In Deutschland erfreut sich eine neue Form des Studiums wachsender Beliebtheit: das duale Studium. Es gibt jedoch kaum Forschungen, die sich direkt mit der Gesundheit bzw. den Ressourcen und Belastungen von dual Studierenden beschäftigen. Daher hat die vorliegende Arbeit das Ziel einen ersten Zugang zu der Thematik zu schaffen. Dazu wurden vier problemzentrierte Interviews mit dual Studierenden geführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Studierenden durch die alternierenden Lernorte einer Vielzahl von Belastungen gegenüber stehen. Die Theoriephasen sind vor allem in den ersten vier Semestern von hohem Lernpensum und vollen Stundeplänen geprägt, die ein Risiko für Fehlbeanspruchung bedeuten. In den letzten zwei Semestern zeigt sich durch Wahlmöglichkeiten eine höhere Zufriedenheit der Studierenden. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass die Studierenden in den Praxisphasen durch die Unbekanntheit des dualen Studiums oft mit der Anerkennung von Kollegen kämpfen müssen. Außerdem kann durch die geringe Zeitspanne in denen sie sich in einer Abteilung befinden, selten eine Einarbeitung in dem Maße stattfinden, dass sie eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen können. Auch die Verzahnung der beiden Lernorte hat laut der Befragten noch Verbesserungspotential. Teilweise sind die Betreuungspersonen in den Betrieben schlecht über ihre Aufgaben und die Anforderungen an die Studierenden informiert. Zusätzliche Aufgaben, wie beispielsweise Fristen für Hausarbeiten und Praxisberichte während der Praxisphasen, erhöhen die Belastungen der Studierenden. Die zentralen Ressourcen sind laut der Ergebnisse zum einen soziale Unterstützung durch die Betreuung oder andere duale Studienabsolventen, zum anderen personale Ressourcen, wie eine hohe intrinsische Motivation und Vorbildung. Die Ressourcen und Belastungen im dualen Studium sind allerdings abhängig vom jeweiligen Studiengang, der Branche, dem Unternehmen und dem Studierenden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
II THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND
2 DAS DUALE STUDIUM
2.1 RAHMENBEDINGUNGEN IM DUALE STUDIUM
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Aussagekraft der vorliegenden Daten
2.1.3 Modelle dualer Studiengänge
2.1.4 Arbeitsrechtlicher Status
2.2 AKTEURE IM DUALEN STUDIUM
2.2.1 Die Hochschulen
2.2.2 Die Betriebe
2.2.3 Die dual Studierenden
2.3. STUDIENBEDINGUNGEN IN DEN BETRIEBEN
2.3.1. Zufriedenheit der Studierenden
2.3.2. Integration und Situation in den Belegschaften
2.4 FAZIT
3 DER ZUSAMMENHANG VON GESUNDHEIT, ARBEIT UND STUDIUM
3.1. ANFORDERUNGS-KONTROLL-MODELL
3.1.1. Gegenstand des Modells
3.2. MODELL DER BERUFLICHEN GRATIFIKATIONSKRISE
3.2.1. Gegenstand des Modells
3.2.2. Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit mit Gratifikation
3.3.PARALLELEN DER MODELLE
4 GESUNDHEIT VON STUDIERENDEN UND AUSZUBILDENDEN
III FORSCHUNGSMETHODISCHES VORGEHEN
5 FORSCHUNGSVORGEHEN UND DATENERHEBUNG
6 FELDZUGANG UND SAMPLING
7 AUFBEREITUNG UND AUSWERTUNG DER DATEN
7.1 TRANSKRIPTION
7.2 AUSWERTUNG
IV VORSTELLUNG UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE
8 KONTEXTUALISIERUNG- HOCHSCHULEN, BETRIEBE UND BEFRAGTE
8.1 Rahmenbedingungen der Hochschulen
8.1.1 Die Duale Hochschule Baden- Württemberg (DHBW) am Standort Heidenheim
8.1.2 Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern (FHVR AiV Hof)
8.2 DIE BEFRAGTEN
9 ERGEBNISSE
9.1. KONTROLLMÖGLICHKEITEN /TÄTIGKEITSSPIELRÄUME
9.2. ANFORDERUNGEN UND VERPFLICHTUNGEN
9.3. SOZIALE BEZIEHUNGEN
9.4. INDIVIDUELLE VORAUSSETZUNGEN
10 DISKUSSION DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
10.1 EINSCHRÄNKUNGEN UND REFLEXION DER UNTERSUCHUNG
10.2 ERGEBNISDISKUSSION AUF GRUNDLAGE DES JDC- UND ERI-MODELLS
10.3 EINSCHRÄNKUNGEN UND REFLEXION DER UNTERSUCHUNG
11 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen ersten Zugang zu der bisher kaum erforschten Thematik der Ressourcen und Belastungen dual Studierender zu schaffen und deren Einfluss auf die Gesundheit aus subjektiver Sicht zu untersuchen.
- Strukturelle Rahmenbedingungen und Akteure des dualen Studiums
- Zusammenhang zwischen Gesundheit, Arbeit und Studium
- Qualitative Analyse von Belastungen und Ressourcen durch Experteninterviews
- Anwendung theoretischer Modelle (JDC- und ERI-Modell) auf die Lebenswelt dual Studierender
- Perspektiven für die Gesundheitsförderung in Betrieb und Hochschule
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
In der Gesundheitswissenschaften wird davon ausgegangen, dass die Settings in denen sich Menschen bewegen einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit haben. Gerade in der Phase des Erwachsenwerdens, ist Arbeit und Beschäftigung nicht nur für die Gewährleistung des Lebensunterhalts wichtig, sondern auch für die Festigung der sozialen Identität und den Erwerb des sozialen Status. Wenn Jugendliche und junge Erwachsene die Hochschulreife erfolgreich erlangt haben, stehen sie vor der Frage, was sie mit ihrem weiteren Leben anfangen wollen. Oft stehen dafür zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Die berufliche Ausbildung oder ein akademisches Studium. In den letzten Jahrzehnten erfreut sich aber eine weitere Möglichkeit immer größerer Beliebtheit: das duale Studium. Die Gruppe der dualen Studenten stellt derzeit noch eine Sondergruppe dar, da sie während ihres Studiums an mindestens zwei Lernorten (Hochschule und Unternehmen) tätig sind. Somit also weder Vollzeit-Student noch Vollzeit-Auszubildender im Unternehmen sind. Relevant für die Gesundheitsförderung ist dies, da es über diese Gruppe bei der Gesundheitsberichterstattung keine gesonderten Daten gibt. Da jedoch bei den vorhandenen Daten über Studierende und Auszubildende eine zunehmende Belastung der jungen Erwachsenen zu beobachten ist, erhärtet sich der Verdacht, dass auch die dualen Studenten einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind.
Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit Belastungen und Ressourcen im dualen Studium. Die zentrale Fragestellung, welche Einflüsse das duale Studium auf die Gesundheit der Studierenden hat, soll mit der vorliegenden Studie untersucht werden. Für die Untersuchung wurde ein qualitativ empirisches Forschungsdesign gewählt, um explorativ Ergebnisse über die Belastungen und Ressourcen aus der subjektiven studentischen Sicht zu generieren. Dafür wurden vier leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit dualen Studenten aus verschiedenen Studienrichtungen geführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Gesundheit dual Studierender und Darlegung des qualitativen Forschungsdesigns.
2 DAS DUALE STUDIUM: Vorstellung der strukturellen Rahmenbedingungen, Akteure und betrieblichen Studienbedingungen des dualen Studiums.
3 DER ZUSAMMENHANG VON GESUNDHEIT, ARBEIT UND STUDIUM: Erläuterung der theoretischen Modelle (Anforderungs-Kontroll-Modell und Gratifikationskrisenmodell) zur Analyse von Gesundheit und Belastung.
4 GESUNDHEIT VON STUDIERENDEN UND AUSZUBILDENDEN: Darstellung des Forschungsstandes zur Gesundheit der verwandten Gruppen Studierende und Auszubildende.
5 FORSCHUNGSVORGEHEN UND DATENERHEBUNG: Beschreibung des qualitativen Forschungsdesigns und der methodischen Datenerhebung mittels problemzentrierter Interviews.
6 FELDZUGANG UND SAMPLING: Erläuterung der Auswahl der Interviewpartner und des Feldzugangs für die Untersuchung.
7 AUFBEREITUNG UND AUSWERTUNG DER DATEN: Beschreibung der Transkriptionsregeln und der theoriegeleiteten Auswertung des erhobenen Materials.
8 KONTEXTUALISIERUNG- HOCHSCHULEN, BETRIEBE UND BEFRAGTE: Kontextualisierung der Ergebnisse durch Vorstellung der Rahmenbedingungen der untersuchten Hochschulen und Befragten.
9 ERGEBNISSE: Detaillierte Ergebnisdarstellung zu Kontrollmöglichkeiten, Anforderungen, sozialen Beziehungen und individuellen Voraussetzungen.
10 DISKUSSION DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE UND SCHLUSSFOLGERUNGEN: Zusammenfassung und kritische Diskussion der Ergebnisse auf Grundlage der theoretischen Modelle.
11 AUSBLICK: Reflexion über die Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen für die Gesundheitsförderung an Hochschulen und in Betrieben.
Schlüsselwörter
Duales Studium, Gesundheitsförderung, Belastungen, Ressourcen, Anforderungs-Kontroll-Modell, Gratifikationskrise, Qualitative Forschung, Problemzentriertes Interview, Work-Life-Balance, Psychische Gesundheit, Soziale Unterstützung, Studienbedingungen, Praxiserfahrung, Fachkompetenz, Gesundheitsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesundheitlichen Belastungen und Ressourcen von Studierenden im dualen Ausbildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das duale Studium als spezifisches Bildungssetting, die wissenschaftliche Erfassung von Arbeitsanforderungen, sozialen Unterstützungsstrukturen und deren Einfluss auf die psychische Gesundheit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Einflüsse das duale Studium aus subjektiver Sicht der Studierenden auf deren Gesundheit hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem vier leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit dual Studierenden durchgeführt und theoriegeleitet ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu dualen Studiengängen und Gesundheitsmodellen, eine Zusammenfassung des Forschungsstandes, das methodische Vorgehen sowie die Vorstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Duales Studium", "Belastungs-Ressourcen-Verhältnis", "Anforderungs-Kontroll-Modell", "Gratifikationskrise" und "Gesundheitsförderung" definiert.
Wie wirken sich die alternierenden Lernorte auf das Stresserleben der Befragten aus?
Die Befragten erleben insbesondere durch die notwendige ständige Einarbeitung in wechselnde Abteilungen sowie die hohe Dichte an Lerninhalten in den Theoriephasen eine erhöhte Belastung, die das Risiko für Fehlbeanspruchungen birgt.
Welche Rolle spielt die soziale Anerkennung im Betrieb für die Studierenden?
Die soziale Anerkennung ist eine zentrale Ressource; mangelnde Wertschätzung durch Kollegen, die den Status als dual Studierender nicht verstehen oder als reine "Praktikanten" abwerten, führt hingegen zu emotionalen Belastungen.
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- Angela Hermann (Author), 2016, Gesundheit bei Studenten. Ressourcen und Belastungen im dualen Studium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341248