Die römische Villa als Lebensform. Diskurse um Muße und Geisteskultur


Seminararbeit, 2016

11 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung zur Villenforschung und methodische Vorbemerkungen

2. Welche charakteristischen Grundzüge der Entwicklungen und Konnotationen/Diskurse/Bedeutungen um die römische Luxusvilla und Geisteskultur lassen sich für die republikanische Zeit herausarbeiten?
2.1 Die Villa als otium
2.2 Formen des otium - Die Villa als Bildungslandschaft (literarisch-philosophisches Otium)
2.2.1 Rückzug zur literarischen Tätigkeit/Kultiviertheit
2.2.2 Die Villa als Imitation griechischer Lebensweise und Kultur

3. Fazit und Schluss

Primärliteratur

Sekundärliteratur:

1. Einleitung zur Villenforschung und methodische Vorbemerkungen

„Der erste Römer, der nicht nur des Nutzens wegen sein Gut bewirtschaftete, sondern um seiner Persönlichkeit willen der Hauptstadt den Rücken kehrte, um auf dem Lande zu hausen, war, wie es scheint, der ältere Scipio Africanus“[1] Mit diesem Zitat als Einstieg führt uns der Literatur und Kulturwissenschaftler Otto Eduard Schmidt in einem Aufsatz aus Fridolin Reutis Sammelband zur Römischen Villa[2] nicht nur heran an den ersten Römer, der mit dem otium im Kontext der Villenkultur in Verbindung gebracht wird, sondern auch an einen entscheidende kulturgeschichtlichen Entwicklung in der Geschichte der Villa, die Umdeutung von der Villa als landwirtschaftliche Produktionsstätte zum Ort von otium /Muße und verfeinerter Lebensart.

Genau dieser diskurs/kulturgeschichtlichen Prozess, der wie angezeigt ungefähr ab dem zweiten Punischen Krieg einsetzte und in seiner Blütezeit die spätrepublikanische Zeit umfasste soll Thema dieser Arbeit sein. Die Arbeit will ihn, also die entstehende Verbindung von Villa und otium erklären und in einem zweiten Teil eine Form des otium, nämlich die Villa als Ort von Bildung und Geisteskultur genauer betrachten.

Überblickt man das „Die römische Villa“ an sich als Gesamterscheinung bietet eine Vielzahl an Ansatzmöglichkeiten für verschiedene Disziplinen und Fragestellungen, wobei immer noch Publikationen aus dem Bereich der Kunst- und Architekturgeschichte[3], die vor allem oft auf Fragen der Bau – und Stilgeschichte abzielen überwiegen. Im Sinne des methodischen Wandels der schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stattgefunden hat[4] soll daher die Arbeit auf der Basis von Harald Mielsch umfassender kulturgeschichtlicher Betrachtung der Villa als Lebensform[5] damit fortfahren, die römische Villa nicht nur als Bautypus, sondern auch als Ideologie und mit Diskursen und Konnotationen behaftete Lebensform zu betrachten.

Grunsätzlich existieren zwei Hauptquellengruppen für die Villenforschungen zu diesem Thema, die dinglichen, archäologischen und die literarischen, unter denen die Werke des Cicero und die Villenbriefe des Plinius (als noch in der Tradition des Cicero stehender), zu den beiden tragendsten Quellen gehören, die uns Vorstellungen von der Villa als Lebensform geben. Diese Arbeit und auch die ausgewählte Sekundärliteratur wird sich dabei vor allem, dem diskurs und kulturgeschcihtlichen Thema gemäß auf diese letztere Quellenart stützen.

Letztlich ist noch daraufhinzuweisen, dass eine Arbeit zum Diskurs über das otium und die römische Villa natürlich im folgenden Hauptteil nur ein Versuch wichtige Charakterzüge zusammenzufassen, da ein wesentliches Element der besprochenen Luxus- Villenkultur auch die Indivualisierung war, es existierten demnach Villen mit unterschiedlichen Besitzern, sowie unterschiedliche Diskurse und Geschmäcker mit unterschiedlichen Noten.

Die Arbeit hat einen chronologischen Rahmen ist aber systematisch konzepiert:

Von den verschiedenen Formen des Otium/ und Diskursen um die Villa, wie sie im betracheteten Zeitraum (ungefähr 2.Jh. v. Chr. bis einschließlich1. Jh. V. Chr.) sich entwickelten, will diese Arbeit sich der Frage nach den wichtigsten Charakterstika, den Bedeutungen und Herkunft der Verbindung Otiumvilla und Geisteskultur widmen.

2. Welche charakteristischen Grundzüge der Entwicklungen und Konnotationen/Diskurse/Bedeutungen um die römische Luxusvilla und Geisteskultur lassen sich für die republikanische Zeit herausarbeiten?

2.1 Die Villa als otium

Um die Entwicklung der „Ideologie der Villa“, der Villa als Lebensform nachgehen zu können, ist es wichtig zu verstehen, dass die Villa als eigenständiger Bautypus zunächst eine landwirtschaftliche Produktionsstätte war. (villa rustica). Sie erfüllte ökonomische und soziale Bedürfnisse, war also in erster Linie mit einem ökonomischen Nützlingsgedanken verbunden und enstand am Anfang des zweiten Jahrunderts vor Christus im Zusammenhang mit einer neuen Phase der italischen Landwirtschaft, in der statt kleinbäuerlicher Subsistenzwirtschaft nun marktorientierte Großgrundbesitzungen/mittelgroße Besitzungen intensiv bewirtschaftet wurden.[6] Wichtig ist dabei auch zu erwähnen, dass diese neue Form die Anwesenheit einer urban ausgerichteten sozialen Schicht auf dem Land erforderte, die nun ihr Geld aus dem politischen geschäft oder Handel gewinn- und marktoirentiert in den Boden investieren wollten.

Neben den archaöologischen Überresten können dabei auch eine Reihe von Schriften bzw. landwirtschaftliche Traktate über die res rustica , die uns von Cato dem Älteren, Varro, von Columella und Palladius überliefert sind, Zeugnis geben von der Entwicklung der villa rusitca und den sie unmkreisenden Diskursen und Lebensformen.[7] Beim Diskurs stand hier in jedem fall noch der Erwerb und die Führung eines Landguts stark im Vordergrund. (in seinem umfassenden handbuch mit dem Titel De agri cultura, erteilt der Staatsmann Cato den Landbesitzern, zu denen er selbst gehörte etwa nützliche Ratschläge für die gewinnbringende Führung eines mittlerer Größe – während das Thema der pars urbana, also des städtischen, dem Besitzer der Villa als Wohnbereich vorbehaltenen Beriech (für unser Thema interessant) von ihm wie auch von den anderen Autoren nur gestreift wird.[8] Er gibt also zu verstehen, dass er ungeachtet seiner Abneigung gegen Luxus schon hier dem Besitzer, der sich aus der Stadt hierher bemüht, eine gewisse Bequemlichkeit zugesteht. Hier lassen sich die Ansatzpunkte finden für die entstehung des Typus Villa in der Bedeutung, wie im Folgenden als Reisdenz der Oberschicht und Ort von Muße und Geistekultur sich ausprägte. Sie fand darin statt, dass man auf der Suche nach einem bestimmten etwas war, dass die pars urbana der villa rustica von den gewöhnlichen ländlichen Wohnstätten (den casae der Kolonen und Faktoreien), die rein utilaristischen Zwecken dienten.[9]

So kam im Folgenden eine Entwicklung in Gang bei der die Villen, ursprünglich dem Nützlichkeitsdenken und dem Unternehmerischen verpflichtet, auch zum Ort wurden, an dem ihre Besitzer von den Anstrengungen des öffentlichen Lebens, der „occupatio urbis ac vitae“ da.

Der entscheidende Schritt der Umdeutung der Villa hinsichtlich des Themas dieser Arbeit geschah letzlich insofern, als dass der Nützlichkeitsgedanke nun mit ideellen werten ergänzt wurde und ab dem 2. Jh. V. Chr. zu einem Ort von persönlicher Muße im weitesten Sinne wurde, was im Folgenden konkretisiert wird.

2.2 Formen des otium - Die Villa als Bildungslandschaft (literarisch-philosophisches Otium)

2.2.1 Rückzug zur literarischen Tätigkeit/Kultiviertheit

Eine der prägantesten Entwicklungen des Otiumdiskurses/ des Diskurses um die Villeggiatur ist die „bildungsmäßigen Überhöhung“ bzw. die Verbindung von Villa und Geisteskultur der ursprünglich ökonomisch- utilitaristisch geprägten Villa, wie sie spätestens ab dem 1. Jh v. Chr stattfindet.[10]

Ein otium im Sinne einer relaxatio animi, also einer Entspannung, reinen Vergnügung und Befreiung von Alltagsgedanken, als Kontrast zum Statdleben, unter die etwa Spiele, Spaziergänge und Jagd fallen, gab es bereits wohl auch schon vor dem 2. Jh. v. Chr.[11] Als diejenigen die aber als erste eine Verbindung, von literarischer/ geistiger Tätigkeit und Villa fanden, war der Scipionenkreis, um Scipio Africanus d. Jüngeren.[12] Mit ihm gewann die Villa damit die Bedeutung als Rückzug des Intellektuellen, zur geistigen, ertragbringenden Tätigkeit, das sich als Ideal für den Villenaufenthalt dann weiter ausbreitet. Ertragbringend- ist hierbei ein wichtiges Stichwort – denn wie zuvor ausgeführt war, das otium ursprünglich eigentlich nur erlaubt als Gegenpol zum negotium, und zusätzlich war das Ertragbringende ja auch ursprünglich das Grundwesen der Villa (rustica). Insofern ist es für die vorliegende Arbeit interessant, wie noch bei Plinius in seinen Briefen, das Bild von der (ökonomisch- landwirtschaftlich) ertragreichen Villa nun auf die geistig ertragreiche Villeggiatur übertragen wird:

[...]


[1] Schmidt, Otto Eduard: Ciceros Villen, in: Reutti, Fridolin (Hrsg.): Die römische Villa, Darmstadt 1990, 17.

[2] Reutti, Fridolin (Hrsg.): Die römische Villa, Darmstadt 1990, 17.

[3] Diesen beiden Disziplinen ist es auch zu verdanken die Villa ins wiss. Interesse gerückt zu haben

[4] vgl. hierzu die Einleitung zum Thema Villenforschung der Dissertation von Moehrke, Silke: Bauern, Hirten und Gelehrte. Die italienische Villenkultur und Entwürfe des ländlichen Lebens zwischen Ideal und Wirklichkeit, Gießen 2006.

[5] Mielsch, Harald: Die römische Villa, Architektur und Lebensform, München 19972

[6] Visentini, Margherita Azzi: Die italienische Villa. Bauten des 15. und 16. Jahrhunderts, (Kapitel über die antike römische Villa), S. 11.

[7]

[8] Vgl. Ebd.

[9] Vgl. Ebd.

[10] Vgl. Mielsch: Die römische Villa als Bildungslandschaft, in: Gymnasium 96, 1989, 448.

[11] Vgl. Vgl. Mielsch,: Die römische Villa, Architektur und Lebensform, München 19972, S.95.

[12] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die römische Villa als Lebensform. Diskurse um Muße und Geisteskultur
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Die römische Villa
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V341641
ISBN (eBook)
9783668313934
ISBN (Buch)
9783668313941
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
villa, lebensform, diskurse, muße, geisteskultur
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die römische Villa als Lebensform. Diskurse um Muße und Geisteskultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341641

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die römische Villa als Lebensform. Diskurse um Muße und Geisteskultur



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden