Die Erfahrung zeigt, dass Belastungszustände aus dem beruflichen und privaten Bereich, Zeitdruck und Misserfolgsängste bei berufstätigen Fernstudenten eher die Regel sind. Um durch Coaching, Beratung oder Prävention helfen zu können, müssen wir die Hintergründe von diesen Fällen verstehen.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird daher zunächst die Selbststeuerung mit ihren Unterfunktionen, Selbstkontrolle und Selbstregulation, dargestellt. Hemmenden Einfluss auf diese Unterfunktionen haben die beiden Phänomene Belastung und Bedrohung, die in der Folge behandelt werden. Als Gegenmaßnahmen werden anschließend drei theoretische Modelle präsentiert: Die Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen, das Modell der Selbstentwicklung durch Krisen und das Modell der Immunität gegen Veränderung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegung
2.1 Selbststeuerung
2.2 Selbstregulation
2.3 Selbstkontrolle
3 Belastungs- und bedrohungsabhängige Hemmungen der Selbststeuerung
3.1 Verlust der Selbstkontrolle unter Belastung (Willenshemmung)
3.2 Verlust der Selbstregulation unter Bedrohung (Selbsthemmung)
4 Überwindung von Hemmungen
4.1 Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI-Theorie)
4.2 Das Modell der Selbstentwicklung durch Krisen
4.3 Das Modell der Immunität gegen Veränderung
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe von Leistungseinbrüchen bei berufstätigen Studierenden, insbesondere im Kontext von Überlastung und Krisen. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Selbststeuerungskompetenzen durch Belastung und Bedrohung gehemmt werden und welche theoretischen Modelle (PSI-Theorie, Krisenmodell, Immunität gegen Veränderung) dazu beitragen können, diese Blockaden zu überwinden und die Selbstentwicklung zu fördern.
- Grundlagen der Selbststeuerung, Selbstregulation und Selbstkontrolle
- Analyse von Belastungs- und Bedrohungssituationen als Hemmfaktoren
- Einsatz der PSI-Theorie zur funktionsanalytischen Erklärung von Blockaden
- Transformative Krisenbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung
- Identifikation und Überwindung von "Immunität gegen Veränderung" durch Big Assumptions
Auszug aus dem Buch
3.1 Verlust der Selbstkontrolle unter Belastung (Willenshemmung)
Der Einsatz hoher volitionaler Kompetenzen ist unter Stress nicht immer effizient. Lebensereignisse, die effizienzmindernd beim Einsatz von Selbstkontrolle wirken (s.o.), reduzieren den positiven Affekt und gelten als belastend. Der Verlust der Selbstkontrolle unter Belastung wird Willenshemmung genannt, welche das nicht mehr effiziente Umsetzen von Zielen verursacht (Baumann/Kuhl 2013, S. 267). Bei der Willensbahnung wird die gebildete Absicht in eine Handlung umgesetzt, wobei positiver Affekt unterstützend wirkt (Quirin/Kuhl/Lindemann 2016). Liegt positiver Affekt nur geringfügig vor, kann dies zur Willenshemmung führen. Lustlosigkeit, Initiativmangel, Nichtumsetzung von Absichten, Konzentrationsschwäche und Intrusionen sind Hinweise auf eine derartige Hemmung des Willens (Baumann/Kuhl 2013, S. 267). Intrusionen beschreiben dabei das Auftreten von Inhalten beim freien Reproduzieren, die nicht im ursprünglichen Lernstoff enthalten sind (Zimmer 2016).
Willenshemmung steht im Zusammenhang mit dem Konstrukt der prospektiven (d.h. belastungsbezogenen) Lageorientierung, welche als Persönlichkeitsdisposition im Gegensatz zur Handlungsorientierung steht (Baumann/Kuhl 2013, S. 267). Hohe Motivation und hinreichend hohe Fähigkeiten garantieren noch keine Zielerreichung: Lageorientierung beschreibt die Unfähigkeit eines Individuums, einen Entscheidungsprozess abzuschließen (Lageorientierung 2016). „Lageorientierte können sich in Belastungssituationen schlecht selbst motivieren und verharren in ihrer gegenwärtigen Lage (Baumann/Kuhl 2013, S. 267)“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt anhand eines Fallbeispiels in die Problematik von Fernstudenten ein, die aufgrund von Überlastung ihre Ziele aufgeben, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Grundlegung: Das Kapitel definiert Selbststeuerung als dynamische Kompetenz und differenziert zwischen den Komponenten Selbstregulation (zielkongruent) und Selbstkontrolle (zielorientiert).
3 Belastungs- und bedrohungsabhängige Hemmungen der Selbststeuerung: Es wird analysiert, wie Belastung (Senkung positiven Affekts) zu Willenshemmung und Bedrohung (Erhöhung negativen Affekts) zu Selbsthemmung führen kann.
4 Überwindung von Hemmungen: Dieses Kapitel stellt mit der PSI-Theorie, dem Modell der Selbstentwicklung durch Krisen und dem Modell der Immunität gegen Veränderung drei Ansätze vor, um Hemmungen zu überwinden.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit wendet die vorgestellten Modelle auf das Eingangsbeispiel an und betont die komplementäre Nutzbarkeit der Ansätze für Coaching-Prozesse.
Schlüsselwörter
Selbststeuerung, Selbstregulation, Selbstkontrolle, Willenshemmung, Selbsthemmung, PSI-Theorie, Krisenmodell, Immunität gegen Veränderung, Belastung, Bedrohung, Persönlichkeitsentwicklung, Coaching, Volition, Zielerreichung, psychische Blockaden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse von Hemmungen, die Menschen daran hindern, ihre selbstgesetzten Ziele zu erreichen, besonders wenn sie unter Belastungs- oder Bedrohungssituationen stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Selbststeuerungskompetenz, die Unterscheidung zwischen Belastungs- und Bedrohungssymptomatiken sowie Strategien zur Überwindung psychischer Blockaden mittels wissenschaftlicher Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hintergründe von Leistungs- und Handlungshemmungen bei berufstätigen Studierenden zu verstehen, um effektive Ansätze aus dem Bereich Coaching und Persönlichkeitsentwicklung ableiten zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung und Analyse anhand psychologischer Funktionsmodelle, insbesondere unter Rückgriff auf die PSI-Theorie, das Modell der Selbstentwicklung durch Krisen und das Immunity-to-Change-Modell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Komponenten der Selbststeuerung definiert, die spezifischen Hemmungsmechanismen (Willens- und Selbsthemmung) erläutert und drei Modelle präsentiert, die gezielt an der Überwindung dieser Hemmnisse ansetzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Schlüsselwörter sind Selbststeuerung, Selbstregulation, Selbstkontrolle, Willenshemmung, PSI-Theorie, Krisenbewältigung und Immunität gegen Veränderung.
Warum wird im Kontext der PSI-Theorie das Selbststeuerungsinventar (SSI) erwähnt?
Das SSI wird erwähnt, weil es eine messbare Identifikation von Stärken, Schwächen und konkreten Hemmungen einer Person ermöglicht, was für eine zielgerichtete Beratung notwendig ist.
Was bedeutet das "Dilemma, das mich hat" im ITC-Modell?
Dies bezieht sich auf eine tieferliegende Ebene der Immunität, bei der eine Person durch ihre eigenen verdeckten Grundannahmen gefangen ist, anstatt das Problem lediglich rational "zu haben" und lösen zu können.
Inwiefern kann das Krisenmodell bei der Analyse von S. helfen?
Das Modell hilft zu hinterfragen, ob das Scheitern lediglich ein isoliertes Ereignis ist oder ob tieferliegende, unbewältigte Krisen im Leben von S. die Ursache für seine mangelnde Handlungsfähigkeit darstellen.
- Citation du texte
- Oliver Ellermann (Auteur), 2016, Selbstkontrolle und Selbstregulation bei Bedrohung und Belastung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341581