Die Übersetzung von bereits etablierten Instrumenten für die Anwendung in einer neuen Sprache bzw. Kultur hat Tradition in der psychologischen Forschung. Diese hat erstens den Vorteil ökonomisch zu sein: sie nimmt viel weniger Zeit und Kosten in Anspruch als die Entwicklung eines neuen Instrumentes. Zweitens gibt es meistens eine Reihe von Studien mit deren Daten die neu erworbenen Daten verglichen werden können. Drittens vermittelt die Verwendung eines etablierten Instrumentes ein erhöhtes Sicherheitsgefühl. Viertens erlaubt die Übersetzung eines Tests den interkulturellen Vergleich, ein immer wichtiger werdender Forschungsbereich. Aber auch in Ländern mit großer Immigrationsrate besteht ein Bedarf nach angemessenen Instrumenten, mit deren Hilfe Personen unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergrundes in die Studien einbezogen werden können, bzw. mit denen die Merkmale dieser Personen erhoben werden können.
Der Fragebogen ISTA (Instrument zur stressbezogenen Tätigkeitsanalyse) dient der Abschätzung von Belastungsschwerpunkten bei beruflichen Tätigkeiten. Bis jetzt gab es oft große Schwierigkeiten, diese Belastungsschwerpunkte auch bei anderen, nicht deutschsprachigen (bzw. der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtigen) Beschäftigten mit Hilfe der deutschen Fragebogenversion zu erheben. Sehr oft waren die sprachlichen Schwierigkeiten so gravierend, daß diese Probanden aus der Untersuchung ausgeschlossen werden mußten.
Durch die Erweiterungen der Originalversion des Instrumentes in andere Sprachen erhofft man sich, diese Probleme zu eliminieren. Die vorliegende Arbeit repräsentiert eine Validierungsstudie der italienischen Version des Fragebogens ISTA, Version 6.0.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE
2.1 Das Meßinstrument ISTA
2.1.1 Ziele des Verfahrens
2.1.2 Anwendungsbereiche
2.1.3 Theoretische Fundierung
2.1.4 Aufbau des Verfahrens
2.1.4.1 Merkmalsbereiche
2.1.4.2 Skalen und Indizes
2.1.4.3 Art der Fragen
2.1.5 Kennwerte
2.2. Übersetzung von Fragebögen in der kulturvergleichenden Forschung
2.2.1 Richtlinien zur Übersetzung von Fragebögen
2.2.1.1 Kontextrichtlinien
2.2.1.2 Entwicklungsrichtlinien
2.2.1.3 Richtlinien der Testadministration
2.2.1.4 Richtlinien zur Dokumentation und Interpretation der Ergebnisse
2.2.2 Übersetzungsmethoden
2.2.2.1 Übersetzung/ Rückübersetzung (back-translation)
2.2.2.2 Committee Approach
2.2.2.3 Kombination von Techniken
A. Komitee plus Bilinguale
B. Back-translation plus Bilinguale
C. Back-translation, Pretest plus Monolinguale
2.2.3 Qualität und Äquivalenz der Übersetzungen
2.2.3.1 Äquivalenzkriterien
A. Linguistische Äquivalenz
B. Bedeutungsäquivalenz ( semantische Äquivalenz )
C. Psychologische Äquivalenz
D. Psychometrische Äquivalenz
2.2.4 Äquivalenzbestimmung
2.2.4.1 Urteilsmethoden
A. Bedeutungsvergleich im Rahmen der back-translation Methode
B. Bedeutungsvergleich im Rahmen des committee approach
C. Pretest-Techniken
2.2.4.2. Statistische Methoden
A. Datenerhebungsdesigns
B. Techniken der Datenauswertung
2.2.5. Probleme des Übersetzungsprozesses
2.2.5.1 Die Kompetenz des Übersetzers
2.2.5.2 Emische Konzepte
2.2.5.3 Sekundäre Bedeutungen
2.3 Die bilinguale Sprachleistung in der Psycholinguistik
2.3.1 Begriffserklärung
2.3.2 Die linguistische Leistung der Bilingualen
2.3.3 Frühe vs. späte Bilinguale
2.3.4 Der Age-at-arrival Effekt
2.3.5 Der Kontakt mit der Zweitsprache
2.4 Fragestellung und Hypothesen
2.4.1 Fragestellung
2.4.2 Hypothesen bezüglich der Äquivalenz der Versionen
3. UNTERSUCHUNG
3.1 Design
3.2 Qualitative Untersuchung
3.2.1 Übersetzung
3.2.2 Revision der Übersetzung
3.2.3 Rückübersetzung
3.2.4 Bedeutungsvergleich
3.2.5 Zweite Revision der Übersetzung
3.3 Quantitative Untersuchung
3.3.1 Stichprobe
3.3.2 Instrument
3.3.3 Datensammlung
3.3.4 Operationalisierung der Zusatzhypothesen
3.3.5 Statistische Auswertung der Erhebungsdaten
3.4 Ergebnisse
3.4.1 Ergebnisse des Bedeutungsvergleichs
3.4.2 Ergebnisse der statistischen Auswertung
3.4.2.1 Reihenfolgeeffekt der Testadministration
3.4.2.2 Trennschärfen
3.4.2.3 Skaleninterkorrelationen
3.4.2.4 Interne Konsistenz
3.4.2.5 Mittelwerte
3.4.2.6 Korrelationen
3.4.2.7 Moderatoreffekte
4. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Übersetzung des ISTA in die italienische Sprache und die anschließende Äquivalenzprüfung der italienischen Version. Die Arbeit dient als Validierungsschritt, um das Instrument für italienischsprachige Stichproben innerhalb und zwischen Kulturen verfügbar zu machen.
- Multimodale Validierungsmethodik (back-translation und bilingual testing)
- Anwendung der ITC-Richtlinien zur Testadaptation
- Analyse der psychologischen und psychometrischen Äquivalenz
- Untersuchung von Einflüssen durch sozio-demographische Variablen (z.B. age-at-arrival)
- Vergleich der Testversionen mittels statistischer Analysen
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Kontextrichtlinien
Kontextrichtlinien beschreiben die Grundprinzipien multilingualer Studien und definieren somit den allgemeinen Hintergrund (Van deVijver & Hambleton, 1996). Sie betreffen Themen der Konstruktäquivalenz in den interessierenden Sprachen (Hambleton, 1994).
K(1) Die für das Hauptziel der Untersuchung nicht relevanten Effekte kultureller Unterschiede sollten soweit wie möglich minimiert werden.
Diese Richtlinie betrifft laut Van deVijver (1997, S.42) alle Stadien einer multilingualen Studie, von der Formulierung des theoretischen Hintergrundes bis hin zu der Darstellung der Ergebnisse. Sie drückt ein Grundprinzip der kreuz-kulturellen Forschung aus: der weitestgehenden Vermeidung von Konstrukt-, Methoden- und Itembias. Ohne ausreichende Vorsichtsmaßnahmen können Unterschiede zwischen den Gruppen auf viele Arten interpretiert werden. So können Score-Unterschiede im "Raven's Progressive Matrices"-Test bei zwei sehr unterschiedlichen kulturellen Gruppen aufgrund valider Intelligenzunterschiede, aber auch aufgrund von Unterschieden in der Vertrautheit mit dem Instrument oder der Testsituation etc. entstehen. Ohne ausreichende Informationen können Alternativerklärungen nicht eliminiert werden (Van deVijver & Hambleton, 1996).
Hier geht es also um die Eliminierung von Verzerrungsquellen in allen Stadien der Untersuchung, z.B. von Unterschieden in der Motivation, der Familiarität mit der Testsituation, dem Testmaterial etc. Es soll sichergestellt werden, daß alle Teilnehmer mit den gleichen Annahmen und Erwartungen bezüglich der Erhebung den Test ausfüllen (Hambleton, 1994).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Übersetzung etablierter psychologischer Instrumente für den interkulturellen Vergleich und beschreibt das ISTA als Basis für die Validierungsstudie.
2. THEORIE: Hier werden das ISTA-Instrument, die Richtlinien zur Übersetzung kulturvergleichender Fragebögen sowie Aspekte der bilingualen Sprachleistung theoretisch fundiert.
3. UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign, die qualitative Übersetzungsarbeit, die quantitative Datenerhebung sowie die statistische Auswertung der Ergebnisse.
4. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: Das Kapitel fasst die Ergebnisse der Validierung zusammen und diskutiert die Anwendbarkeit der italienischen Version sowie notwendige Verbesserungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
ISTA, Arbeitsanalyse, Stress, Testadaptation, Kulturvergleich, Fragebogenübersetzung, Äquivalenz, Back-translation, Bilingualismus, Validierung, Psychometrie, Konstruktvalidität, Reliabilität, Item Bias, Stressoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Validierung der italienischen Übersetzung des "Instruments zur stressbezogenen Tätigkeitsanalyse" (ISTA) für den Einsatz in einem interkulturellen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind psychologische Arbeitsanalyse, die Übersetzungsmethodik bei psychologischen Tests sowie die empirische Überprüfung der Äquivalenz zwischen einer Quell- und einer Zielversion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines psychologisch und psychometrisch äquivalenten ISTA-Instruments für italienischsprachige Personen, um Belastungsfaktoren arbeitsübergreifend analysieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen multimodalen Ansatz, bestehend aus qualitativer back-translation zur Bedeutungsprüfung und quantitativen statistischen Methoden (bilingual testing) zur Ermittlung der psychometrischen Äquivalenz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des ISTA, die Richtlinien der ITC zur Testadaptation, das methodische Vorgehen bei der Übersetzung sowie die detaillierte statistische Analyse der Item- und Skalendaten dokumentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind ISTA, Stress, Testadaptation, Kulturvergleich, Äquivalenzbestimmung und Validierung.
Wie wurde die Qualität der Übersetzung sichergestellt?
Durch eine Kombination aus back-translation, der Revision durch einen monolingualen Kulturkenner sowie der statistischen Analyse der Daten von bilingualen Probanden.
Welche Herausforderungen traten bei der italienischen Fassung auf?
Herausforderungen ergaben sich aus semantischen Unterschieden, der kulturellen Konnotation bestimmter Begriffe (z. B. "Zeitdruck") und der akademischen Formulierung einiger Items, die für die Zielgruppe teils unfamiliär wirkten.
Welches Fazit zieht die Autorin?
Die italienische Version ist grundsätzlich für den Einsatz geeignet, wobei spezifische Items für zukünftige Studien aufgrund der ermittelten Trennschärfewerte überarbeitet werden sollten.
- Citation du texte
- Ingrid Hügel (Auteur), 1999, Kreuzkulturelle Studie psychologischer Arbeitsanalyseverfahren. Validierung des Fragebogens ISTA in Bezug auf die italienische Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341812