Die folgende Seminararbeit, die am Zentrum für Translationswissenschaft verfasst wurde, trägt den Titel „Die Weiße Rose: Sprache im Widerstand“.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind zahlreiche Werke erschienen, die sich mit der Widerstandsbewegung während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen. Zumeist handelt es sich bei diesen Werken um Biographien von einzelnen Widerstandskämpfern oder -gruppen und deren Mitgliedern. Die "Weiße Rose" zählt zu einer der bekanntesten dieser Vereinigungen, doch während es sehr viele Bücher und Arbeiten gibt, die sich auf die Geschwister Scholl konzentrieren, stehen die von ihnen verfassten Flugblätter im Hintergrund. Und das, obwohl diese Texte das eigentliche Widerstandsmedium der Gruppe waren.
In dieser Seminararbeit, die sich mit einem der Flugblätter beschäftigt, soll die folgende Frage möglichst ausführlich beantwortet werden:
„Wodurch zeichnet sich die Sprache im Widerstand aus und was macht den untersuchten Text zu einer spezifischen Reaktion auf den Nationalsozialismus?“
Um diese Frage beantworten zu können, wird der Diskurs zuerst in einen (diskursiven) Kontext eingebettet. Das heißt, dass auf die historischen Gegebenheiten zu dieser Zeit und auf den Nationalsozialismus und die "Weiße Rose" an sich eingegangen wird. Dies ist von großer Bedeutung für die Erklärung warum und auf welcher Grundlage das verwendete Flugblatt entstanden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Diskursanalyse
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Sprache im Nationalsozialismus
1.2.1 Sprache der Nationalsozialisten
1.2.2 Sprache der Widerstandsgruppen
1.3 Analysemethode nach Jäger (20095)
2. Diskurse über den Nationalsozialismus, die Weiße Rose und das diskursive Ereignis
2.1 Die Zeit des Nationalsozialismus
2.2 Arten des Widerstandes
2.3 Widerstandsgruppen
2.4 Die Weiße Rose
3. Diskursanalyse des Flugblattes unter Beachtung der Forschungsfrage
3.1 Institutioneller Rahmen
3.1.1 Allgemeines über die Textsorte
3.1.2 Über das ausgewählte Textfragment
3.2 Text-Oberfläche
3.2.1 Graphische Form und Wirkung
3.2.2 Inhalt
3.3 Rhetorische Mittel und wertende Aussagen
3.3.1 Lexik und Stilmittel
3.3.2 Rechtschreibung und Satzstellung
3.3.3 Intertextualität
3.4 Inhaltlich-ideologische Aussagen
3.5 Interpretation
4. Schlussfolgerung: Antwort auf die Forschungsfrage und Zusammenfassung
4.1 Resümee
5. Bibliographie
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
5.2.1 Selbstständige Werke
5.2.2 Internetquellen mit bekannter Autorin/bekanntem Autor
5.2.3 Sonstige Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das dritte Flugblatt der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ mittels einer kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger, um die spezifische Rolle der Sprache als Widerstandsinstrument gegen das nationalsozialistische Regime zu identifizieren.
- Grundlagen der Diskursanalyse und ihre methodische Anwendung
- Historischer Kontext und die Ideologie des Nationalsozialismus
- Die „Weiße Rose“ im diskursiven Umfeld des Widerstandes
- Analyse rhetorischer Strategien, Lexik und Intertextualität im untersuchten Flugblatt
- Bestimmung der appellativen Funktion und Wirksamkeit des Textes
Auszug aus dem Buch
3.1.2 ÜBER DAS AUSGEWÄHLTE TEXTFRAGMENT
Von den sechs Flugblättern, die die Widerstandsgruppe insgesamt verfasst hat, wurde das dritte für die Diskursanalyse ausgewählt. Die Gründe dafür sind die interessante Lexik, Stilmittel und andere textuelle Merkmale, die besonders auf eine Reaktion auf den Nationalsozialismus hinweisen.
Das in dieser Arbeit behandelte Diskursfragment wurde, wie schon in Kapitel 2.4 erwähnt, von Alexander Schmorell und Hans Scholl verfasst, auf die nun genauer eingegangen wird.
Alexander Schmorell wurde am 16. September 1917 in Orenburg in Russland geboren, verbrachte dort aber nur wenige Jahre. Nachdem seine Mutter gestorben war, zog sein Vater mit ihm im Jahr 1921 nach München, wo er das Abitur und den Arbeitsdienst ablegte. Für kurze Zeit war er Wehrdiener und leistete einen Eid auf Hitler, ließ sich kurze Zeit später aber aus dem Militär entlassen und begann ein Medizinstudium. Im Jahr 1941 traf er schließlich auf Hans Scholl und Willi Graf. Besonders Hans Scholl war für ihn eine Art Gleichgesinnter, und beide waren entschiedene Gegner des Nationalsozialismus. Schlussendlich beschlossen sie, sich mit Flugblättern gegen das Regime aufzulehnen. Hier ist zu erwähnen, dass zu dieser Zeit die Heimat Schmorells bereits Kriegsgegner Deutschlands war. Sein Patriotismus und die Liebe zu seiner Heimat waren mitunter ein Motiv für das Verfassen der Flugblätter. 1942 wurden Schmorell, Scholl und Graf in die Sowjetunion abkommandiert. Nach ihrer Rückkehr beschlossen sie, weitere Gegner des Nationalsozialismus zu finden, um Widerstand zu leisten. Dies war schlussendlich auch der Grund für seine Verurteilung zum Tode und die Hinrichtung durch ein Fallbeil am 13. Juli 1943 (vgl. Schulz 2005).
Der zweite Autor, Hans Scholl, wurde am 22. September 1918 in Ingersheim in Württemberg geboren. Interessant ist, dass Scholl ursprünglich ein Mitglied der Hitlerjugend (HJ) war, obwohl sein Vater dem Regime kritisch gegenüberstand. In dieser Gruppe war er später Fähnleinführer und betreute über 100 Knaben. Später studierte er ebenfalls Medizin in München und lernte so Schmorell kennen. Im Frühjahr 1942 erfuhr er von den Verbrechen der Nationalsozialisten gegen Polen und Juden, was ebenfalls einen Grund für die Erstellung des ersten Flugblattes darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Diskursanalyse: Vermittlung theoretischer Grundlagen der Diskursanalyse nach Jäger sowie Definition relevanter Fachbegriffe wie Diskursstrang und Diskursfragment.
2. Diskurse über den Nationalsozialismus, die Weiße Rose und das diskursive Ereignis: Einordnung der Widerstandsbewegung in den historischen Kontext und Vorstellung verschiedener Widerstandsgruppen, insbesondere der „Weißen Rose“.
3. Diskursanalyse des Flugblattes unter Beachtung der Forschungsfrage: Detaillierte Untersuchung des dritten Flugblattes hinsichtlich institutioneller Rahmenbedingungen, sprachlicher Oberflächenmerkmale, Rhetorik und inhaltlicher Ideologie.
4. Schlussfolgerung: Antwort auf die Forschungsfrage und Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage zur sprachlichen Charakteristik des Widerstands im untersuchten Text.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Absicherung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Weiße Rose, Nationalsozialismus, Diskursanalyse, Widerstand, Flugblätter, Propaganda, passive Sabotage, Sprachanalyse, Rhetorik, Hans Scholl, Alexander Schmorell, NS-Regime, politischer Widerstand, Sprachwissenschaft, kritische Diskursanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Rolle und die sprachlichen Mittel von Flugblättern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ im Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Diskursanalyse, die Rolle der Propaganda im NS-Staat sowie die spezifischen rhetorischen Widerstandsstrategien innerhalb der Flugblätter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich die Sprache des Widerstands auszeichnet und durch welche Mittel sie als spezifische Reaktion auf den Nationalsozialismus fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der „Kritischen Diskursanalyse“ nach Siegfried Jäger, wobei das dritte Flugblatt als zentrales Diskursfragment untersucht wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kontextualisierung des Nationalsozialismus, eine Vorstellung der Widerstandsgruppen und eine detaillierte linguistische Analyse des ausgewählten Flugblatts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Diskursanalyse, Weiße Rose, Widerstand, NS-Propaganda, passive Sabotage und rhetorische Mittel.
Warum wurde ausgerechnet das dritte Flugblatt für die Analyse gewählt?
Das dritte Flugblatt weist eine besonders interessante Lexik, prägnante rhetorische Stilmittel und eine klare appellative Struktur auf, die eine tiefgehende diskursanalytische Untersuchung ermöglicht.
Wie unterscheidet sich die Sprache der „Weißen Rose“ von der NS-Propaganda?
Während die NS-Sprache das Ziel hatte, das Volk zu verblenden und zu manipulieren, zielt die Sprache der „Weißen Rose“ auf Aufklärung, rationale Argumentation und die Aufforderung zum aktiven (passiven) Widerstand ab.
Welche Bedeutung spielt die Intertextualität in der Arbeit?
Die Arbeit weist auf Verweise zu klassischen Werken wie Ciceros „De legibus“ hin, was zeigt, dass sich die Widerstandsgruppe auf eine intellektuelle und ethische Tradition berief, um ihr Handeln zu legitimieren.
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- Helene Wagner (Author), 2014, Diskurse über den Nationalsozialismus. Die Sprache der "Weißen Rose" im Widerstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341571