In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich zunächst mit der Klärung der Begriffe, „Soziale Arbeit“, „Menschenrechte“, „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ und der „Ethik in der sozialen Arbeit“ befassen. In einem weiteren Schritt stelle ich anhand eines Fallbeispiels eine Situation dar, die zu einem Dilemma führte, da unterschiedliche ethisch-moralische Ebenen in der Praxis der sozialen Arbeit berührt wurden.
SozialarbeiterInnen sind in ihrer Praxis täglich mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Soziale Arbeit steht häufig im Spannungsfeld verschiedener Interessen. Einerseits geht es in der Sozialen Arbeit um die Wahrung und Vertretung der Interessen der KlientInnen und zum anderen um die Interessen der Gesellschaft bzw. des Staates.
SozialarbeiterInnen sind mit einem „doppelten Mandat“ ausgestattet, die Ansprüche der Gesellschaft des Staates auf der einen, stehen den Anliegen der KlientInnen auf der anderen Seite entgegen. Silvia Staub-Bernasconi geht noch weiter und spricht von einem Tripelmandat, das sich aus dem Ethikkodex ergibt, den sich die Profession unabhängig von externen Einflüssen gibt. Im Ethikkodex der SozialarbeiterInnen und in der internationalen Definition sozialer Arbeit sind Menschenrechte und Gerechtigkeit als ethische Leitlinien der Profession festgeschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1. Soziale Arbeit
2.2. Menschenrechte
2.3. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
2.4. Ethik und soziale Arbeit
3. Fallbeispiel
3.1. Beschreibung
3.2. Reflexion
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld ethischer Anforderungen in der Sozialen Arbeit, insbesondere im Kontext des Tripelmandats. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen persönlicher Moral und beruflicher Professionsethik anhand eines Fallbeispiels zu analysieren, um aufzuzeigen, wie Sozialarbeiterinnen professionelle Grenzen wahren und dabei Menschenrechte als zentrale Leitlinie integrieren können.
- Grundlagen der Sozialen Arbeit und ihre ethische Fundierung
- Das Konzept des Tripelmandats nach Staub-Bernasconi
- Menschenrechte als ethisches Bezugssystem der Profession
- Konfliktlinien zwischen persönlicher Lebenshaltung und professioneller Handlungsverpflichtung
- Reflexion ethischer Dilemmata in der Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1. Beschreibung
Im Zuge meines Praktikums am Sozialamt G. lernte ich eine sehr engagierte Sozialarbeiterin kennen, die bereits seit 10 Jahren als Sprengelsozialarbeiterin in sozial schwierigen Bezirken arbeitet. Als eines Tages eine junge Frau zu ihr in die Sprechstunde mit der Bitte um Finanzierung eines Schwangerschaftsabbruchs kam, stieß die Sozialarbeiterin, die selbst einen unerfüllten Kinderwunsch hegte, an ihre persönlichen Grenzen und übergab den Fall letztendlich an einen Kollegen.
Die rechtliche Grundlage in der Steiermark ist die, dass KlientInnen, die ein Einkommen unterhalb des Ausgleichszulagenrichtsatzes von 882€ beziehen, nach Vorlage einer Bestätigung über psychologische Beratung eine einmalige finanzielle Beihilfe für einen Schwangerschaftsabbruch erhalten können. Die Klientin hatte bereits eine zweijährige Tochter und war aufgrund verschiedener Schwierigkeiten bei der Erziehung und Pflege des Kindes in Kontakt mit dem Jugendamt. Ein zweites Kind könnte die Klientin laut eigenen Angaben und nach Rückfrage bei der zuständigen Sozialarbeiterin am Jugendamt nicht adäquat versorgen. Der Kindsvater war zudem nicht bekannt. Die Möglichkeit, das ungeborene Kind zur Adoption freizugeben, kam für die Klientin nicht in Frage.
Die zuständige Sprengelsozialarbeiterin wollte aus ihrer ethischen Überzeugung nicht an der Tötung eines ungeborenen Kindes mitschuldig werden. Sie sah sich außer Stande den Antrag auf einmalige, finanzielle Beihilfe entgegen zu nehmen und bat ihren Kollegen, meinen Praktikumsanleiter, den Fall zu übernehmen. Die Haltung der Kollegin löste im Team eine Diskussion darüber aus, inwiefern persönliche Moralvorstellungen in professionelle Entscheidungen miteinfließen dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen den Mandaten der Sozialen Arbeit und führt in die Bedeutung des Tripelmandats sowie der Menschenrechte als ethische Leitlinien ein.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie Soziale Arbeit, Menschenrechte und das spezifische Konzept der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession sowie das Verhältnis von Ethik zur Praxis.
3. Fallbeispiel: Der Autor schildert eine konkrete Situation eines ethischen Dilemmas bei der Finanzierung eines Schwangerschaftsabbruchs und reflektiert diese auf Basis professioneller Handlungsmaximen.
4. Resümee: Das Fazit fasst die Bedeutung professioneller Distanz zusammen und betont, dass die Anerkennung eigener persönlicher Grenzen ein wesentlicher Teil professioneller ethischer Arbeit ist.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Menschenrechte, Tripelmandat, Ethikkodex, Moral, Professionsethik, Schwangerschaftsabbruch, ethisches Dilemma, Sozialamt, Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Fallarbeit, Reflexion, emotionale Verstrickung, Supervision.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Ausrichtung der Sozialen Arbeit und der Frage, wie Fachkräfte mit Dilemmata umgehen können, wenn ihre persönliche Moral auf professionelle Anforderungen trifft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Definition der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession, die theoretische Fundierung durch das Tripelmandat und die praktische Auseinandersetzung mit ethischen Konflikten im Arbeitsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sozialarbeiterinnen durch die Orientierung an Menschenrechten und die Reflexion eigener Grenzen eine professionelle Haltung in schwierigen Situationen wahren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu ethischen Fachkonzepten, verknüpft mit einer reflektierenden Fallstudie aus der beruflichen Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Einordnung der Sozialen Arbeit in ethische Diskurse sowie die detaillierte Beschreibung und Reflexion eines konkreten Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Menschenrechte, Tripelmandat, ethisches Dilemma und professionelle Distanz charakterisiert.
Warum spielt das "Tripelmandat" eine entscheidende Rolle für die Autorin?
Das Tripelmandat bietet Sozialarbeiterinnen eine Legitimationsbasis, um unabhängig von gesellschaftlichem Druck und individuellen Interessensgruppen fundierte Entscheidungen zu treffen.
Wie bewertet die Autorin den Umgang mit persönlichen Werten in der Praxis?
Die Autorin plädiert dafür, die persönliche Alltagsmoral von der Professionsmoral zu trennen und betont, dass die Anerkennung eigener Grenzen ein Ausdruck von Professionalität ist.
- Citation du texte
- Beate Gratzer-Diplinger (Auteur), 2016, Ethisches Handeln auf Grundlage der Menschenrechte in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341196