Beziehung, soziale Ungleichheit, NS-Diktatur, Faschismus, antifaschistischer Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Roman „Unsere Töchter, die Nazinen“ von Hermynia Zur Mühlen und analysiert, wie die nationalsozialistische Ideologie drei junge Frauen in einer süddeutschen Kleinstadt beeinflusste und zu einer Entfremdung von ihren Müttern führte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der nationalsozialistischen Ideologie auf das Familienleben, die Entstehung von Widerstand, die Bedeutung des Exils für die Literatur sowie die psychologische Entwicklung der Tochterfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wandlungsprozesse der drei Tochterfiguren aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie die Autorin den Prozess der Radikalisierung und den damit einhergehenden Generationenkonflikt in ihrem Werk reflektiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in einen historischen und biographischen Kontext einbettet und die Erzählstruktur sowie die Charakterentwicklung der Figuren untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine Einordnung der Lebensbedingungen im Exil, eine historische Definition des deutschen Widerstands sowie die detaillierte Analyse der Romanfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselwörter sind Exilliteratur, NS-Ideologie, Widerstand im Dritten Reich, Identitätswandel, politischer Radikalismus und Generationenkonflikt.
Warum spielt die Figur der Kati Gruber eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Romans?
Kati Gruber fungiert als sozialdemokratische Kontrastfigur. Ihre Erinnerung an ihren verstorbenen Ehemann Anton dient als ethischer Kompass, der ihre Ablehnung des Nationalsozialismus begründet und den Schmerz über die Abwendung ihrer Tochter Toni verdeutlicht.
Inwiefern unterscheidet sich die Motivation der drei Töchter, sich dem Nationalsozialismus zuzuwenden?
Die Gründe sind individuell: Toni leidet unter Arbeitslosigkeit und dem Scheitern sozialer Versprechen, Claudia erstickt an der Langeweile ihres kleinbürgerlichen Zuhauses und Lieselotte sieht im Nationalsozialismus primär die Chance auf sozialen Aufstieg und gesellschaftliche Anerkennung.
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- Anja Giffey (Author), 2009, Jugendliteratur des Exils. Hermynia Zur Mühlens "Unsere Töchter, die Nazinen" als Apell an die Humanität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340991