Die Exegese Matthäus 10, 26[b] - 33. Analyse und historisch-kritische Textrekonstruktion


Hausarbeit, 2014

83 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Persönliche Annäherung an den Text

1 Textanalyse
1.1 Abgrenzung des Textes und Einordnung in den Kontext
1.2 Übersetzungsvergleich
1.3 Textkritik
1.4 Narrative Analyse
1.5Analyse der Textsemantik
1.6 Abschließende zusammenfassende Gliederung des Ersten Teiles

2 Historisch-kritische Textrekonstruktion
2.0 Vorannahmen der historisch kritischen Methode
2.1 Literarkritik und Überlieferungsgeschichte
2.2 Formkritik und Gattungsgeschichte
2.3 Traditionsgeschichte
2.4 Redaktionsgeschichte
2.5 Historischer Ort und ursprüngliche Intention des Textes

3 Gegenwartsbedeutung

4 Schlussbemerkung

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

Anhang 1 zu 1.2 Übersetzungsvergleich

Anhang 2 zu 1.2 Übersetzungsvergleich, farbig

Anhang 3 zu 1.2 Übersetzungsvergleich, farbig, Satzzeichen

Anhang 4 Elberfelder Übersetzung der Perikope

Anhang 5 Interlinearübersetzung der Perikope

Anhang 6 zu 1.4 Narrative Analyse, farbig

Anhang 7 Lukasevangelium 12,

Anhang 8 zu 2.1Synoptischer Vergleich

Anhang 9 zu 2.2Berger in Übersicht

Anhang 10 zu 2.2 Bultmann in Übersicht

Anhang 11 zu 2.3 Quellen Lexika

Anhang 12 zu 2.3 Quelle Billerbeck

0 Persönliche Annäherung an den Text

Matthäus 10,26 b -33 Menschenfurcht und Gottesfurcht

26[b] Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.

27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. 28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. 31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. 32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.1

Wie interpretiere ich die überlieferte Darstellung Jesu? Welches Bild von Jesus habe ich überhaupt und welche Worte sprechen mich an? Wähle ich mir immer die passende Darstellung, um mein Glaubensleben zu rechtfertigen, oder ist dieser Jesus der „Ganz Andere“2, in diesem Sinne fremd von meiner Deutung und meinem Verstehen. Welches Selbstverständnis bietet diese Arbeit? Aufgrund persönlichem Unverständnis und Unwohlseins, will ich diesen Text nicht verleugnen, sondern mich mit seiner Aussage auseinandersetzen, ihn als persönliche Herausforderung und Überlieferung des Matthäus anerkennen, lesen will ich den Text, als eine Botschaft an mich.

In der Erstbetrachtung ergeben sich mehr Fragen, als abgeschlossene Gedanken, nicht von mir selbst an den Text gerichtet, sondern die der Text an mich stellt, mich als Christ in Frage stellt, fordert. Doch wer hat überhaupt das Recht, so sehr mein Leben und Bekenntnis einzufordern? Der Text lebt auf ersten Eindruck von einem dualistischen Unwohlsein, Furcht gegen Furcht, die Entscheidung würde für die Jeweilige fallen, die größer wäre.

Wer ist dieser durch eine Rede dargestellte Jesus überhaupt, der nach Matthäus solche Dinge sagt, ein furchterregendes Gottesbild zeichnet und dem Spannungsbogen mit „fürchtet euch nicht“ Abbruch und Einseitigkeit verleiht, mein Bekenntnis schon vorwegnimmt? Darf Glauben so eine Radikalität und Unvernunft annehmen, dass das eigene Leben im Bekenntnis beherbergt ist? Kann ich den Text als Chance und Offenbarung annehmen, um auch Jesus Christus neu zu begegnen?

Zu vielen Fragen an mein Heute, will mir der Text mit seiner Vergangenheit begegnen, diese Arbeit will durch eine historische Betrachtung meine heutige Anfechtung sortieren und kritisch betrachten. Als Abschluss der Arbeit ist die Aktualität der Rede Jesu an immer noch gegenwärtigen Phänomenen und Herausforderungen aufgezeigt.

1 Textanalyse

1.1 Abgrenzung des Textes und Einordnung in den Kontext

1.1.1. Abgrenzung des Textes nach vorne und nach hinten

Der Textabschnitt von Kapitel 10, ab Vers 5 bis Ende des Kapitels erscheint wie eine zusammenhängende Rede einer einzelnen Person (Vgl. Kap.10, 5), dadurch kann eine Abgrenzung der Verse 26[b] bis 33 nur durch eine Sinneinheit der Perikope in ihrem inneren Zusammenhang beleget werden.

In der Betrachtung des Voranliegenden der Perikope und unter dem Kriterium der Veränderung des Themas innerhalb der „Aussendungsrede“1, wird der 26. Vers aufgeteilt, wodurch der Teil a: „Darum fürchtet euch nicht vor ihnen!“, als Resümee bzw. abschließende Ermutigung des vorherigen Redeteils gelesen wird, demgegenüber erscheint Teil b des Verses: „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.“, als ein Öffner zu einer neuen Sinneinheit. Wird Teil a und b jeweils als Schluss- und Einleitungsformel interpretiert, ließe sich auch auf mehrere durch Matthäus zusammengefügte oder alternativ aufgezeigte Redeteile schließen. Die vorhergehende Perikope begründet die inhaltliche Trennung von Vers 16-26 mit der Auflistung möglicher Gefahren, dessen Auftrag, Predigt und Handeln der Jünger aus den Versen 1-15 zur Folge haben kann.

Außerdem muss das danach Liegende der Perikope betrachtet werden, so kann wie bei vorangegangener Erklärung auch der Vers 33 und der Vers 34 als Abschluss und Einleitung getrennt stehen. Der Inhalt des 32. Verses ist ein Appell an die Hörenden. Der Vers 33 offeriert der schon vorgezeigten Entscheidung verbundene Auswirkungen, geortet in der himmlischen Sphäre („vor meinem himmlischen Vater“). Dem Vers 33 entgegen bietet Vers 34 Einblick in die Absicht des Redenden auf der Erde, auch wenn der Ortswechsel das Irdische vom Himmlischen entzweit, so bildet der Redende Jesus: „dass ich gekommen bin“, dennoch die Verbindung der Sphären. Die Verse 32-34 sind ein Wechselspiel zweier Orte. Die Begründung der Abgrenzung des 33. vom 34. Verses ist mit der Selbsterklärung des „[G]ekommenen“ verbunden, der Redende wirkt als eine sich selbst unterscheidende Person in Ort und folgend auch in Zeit. Aus der Aussage in Vers 33 („will“) ergibt sich eine Stimme an das Zukünftige und in Vers 34, als Grundgebenden „gekommen bin“, einen Blick in das Vergangene. Das nach Vers 34 Folgende ergibt ein Programm der selbstoffenbarenden Person, welches dessen Lebensgrund, Apokalyptik, Menschenbild, Absicht und Aufruf zur Folge beinhaltet.

Der innere Zusammenhang der Verse 26b-33 liest sich als eine spezielle Zusage und Aufforderung an die Hörenden. Für eine Trennung der Perikopen in einzelne Sinnabschnitte, somit der Entsagung von einer zusammenhängenden Redeeinheit, plädiert Kapitel 11,1-2, welches mit seinem Ortswechsel und einer neuen Person nicht nur einen neuen Abschnitt einleitet, sondern das Vorangegangene als „Gebote“ Jesu „an seine zwölf Jünger“ deutet und durch den Plural eine Mehrheit vermuten lässt. Vers 32-33 wird als Bekenntnisgebot betrachtet und die Verse 26-31 bieten dessen Erläuterung und Sinn. Eine Trennung vom Äußeren, gestützt durch die in Kapitel 11 begründete Entsagung von einer längeren Rede ist im inneren Zusammenhang der Perikope (26b-33) definiert, eingebettet in einem Einleitungs- und Abschlusssatz bildet es in der inhaltlichen Form eines erläuterten Vertrages, eine Zusage und Versicherung an auserwählte Personen, oder sogar als Einschwörung auf den Redenden.

1.1.2 Einbindung in den Kontext

Das Bekenntnisgebot ist ein Teil einer Redekomposition aus Berufung, Anweisungen, Aufzeigen der zu erwartenden Gefahren und Zuspruch an die von Jesus gesendeten Jünger. Umrahmt wird diese Rede von den zuvor aufgelisteten Wundergeschichten (8,1- 9,35)2 und der nachfolgenden Stellungnahme Jesu zu und für den gefangenen Johannes dem Täufer.

Durch eine geografischen Einteilung, zweigegliedert als Jesu Verkündigung in Galiläa und Weg nach Jerusalem, mit erster Leidensankündigung (ab Kapitel 16, 21)3, dient die Aussendungsrede als Vorbereitung zu einer Wandermission4, außerhalb von Galiläa. Zu einer Strukturierung des Evangeliums, sprechen sowohl Theißen, als auch Ohler von „5 Reden“5, wobei die bei Kümmel aufgelistete „Rede über Rein und Unrein 15,1-20“6 an die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Worte Jesu (23,1-36) über die Pharisäer und Schriftgelehrten, sowie der Missionsbefehl (28,16-20) außerhalb dieser Einteilung stehen.6 Die Aussendungsrede wäre nach der Bergpredigt (5-7) und vor den Gleichnissen der Zweite, von drei großen Redeblöcken in Galiläa. Der Aufbruch nach Jerusalem wird von der Ablehnung Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth, der Exekution Johannes des Täufers und beginnende Streitgespräche in Galiläa eingeleitet (Vgl. Kap. 13-16).

Heckel6 und Broer7 teilen das Matthäusevangelium in sieben Teile, beginnend mit einem Prolog (1-4), indem der Protagonist vorgestellt wird. Die Aussendungsrede siedelt im „dritten Teil“, Passion und Auferstehung sehen beide als abschließender siebente[r] Teil“, der Missionsbefehl wird diesem somit untergeordnet und bildet in Kombination das Ende.

1.2 Übersetzungsvergleich

Für den Vergleich von Luther8, Einheitsübersetzung9, Elberfelder10 und Züricher Bibel11 werden nachfolgend die Unterschiede im Einzelnen, Vers für Vers betrachtet12, um abschließend die Perikope mit der Interlinearübersetzung zu vergleichen, um im Fortlaufenden der Exegese eine Entscheidung für eine Übersetzung zu treffen.

Aus der Entscheidung in Abschnitt 1.1.1 wird „Darum fürchtet euch nicht vor Ihnen“, vor der Überschrift der Perikope bei Luther, nicht betrachtet. Dem entgegenzuhalten ist, dass das Einleitungswort „Denn“ in den Anderen Übersetzungen, auf das Vorhergegangene verweist.

Auffällig ist im Vergleich die Deutung der zwiefältigen Wortpaare aus Vers 26 und 27,13 Vers 26:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten14

Vers 27:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der 27. Vers versteht sich bei allen Übersetzungen als Aussage des Protagonisten in Verbindung mit dem Auftrag an die Jünger. Alle Synonyme beschreiben das Spannungsverhältnis der Absicht Jesu gegen die Aufforderung der Verwirklichung an dessen Nachfolger. Die Lehre an die Eingeweihten, soll durch ebendiese zur offenen Botschaft an die Menschen werden, wogegen mit „am hellen Tag“ ein konkreter Handlungsbezug gegeben wird, „im Licht“ dagegen eine mystische Bedeutung erhält.

Bezieht man den 27. Vers rückwirkend auf die negative Theologie des 26.Vers, als Konkretisierung der offenbarten Weltsicht Jesu, bedeutet der Lebensweg und die Predigt Jesu vom Reich [Gottes]15, ein Übergreifen, bzw. Einwirken auf die Gesendeten.

Was die Synonyme der Übersetzungen „predigen“, „verkündigen“, „ausrufen“ beinhalten, lässt sich nur durch die vorhergegangenen Gegensatzpaare beschreiben, welche sich in einem versteckten - ihr werdet schon sehen - und dem, der durch Präsens ausgedrückten Zeit, der Gegenwart der Worte Jesu aufheben.

Die Nuancen der Übersetzungen deuten einen unterschiedlichen Zugang zur Reich Gottes Sicht Jesu, während die Lutherübersetzung Offenbarung mit Wissen vergleicht und die Elberfelder einen inneren Erkenntnisvorgang beschreibt, zeigen die Züricher und Einheitsübersetzung mit den Worten enthüllt und bekannt eher einen extrinsischen Vorgang. Dem zu entgegnen ist, dass im zweiten Teil des 27. Verses von einem personenunabhängigen Reden geschrieben steht und das Wort flüstern sich auf Etwas bezieht, worauf man sich konzentrieren muss, wogegen die Lutherübersetzung mit dem Wort „sagt“ direkter und zielgerichteter auf den Hörenden zutritt, allerdings ergibt sich durch die Stellung im Nebensatz, dass dieses im Sinne von Jesus geschehe. Elberfelder und Züricher setzen dem geflüsterten Herangetragenen, das laute intrinsisch ausbrechende Rufen entgegen.

Eine wesentliche Unterscheidung im 28. Vers besteht in der stärkeren Betonung auf Möglichkeiten in der Elberfelder Übersetzung, verbunden mit der Satzstellung des zweiten Teils. Luther- und Züricher Bibel beschreiben mit „verderben“ als Prädikat ein aktives Handeln Gottes, die Einheitsübersetzung verknüpft „Verderben“ mehr mit dem Wort der Hölle und trennt diese somit stärker von dem Handeln Gottes, spricht dieser damit aber auch eine unabhängige Existenz zu. Züricher trennt den 28. Vers in zwei Sätze, dadurch sind die Art der Furcht an sich und die Ursache der Furcht, sich zwei voneinander zu unterscheidenden Mächte. Beide Mächte sind jeweils für sich Auslöser einer anderen Furcht. In Vers 29 unterscheidet sich die Lutherübersetzung durch „Kauft“, statt „verkauft“ am stärksten von den Anderen. „Sperling“ und „Spatz“ ist lediglich ein Synonym16, sowie die unterschiedlichen Münzwerte lediglich der Vorstellungskraft dienen.17

Die Differenz im Vers 30 beruht auf unterschiedliche Satzstellung, wobei die Lutherübersetzung mit der Verknüpfung „Nun“ stärkeren Bezug auf Vorherstehendes nimmt, dafür aber kein verstärkendes Wort für die gezählten Haare benötigt, auch wird innerhalb des 31. Verses, durch ein Semikolon, eine klare Trennung vermieden. Dadurch, dass die Züricher und Einheitsübersetzung „mehr Wert“ als Etwas von außerhalb bemessenes belegen, setzen diese Übersetzungen, wie schon in Vers 26, das Extrinsische fort, die Elberfelder Bibel betont mit „wertvoll“, dagegen das Immanente.

Die letzten zwei Verse werden aufgrund des Inhaltes verbunden und zwischen den Übersetzungen verglichen. Elberfelder und Züricher lassen mit „Jeder nun“ eine größere und eher einladender wirkende Nachfolgschaft als „Wer“ vermuten. Während bei der Lutherbibel „himmlisch“ der Beschreibung des Vaters dient, ist es bei der Elberfelder Übersetzung weitfassender die Ortsbeschreibung und Erklärung des Aufentes18, diesem Verständnis schließen sich Züricher und Einheitsübersetzung mit „Vater im Himmel“ an.

Das „will“ Luthers, zeigt eine Absicht bzw. Tendenz Jesu auf, wogegen das „werde“ der anderen Übersetzungen eher an ein Versprechen anmutet. Der Satzbau bei der Lutherübersetzung hat zur Folge, dass eine stärkere Bindung an die Person Jesu geschieht, dessen Identität an das Bekenntnis gebunden ist, diesen Satzbau weißen auch Einheits- und Züricher Übersetzung in ihrem 33. Vers auf.

Die Zusammenfassung ist ein inhaltlicher Vergleich mit der Interlinearübersetzung19.

Durch die Einleitung mit „Denn“, wird die Entscheidung unter 1.1.1 in Frage gestellt.

Keine der Übersetzungen hat größere Übereinstimmungen mit der interlinearen Übersetzung, Spricht in Vers 26 die Verwendung „verhüllt“ - „enthüllt“ und „verborgen“ -„bekannt“ für die Einheitsübersetzung, folgen Elberfelder und Züricher Bibel der Zukunftsform des „werden wird“, welches in der interlinearen Übersetzung einen fortlaufenden Entstehungsprozess beschreibt. Die Verwendung von „verkündet“ in Vers 27 scheint für die Einheitsübersetzung zu sprechen, dagegen steht die Entscheidung für „Finsternis“ und „Licht“. Vers 28 baut auf eine „Partizip Personifizierung von können“20 und dem Verb „verderben“, welchem die Lutherübersetzung sich am stärksten annähert. Vers 29 benennt eine andere Münzeinheit und versetzt sich mit dem Vorgang des „verkauft Werdens“ in die Perspektive der Sperlinge, den zweiten Teil übersetzt die Elberfelder Bibel ähnlich. Im Vers 30 betont die Interlinearübersetzung durch „auch“ das Erfassen der ganzen Person, im folgenden Vers wird der von außen gegebene Wert bestätigt. Die Elberfelder Bibel folgt in Vers 31 und 32 dem Verständnis von einer Mehrzahl himmlischer Orte.

Welche Übersetzungsvariante erscheint als die bessere und warum?

Dem Kriterium der Nähe zum Originaltext, würde nur eine Zusammenfügung von Teilen aller Übersetzungen gerecht werden. Selbst dem Luthertext könnte man einen Fehler in Vers 29 nicht anrechnen, da dieser aus einer anderen Perspektive beschreibt. Es steht die Perspektive des bestimmenden machtausübenden Käufers, den machterfahrenden Sperrlingen gegenüber. Die Einheitsübersetzung müsste wegen der Einfügung „Willen des Vaters“ in Vers 29 ausgeschlossen werden.

Nach dem Kriterium der Verständlichkeit überwiegt die Elberfelder Übersetzung. Ein mangelndes Verständnis von Verhüllung, die Unbestimmtheit der Geldeinheit und die stärkere Kommunikation mit dem Lesenden durch „Erkennen“ (Vers 26), sowie die indirekte Aufforderung den inneren Wert (Vers 31) zu erkunden, führten zu dieser Einschätzung. Im weiteren Verlauf der Exegese ist die Elberfelder Übersetzung21 die Arbeitsgrundlage.

1.3 Textkritik

Die Elberfelder Übersetzung verweist darauf, dass das Verb „flüstern“ aus Vers 27, das Wort „auch“ in Vers 28 Hinzufügungen der Übersetzer sind. Als Einfügungen definiert die Interlinearübersetzung den bestimmten Artikel vor Hölle in Vers 28 und das Wort „doch“ im zweiten Teil des 29. Verses. Die Interlineare Bibelversion erweitert die Übersetzung durch eingefügte Erklärungen zum besseren Verstehen in Vers 27 „(=im Flüsterton)“ zu „Und was in das Ohr ihr hört“, im zweiten Teils von Vers 29 „(=wird keiner)“, ergänzend zu „ein einziger […] nicht“ und in Vers 30 „(=Bei euch)“, in welchem der griechische Text eine Übersetzung „Von euch“ verlangt.21 Unter den Kriterien der kürzeren und schwierigeren Lesart, sind die Hinzufügungen außer Acht zu lassen, die Erklärungen sind nützlich, müssen aber als neben dem Text stehend betrachtet werden.

Grammatikalische Erläuterungen22 der Elberfelder Bibel, zum Verständnis des Griechischen, weisen den Wörtern erweiternd unterschiedlich vertiefende Bedeutung zu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin wird in den Elberfelder Anhängen des Textes die Münze mit „ein Assarion“ näher definiert. Den Übersetzungen ist auch entgegen zu halten, dass der Text in seiner ursprünglichen Abfassung „ohne Worttrennung, Akzente und Interpunktion fortlaufend […] [nieder]geschrieben“23 wurde.

1.4 Narrative Analyse

1.4.1 Inhalt der Erzählung - synchrone Betrachtungsweise

Eine Gleichzeitigkeit und Einheit von Text und Leser hat eine Fügung des Lesers zum Text zur Folge, dafür muss noch vorweggesagt werden, dass alle in der Perikope genannten Ereignisse in der von Matthäus zusammengestellten Rede Jesu stattfinden, somit auch in einer Zeit und einem Rahmen.24 Dennoch muss gefordert sein, diese im Verstehen des Erzählten in den dargestellten Ereignissen aufzugliedern. Die gesamte Rede versteht sich als Ausspruch Jesu an die Jünger.25

Bei der Betrachtung der Personen, muss vorweg bedacht werden, dass zwar andere Personen auftreten, aber diese als fiktiv oder von Jesus in die Rede versetzt zu bewerten sind, woraus sich ergibt, dass jede Person den von Matthäus gedachten Blick Jesu auf diese darstellt, somit ihr Sein davon abhängt, wie sich Jesus selbst zu ihnen verhält.

Die Beziehungsebene kann in einer monologischen Rede, in der weitere Personen genannt werden, nur zwischen dem Redenden Jesus und der Vorstellung, Fantasie dieses Redenden Jesus liegen. Jesus selbst als Lehrer der Jünger zu bezeichnen wäre mangelhaft, die vielen unerklärten Wörter sprechen dagegen, dass dieser Jesus alles dafür gab Verstehen zu wirken. Weiter steht die Darstellung des Matthäus, in der die Lehre bzw. Rede einem Monolog gleicht. Dem entgegen ist die Rede in ihrer Geschlossenheit als Dialog an die Jünger zu verstehen, eine Reaktion oder Antwort bleibt aber verschwiegen. Eine weitere Beziehungsebene, somit doch ein Ausbruch aus purer Mitteilung, erzeugt Jesus durch die Inszenierung der Zuhörenden selbst, was sich faktisch einem Erwartungsbild, einer Reflektion oder Handlungsvorschrift annähert. Ein offensichtliches Verhalten der Jünger zu dieser Projektion, auch auf die Aufforderung im Licht von den Dächern zu reden, will Matthäus im weiteren Verlauf seines Evangeliums nicht benennen, entweder würde dies dafür sprechen, dass es Matthäus, oder Jesus gleichgültig sei, es gar andere Jünger als die Berufenen sind, oder, dass das Verhalten der Jünger der Projektion gleichsprechend sei und die Rede im Sinne einer prophetischen Proklamation geschehe, dementsprechend Jesus prophetisch spricht.

Interaktionsanalyse innerhalb der Aussendungsrede Jesu, mit Jünger als Adressaten.25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtung der erzählten Ereignisse:

Ereignisblöcke26 lassen sich jeweils nur in den Versen 27 und 28, welche die Interaktion Jesu mit der Jüngerschaft deutlich macht und den Bezug zur Umwelt herstellt; in den Versen 32 bis 34, in denen sich auf die Bedingungen und Konsequenzen für Jesu Handeln auf das Bekenntnis bezieht; und 29 bis 32 bildend den Vergleich mit den Sperrlingen, benennen.

Der redende Jesus baut mit allgemein scheinenden Ereignissen einen Rahmen, die eher als unterschiedliche Ebenen, als direkte Zusammenhänge zu betrachten sind.

Als Grundlage seiner Rede gilt die in Vers 26[b] genannte Weltsicht, in der alle Wirklichkeiten in der Einen Wirklichkeit münden werden. In diesem sich selbst linear offenbarenden Weltgeschehen, stellt sich Jesus selbst mit seiner Rede hinein und deutet diese zukünftige Sicht auf seine Worte und deren Fortbestand, der Weiterverkündigung durch die Jünger. Veranschaulichend stellt er (Vers 27) das Geschehen von Licht und Tag hinzu, seine geflüsterten Worte (in der Finsternis verhüllt), sollen eine energischere Stimme und einen Ort (durch die Jünger im Licht) bekommen, somit ist das Reden der Jünger von ihm „im Licht“ angesiedelt und stellt seine Worte als Verbindung in Gegensätzlichen Umständen dar.

Dem Wort „Und“ in Vers 28 ist nicht eine Verbindung zum vorherigen inne, sondern es dient vielmehr einer Auflistung, somit als Einleitung für ein, für sich selbststehendes Ereignis, dazu werden von Jesus zwei Mächte, die nur in ihrem Handeln definiert sind, miteinander verglichen, indem Jesus die von ihm erwünschte Haltung der Jünger heraufbeschwört. Mit diesem Ereignis wird eine Entscheidung für Etwas, Nähe zu Diesem, durch die größere zerstörerische Macht dessen auf den zu Entscheidenden, praktisch schon vorweggenommen. Da diese Ereignisse weder durch benannte Subjekte, sondern nur in die von Jesus definierten Wirkungen auf die Jünger zu unterscheiden sind, sowie auch in keinen Anderen Rahmen wie Zeit oder Ort, oder Handlung der Jünger eingebettet wurden, kann dies Ereignis als von Jesus aufgestellte Gesetzmäßigkeit gesehen werden, womit dieses sich vom restlichen Text abhebt. Als weitere Allgemeingültige Aussagen kann Vers 29 bis 32, als in sich Geschlossener Vergleich; auch das proklamierte Verhalten Jesu in Vers 32 für sich; sowie der Existenzort des Vaters angesehen werden.

Weil sich der Großteil der Redeteile in allgemeingültigen, über der Zeit der Rede schwebenden Aussagen voneinander unterscheiden, kann eine linear zeitliche Priorität schwer angegeben werden, selbst der Einbezug der Jünger durch das viermalige, appellierende „euch“ erhält durch den suggestiven Inhalt keinen Gegenwartsbezug zur Zeit der Rede. Eine Interaktion des Redenden mit den Hörenden, geschieht allein in der Imagination des Hörenden.

Betrachtung der erzählten Personen:

Die von Matthäus dargestellten Personen, wirken in der Rede Jesus alle in der Zusammenstellung Jesu. Doch Zuerst ihr Auftreten, Zusammengehören und Trennen voneinander lassen uns durch Matthäus einen Blick auf die gedankliche Vorstellungswelt Jesu gewähren.

Die Selbstinszenierung des Jesus,27 als Jemand der die Zustände definiert, spricht aus der ganzen Rede und wird in der besonderen Atmosphäre des Verses 26 und 27 hörbar.

Das Einverleiben der Zuhörer in die Rede, veranschaulichen die Verse 28 bis 31, die durchweg vergleichenden Charakter haben, unterstützt von einer dargestellten Bedrohung durch zwei unterschiedliche Figuren, die sich nur durch ihre unterschiedliche Heftigkeit der möglichen Handlung gegen die Jünger beschreiben.

Mit „Jeder nun“ in Vers 32 löst sich die Anrede, indem es auch eine Allgemeinheit über die Rede hinaus vermuten lässt, losgelöst vom Hörenden und doch fokussiert bleibend beim Einzelnen. Es ergibt sich ein an die Allgemeinheit gerichtetes Programm der verkündenden Person, (schließt man Vers 33 mit ein) läutend „Wie du mir, so ich dir.“, wobei dieser Ausspruch sich als mangelhaft erweist, da das Programm, bezieht man sich auf die letzen Verse, kein rückwirkendes Moment aufweist, sondern eher einer Kette gleicht, in der der Redende die gleiche Haltung die er selbst erfahren hat einnimmt, aber gegenüber einer anderen Instanz. Weiterhin wirkt dies eher als drohende Suggestion, da der Verkündende eine Allgegenwart in Bezug der Sendung und der Rede über sich selbst hinaus aufbaut, damit erzwingt sich der Redende Kooperation oder eine Einschwörung auf seine Person, doch funktioniert dies nur, durch die Figur „Des Vaters im Himmel“, als letztendliches Gegenüber Jesu. Eine Wirkkraft der letzten beiden Verse auf die Zuhörer, hängt also von der Vorstellungskraft und der Frage in welcher Beziehung diese sich zur dargestellten Figur verhalten ab. Diese Wirkung des Vaters baut Jesus auf, indem er selbst sich als diesem untergeordnet darstellt und ihn in den Himmeln verortet. Durch sein Hinzutreten in die Himmel wird aufgrund der Kettenwirkung nicht nur der Bekenner bzw. Leugner in Kontakt bzw. Nichtkontakt durch Jesus mit dessen vorgestelltem Vater in Relation genommen, sondern auch im Irdischen mit dem Himmlischen verknüpft bzw. nicht verknüpft. Dieser Beziehungsaufbau Jesu zu seinen Hörer, steht und fällt mit der Überzeugungskraft der Figur des Vaters, der selbst von Jesus durch keine Handlung beschrieben wird, sondern nur als in den Himmeln anwesend benannt ist.29

1.4.2 Erzählweise - diachrone Betrachtungsweise

Der Blick des Lesers auf die Erzählung, hat dessen Distanzierung zur Folge, gibt dem Text aber somit auch eine allgemeinere Bedeutungsebene.

Verhältnis von Erzähler und Erzähltem: Matthäus lässt Jesus sprechen. Der redende Jesus stellt sich, sein Handeln und die Beziehung der Hörenden und ihr Handeln in den Mittelpunkt der Rede. Jesus steht aber auch außerhalb der Rede, er scheint mehr zu wissen und deutet dieses teilweise an, so in der Weltsicht in Vers 26, dessen prophetische Schau, der Zustandsbeschreibung der Jünger, und auch eine Allwissenheit in Bezug des Bekennens und Leugnens betrifft.

Raum: Zum einen ist der Raum der Interaktion von Jesus mit seinen Jüngern durch die Rede, dieser Raum wird nicht beschrieben, auch eine vorhergehende Ortsangabe ist nicht gegeben. Zum Anderen die Räume der Vorstellungswelt, Fiktion, Prophezeiung oder Offenbarung, auf Seiten des Redenden, wie auf der Seite der Hörenden. Dementsprechend leitet der Redende die Hörer gedanklich durch die Einnahme unterschiedlicher Perspektiven. Was entsteht durch die Einsetzung des Raumes in der Perspektive der Jünger?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten30 31 31 32

Zeit: In einer Rede deckt sich Erzählzeit mit der erzählten Zeit, die Worte Jesu sprechen so, wie diese gelesen werden, der Leser findet sich kongruent mit der Rede. Dagegen spricht die Vermutung einer ursprünglichen Rede, welche durch ein Zusammenfügen von Einzelteilen durch Matthäus gerafft und die ursprüngliche Rede Jesu als eine Zusammenfassung gelesen wird. Ein Erzähltempo Jesu zu erkennen, welches sich auch vom Lesen entfremdet ist schwierig anzugeben, dennoch fällt auf, dass die Rede durch ihre inhaltliche Divergenz Pausen verlangt. Im Folgeschluss bleibt dennoch die Erzählte Zeit gleich zur Erzählzeit. Auch wenn es unterschiedlich zusammengefügte Redeteile sind, würde sich an dem nichts ändern, der Leser liest eine Zusammenfassung des Matthäus.

In der näheren Betrachtung sind die erzählten Ereignisse und Personen inhaltlich als in sich selbst existierende zeitliche Phänomene erzählt, als genannte gesetzmäßige Wirklichkeiten, der Rede umschließende oder ihrer Erzählung außenstehende Phänomene. Vor Allem Vers 26 würde sich von einem linear zeitlichen Verständnis von Vergangenheit und Zukunft unterscheiden, weil aufeinanderfolgende Ereignisse im Verständnis des Verses sich nicht ablösen oder gar auflösen, sondern beständige Wirkung zeigen. Alle zeitliche Linearität mündet in diesem Vers in dem Moment der Ewigkeit, welches sich in der Zeit des erzählenden Jesus durch sein Benennen, mit der Gegenwart verbindet. Es ist der zeitlose Moment der Ewigkeit, in der es keine unterscheidenden Zeiten mehr gibt, sondern alles gleichzeitig Offenbar scheint. So ist es weder Erzählzeit noch erzählte Zeit, sondern das Ganze aller Zeit, die hier selbst Zeugnis von sich gibt und spricht, in der Zukünftiges „nicht[…] verborgen“ und „[E]rkannt[es]“ zugleich in einem Satz auf selbiger Ebene stehen. Da die Aussage des Verses 26 „denn es ist nichts verdeckt“, alle Zeit einbezieht, beschreibt es das Unverfügbare dieser Zeit, diese wirkt unabhängig.

Der Vergleich in Vers 28 weist visionär auf die Zukunft, ist ein Aufblitzen im Nennen, ein Bleiben in der Möglichkeit und existent in dem handelnden Unbekannten; der Vergleich mit den Sperrlingen hebt sich diesem durch bekanntere Variable ab.

Am besten versteht sich die Divergenz der Zeitebenen der Ereignisse des Textes an der Zeit des Vaters in den Himmeln, welches ein anderes Zeitverständnis entsprechend seiner Umgebung verlangt. In welcher Zeit Hölle und Himmel existieren und wie deren Zeiten aufeinander zu beziehen sind, wird nicht ausgelegt, jedenfalls müssen auch diese sich dem Verständnis der Ewigkeit unterordnen. Die Hölle hat Gegenwartsbezug. Der Himmel entzieht sich der Zeit und dem Zugang, dennoch tritt Jesus hinzu, und erschafft in seiner Person eine Brücke zwischen den Zeiten.

Vergleich mit Erzähltempus: Die Perikope ist im Tempus des Präsens durch die Wörtliche Rede. Der Vorschub in der Rede in Kapitel 10, 5 „Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach“ umrahmt das Erzählte durch den Präteritum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Verhältnis von Erzählzeit und erzählte Zeit des Gesamtevangeliums ist definitiv eine Zeitraffung, auch wenn Matthäus zum Großteil Reden verwendet, beginnt er in Kapitel 1 mit der Geburt. Dennoch setzt er sein Evangelium durch den Prolog beginnend mit „Buch des Ursprungs Jesu Christi“ in eine Zeit der Rückschau, woraus folglich ein Konflikt mit den dargestellten wörtlichen Reden entsteht. Als Verdeutlichung in Kapitel 9 Verse 35 bis 38 bricht die Einleitung zur Rede in Vers 37 deutlich mit dem Tempus der Vergangenheit, es erscheint eine Möglichkeit für den Leser der Zeit der Rede Jesu beizuwohnen, es geschieht ein hineingenommen werden des Lesers in die Zeit des redenden Jesu.

Phraseologie: Der Sprechakt geht von einem Redenden aus, welcher stark belehrenden, handlungsauffordernden und appellartigen Charakter hat, teilweise sich auf eine bestimmte Gruppe und teilweise an die Allgemeinheit richtet, bzw. dieses miteinander vermengt, beispielsweise „Jeder nun“ in Vers 32.

Die Rede ist durch die Selbstdarstellung und Inszenierung von Gefährdungsmotiven, sowie in ihrer Polarität Entscheidungsführend, hat also eine ganz bestimmte Wirkungsabsicht innewohnend. Durch religiöse und weltanschauliche Inhalte könnte die Rede auch als Verkündigung bzw. Predigt näher definiert werden.

Stilmittel:

Der gesamte Text ist in Variationen durchweg vergleichend und gegenüberstellend;

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Negierungen sind vermehrt, als Zustandsbeschreibung und Nivellierung der Vers 26, Vers 28 als Unfähigkeit, Vers 29 in der Funktion einer rhetorischen Frage im ersten Teil und als Maß im zweiten Teil, Beschwichtigung in Vers 31;

Antithesencharakter des Verses 26, sich auflösende Gegensätze,

„vierfacher Gegensatz [Verse 26 und 27]: verhüllt/offenbar, verborgen/bekannt, Finsternis/Licht, ins Ohr/auf den Dächern“33 ;

Wiederholungen: „fürchtet euch nicht“ Verse 28 und 30;

Einschub: der gesamte Vers 30;

„Bildwörter“: „Gottes Sorge um die Spatzen und die Haare des Hauptes“34 ;

Steigerungen bzw. Wortverstärkungen: redet-rufen, töten-verderben;

Chiasmus „Leib/Seele, Seele/Leib“35

„Antithetischer Parallelismus im Schema Bekennen - Verleugnen“36, in Vers V.32 und 33:

Jeder nun, der /Wer mich vor Menschen zu mir bekennen/ Verleugnen wird

X

zu dem/ den werde ich mich bekennen/verleugnen vor meinem Vater

„Doppelter Antithetischer Paralellismus“37

Optisch: Finsternis - Licht

Akustisch: in den Ohren - auf den Dächern38

Höhepunkt je nach Gewichtung, dem Spannungsabbruch in Vers 31, folgt Spannungsaufbau und gehaltene Spannung mit „offenen Ende“ der letzten beiden Verse.

Handlungsstränge aktiv auftretender Figuren gibt es nicht, sondern nur im Sinne ihrer Projektion, entsprechend der Vergleiche.

Aufgrund der Entscheidung aus 1.1 wird eine ringförmige Anordnung und Einteilung nach der Dreiheit des „Fürchtet euch nicht!“ der Verse 26-31 ausgeschlossen, da ansonsten 26[a] mit einbezogen werden muss.39

Dennoch soll das ringförmige Verständnis aufgezeigt sein: Vers 32f als formal und inhaltlich selbstständig zu sehen, fließt in den fortlaufenden Gedankengang mit ein. Wäre man für die Beachtung der ringförmigen Struktur, so ist Vers 28 „antithetisches Doppellogion“ die Mitte, somit der Fokus, von dem sich die Perikope her erschließt und begründet (Den, der eigentlich gefürchtet werden soll), „umgeben von den beiden Logien V26b-27b und V29f und den Rahmensätzen V26a und V31.“ Vers 28 bis 31 wird in seiner Struktur und Form auch als Einheit betrachtet. „V29b bildet […] eine Brücke zum Schlußlogion V32f.“.40

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Ideologie: Verkündigung des Jesus, offensive Wertung durch Aufzeigen der sich gegenüberstehenden Konsequenzen des von Jesus erwünschten, gegen das von ihm nicht erwünschte Verhalten, dementsprechend keine neutrale oder Wertfreie Entscheidungsführung, sondern bewusste Einseitigkeit, die sich durch die ganze Rede zieht.

Dabei setzt Jesus nicht nur auf die Autorität seiner eigenen Persönlichkeit, bis hin zum geforderten Lebenseinsatz auf seinen Namen, sondern auch auf die Beziehung zu seinen Jüngern, die an deren Haltung und Bekenntnis zu ihm gebunden wird (Vers 32), zusätzlich setzt er weitere Figuren ein, die als jederzeit Mögliches bedrohliches Motiv den Jüngern deutlich sein soll. Eine Machtausübung auf die Zuhörer ist am deutlichsten in Vers 28 durch das Wechselspiel von Zuspruch und Angstprojektion, wobei der leibliche Tod gegenüber einem Verderben von Seele und Leib in der Hölle nach Jesu Ansicht klar unterliegt. Die Rede dient im Sinne einer Einschwörung auf den Redenden für beidseitige Vergewisserung und Zusage, sowie einer Entschiedenheit in Bezug des Zukünftigen.

1.5 Analyse der Textsemantik

Schritt 1: Bedeutungsverwandte Wortgruppen von einer Überschrift beschrieben

In der Bedeutung für sich stehend: sein, werden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schritt 2: Gegensätzliche Wortpaare

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Luther 1984.

2 Eine kritische Reflektion des Begriffes, der „ganz Andere“ bei Barth (1956), 9.

1 Theißen (2010), 70.

2 Verse 36-38 bilden den inhaltlichen Übergang mit der Begründung zur Berufung und Aussendung.

3 Vgl. Kümmel (1989), 75, Kapitel 28 auf einem Berg in Galiläa wird nicht gesondert betrachtet.

4 Angelehnt an den Begriff „Wandercharismatiker“, Theißen (2004), 55ff.

5 Vgl. Theißen (2010), 69 und siehe Ohler, (2009), 179.

6 Pokorný und Heckel (2007), 434 ff..

7 Vgl. Broer, (2010), Übersicht 109.

8 Auch im Folgenden: Die Bibel (1984).

9 Auch im Folgenden: Die Bibel 1980).

10 Auch im Folgenden: Die Bibel (2010).

11 Auch im Folgenden: Die Bibel (2007).

12 Auch im Folgenden siehe Anhang 1, Anhang 2, Anhang 3.

13 Angelehnt an „Zwiefalt der Grundworte“ aus Buber (1993), 3.

14 Auch im Folgenden versteht sich gegen nicht im Sinne eines dualistischen, unvereinbaren wider.

15 Vgl. Kap. 4,17; 4,23; 6,10; 6,33; 9,35; 10,35; 13,19; 13,38; 24,14; 26,13; 28,16-20.

16 Vgl. Duden (2013), Suchbegriff Spatz.

17 Vgl. Bibel Lexikon Haag(1969),1953, wobei die von Nestle-Aland übersetzte Münzeinheit „As“ eine römische ist.

18 Siehe 10, 32 f. Lutherbibel: „vor meinem himmlischen Vater.“ Im Vgl. Elberfelder: „vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.“

19 Auch im Folgenden: Interlinearübersetzung, Dietzfelbinger (2014), Matthäus 10, 26 -33, siehe Anhang 5.

20 Das griechische Partizip überhaupt in deutsche Sprachform zu fügen ist nicht möglich, siehe Vorbemerkung der Interlinearübersetzung und Anhang 5, gleich verhält es sich mit „Tötenden“ V.28.

21 Siehe Anhang 4.

22 Siehe Die Bibel Elberfelder, lexikalischer Sprachschlüssel (2010), 1849-1854.

23 Sand,(1991),93.

24 Siehe Weiteres dazu in 1.4.2.

25 Nähere Einteilung dazu auf der nächsten Seite.

25 Elberfelder Bibel, entsprechend der Angabe aus 10,1 die zwölf Jünger.

26 Siehe Anhang 6.

27 Vgl. Seite 11.

28 Siehe Anhang 6.

29 Vorausgesetzt man unterscheidet diesen von dem Vater der Jünger in Vers 29. Ob es eine Verknüpfung mit der Vaterfigur aus Vers 28 erlaubt, ist an der Vorstellung und dem Verständnis der Jünger gebunden, somit auch in Hand der Hörer ob es eine Verbindung oder einen Unterschied zwischen ihrer Vaterfigur und der Vaterfigur Jesu gibt.

30 Siehe die Bibel (2013), Elberfelder. Lexikalischer Sprachschlüssel zum NT, entsprechend der einzelnen Wörter.

31 Siehe Bieritz (1986), 28 ff.

32 Vgl. Born(1969), 1099f. in Haag Bibellexikon.

33 Gnilka (1986),383.

34 Wiefel (1998), 199.

35 Gnilka (1986),384.

36 Wiefel (1998), 199.

37 Wiefel (1998), 200.

38 Siehe Wiefel (1998), 200.

39 Entgegen Luz (1990), 122.

40 Siehe und Vgl. Luz, (1990), 122.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Die Exegese Matthäus 10, 26[b] - 33. Analyse und historisch-kritische Textrekonstruktion
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
83
Katalognummer
V341176
ISBN (eBook)
9783668307575
ISBN (Buch)
9783668307582
Dateigröße
1981 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, matthäus, analyse, textrekonstruktion
Arbeit zitieren
Marcel Gundermann (Autor), 2014, Die Exegese Matthäus 10, 26[b] - 33. Analyse und historisch-kritische Textrekonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341176

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