Hemingways Short Story "The Short Happy Life of Francis Macomber" und Pionteks Kurzgeschichte "Rote Pfeile". Ein Vergleich


Hausarbeit, 2008

15 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Ernest Hemingway
1.1 „lost generation“
1.2 Werk

2. Situation der westdeutschen Literatur nach 1945

3. Heinz Piontek

4. Vergleichende Textuntersuchung

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ernest Hemingway - ein Mann, der durch seine unerschöpfliche Schaffenskraft die literarische Welt ins Staunen versetzte. Ein Schriftsteller, der die moderne Weltliteratur wie kaum ein Anderer mitgeprägt hat. Durch seine zahlreichen Werke, in denen er eigenes Erleben sowie Ereignisse seiner Zeit verarbeitete, erlangte er weltweiten Ruhm. Neben seiner Tätigkeit als Literat, stand Hemingway aber auch immer wieder wegen seinem „abenteuerlichen Leben“[1] im Fokus der Öffentlichkeit. Er liebte die männliche Pose und trug damit viel zur Verfestigung des Mythos um ihn bei.

Auch heute noch, fast 50 Jahre nach seinem Tod, rechnet man Hemingway zu den populärsten Autoren der amerikanischen Moderne, an deren Rang kein Zweifel besteht. „Sein Leben ist bis ins Detail dokumentiert, der Kanon seiner Werke fest etabliert und Gegenstand einer kaum noch zu übersehenden Zahl von literaturwissenschaftlichen Abhandlungen.“[2]

Ziel dieser Arbeit ist es, sich intensiv mit dem Thema: „Ernest Hemingway“ auseinanderzusetzen. Zu Beginn wird auf das Leben und Werk dieses bedeutenden Autors eingegangen. Neben der „lost generation“[3] soll hier auch Hemingways „Eisberg“-Theorie thematisiert werden. Daran anschließend soll ein Überblick über die Situation der westdeutschen Literatur nach 1945 gegeben werden. Als Vertreter eben jener Epoche soll dann der Schriftsteller Heinz Piontek kurz vorgestellt werden. Dies dient zur Vorbereitung der vergleichenden Textuntersuchung, deren Textbasis einerseits die Short Story 'The Short Happy Life of Francis Macomber' von Hemingway und andererseits die Kurzgeschichte 'Rote Pfeile' von Piontek bilden. Die Fragestellung in der vorliegenden Analyse ist darauf gerichtet, ob sich innerhalb des gewählten Untersuchungsmaterials eine Beeinflussung oder gar Übereinstimmung formaler Art feststellen lässt. Am Ende wird eine Schlussfolgerung zu der vorgestellten Thematik gezogen.

1.Ernest Hemingway

Ernest Miller Hemingway, amerikanischer Schriftsteller und Journalist, wurde am 21. Juli 1899 in Oak Park nahe Chicago geboren. Schon in frühen Jahren erhielt Hemingway durch die Mitarbeit an einer Schülerzeitung erste Einblicke in den Journalismus, die ihn in seinem Berufswunsch als Publizist bestärkten. Als Achtzehnjähriger begann er seine Laufbahn als Reporter bei 'Kansas City Star'. Nach dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg brach Hemingway die Ausbildung ab und ging als Sanitäter des Roten Kreuzes an die italienische Front. Nach wenigen Monaten wurde er allerdings verwundet, wechselte deshalb zur Infanterie und kehrte 1918 schließlich in seine Heimat zurück, wo er einen Job als Redakteur annahm.[4]

Nach dem Krieg berichtete Hemingway zunächst aus Europa für den 'Toronto Star' und andere Zeitungen. Später, in den zwanziger Jahren, ließ er sich in Paris nieder, wo er im Salon von Gertrude Stein zu der Schriftstellergruppe amerikanischer Emigranten um Ezra Pound und Francis Scott Fitzgerald stieß. Von diesen zum Schreiben ermutigt, avancierte Hemingway mit dem Erzählband 'In Our Time' schnell zum zentralen Vertreter der „lost generation“, die die enttäuschenden Erfahrungen des Krieges und das sinnentleerte Lebensgefühl ihrer Generation thematisierten. Dem Roman 'The Sun also Rises', der im Jahre 1926 veröffentlicht wurde, steht eben dieses Schlagwort Gertrude Steins von der „lost generation“ als Motto voran. 1927 erschien die Sammlung 'Men Without Women', in die „die grandios komponierte und atmosphärische dichte Short Story 'The Killers'“[5] Eingang fand. Nach 1927 folgten dann längere Aufenthalte in Florida, Afrika und in Spanien, wohin Hemingway während des Spanischen Bürgerkrieges als Kriegsberichterstatter zurückkehrte. Von seinem politischen Engagement gegen das Franco-Regime zeugen zahlreiche Reportagen sowie das Drama 'The Fifth Column', das in die englische Ausgabe 'The Fifth Column and The First Forty-nine Stories' aufgenommen wurde. Der Band enthält auch die Meistererzählungen 'The Short Happy Life of Francis Macomber' über das krisenhafte Abhängigkeitsverhältnis eines amerikanischen Ehepaares und 'The Snows of Kilimanjaro' über die Erkenntnis eines Schriftstellers, sein Leben versäumt zu haben.[6]

Nach dem Sieg der spanischen Faschisten verließ Hemingway 1939 Europa und ging nach Kuba. Dort beendete er den in Spanien begonnen Roman 'For Whom the Bell Tolls'. In diesem Werk um Liebe und Tod vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkrieges betonte er nicht mehr in erster Linie die Interessen des Individuums, sondern stellte dessen Verantwortung für die Allgemeinheit in den Mittelpunkt. Hiermit gelang ihm eine eindrucksvolle Parabel auf menschliche Unterdrückung im Faschismus.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Hemingway wieder als Reporter unterwegs war, ging er nach Kuba zurück. Dort schrieb er neben dem Kurzroman 'Across The River and into the Sea', sein Meisterwerk 'The Old Man and The Sea'. Dieser Roman, der zweifellos der europäischen Zeitstimmung entsprach, wurde in der Begründung für den Literaturnobelpreis 1954 besonders herangezogen.[8]

Am Ende seines Lebens wurde der Schriftsteller vom Verfall seiner körperlichen Kräfte aufgezehrt. 1960 erschien mit dem Gedichtband 'Collected Poems' sein letztes zu Lebzeiten herausgegebenes Buch. Er erschoss sich am 2. Juli 1961 in Ketchum.[9]

1.1 „lost generation“

Die in Paris ansässige amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein prägte den Begriff der „lost generation“ für eine Gruppe junger aus Amerika stammender Autoren, die sich – desillusioniert vom Erlebnis des 1. Weltkrieges – nach Kriegsende in Frankreich niederließen. Zu den Vertretern dieser Gruppe zählten unter anderem Sherwood Anderson, Francis Scott Fitzgerald, Ezra Pound und Ernest Hemingway. Diesen Literaten war eine kulturkritische Grundhaltung gemein, die sich zunächst gegen die behauptete Banalität der amerikanischen Gesellschaft im Allgemeinen und der amerikanischen Literatur im Besonderen richtete. In ihren Werken thematisieren die Autoren deshalb überwiegend die Auflösung des bürgerlichen Weltbildes und der Verlust des Fortschrittsglaubens. Besonders Hemingways Werke wurden dabei „als beredeter Ausdruck eines neuen Zeitgefühls verstanden“[10].

Wesentlichen Einfluss auf die Schriftsteller der „lost generation“ hatte Getrude Stein, die diese nicht nur förderte, sondern ihnen auch ein Vorbild in Stilfragen war. Mit ihrem zum Teil sprachlich experimentellen Werken durchbrach sie literarische Traditionen, so auch in den Erzählungen des Bandes 'Three Lives'.[11]

1.2 Werk

In seinen Werken thematisierte Hemingway die Gefühle und Ängste der „lost generation“ und verarbeitete Themen wie Tapferkeit, Treue, Krieg und Männlichkeit oder das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Seine Schreibweise, die von einem klaren Ausdruck und einer schlichten Wortwahl gekennzeichnet ist, ist unverwechselbar. Mit seinem knappen und präzisen Stil verweist Hemingway immer wieder auf eine „unterhalb der Oberfläche der Fabel verborgene – existentielle – Erzählkomponente“[12], die es in der Lektüre zu entschlüsseln gilt. Folgender Ausspruch Hemingways verdeutlicht in diesem Zusammenhang das Charakteristikum seiner Prosa: „Die Würde, die in der Bewegung eines Eisberges liegt, beruht darauf, daß nur ein Achtel von ihm über dem Wasser ist.“[13] In der Tat sind Hemingways Romane und besonders seine Kurzgeschichten „trügerisch“. Mancher Kritiker hielt sich nur an das, was an der Oberfläche sichtbar war und gelangte so zu falschen Schlüssen, sowohl was den Autor als auch seine Prosa betraf. Hemingway selbst bezeichnete es stets als sein wichtigstes Anliegen, die Dinge, über die er schrieb zu durchdringen. Er wollte zum Kern einer Sache und damit zur Wahrheit vorstoßen.[14]

2. Situation der westdeutschen Literatur nach 1945

Der Gegensatz zwischen den Exilautoren und den Inneren Emigranten bestimmte vor allem das erste Jahrzehnt nach dem Kriege. Im Verlauf der Jahre hatten die heimgekehrten Schriftsteller ganz andere Lebens- und Erfahrungswege in ihren jeweiligen Exilländern aufgebaut. Sie fühlten sich im zerstörten Deutschland nicht mehr zu Hause. Die Autoren der Inneren Emigration hatten dagegen zum Teil durch Anlehnung an die goethesche Klassik dem Nazismus widerstanden.[15]

Aus der mittleren Generation, die im Laufe der Hitlerzeit erwachsen worden war, kamen die stärksten Impulse für eine geistige und politische Erneuerung. Persönliche Schuldgefühle und die Auseinandersetzung mit der eigenen Verstrickung in das nationalsozialistische Deutschland bestimmten das Werk vieler Autoren. Hinzu kam eine starke Skepsis gegen die Restauration, die Wiederherstellung des kapitalistischen Staats- und Wirtschaftssystems in der neuen Bundesrepublik.[16]

Die Schriftsteller, die nach 1925 geboren wurden, hatten keine Wurzeln in der alten Kultur. In dem Gefühl, an einem „Nullpunkt“[17] angekommen zu sein, wandten sich viele von ihnen den Ideen der französischen Existentialisten Jean-Paul Sartre und Albert Camus zu. „Die Absurdität der Existenz, der Verlust aller alten Werte und die Suche nach neuen Orientierungen“[18] waren die Themen des Existentialismus, die im völlig zertrümmerten Deutschland viel Anklang fanden. In der Trümmerliteratur, die sich daraus ableitete, wurde der Wahnsinn des Krieges, die Problematik der Heimkehrer und des zerrütteten Familienlebens behandelt. Auch das existentielle Lebensgefühl wurde in zahlreichen Werken dieser Zeit thematisiert.[19]

[...]


[1] Baker, Carlos, Ernest Hemingway. Die Geschichte eines abenteuerlichen Lebens, München – Wien – Zürich 1971, S. 3.

[2] Nicolaisen, Peter, Ernest Hemingway: Studien zum Bild der erzählten Welt, in: Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik, Buchloh, Paul G. (Hrsg.), Neumünster 1979, S. 7.

[3] Ebd., S. 124.

[4] vgl. Rodenberg, Hans-Peter, Ernest Hemingway, Hamburg 1999, S. 9-32.

[5] http://www.cpw-online.de/lemmata/hemingway_ernest.htm, Stand: 18. September 2008

[6] vgl. Rodenberg, Hans-Peter, Ernest Hemingway, S. 33-89.

[7] vgl. Rodenberg, Hans-Peter, Ernest Hemingway, S. 90-100.

[8] Ebd., S. 101-139.

[9] Ebd., S. 140-147.

[10] Nicolaisen, Peter, Ernest Hemingway: Studien zum Bild der erzählten Welt, S. 125.

[11] vgl. Brinnin, John Malcom, Die dritte Rose. Gertrude Stein und ihre Welt, Stuttgart 1959, o. S.

[12] http://www.cpw-online.de/lemmata/hemingway_ernest.htm

[13] http://zitate.net/autoren/ernest%20hemingway/zitate_2.html, Stand: 18: September 2008

[14] vgl. Nicolaisen, Peter, Ernest Hemingway: Studien zum Bild der erzählten Welt, o. S.

[15] vgl. Balzer, Bernd, Nachkriegsliteratur, Gegenwart, in: Deutsche Literatur in Schlaglichtern, Balzer, B.; Mertens, V. (Hrsg.), , Mannheim – Wien – Zürich 1990, S. 431-433.

[16] Groenewold, Peter; Rours, Harry; Würzner Harry, Abenteuer: Literatur, Eine Geschichte der deutschen Literatur, Braunschweig 2005, S. 176.

[17] Balzer, Bernd, Nachkriegsliteratur, Gegenwart, S. 432.

[18] Groenewold, Peter; Rours, Harry; Würzner Harry, Abenteuer: Literatur, Eine Geschichte der deutschen Literatur, S. 176.

[19] vgl. Balzer, Bernd, Nachkriegsliteratur, Gegenwart, S. 432-436.

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Details

Titel
Hemingways Short Story "The Short Happy Life of Francis Macomber" und Pionteks Kurzgeschichte "Rote Pfeile". Ein Vergleich
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Die Kurzgeschichte
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V341187
ISBN (eBook)
9783668306868
ISBN (Buch)
9783668306875
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hemingways, short, story, happy, life, francis, macomber, pionteks, kurzgeschichte, rote, pfeile, vergleich
Arbeit zitieren
Anja Giffey (Autor), 2008, Hemingways Short Story "The Short Happy Life of Francis Macomber" und Pionteks Kurzgeschichte "Rote Pfeile". Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341187

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