Einführung in die Familiensoziologie


Zusammenfassung, 2004

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Die Familie ist ein Teilsystem der Sozialstruktur. Diese ist ein sozialer Wirkungszusammenhang der Gesellschaft, der kontinuierlich ist sowie auf sozialen Zielen und Gebilden, wie Gruppen, Institutionen und Organisationen, beruht, welche von Wirkfaktoren beeinflusst werden, zum Beispiel berufliche Qualifikation. Sie ist durch rationale Kriterien, wie die Stadtverwaltung, organisiert. Die Menschen sind auf die Familie angewiesen, da diese exklusive Güter der Gesellschaft zur Verfügung stellt. Diese erhalten zum Beispiel sozial schwache Familienmitglieder, das heißt Menschen mit Behinderungen, Alte und Ältere, sowie Kinder. Sozial relevante Merkmale, die das soziale Handeln beeinflussen, sind beispielsweise Beruf, Qualifikation, Generationenzugehörigkeit und Geschlecht. Das soziale Handeln wird von Gruppen durchgeführt und unterliegt dem Einfluss der Positionen, etwa im Bildungssystem, und in Institutionen wie Betrieb und Familie. Die Sozialstruktur unterliegt einem Wandel aufgrund der sich ändernden Familienverhältnisse. So unterscheidet man zwischen der traditionellen und der modernen Sozialstruktur.

Die traditionelle Sozialstruktur wirkte etwa bis ins 18. Jahrhundert hinein. Sie bezog sich im weitesten Sinne auf die Familie, welche die erweiterte Familie und Nachbarschaft mit einschloss. Es wurden innerhalb des Familienhaushalts neben der Erziehung der Kinder zusätzliche Aktivitäten ausgeführt, die mit der Kindererziehung verbunden waren. So halfen die Kinder im Haushalt, auf dem Feld, bei kleineren Arbeiten, kümmerten sich um jüngere Geschwister etc., je nachdem, wo sie ihren Eltern zur Hand gehen konnten. Die Kinder hatten dadurch die Möglichkeit, Kompetenzen in verschiedenen Bereichen für ihr späteres Leben zu erwerben im und außerhalb des Haushalts, zum Beispiel in der Versorgung eines Kindes. Die Kindererziehung gilt in der traditionellen Sozialstruktur als ein „Nebenprodukt anderer Aktivitäten“ (Coleman 1995:336). Die traditionelle Sozialstruktur wurde umgeformt aufgrund der aufkommenden industriellen Revolution, wodurch sich die moderne Sozialstruktur herausbildete, die sich aus wirtschaftlichen Organisationen wie Gewerkschaften und Unternehmen u.ä. zusammensetzte (Coleman 1995:341). Es entstand die moderne Körperschaftsform, die natürliche Personen von sogenannten korporativen Akteuren abgrenzt. Korporative Akteure sind fiktive Gebilde und werden durch Ressourcenverlegung, zum Beispiel Geld und Wissen, konstituiert. Sie stellen Positionen zur Verfügung, die natürliche Personen einnehmen. Menschen verbinden sich mit korporativen Akteuren, um etwas zusammen auszuarbeiten und ein gemeinsames Produkt zu schaffen. Hierzu benötigt man einen Träger, zum Beispiel eine Firma, welche bspw. die Aufgabe der Ideenumsetzung übernimmt. Die Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist gemeinsames Interesse sowie das Erbringen von Leistung. Die Familie hebt sich von einer Körperschaft in dem Sinne ab, dass ihre Angehörigen (natürliche Personen) nicht über Leistungen und Interessen definiert werden, da sie als Vollpersonen so akzeptiert werden, wie sie sind. Innerhalb einer Familie wird keine Selektion vorgenommen. Korporative Akteure hingegen binden die Mitgliedschaft an Interesse und Leistung, indem die Personen mit schwächerem Interesse aussortiert werden. Durch die Entstehung der modernen Körperschaftsform ist die traditionelle Sozialstruktur zurückgedrängt worden. Die Menschen wurden aus der Vorstellung der „alten“ bzw. einzig bestehenden Sozialstruktur befreit und es war von nun an die Möglichkeit gegeben, sich weiteren Strukturen, d.h. außerhalb der Familie anzuschließen. Das Leben beschränkte sich von nun an nicht mehr auf das gemeinsame Leben und Arbeiten innerhalb der Familie, was die Möglichkeit für Jugendliche eröffnete, ihre Ausbildung nach der Schule haushaltsextern aufzunehmen. Somit veränderte sich im Lauf der Zeit auch der Bildungsanspruch. Jedoch hängt der Bildungserfolg der Kinder in Schule und Beruf mit der sozialen Lage der Familie zusammen, welche unter anderem von ihrem sozialen Umfeld abhängig ist. Die Bildungsreform der 70er Jahre verfolgte das Ziel der Veränderung der „intergenerationalen Vererbung“ (Mansel/Palentien 1998: 243) von Stauspositionen, wovon vor allem Arbeiterkinder einen Nutzen ziehen konnten, da ihnen von nun an der Zugang an weiterführende Schulen ermöglicht wurde, so dass sie ebenso wie Kinder aus Familien mit höherem Status die Chance hatten, einen qualifizierten Beruf zu erlernen. Allerdings wurden Gymnasien trotzdem weiterhin mehr von Beamtenkindern als von Arbeiterkindern besucht (Mansel/Palentien 1998: 236). Zu begründen ist dies durch den Einfluss der Familie auf die Kinder, da die soziale Lage den Bildungserfolg von Kindern beeinflusst. Die Eltern erziehen ihre Kinder je nachdem, welche Erziehung sie selber in ihrer eigenen Kindheit erfuhren. Beide Elternteile stammen meist aus einer Herkunftsfamilie mit ähnlichem Status und haben bezüglich ihrer Schullaufbahn und beruflichen Sozialisation vergleichbare Erfahrungen gemacht, die sie bei ihren Kindern ebenso umzusetzen versuchen (Mansel/Palentien 1998: 242). Die Schulbildung der Kinder steht in Abhängigkeit mit dem Bildungshintergrund der Eltern, sowie ihrer beruflichen Stellung, dem Wohnstatus und dem elterlichen Erziehungsverhalten (Mansel/Palentien 1998: 243). Restriktives Erziehungsverhalten zum Beispiel wirkt sich in den meisten Fällen negativ auf den Erfolg der Kinder in der Schule aus.

Die Bildungsexpansion der 1960er Jahre hat letztendlich nicht zu einer Verringerung des Einflusses der Herkunftsfamilie auf den Prozess des Bildungserwerbs der Kinder geführt, sondern zu einer Verstärkung, da Kinder von Beamten und Angestellten mehr davon profitierten als Arbeiterkinder und somit die „Chancenungleichheit im Zugang zu Bildung nach sozialer Herkunft zunimmt“ (Mayer/Blossfeld 1990: 310). Für Schüler aus der Arbeiterschicht wurde kein ausreichender Leistungsanreiz geboten. Zwar erhöhte sich die Möglichkeit der Partizipation an weiterführenden Schulen, aber Schulabschlüsse, ebenso wie Karriereperspektiven werden weiterhin durch die „Schicht- und Klassenzugehörigkeit der Herkunftsfamilie bestimmt“ (Mayer/Blossfeld 1990: 304). Die Chancenungleichheit ist gestiegen, Menschen werden weiterhin über ihren Status definiert, was das Pfadmodell von Mayer/Blossfeld aussagt. In dem Pfadmodell wurde ein Vergleich verschiedener Alterskohorten von Männern aufgestellt, die in unterschiedlichen Zeiträumen geboren wurden[1]. Es wurde untersucht, wie sich der Beruf des Vaters auf die Ausbildung und den Status des ersten und letzten Berufes des Sohnes ausgewirkt hat. Die Status-Attainment-Forschung besagt, dass familiale Interaktions- und Beziehungsmuster darüber bestimmen, wie ihre Kinder Kompetenzen erwerben. Diese sind abhängig vom ausgeübten Beruf der Eltern und dem vorherrschenden Status. Je nachdem, wie die Auseinandersetzung und die Mitgestaltung von Beziehungs- und Interaktionsstrukturen in Familien stattfindet, ergibt sich daraus die Kompetenz der Kinder. Voraussetzung für positive Ergebnisse und Erfolge in der Schule sind Kompetenzen im kognitiven, sprachlichen, sozialen Bereich, welche die Eltern ihren Kindern anhand von Interaktion vermitteln. Diese ist eine wichtige Voraussetzung, um einen Tauschprozess mit einer oder mehreren Personen einzugehen. Die elterliche Erziehung unterliegt einem Tauschprozess, welcher stets auf Gegenleistung beruht. „Auch innerhalb von Familien ist ein beträchtlicher Austausch von Ressourcen verschiedenster Art zu registrieren, wobei Eltern häufig die Ressource Geld an die Kinder transferieren und diese offensichtlich mit Liebe, Status oder Hilfe zurückzahlen.“(Hill/Kopp 2002: 107). Die Voraussetzung eines Austauschs innerhalb der Familie ist vorerst eine Familiengründung, der die Partnerschaftsfindung vorausgeht. Menschen suchen sich einen Partner, um mit ihm eine Tauschbeziehung einzugehen, welche auf Tausch von Gütern wie sozialer Anerkennung, Verständnis, Liebe, Freundschaft etc. (Hill/Kopp 2002:107) und Ressourcen wie Status, Liebe, Geld etc. (Hill/Kopp 2002:105) basiert. Der sozialen Austauschtheorie liegt eine Kernaussage, die individuelle Nutzenerzielung, zugrunde, welche mit der Verbesserung der individuellen Lage und Lebenssituation einhergeht. Ressourcen sind an Personen oder Situationen gebunden, wie zum Beispiel Liebe als Grundlage einer Partnerschaftsgründung. Ein Tauschverhältnis beruht immer auf Gegengaben. Nicht alle Ressourcen sind gleich gut miteinander tauschbar. Bei Ähnlichkeit oder geringer Distanz ist ein Tausch von Wahrscheinlichkeit, wie zum Beispiel Liebe gegen Status, auch Liebe gegen Liebe, wohingegen ein Tausch von Liebe gegen Geld kaum stattfindet (Hill/Kopp 2002:105). Voraussetzung für das Zustandekommen eines Tauschprozesses ist ein bestehendes Interesse und eine Attraktivität daran. Ist dies vorhanden, folgt das Handeln, was allen Tauschakten zugrunde liegt, welches wiederum aufgrund von Erwartungen und Zielen ausgeführt wird, zum Beispiel um seine persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Ehen und Partnerschaften dienen der Erreichung dieser Ziele, was der ökonomischen Familientheorie zugrunde liegt, welche sich mit dem Nutzen einer Partnerschaft auseinandersetzt. Im Falle einer Beabsichtigung der Durchführung einer Tauschaktion ist ein kooperatives Verhalten von Nutzen, da dies zu einer Gewinnmaximierung führt, was bei einem Tauschprozess von großer Bedeutung ist (Hill/Kopp 2002: 133). Handeln ist kostaufwendig, was durch die Nutzenerzielung bzw. dem Gewinn ausgeglichen wird, wobei ein Gewinn nicht immer positiv ausfällt. Bei zufriedenstellender Gewinnerbringung werden Tauschprozesse wiederholt. Wiederholungen erfolgen, wenn eine Tauschbeziehung dauerhaft und beidseitig positive Gewinne schafft. Neben Gefühlen der Zufriedenheit festigen sich dadurch soziale Beziehungen, wohingegen Beziehungen abgebrochen werden bei einem ungerechten Tausch. Bleibt das Tauschverhältnis weiterhin ausgeglichen und beidseitig zufriedenstellend, beginnen soziale Beziehungen enger zu werden. Zwischen alleinstehenden Personen bei gegenseitigem Interesse können Partnerschaften entstehen, mit der Voraussetzung, dass man längerfristige Güter miteinander tauschen will. Der Nutzen einer Partnerschaft ist u.a. eine effiziente Organisation des Alltags durch eine gerechte Arbeitsteilung zwischen den Partnern (Vorlesung Familiensoziologie). Menschen gründen also Partnerschaften, da in einer Beziehung meistens positive Gewinne erzielt werden, da bei intakten Partnerschaften meist ein positives Tauschverhältnis besteht. Zu Anfang einer Partnerschaft werden Güter wie Anerkennung, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Sexualität etc. getauscht. Bleibt das Tauschverhältnis attraktiv, können Partnerschaften durch eine Eheschließung gefestigt werden. Ehen gelten als eine langfristige Vertragsgemeinschaft, in der gegenseitige emotionale Zuwendung stattfindet (Vorlesung Familiensoziologie). Die Stabilität einer Ehe ergibt sich aus alternativen Attraktionen und externem Druck, die Beziehung aufrechtzuerhalten bzw. verheiratet zu bleiben (Lewis/Spanier 1979). Voraussetzung einer stabilen Ehe ist, dass Dienste, Status, Einkommen etc. nicht an Attraktivität verlieren. Des Weiteren muss die Tauschbeziehung untereinander permanent und beidseitig zufriedenstellend sein, d.h. nicht nach einer Weile abgebrochen werden. Die Stabilität der Ehe baut auf die Ehequalität auf. Diese wird gewährleistet, wenn die Partner zufrieden sind mit dem Lebensstil, eine sozioökonomische Adäquatheit vorherrscht, die Haushaltsaufgaben optimal aufgeteilt sind und eine Befriedigung aus der ehelichen Interaktion besteht, d.h. die Partner eine gegenseitige positive Beachtung genießen und die Kommunikation effektiv ist. Die Stabilität der Ehe wird durch eine Familiengründung gefestigt, d.h. man investiert in die Ehe und verstärkt den ehelichen Nutzen durch z.B. Zeugung von Nachwuchs. In Ehen werden neben Gütern sogenannte, in der Ökonomischen Familientheorie beschriebenen „commodities“ (Hill/Kopp 2002:115) produziert, welche direkte Befriedigung erzeugen und von jedem Individuum angestrebt werden. In der mikroökonomischen Familientheorie sind commodities „Güter und Zustände“, die auf direktem Wege „Nutzen und Befriedigung erzeugen“ (Hill/Kopp 2002:115), was beispielsweise Kinder, Prestige, Gesundheit, Altruismus, Liebe etc. betrifft. Man kann sie nicht gegen Geld erwerben. Die Herstellung der commodities erfolgt über Humankapital, welches eine der wichtigsten Volksvermögen darstellt. Es zeichnet sich durch Zuwendung und Hilfsbereitschaft aus und wird definiert als die „Gesamtheit der Erfahrungen, Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten eines Individuums, einer Gruppe...“ (Lampert 1993:122). Insbesondere ist es wichtig für Wachstum und Entwicklung der Wirtschaft. Gesichert wird es durch die menschliche Fortpflanzung und der ihr einhergehenden Erziehung der heranwachsenden Generation, da Kompetenzen auf geistiger, psychosozialen sowie physischen Ebene entwickelt werden. Da das Humanvermögen das gemeinschaftsorientierte Denken und Handeln ausmacht, kommt ihr eine wichtige Bedeutung in Bereichen wie der Politik zu. Die Grundlage des Humanvermögens sind bestimmte Leistungen der Familie für die Gesellschaft, die ebenso für die Wirtschaft von Bedeutung sind. Diese Leistungen beinhalten die Geburt und Verpflegung sowie die Erziehung und Sozialisation der Kinder, womit neben ethischen Grundwerten zum Fortbestand und Überleben der Gesellschaft und Wirtschaft beigetragen wird. Eine andere Leistung ist die Fürsorge von behinderten und kranken Menschen. Des Weiteren beteiligt sich die Familie an der Bewahrung des Arbeitsmarkts durch den Erhalt der Arbeitskräfte und Möglichkeiten der Erholung, Entfaltung und des Schutzes.

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1 Gebutsjahre 1929- 1931; 1939-1941; 1949-1951

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Familiensoziologie
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Familiensoziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
7
Katalognummer
V341874
ISBN (eBook)
9783668322356
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einführung, familiensoziologie
Arbeit zitieren
Dipl.-Päd. Katharina Gorski (Autor), 2004, Einführung in die Familiensoziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341874

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