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Personenfolgeneinschätzung und Technikfolgenabschätzung. Ein Vergleich

Titel: Personenfolgeneinschätzung und Technikfolgenabschätzung. Ein Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2016 , 26 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Oliver Ellermann (Autor:in)

Führung und Personal - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mehrere Bereiche des französischen Kernkraftwerks Fessenheim wurden am 9. April 2014 mit Wasser überflutet. Dies war die Folge einer unsachgemäßen Befüllung eines Wasserreservoirs, wodurch ein Strang des Reaktorschutzsystems von Block 1 beschädigt wurde. Das Reaktorschutzsystem wird zur Selbstabschaltung und zur Aktivierung anderer Sicherheitssysteme benötigt – ein zweiter, funktional gleicher Strang war weiterhin funktionsfähig.

Reparaturbedingt wurde die Anlage sofort heruntergefahren. Gemäß INES-Stufensystem, welches auf acht Stufen von 0 (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung) bis 7 (Katastrophaler Unfall) die meldepflichtigen Ereignisse klassifiziert, wurde das Ereignis von der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN als einfache.

Beinahe zwei Jahre später wurden die Ergebnisse der Recherchen des WDR und der Süddeutschen Zeitung zu diesem Vorfall bekannt gegeben. Demnach hat die ASN viele Faktoren der Störung verschwiegen (Süddeutsche, 2016). Die Schwere des Vorfalls wurde heruntergespielt: Da die Abschaltung mit Steuerstäben nicht funktionierte, musste eine Notabschaltung mittels Bor-Flutung (sogenannte Notborierung) vorgenommen werden, was störfallbedingt zum ersten Mal in Westeuropa durchgeführt wurde. Minutenlang sei auch die Temperatur des Reaktors unkontrolliert gestiegen (WDR, 2016). Eine konkrete Erwähnung des Vorfalls inklusive der Notborierung fehlt im vorgeschriebenen jährlichen Bericht der ASN (ASN II, 2014, S. 302).

Dieses Beispiel legt zwei nicht kontrollierbare Risikobereiche offen: Das Risiko einer nicht (mehr) beherrschten Technologie und das Risiko einer ihre Befugnisse überschreitenden Führungskraft bzw. einer bei der Ausübung ihrer originären Aufgabe versagenden Institution. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden zunächst zwei Lösungsansätze, welche den beiden Risiken entgegenwirken sollen, dargestellt: Es handelt sich um das Konzept der Technikfolgenabschätzung und das Konzept der Personenfolgeneinschätzung. Beide Konzepte werden im weiteren Verlauf mithilfe der Verantwortungsdimensionen nach Ropohl (1996) miteinander verglichen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegung

2.1 Orientierung

2.2 Technikfolgenabschätzung

2.3 Personenfolgeneinschätzung

3 Vergleich der PFE mit der TA anhand der Dimensionen der Verantwortung unter Zuhilfenahme des Störfalls Fessenheim

3.1 Vergleich der WER-Dimension

3.2 Vergleich der WAS-Dimension

3.3 Vergleich der WOFÜR-Dimension

3.4 Vergleich der WESWEGEN-Dimension

3.5 Vergleich der WOVOR-Dimension

3.6 Vergleich der WANN-Dimension

3.7. Vergleich der WIE-Dimension

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Konzepte der Technikfolgenabschätzung (TA) und der Personenfolgeneinschätzung (PFE) gegenüberzustellen und deren Eignung zur Analyse ethischer Verantwortung anhand eines konkreten Fallbeispiels – des Störfalls im Kernkraftwerk Fessenheim – zu vergleichen.

  • Vergleichende Analyse von TA und PFE als Lösungsansätze für Risikomanagement
  • Anwendung der Morphologischen Verantwortungsmatrix nach Ropohl
  • Untersuchung von Führungsverantwortung und individueller ethischer Zurechenbarkeit
  • Diskussion von Risikofaktoren und Wertesystemen im Management
  • Fallbeispielanalyse des Störfalls im Kernkraftwerk Fessenheim

Auszug aus dem Buch

3.2 Vergleich der WAS-Dimension

Die Handlung selbst als beabsichtigtes Ergebnis steht im Mittelpunkt der Was-Frage nach dem Objekt der Verantwortung. Für die TA sind hier neben der Handlung (z.B. Planung eines Kernkraftwerks) auch das Produkt (z.B. Kernkraftwerk) und die Unterlassung (Inbetriebnahme eines Kernkraftwerks ohne sachgemäßen Flutungsplan) von Bedeutung. Georg Picht weist insbesondere im Hinblick auf die Unterlassungen darauf hin, dass man auch das Geschehen verantworten muss, soweit es im Bereich möglicher Einflussnahmen liegt (Picht, 1969, S. 319 ff., zitiert nach Ropohl, 1996, S. 77). Dabei sollten Verantwortungen für Unterlassungen nur dann angenommen werden, wenn sich ein entsprechendes Handeln nach dem Urteil jedes unbefangenen Beobachters dem Verantwortungsträger förmlich hätte aufdrängen müssen. Brisanterweise hat alles Handeln auch Folgen, die nicht beabsichtigt wurden. „Dass man dafür einstehen muss, was man ausdrücklich gewollt hat, ist selbstverständlich; dass man auch für Folgen einstehen soll, die unbeabsichtigt außerdem aus dem Handeln erwachsen, gibt der Verantwortungsethik erst ihre Pointe (Ropohl, 1996, S. 78)“. Für die PFE sind die Ausprägungen beim Verantwortungsobjekt eindeutig zu bestimmen: So sind beim vorliegenden Beispiel das Produkt (z.B. Stromerzeugung), die Handlung (z.B. Befüllung eines Wasserreservoirs) und die Unterlassung (z.B. Vertuschung des Vorfalls) eindeutig erkennbar.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in den Störfall Fessenheim im Jahr 2014 und die Identifikation daraus resultierender Risikobereiche im Kontext der Technik- und Führungsverantwortung.

2 Grundlegung: Theoretische Herleitung der Begriffe Ethik, Technikfolgenabschätzung und Personenfolgeneinschätzung sowie Einordnung dieser Konzepte in die angewandte Ethik.

3 Vergleich der PFE mit der TA anhand der Dimensionen der Verantwortung unter Zuhilfenahme des Störfalls Fessenheim: Systematischer Vergleich der beiden Ansätze mittels der Morphologischen Verantwortungsmatrix, differenziert nach sieben Verantwortungsdimensionen.

4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, in der die PFE als wertvolle und eigenständige Ergänzung zur TA hervorgehoben wird, insbesondere zur individuellen Risikominimierung.

Schlüsselwörter

Technikfolgenabschätzung, Personenfolgeneinschätzung, Verantwortungsethik, Führungsverantwortung, Fessenheim, Wertemanagement, Risikomanagement, Ropohl, Nachhaltigkeit, Unternehmensführung, Ethik, Compliance, Handlungsverantwortung, Führungskräftegefährdung, Entscheidungsfindung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit vergleicht das etablierte Konzept der Technikfolgenabschätzung mit dem spezifischeren Ansatz der Personenfolgeneinschätzung, um deren Wirksamkeit bei der Analyse ethischer Verantwortung von Führungskräften zu prüfen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind angewandte Ethik, Führungsverantwortung, Risikomanagement in der Industrie sowie die methodische Strukturierung von Verantwortung durch Wertematrizen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Das Ziel ist der Vergleich der beiden Konzepte hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Verantwortungsdimensionen im Kontext eines technischen Störfalls wie in Fessenheim transparent und analytisch erfassbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Morphologische Verantwortungsmatrix nach Ropohl als theoretisches Grundgerüst, um beide Konzepte entlang der „7W-Fragen“ systematisch zu evaluieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt der detaillierte Vergleich von TA und PFE anhand der sieben Dimensionen (WER, WAS, WOFÜR, WESWEGEN, WOVOR, WANN, WIE) unter Verwendung des Störfalls Fessenheim als empirisches Beispiel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Technikfolgenabschätzung, Personenfolgeneinschätzung, Verantwortungsethik, Führungsverantwortung und Wertemanagement charakterisiert.

Warum wird der Störfall Fessenheim als Beispiel herangezogen?

Fessenheim dient als praktisches Fallbeispiel, da es sowohl technische Versäumnisse als auch menschliches Fehlverhalten bzw. Vertuschungsstrategien auf Führungsebene aufzeigt.

Was ist das Besondere an der Personenfolgeneinschätzung im Vergleich zur TA?

Die PFE fokussiert stärker auf das Individuum und dessen spezifische Risikofaktoren im Führungsalltag, während die TA primär auf institutionelle und technisch-gesellschaftliche Folgen gerichtet ist.

Welche Rolle spielen die "7W-Fragen" in dieser Analyse?

Sie dienen als strukturierendes Instrument, um Verantwortung nicht nur pauschal zu bewerten, sondern präzise in ihre funktionalen Bestandteile zu zerlegen.

Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor im Fazit?

Der Autor schließt daraus, dass die PFE eine essenzielle und eigenständige Ergänzung darstellt, die dort ansetzt, wo klassische Modellreihen der Technikfolgenabschätzung an ihre Grenzen stoßen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Personenfolgeneinschätzung und Technikfolgenabschätzung. Ein Vergleich
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Bildung und Kultur)
Veranstaltung
Führungsethik
Note
1,3
Autor
Oliver Ellermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V341579
ISBN (eBook)
9783668313651
ISBN (Buch)
9783668313668
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personenfolgeneinschätzung Technikfolgenabschätzung PFE TFA Knoepffler Albrecht Ropohl Dimensionen der Verantwortung Technikethik Führungsethik angewandte Ethik Führungskräftegefährdung Personenbezogenes Werteviereck
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Oliver Ellermann (Autor:in), 2016, Personenfolgeneinschätzung und Technikfolgenabschätzung. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341579
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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