Mose Berufung und Gottesbilder (Ev. Religion, 4. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2016
35 Seiten, Note: 2.0 (auf das Gesamtpraktikum)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes
1.1 Schulische Voraussetzungen
1.2 Lernvoraussetzungen

2 Verknüpfung von Standard und Thema

3 Kompetenzbestimmung
3.1 Anforderungssituation
3.2 Bedeutung für die Lebens- und Lerngeschichte
3.3 Theologische Orientierung
3.3.1 Zusammenfassung in Form theologischer Kernsätze
3.3.2 Exkurs zum Offenbarungsbegriff
3.4 Didaktische Entscheidung
3.4 a) Kompetenz der Unterrichtseinheit und Befähigungsziele
3.4 b) Didaktische Begründung der Prüfungsstunde
3.5 Kompetenzentwicklung
3.6 Kompetenzförderliche Lehr- und Lernprozesse

4 Verlaufsplanung

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang
6.1 Übersetzungsvergleich
6.2 Dohmen Ex. 3, 1-14
6.3 Umformulierter Text / Lesungstext
6.4 Liste mit Adjektiven

1 Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes

1.1 Schulische Voraussetzungen

Die » Schule« ist eine Grundschule im Berliner Stadtteil .

„Arbeitslosigkeit und Kriminalität sind hoch [...], das Durchschnittseinkommen [...] niedrig.“1 Geschichtlich befindet sich die Schule in der Übergangsregion eines proletarisch und eines bürgerlich geprägten Gebietes von Moabit. Moabit und somit auch die Schule haben arabische und afrikanische Immigranten vorzuweisen, teils sind diese auch schon mit der nachfolgenden Generation beheimatet.2

Die Schule präsentiert sich als musikalische Grundschule, allerdings beruht dies hauptsächlich auf den Schultern der Musiklehrerin und äußert sich in Nachmittagsaktivitäten oder vereinzelten Pausenaktionen. An die Schule ist strukturell ein Hort angebunden, auch werden die einzelnen Schulklassen von Erzieher/innen begleitet. Dies ist ein Kennzeichen für eine sogenannte »Brennpunktschule«. Weitere nennt die Schulsozialarbeit in ihrer Tätigkeitsbeschreibung mit „Gewaltprävention und Krisenintervention“, sowie „Erhöhung sozialer Kompetenzen im Schulalltag“.3 Außerdem definiert sich die Schule durch »jahrgangsübergreifendes Lernen«, das heißt die Klassenstufen 1-3 werden gemischt unterrichtet.4 Auch ist die aktuelle politische Lage an der Schule präsent, da sich ein Flüchtlingslager in der Nähe der Schule befindet und sogenannte »Sprachlernklassen« für Schüler/innen mit diesem Hintergrund eingerichtet wurden.

In diesem Umfeld bewegt sich der Religionsunterricht. Die Religionslehrerin kooperiert mit der »Lebenskundelehrerin« im für die Schule entwickelten Fach »Soziales Lernen« ab Klasse 4, sowie »Faustlos« für die »jül-Klasen«.5 Religion, Lebenskunde und Raum für Soziales Lernen muss sich einen Raum teilen.

Die 4. Klasse im Religionsunterricht setzt sich aus Schüler/innen unterschiedlicher Klassen zusammen, welche in der 4. Klasse, hervorgehend aus den »jül-Klassen«, neu zusammengestellt wurden. Ein teilnehmender Schüler kommt aus einer »jül-Klasse«, da dieser in seinem jahrgangsentsprechenden Religionsunterricht unterfordert war. Dieses Beispiel veranschaulicht die Leistungsstärke dieser 4. Religionsklasse. Allerdings ist ein konkreter Vergleich schwer möglich, da es in der 4. Jahrgangsstufe nur diese eine Gruppe aus 6 Jungen und 5 Mädchen gibt.

Innerhalb dieser Gruppe ist die Lemleistung sehr unterschiedlich. Beispielsweise ist ein Schüler stark benachteiligt in seinem sprachlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen, dieser braucht einfachere Aufgaben (oder Unterstützung vom Lehrer), während andere aufgrund ihrer Geschwindigkeit zusätzliche oder schwierigere Aufgaben benötigen. Einige Jungen neigen dazu sich durch Körperlichkeit abzulenken, sind aber auch in der Lage sich gegenseitig zu unterstützen. Die religiöse Sozialisation der Schüler/innen ist mit »kirchenfern« einzuschätzen. In meiner Lehrerrolle will ich den Schüler/innen viel Wertschätzung entgegenbringen und ihnen Mut machen, ihre (religiöse) Meinung zu äußern.

1.2 Lernvoraussetzungen

Erikson beschreibt für das Schulalter (exemplarisch der 4. Jahrgang) einen „Werkssinn“ zu etablieren als ein der zentralen Aufgaben. Dies geschieht auf der Grundlage von „Richtig machen“ und „etwas mit anderen zusammen machen“.6 Piaget siedelt in seinem Stufenmodel die 10-11 Jährigen in ihrer Entwicklung in der Phase des „Konkret-operatorische[n] Denken[s]“ an.7 Das Kind kann in dieser Phase kognitiv zusammenfassen, Gruppen bilden und diese auch vergleichen. Die Schüler/innen im Alter von 10-11 Jahren befinden sich im Übergang von „Anschauliche[n] und konkret-operatorische[n] Denken“ zu „Formallogische[n] Denken[s]“8. Das Kind löst sich vom konkret Anschaulichem hin zu einer rein kognitiven Wahrnehmung. Es wird fähig über Gedanken zu nachzudenken. Eine anfängliche Abstraktionsfähigkeit ist zu beobachten. Kohlberg sieht in der Pubertät die Befähigung zur Gruppenperspektive, wegbewegend von dem Tauschhandel der „präkonventionellen Moral“.9 Besonders bei der Behandlung ethischer Themen müsste diese Entwicklungstheorie bei der Unterrichtsvorbereitung berücksichtigt werden.

Fowler als Vertreter für Religionsdidaktik, mit seiner Theorie der Entwicklungsstufen des Glaubens, würde die Schüler/innen der 4. Klasse im Übergang von »mythisch-wörtlichen Glauben« zu »synthetisch-konventionellen Glauben verorten«. Geschichten unterstützen die Kommunikation von eigenen Erfahrungen mit anderen. Auch nach Fowler wüchse in diesem Sinne eine Fähigkeit zur Abstraktion heran.10

Die 4. Klasse erscheint als Übergangsphase, zum einen in der kognitiven Entwicklung, zum anderen der schulischen Voraussetzung bedingt. Es ist erforderlich die Geschichten der Bibel zwar noch anschaulich zu gestalten, aber es scheint auch notwendig die Schüler/innen in Gedankenprozesse, sowie ethische Fragen zur Gruppenwahrnehmung zu leiten.

2.Verknüpfung von Standard und Thema

Das Thema der Unterrichtseinheit ist »Mose Berufung/ Gottesbilder«. Die Thematik »Gottesbilder« fundiert die dahinterliegende, grundlegende Ebene. Mose Berufung gibt die konkrete Betrachtung, das Beispiel, den Anlass bzw. den Lerngegenstand an.

Als Standard für die 4 Klasse wird: ,,[d]ie Schülerinnen und Schüler entdecken in der Auseinandersetzung mit biblischen Erzähltraditionen verschiedene, auch widersprüchliche Gottesvorstellungen “, ersichtlich.11

Die bereits behandelte Thematik Gottesbilder soll durch eine kritische Ergänzung erweitert werden, um den Aspekt des »Widersprüchlichen« im Standard zu erfüllen. Die Spannweite der Thematik Gottesbilder beinhaltet, dass Gott uns nahe kommt bzw. Gott uns fern erscheint. Die Berufung von Mose fügt sich einer kritischen Betrachtung der Gottesbilder dadurch, dass die Geschichte selbst diese Spannweite in sich trägt. Dies soll in der »Theologischen Orientierung« des Langentwurfs bei der Betrachtung des Offenbarungsbegriffs, der Offenbarungsformel, sowie bei der »Didaktischen Analyse« und Begründung durch Einbeziehen negativer Theologie deutlich werden.

Da der Standard mit »biblischer Erzähltradition« und den pluralistischen »Gottesvorstellungen« vorangegangene Unterrichtseinheiten verlangt, muss auf diese exemplarisch, wiederholend eingegangen werden. Dies wird in den Befähigungszielen der einzelnen Unterrichtsstunden deutlich werden.

Auch dient diese Unterrichtseinheit dem Standard „den Exodus nacherzählen zu können“. Die theologische Orientierung wird deutlich machen, dass sich der Exodus von Mose her versteht.12

3 Kompetenzbestimmung

3.1 Anforderungssituation

Unsere Gesellschaft erlebt durch Migration religiösen Pluralismus. Längst ist der Islam (auch das Judentum wieder) Teil unserer Gesellschaft geworden. Das Schlagwort »Interreligiöse Dialoge« hat die Geisteswissenschaften erfasst, es sollen akzeptable Gemeinsamkeiten geschaffen werden. Konkret ersichtlich wird es an dem »House of One« in Berlin und den vielen Debatten um die Religionen in unserer Gesellschaft. »Interreligiösität« kann zur Bewusstheit des Eigenen helfen. Allerdings wird in dieser Hinsicht Religion auch für politische Zwecke missbraucht, man denke an das kulturhomogen propagierte »christliche Abendland Pegidas«. Stimmen suchen einigende Positionen, andere Stimmen drängen auf die Differenzen.

Auch die Theologie diskutiert über das Eigene. „Gehört das Alte Testament zur verbindlichen Sammlung theologischer Schriften?“, polemisiert die Zeitschrift »die-kirche«.13 Diese Zuspitzung war schlussendlich der Auslöser für einen Konflikt mit den jüdischen Vertretern in unserer Gesellschaft.

3.2 Bedeutung für die Lebens- und Lerngeschichte

Die Schüler/innen im Religionsunterricht an staatlichen Schulen in Berlin erleben sich im Minderheitsstatus, somit sind diese in die Herausforderung der Erklärung ihres Glaubens gestellt. Sie haben die Chance mit den religionsfreien bzw. muslimischen Mitschüler/innen in Dialog zu treten. Wie helfen Gottesbilder dabei in diesen Dialog zu treten?

Eben nur darin, indem diese nicht statisch, sondern mittels kritischer Sicht als dynamisch empfunden werden. Nur wahrgenommene eigene »Diversität« schafft Akzeptanz gesellschaftlichen Pluralismus. Derjenige, welcher andere Positionen denken kann, wird auch wirklich in Dialog treten (können).

Die Geschichten des Alten Testamentes bilden eine der Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen. Wenn die Schüler/innen diese in ihrer eigenen Überlieferung gegebenen Geschichten unterschiedlich verstehen lernen, dann können sie auf die anderen Überlieferungen mit Interesse zugehen. Eine religionsfreie Mehrheitsgesellschaft will in Debatten um Religion ernstgenommen werden. Dialogische Chancen sollten dabei nicht mit dem dogmatischen »so ist es« oder mit dem missionierenden »so und so kannst du dir das vorstellen« entgegnen. Vor allem mit Gehör und Anerkennung der Religionsfreiheit, im eigentlichen Sinne auch »Religions-frei« zu sein, werden Gespräche möglich.

3.3 Theologische Orientierung

Der Weg des Mose und seine Berufung ist nicht nur als biografische Schau verständlich, sondern zugleich „Offenbarungsgeschichte JHWH's“.14 Die größere Einbettung der Berufungsperikope verdeutlicht Albertz, indem er von einer „Verkettung der Mose-Berufung mit der Sinai-Offenbarung“ schreibt.15 Wie Gott sich Mose erweist, wird er sich (durch Mose) an seinem Volk erweisen, zeigen, und offenbaren. Deshalb soll Mose von der Begegnung auch berichten.16 Im Schicksal von Mose wird sich Israels Schicksal spiegeln.17

Der Übersetzungsvergleich bringt mich zur Entscheidung für Herders theologischen Kommentar (HthKAT).18 Äußerlich überzeugt dieser durch seine Aktualität (Erscheinungsjahr 2015), sowie seine ausführlichen Begründungen zur Wortwahl und Deutung der Motive.19

In Abgrenzung zu Lutherübersetzung, Elberfelder Übersetzung und Bubers Übersetzung sprechen folgende inhaltliche Differenzen für die Entscheidung: Alle Übersetzungen unterscheiden sich im Gottesnamen und der Offenbarungsformel. Das »Tetragramm« in der Übersetzung Dohmens (HthKAT) respektiert den jüdischen Umgang mit dem Gottesnamen.20 Die Wortwahl »verbrennen« und »verbergen« scheinen unserem heutigen Wortverstehen näher, da unserer Sprachkultur »verzehren« und »verhüllen« begrifflich schwerer zugänglich sind.

Das vermittelte Gottesbild in Vers 7 erscheint in der Elberfelder Übersetzung schon zu sehr auf einen mitleidenden Gott hin zu tendieren (»kennt die Schmerzen«), so ist die Übersetzung von Dohmen (»weiß um seine Schmerzen«) einem wahrnehmenden Gott näher, wobei der Satz für sich dennoch ein Paradoxon bleibt. Als Erklärung hierzu die Frage: »Wie könnten die Schmerzen des Anderen je nachempfunden oder gedacht werden? « Somit erscheint Vers 9 bei Dohmen auch eher als ein aktueller (rechtlicher) Fall, welcher nun Gott vorliegt, er sucht nach einer Lösung für die schreienden Israeliten. „Jetzt ist es so ...“, die Unterdrückten brauchen einen Anwalt, Befreier, Akteur, also einen handelnden Gott. Dieser handelnde Gott wird in der Formulierung des Auftrages an Mose bei den Übersetzungen Bubers und Dohmens am Deutlichsten.

Bei Luther und der Elberfelder Übersetzung scheint die Befreiung der Israeliten mehr die Aufgabe von Mose zu sein. Da aber Mose selbst nicht die Zeichen wirkt, sondern selbst ein Zeichen ist, weil Gott ihn darum gerufen hat, bleibt Gott der Handelnde und Mose das Werkzeug.21 Diese Beziehungskonstellation hat Dohmen sprachlich am besten erfasst. So ist die 4. Zusage Gottes an Mose (in Vers 17) bei Dohmen auch ein sicheres „ich werde“ und nicht ein „ich will“.

Die Unterschiedlichkeit in der Übersetzung der Offenbarungsformel, bietet auch eine Chance diese nebeneinander -als Ergänzung- stehen zu lassen, so wie auch die Antwort von Mose in Vers 4 (bei den Übersetzungen jeweils unterschiedlich) nebeneinander genannt werden kann.

Die Abgrenzung nach vorn begründet Albertz mit seiner Beschreibung von Exodus 3,1 - 4 als „Eingang der Berufungserzählung“.22 Zu beachten ist allerdings, dass Exodus 2, 23 -24 als Vorinformation gegeben ist, bezieht sich Gott doch im Erzählverlauf auf den Notschrei der Israeliten. Auch kann es als Dopplung angesehen werden, da Vers 7 die Umstände ausdrücklich erklärt. Wichtig wäre dann jedoch den Pharaonenwechsel und die damit verbundenen Konsequenzen als Informationen vorzugeben. Der Ortswechsel -die Israeliten in Ägypten und Mose in Midian- begründet eine Trennung der Perikopen. Diese Trennung stellt allerdings auch die Schwierigkeit einer rigorosen Abgrenzung dar, weil der Dialog Gottes mit Mose die Situation der Israeliten in Ägypten beinhaltet. Was den Israeliten konkret angetan wird, bleibt unbenannt und der Vorstellungskraft des Lesers überlassen.23

Da die Perikope Ex. 2, 23-25 jedoch als selbstständiger Erzählteil bzw. Einfügung / Überleitung angesehen werden kann und der betrachtete Text die Inhalte dennoch ausreichend angibt, wird Ex. 2, 23-25 ausgelassen und die zu betrachtende Perikope beginnt mit Ex. 3, 1.

Ist die Abgrenzung nach hinten abschließend mit Vers 14 oder Vers 18 sinnvoll?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Gliederung Dohmens (siehe nebenstehende Übersicht) ist mit Vers 18 der Beginn des zweiten Teils der Erzählung markiert. Davor ist der Dialog Gottes mit Mose abgegrenzt. Dem zu entgegnen ist, dass es ab Vers 15 nur zur Wiederholung des bereits Mose geoffenbartem kommt.25

Lediglich das Verständnis eines konkreten vorformulierten (suggerierten), beauftragten Redetext des Mose würde bei der Ausklammerung verloren gehen. Abgesehen davon würde dieser Satz des Mose entfallen: „Dies ist sein Name auf ewig und dies ist mein >Andenken< von Generation zu Generation“, bei welchem allerdings unsicher ist, ob dieser sich auf die Formulierung „Gott der Väter“ oder „Ich werde sein, der ich werde sein“ bezieht.26

Inhaltlich gesehen, scheint der Satz „[u]nd Gott sagte auch noch zu Mose“ ein Einschub oder eine Konkretisierung zu sein. Vers 15 ist bei Dohmen mit dem Einschub „und Gott sagte auch noch zu Mose“, unglaubwürdig, in dem Sinne, als sei die Offenbarungsformel „Ich werde sein, der ich werde sein“ nicht ausreichend als Antwort. Allerdings schreibt er selbst auch, dass sich Vers 15 als Erweiterung, bzw. Ergänzung verstehen lässt.27 Vers 14 bildet den Abschlusssatz der Perikope.

Zur Auslegung von Ex. 3, 1 schreibt Albertz, dass es ein Anschluss an Ex. 2,23 a sei, in welchem deutlich wird, dass der Pharao gestorben sei, welcher den Mose ursprünglich umbringen lassen wollte. Mose ist „von seiner midianitischen Verwandtschaft getrennt“, bedingt durch die Hirtensituation. „[H]inter die Wüste“ veranschaulicht, dass er noch weiter als üblich von der Familie getrennt ist.28 Bei der Vielzahl der Ubersetzungsvarianten weist Dohmen auf das wesentliche der Richtung -„nach Ägypten“- hin.29 Dass Mose Kleinviehzüchter ist, zeigt seine Verbundenheit mit seinem Volk in Ägypten, da die Midianiter eigentlich „Kamelzüchter“ und „Karawanenhändler“ waren.30 Auch schreibt Dohmen, dass der Eingangs-Vers der Erzählung „keinerlei Zeitangaben“ enthält.31 Es handelt sich in der Erzählung eher um eine Lokalisierung, wobei es nicht um eine genaue Identifizierung des Berges gehen soll, sondern vielmehr eine Gebietsbeschreibung „außerhalb“ (doch auch noch in der Nähe) vom Midianiter -Gebiet ist.32

Orientiert an Beduinen, welche ihre Tiere nach dem Abweiden der unteren Weiden in höhere Gebirgslagen treiben, gibt Beer die Erklärung für den Grund des Weges.33 Die Begründung für den veränderten Lesetext: Da die genaue Lokalisierung des Berges eine wegführende Frage bezüglich des Textgeschehens ist, wird der Name „Horeb“ weggelassen, da es eher ein zufälliger Weg des Mose gewesen ist. Gott hat ihn ersucht, am Fuß des Berges.34

Die Verse 2-3 beinhalten das Dombuschmotiv. Die Begründung für die Auslassung im veränderten Text liegt darin, dass das Dornbuschmotiv wie ein Doppelmotiv wirkt und somit eine Wegführung von der eigentlichen Offenbarungsformel in sich trägt. Es könnte ein magisches Gottesbild fördern, oder einen zu gar bildhaften Gott manifestieren, einen Gott, welcher ein brennender Dornbusch ist. Allerdings verweist Schmidt mit Dtn. 33,16 auf den (Bei)Namen Gottes: „der im Dornbusch wohnende“.35 Schmidt spricht aber auch von einer „Einfügung der Dornbuschszene in die Mosetradition“.36 Seiner Ansicht nach führt die Dornbuschszene nur zu offenen Problemen: „weder das Numen noch der Offenbarungsempfänger sind bekannt.“37 Er fasst damit zusammen, dass Jahwe nicht im Dornbusch wohnt, sondern herabfährt, um das Volk Israel zu retten.38 Beer spricht von einem altem »Baumkult«, welcher sich in der Dornbuschszene ausdrückt.39

Mose wird in Vers 4 mit Namen angesprochen. Albertz schreibt von einem „dramatischen Anruf“.40 Ist dies die Erstbegegnung mit Gott, in dieser direkten Art? »Da hast du mich«, auch hier ist auf die Vielzahl der Übersetzungsmöglichkeiten zur Erklärung zu verweisen.41 Das „Hier hast du mich!“ ist nach Dohmen im Hebräischen eine übliche Antwort des Angesprochenen. Mose erklärt sich als dafür bereit angesprochen zu werden.42

Im veränderten Text wird das kultisch Dargestellte ausgespart. Zwar wird darin sehr gut der Übertritt vom Profanen in eine andere Sphäre deutlich, allerdings kann dies auch alles in V. 6 nachempfunden werden.43 Die Auslassung von Vers 5 findet eine ähnliche Begründung. Hinzu tritt die Schwierigkeit des Begriffes »heilig«, womit ein zusätzliches Gottesattribut dem eigentlichen Offenbarungsgeschehen hinzugeschrieben wird. Noth deutet dies (und die ganze Dornbuschszene) als eine „Lokalüberlieferung“, welche in die israelitische Tradition eingegangen sei, um der Erzählung einen „konkreten Hintergrund“ zu geben, sie also weiter auszuschmücken.44

Bezüglich Vers 6 weist Beer daraufhin, dass die Eltern des Mose Gott „treu geblieben sind“, in der Formulierung „Gott deines Vaters“ sei dies seiner Ansicht nach erkennbar.45

[...]


1 Berlin.de (8.1.2016), Suchbegriff Moabit.

2 Vgl. Berlin.de (8.1.2016), Suchbegriff Moabit.

3 Siehe de (8.1.2016), Schulsozialarbeit.

4 Im Folgenden abgekürzt mit jül-Klassen.

5 Faustlos dient zur Prävention von aggressiven und gewaltbereiten Verhalten bei Kindern der Klassen 1 bis 3.

6 Siehe Flammer (2009), 97.

7 Siehe Flammer (2009), 146 ff.

8 Siehe Flammer (2009), 155.

9 Vgl. Flammer (2009), 175 ff.

10. Siehe Lutz (13.2.2016), pdf zu Fowler.

11 RLP (2007), 29.

12 RLP (2007), 41.

13 Slenczka (24.5.2015) Artikel: Neuer Sinn durch die Begegnung mit Christus.

14 Kittel (2012), 84.

15 Siehe Albertz(2012), 83.

16 Siehe Ex. 3,15.

17 Dohmen (2015), 151.

18 Im Folgenden: Übersetzungsvergleich siehe Anhang 6.1.

19 Siehe Dohmen, HthKAT (2015), 136-183.

20 Vgl. Dohmen (2015), 162f.

21 Vgl. Ex. 3,4+ 12.

22 Albertz (2012), 77.

23 Abgesehen von „wegen ihrer Arbeit“ Ex.2, 23 Elberfelder Studienbibel.

25 Bildnachweis: Dohmen (2015), 143.

26 Siehe Ex. 3,15.

27 Dohmen (2015), 158.

28 Siehe Albertz (2012), 77.

29 Dohmen (2015), 139.

30 Dohmen (2015) 149.

31 Dohmen, (2015), 144.

32 Dohmen (2015), 145.

33 Vgl. Beer (1939), 26. / auch im Folgenden: veränderter Lesetext siehe Anhang.

34 Vgl. Schmidt (1988), 116 und Schneider (1952), 10: eine genaue Lokalisierung ist nicht möglich.

35 Schmidt (1Q88), 117.

36 Schmidt (1Q88), 111.

37 Schmidt (1Q88) 118.

38 Vgl. Schmidt (1Q88), 119.

39 Vgl. Beer (1Q3Q), 26.

40 Albertz (2012), 79.

41 Siehe Übersetzungsvergleich.

42 Siehe Dohmen (2015), 150.

43 Vgl. Albertz (2012), 78.

44 Vgl. Noth (1Q61), 26.

45 Siehe Beer (1Q3Q), 27.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Mose Berufung und Gottesbilder (Ev. Religion, 4. Klasse)
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Veranstaltung
3 Monatspraktikum in einer Schule in Berlin Moabit
Note
2.0 (auf das Gesamtpraktikum)
Autor
Jahr
2016
Seiten
35
Katalognummer
V341171
ISBN (eBook)
9783668335561
ISBN (Buch)
9783668335578
Dateigröße
2883 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mose, berufung, gottesbilder, religion, klasse
Arbeit zitieren
Marcel Gundermann (Autor), 2016, Mose Berufung und Gottesbilder (Ev. Religion, 4. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341171

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