Die Einheit "Konfliktbewältigung am Beispiel von Jakob und Esau" wurde im Sinne eines fachdidaktischen Ansatzes konzipiert, dessen Fokus auf der Förderung von emotionaler Kompetenz im Rahmen ethischer Bildung liegt. Didaktischer Ausgangspunkt sind dabei entsprechend einer Subjektorientierung die SuS und deren Emotionen, Haltungen und Vorwissen. Davon ausgehend sollen die SuS durch die Bearbeitung von Unterrichtsinhalten in der ethischen Reflexion gefördert werden.
Die Religionspädagogin Elisabeth Naurath sieht mit diesem Ansatz Anforderungen an die Lehrkraft verbunden. Ein offener und differenzierender Umgang mit den Gefühlen und Haltungen der SuS scheint für sie besonders bedeutsam. Auf diese Weise werde verhindert, dass den SuS bestimmte Gefühle diktiert werden, wie etwa dass sie angesichts der Schöpfung Dankbarkeit fühlten. Das bedeute auch, dass mit allen Gefühlen der SuS reflektierend und konstruktiv umgegangen werden müsse, auch wenn sie negativer oder sogar aggressiver Natur seien. Dies habe Auswirkungen auf die Bibeldidaktik und bedinge einen offenen, selbstkritischen Umgang mit biblischen Texten, besonders mit solchen, in denen Gewalt eine Rolle spiele.
Emotionale Kompetenz lässt sich somit als die Kompetenz zur Selbstwirksamtkeit in sozialen Situationen, die Emotionen hervorrufen, definieren. Die Emotionspsychologie zeigt, wie wichtig die Förderung der emotionalen Kompetenz von Kindern ist; Defizite in dieser Kompetenz können zu Verhaltensauffälligkeiten führen und damit auch zu einem Leistungsabfall in der Schule. Eine Förderung der emotionalen Kompetenz geht demgemäß einher mit der Förderung von Kommunikations-, Dialog- und Beziehungsfähigkeit.
Mit dem Ansatz zur Förderung der emotionalen Kompetenz für die Entwicklung eines moralischen Urteils lässt sich auch der religionsdidaktische Ansatz der Elementarisierung verbinden, in dem „eine Konzentration auf pädagogisch elementare – also von den Inhalten ebenso wie von den Kindern und Jugendlichen […] her grundlegend bedeutsame und für sie zugängliche – Lernvollzüge“ unterstützt werden soll. Der Entwurf folgt, wie eingangs erwähnt, dem Tübinger Elementarisierungsmodell, das fünf Dimensionen der Elementarisierung kennt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und persönlicher Zugang
2. Lerngruppe und Lehrkraft
2.1 Zusammensetzung der Lerngruppe
2.2 Besonderheiten der Lerngruppe
2.3 Lernstoffbezogener Entwicklungsstand und Lernausgangslage
2.4 Lehr- und Lernatmosphäre
2.5 Beurteilungskriterien
3. Kompetenzbezüge und Stundenziele
3.1 Kompetenzbezüge aus dem Kerncurriculum
3.2 Stundenziele
4. Fachwissenschaftliche Analyse
4.1 Exegetische und hermeneutische Aspekte
4.2 Systematische Aspekte
5. Fachdidaktische Analyse
6. Methodische Überlegungen und Medien
7. Verlaufsplan (Kurzentwurf)
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
Zielsetzung & Themen
Dieser Unterrichtsentwurf zielt darauf ab, die emotionale Kompetenz und Konfliktfähigkeit von Schülern einer sechsten Gymnasialklasse anhand der biblischen Erzählung von Jakob und Esau zu fördern. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch die narrative Auseinandersetzung mit biblischen Konfliktsituationen und die Anwendung handlungsorientierter Methoden wie der szenischen Darstellung und des kreativen Schreibens, der Perspektivwechsel und der konstruktive Umgang mit persönlichen Konflikten initiiert werden kann.
- Förderung der emotionalen Kompetenz und Empathiefähigkeit
- Einsatz des religionsdidaktischen Ansatzes der Elementarisierung
- Anwendung handlungsorientierter Methoden zur Konfliktbearbeitung
- Reflexion der biblischen Versöhnungsgeschichte im Kontext heutiger Lebenswelten
- Binnendifferenzierung zur Berücksichtigung unterschiedlicher Leistungsniveaus
Auszug aus dem Buch
4.1 Exegetische und hermeneutische Aspekte
Im Zentrum der Stunde steht die biblische Erzählung von der Wiederbegegnung zwischen Jakob und Esau, den ZW.ngssöhnen Isaaks und Rebekkas, in Gen 33, 1-17 und die Vorbereitung dieser in Gen 32, 4-22. Die Erzählung wird der altorientalischen Literaturgattung „Vätergeschichte“ zugeordnet, die die Kapitel 12-50 umfasst. In der Vätergeschichte wird von den elementaren Grundlagen der menschlichen Gemeinschaft berichtet. Diese sind in Anlehnung an den Theologen Claus Westermann zu bestimmen als das Verhältnis der Eltern zu den Kindern in Gen 12-25, das von Konflikten geprägte Verhältnis zwischen zwei Brüdern in der Erzählung von Jakob und Esau, und das innerfamiliäre Verhältnis in Gen 37-50. Die auf diese Weise beschriebenen Grundverhältnisse menschlichen Zusammenlebens seien auf alle menschlichen Gemeinschaftsformen übertragbar.
Der Vätergeschichte kommt in diesem Sinne eine identitätsstiftende und Orientierung gebende Bedeutung zu. Die Konzeption der Vätergeschichte folgt dieser Funktion. Entsprechend der als die drei Grundverhältnisse menschlichen Zusammenlebens herausgestellten Elemente ist sie dreigliedrig konzipiert; die Erzählung von Jakob und Esau steht im mittleren Teil. Der Theologe Claus Westermann bewundert die Tiefe der Konzeption. So würden nicht allein die elementaren Familienstrukturen beschrieben, sondern bereits eine Geschichte von der Entwicklung der Familien und Sippen über einzelne Stämme hin zu einem Staat angedeutet. Die Erzählung von Jakob und Esau sollte vor diesem Hintergrund betrachtet werden als eine Geschichte, die ein grundsätzliches menschliches Verhältnis mit typischen darin enthaltenen Konflikten um Eifersucht und Geschwisterrivalität beschreibt. Für diesen Entwurf ist besonders der Umgang der Brüder mit dem Konflikt von Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und persönlicher Zugang: Die Autorin legt ihre Motivation und den persönlichen Bezug zum Thema Konfliktbewältigung dar und verknüpft die Erzählung von Jakob und Esau mit dem didaktischen Ansatz der Elementarisierung.
2. Lerngruppe und Lehrkraft: Dieses Kapitel analysiert das Lern- und Sozialverhalten der sechsten Klasse, identifiziert heterogene Leistungsniveaus und beschreibt notwendige Binnendifferenzierungsmaßnahmen.
3. Kompetenzbezüge und Stundenziele: Hier werden die prozess- und inhaltsbezogenen Kompetenzen aus dem Kerncurriculum abgeleitet und die konkreten Lernziele für die Doppelstunde formuliert.
4. Fachwissenschaftliche Analyse: Es erfolgt eine exegetische Einordnung der Jakoberzählung als Vätergeschichte und eine systematische Reflexion über das Spannungsfeld von Annäherung und Distanz bei Konfliktlösungen.
5. Fachdidaktische Analyse: Die Autorin begründet den Fokus auf die emotionale Dimension ethischer Bildung und diskutiert die Bedeutung der Subjektorientierung bei der Arbeit mit biblischen Texten.
6. Methodische Überlegungen und Medien: Dieser Abschnitt beschreibt die methodischen Entscheidungen, wie die szenische Darstellung und das kreative Schreiben, sowie die Einbindung von schülerorientierten Sozialformen.
7. Verlaufsplan (Kurzentwurf): Der detaillierte Plan gliedert die Doppelstunde in Phasen und ordnet ihnen spezifische Lernaktivitäten, Medien und didaktische Anmerkungen zu.
8. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten Quellen, unterteilt in Primär- und Sekundärliteratur, aufgelistet.
9. Anhang: Dieser Teil enthält ergänzende Materialien, wie den vollständigen Sequenzplan, das Leistungsprofil der Klasse, Arbeitsblätter und methodische Vorlagen.
Schlüsselwörter
Konfliktbewältigung, Jakob und Esau, Religionsunterricht, Elementarisierung, emotionale Kompetenz, Perspektivwechsel, Vätergeschichte, Geschwisterkonflikt, handlungsorientierter Unterricht, Bibeldidaktik, Urteilskompetenz, Binnendifferenzierung, Gewissenskonflikt, Ich-Botschaften, Versöhnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf befasst sich mit der Konzeption einer Doppelstunde für eine sechste Klasse im Fach Evangelische Religion zum Thema "Konfliktbewältigung am Beispiel von Jakob und Esau".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die emotionale Bildung, der Umgang mit Geschwisterkonflikten, die Bedeutung von Versöhnungsprozessen sowie die biblische Perspektivübernahme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Schülern die Kompetenz zu vermitteln, sich in literarische Figuren hineinzuversetzen, ethische Konflikte zu reflektieren und eigene Handlungsoptionen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf den religionspädagogischen Ansatz der Elementarisierung sowie auf entwicklungspsychologische Stufenmodelle (Kohlberg/Selman).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Lerngruppenanalyse, die fachwissenschaftliche Exegese der biblischen Erzählung, eine fachdidaktische Begründung der Unterrichtsschritte sowie methodische Überlegungen zur praktischen Umsetzung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Konfliktbewältigung, emotionale Kompetenz, Perspektivwechsel, Elementarisierung und Bibeldidaktik.
Welche Rolle spielt die Lerngruppe für die Planung?
Die ausgeprägte Heterogenität der sechsten Klasse erfordert eine kleinschrittige Unterrichtsführung und differenzierte Hilfestellungen, um alle Schüler adäquat zu fördern.
Warum wird die Methode des "Gewissenskonflikts" verwendet?
Diese Methode ermöglicht es, durch ein kurzes Rollenspiel eine intensive, affektive Auseinandersetzung mit der Position der biblischen Figur Esau zu erreichen.
Wie wird das Thema "Versöhnung" in der Arbeit bewertet?
Die Autorin betont, dass biblische Versöhnung keine bloße Harmonieseligkeit ist, sondern Raum für notwendige Distanz und die Wahrung der Individualität lässt.
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- Bachelor of Arts Mareike Meyer (Author), 2016, Konfliktbewältigung am Beispiel von Jakob und Esau (6. Klasse Ethik Gymnasium), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341945