Die Geschichte der Führungsforschung und Führungslehre reicht weit in die Vergangenheit zurück. Seitdem Menschen in Gruppen zusammenleben, gibt es führende Personen und diese, die geführt werden. Diskutiert und kritisiert werden seit den 1950er Jahren auch die vielen verschiedenen Führungsstile. Es stellt sich die Frage welcher Stil für die Führung von Menschen am effizientesten bzw. der „richtige“ Stil sei.
Für ein Unternehmen ist von großer Bedeutung mit welchem Verhalten ihre Führungskräfte die Mitarbeiter zu bestmöglichen Leistungen beeinflussen bzw. motivieren können und somit die Unternehmensziele erreichen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass der Führungsstil einen großen Einfluss auf die Arbeit und das Wohlbefinden von Führenden und Mitarbeitern und somit auch auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens hat. Jedoch gibt es nicht den einen optimalen Führungsstil wie bereits einige Untersuchungen und Publikationen bewiesen haben. Jeder der Stile kann sowohl positive als auch negative Ergebnisse erzielen, abhängig von der Situation und der einzelnen Mitarbeiter. Die Führungsstile sollten situativ angepasst werden.
In der vorliegenden Arbeit werden nach einer Definition der Begriffe Führung und Führungsstil zum einen die klassischen Führungsstile und zum anderen der transaktionale und der transformale Führungsstil erläutert und miteinander verglichen. Mögliche Vor- und Nachteile sowie deren Einfluss auf die Mitarbeitermotivation, die Leistungsbereitschaft und den Führungserfolg werden aufgezeigt. Darüber hinaus sollen Ergebnisse aktueller Studien einen Einblick in den Forschungsstand liefern. Abschließend werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst und anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein abschließendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen Führung und Führungsstil
2.1 Führung
2.2 Führungsstil
3. Klassische Führungsstile
3.1 Autoritärer Führungsstil
3.2 Demokratischer Führungsstil
3.3 Laissez-faire Führungsstil
3.4 Das Führungsstilexperiment von Kurt Lewin
3.5 Vor- und Nachteile der klassischen Führungsstile
4. Transformationaler vs. Transaktionaler Führungsstil
4.1 Transaktionaler Führungsstil
4.2. Transformationaler Führungsstil
4.3 Ergebnisse aktueller Studien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die verschiedenen Führungsstile zu definieren, ihre Auswirkungen auf Mitarbeitermotivation, Leistungsbereitschaft und Führungserfolg zu untersuchen und die klassischen Ansätze den modernen transformationalen und transaktionalen Führungskonzepten gegenüberzustellen, um so ein aktuelles Verständnis für effektive Mitarbeiterführung zu schaffen.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Führung und Führungsstil
- Analyse der klassischen Führungsstile nach Kurt Lewin
- Vergleich zwischen transaktionaler und transformationaler Führung
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf den Führungserfolg
- Zusammenfassung aktueller empirischer Studienergebnisse
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Führungsstilexperiment von Kurt Lewin
Kurt Lewin (1890-1947) gilt mit seiner Studie an der Universität von Iowa 1939 als Begründer der experimentellen Führungsforschung. Mithilfe eines Feldexperiments untersuchte er die klassischen Führungsstile „autoritär“, „demokratisch“ und „laissez-faire“ und die entsprechenden Auswirkungen auf die Leistungen und Einstellungen (Emotionen) der Geführten (vgl. Wegge/ Rosenstiel 2014, S. 334 f.).
Im Rahmen eines Feldexperimentes wurden Untersuchungen mit Kindern im Alter von zehn Jahren durchgeführt. Über einen Zeitraum von 18 Wochen hinweg wurde der Führungsstil in verschiedenen Gruppen als „autoritär“, „demokratisch“ und „laissez-faire“ gesteuert. Beobachtet und dokumentiert wurden die Leistungen sowie die emotionalen Reaktionen (besonders aggressives Verhalten) der Kinder. Operationalisiert wurden „autoritär“ und „demokratisch“ hauptsächlich durch keine bzw. eine hohe Partizipationschance der Geführten. Bei dem Laissez-faire-Stil war eine Reaktion der Autoritätsperson nur zu erwarten, wenn sie von den Kindern gefordert wurde (vgl. Wegge/ Rosenstiel 2014, S.335).
Die Ergebnisse wiesen keine bedeutsamen Unterschiede auf zwischen dem demokratischen und dem autoritären Führungsstil bezogen auf die Leistungsebene. Die Zufriedenheit in dem demokratisch geführten Team war jedoch wesentlich besser als im autoritären. Bei der Gruppe der laizzes-faire Geführten wurden deutlich geringere Zufriedenheit und schlechtere Leistungen beobachtet. Interessant war ebenfalls zu beobachten was passierte, wenn die führende Person den Raum verließ: Bei der demokratisch geführten Gruppe kam es zu keinen relevanten Veränderungen, bei der autoritär geführten Gruppe hingegen sank die Leistung enorm ab. In der laissez-faire geführten Gruppe übernahm einer der Geführten nach Abwesenheit der eigentlichen Führungsperson das Kommando und bewirkte dadurch mehr Leistung bei den Gruppenmitgliedern (vgl. Rosenstiel 2004, S. 21 f.). Dieses Experiment regte viele weitere Untersuchungen zu diesem Thema an, deren Ergebnisse im Wesentlichen die von Lewin bestätigten. Neuberger (1972) fasste diese in untenstehender Tabelle zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Führungsforschung ein und benennt das Ziel der Arbeit, die verschiedenen Führungsstile und deren Wirksamkeit zu vergleichen.
2. Definitionen Führung und Führungsstil: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen, definiert die Begriffe Führung sowie Führungsstil und beleuchtet die Rolle der situativen Faktoren bei der Ausgestaltung von Führungsverhalten.
3. Klassische Führungsstile: Dieses Kapitel beschreibt die drei klassischen Führungsstile, analysiert das bekannte Experiment von Kurt Lewin und bewertet die Vor- und Nachteile dieser Ansätze.
4. Transformationaler vs. Transaktionaler Führungsstil: Dieses Kapitel stellt die beiden modernen Führungskonzepte dar, arbeitet ihre Unterschiede heraus und erläutert die Ergebnisse aktueller empirischer Studien zur Effektivität dieser Stile.
5. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer flexiblen, mitarbeiterorientierten Führung für den langfristigen Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Führung, Führungsstil, Autoritärer Führungsstil, Demokratischer Führungsstil, Laissez-faire Führungsstil, Kurt Lewin, Transaktionale Führung, Transformationale Führung, Mitarbeitermotivation, Führungserfolg, Management by Objectives, Führungskräfteentwicklung, Unternehmenskultur, Leistungsbereitschaft, Arbeitszufriedenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem Vergleich verschiedener Führungsstile, von den klassischen Modellen bis hin zu modernen transformationalen und transaktionalen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Führung, die Analyse der klassischen Stile nach Lewin, der Vergleich zwischen Tauschprinzipien und transformationaler Führung sowie deren Auswirkungen auf Leistung und Mitarbeiterzufriedenheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Führungsverhalten die Mitarbeiter motivieren und den wirtschaftlichen Erfolg beeinflussen, um daraus Empfehlungen für eine moderne Führungspraxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Studien, um die theoretischen Konzepte mit praktischen Forschungsergebnissen zu validieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Ansätze, die kritische Betrachtung der experimentellen Führungsforschung nach Kurt Lewin sowie die differenzierte Gegenüberstellung von transaktionaler und transformationaler Führung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Führung, Führungsstil, Transformationale Führung, Transaktionale Führung und Mitarbeiterorientierung charakterisiert.
Warum ist laut Autor der transformationale Führungsstil dem transaktionalen vorzuziehen?
Transformationale Führung geht über das reine Tauschprinzip hinaus, indem sie das individuelle Potenzial der Mitarbeiter fördert, Sinn stiftet und eine engere Bindung sowie höhere Motivation bewirkt.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Wirksamkeit von Führung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Führung nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern stark von den Erwartungen der Mitarbeiter, der Branche und den Werten der Unternehmenskultur beeinflusst wird, weshalb situatives Handeln essenziell ist.
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- Anonym (Author), 2015, Führungsstile im Vergleich. Auswirkungen der drei klassischen Führungsstile sowie der transaktionalen und transformationalen Führung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341805