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Die Restauration eines Militärregimes? Ägypten nach dem Arabischen Frühling

Titel: Die Restauration eines Militärregimes? Ägypten nach dem Arabischen Frühling

Bachelorarbeit , 2016 , 37 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Louis Schiemann (Autor:in)

Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Arabische Frühling bedeutete für die arabische Welt eine Phase der Revolten, der Massenproteste und Kritik an Regimeführungen. Insbesondere an den Stürzen von Staatspräsidenten ist diese besondere Zeit des „Aufbruchs“ (Tamer 2014, S. 13) zu erfassen: 2011 floh der Staatspräsident Ben Ali mit seiner Familie aus Tunesien, 2011 trat Präsident Mubarak in Ägypten zurück und 2011 wurde der geflohene libysche Präsident al-Gaddafi von Rebellen gefangen genommen und getötet.

Die politische Systemlehre wurde in den letzten Jahrzehnten größtenteils von der Erschaffung und Analyse verschiedener Demokratisierungstheorien und der Untersuchung der Dauerhaftigkeit von Autokratien dominiert. Spätestens mit dem Arabischen Frühling ab 2010 häuften sich die Fälle, in denen anfänglich vorhandene Systemtransformationen in einem Rückfall in ein autokratisches System endeten. Dieses Phänomen wird in der wissenschaftlichen Literatur im Vergleich zur Demokratisierungstheorie noch wenig beachtet und bietet daher weitreichende Möglichkeiten zur Analyse. Die relativ jungen Vorkommnisse im Arabischen Frühling haben zu vielerlei notwendigen Neueinschätzungen hinsichtlich der Stabilität von Autokratien geführt. Die Umbrüche in Ägypten stellen die Politikwissenschaft vor die Frage, ob es, wie nach außen hin präsentiert, zu einem Demokratisierungsprozess im Land gekommen ist oder ob es sich bei den Protesten mit anschließenden Umbrüchen im politischen System letztendlich um eine Wiedereinführung eines Militärregimes handelt. Dabei ist es strittig, ob Ägypten eine politische Transformation durchlief oder es sich zwischen 2011 bis 2013 nur um eine Erschütterung des autoritären Regimes handelte.

In der vorliegenden Arbeit werde ich dieser Fragestellung nachgehen. Ich werde mich dem nähern, indem ich zunächst begriffliche Definitionen von Demokratie, Autokratie und der Critical Junctures vornehme, um einen geeigneten Analyserahmen zu bieten. Die ägyptische Militärführung, vertreten durch den Obersten Rat der Sicherheitskräfte (ORS) spielt in den Ereignissen der Umbrüche während und nach dem Arabischen Frühling in Ägypten eine zentrale Rolle, sodass mir eine kurze Erläuterung der Hintergründe dieses Hauptakteurs sinnvoll erscheint. Dieser hat mit seinen weitreichenden Ressourcen und Machtbeziehungen eine besondere Stellung im politischen System, die ihm einen Fokus während der Ereignisse zukommen lässt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autokratie und Demokratie

3. Critical Junctures

4. Das ägyptische Militär

5. Ein demokratischer Putsch?

6. Systemwechsel in Ägypten?

7. Anwendung der Systemtransformationstheorie

7.1 Ende des autokratischen Systems

7.2 Institutionalisierung der Demokratie

8. Untersuchung der Phasen der Umbrüche auf Critical Junctures

8.1 Erste Phase: Der Zusammenbruch eines autokratischen Regimes

8.1.1 Legitimation in der ersten Phase

8.1.2 Repression in der ersten Phase

8.1.3 Kooptation in der ersten Phase

8.1.4 Fazit der ersten Phase von Umbrüchen

8.2 Zweite Phase: Der Versuch eines demokratischen Transitionsprozesses

8.2.1 Legitimation in der zweiten Phase

8.2.2 Repression in der zweiten Phase

8.2.3 Kooptation in der zweiten Phase

8.2.4 Fazit der zweiten Phase der Umbrüche

8.3 Dritte Phase: Stabilisierung unter der Führung Sisis

8.3.1 Legitimation in der dritten Phase

8.3.2 Repression in der dritten Phase

8.3.3 Kooptation in der dritten Phase

8.3.4 Fazit der dritten Phase: Die Restauration eines Militärregimes durch autokratische Führung

9. Regimewandel oder Regimewechsel?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Ereignisse in Ägypten nach dem Arabischen Frühling einen tatsächlichen Regimewandel hin zu einer Demokratie darstellten oder ob es sich lediglich um einen Regimewechsel handelte, bei dem eine autokratische Militärherrschaft restauriert wurde.

  • Analyse der Rolle des ägyptischen Militärs als zentraler politischer Akteur
  • Anwendung der Systemtransformationstheorie auf die Umbrüche in Ägypten
  • Untersuchung der drei Stabilitätssäulen (Legitimation, Repression, Kooptation) nach Gerschewski et al.
  • Bewertung der Militärputsche gegen Mubarak und Mursi anhand des Konzepts des demokratischen Putsches
  • Eingrenzung der Phasen der Umbrüche zwischen 2011 und 2014

Auszug aus dem Buch

8.1.4 Fazit der ersten Phase von Umbrüchen

Aus den Ergebnissen leite ich ab, dass in der ersten Phase der politischen Umbrüche in Ägypten ein Critical Juncture vorliegt. Die erste Säule „Legitimation“ eines autokratischen Systems ist definitiv geschwächt, was sich am Ende der Präsidentschaft von Mubarak durch die Proteste gegen ihn und seine Regierung offensichtlich zeigt. Die zweite Säule „Repression“ ist ebenfalls geschwächt, da während der zivilen Proteste gegen das Mubarak-Regime repressive Maßnahmen keine langanhaltende Wirkung mehr zeigten und die Menschen nicht davon abhielten, auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Die dritte Säule „Kooptation“ kann man sogar als defekt und nicht mehr tragfähig ansehen. Das hat vor allem seinen Ursprung in den mangelnden Kooptationsbemühungen des Mubarak-Regimes gegenüber dem ägyptischen Militär. Das Militär ist wie bereits erwähnt ein zentraler und wichtiger Akteur sowohl in der Wirtschaft, als auch als staatliches Sicherheitsorgan: „Das Militär war in der sehr ausdifferenzierten ägyptischen Herrschaftselite einer der zentralen Eckpfeiler von Macht und Legitimität, in dem es sich als Hüter der republikanischen Prinzipien der Revolution von 1952 sah" (Demmelhuber 2014, S. 50). In Zusammenarbeit mit dem Regime verlor das Militär jedoch immer mehr an Bedeutung und Machteinfluss. Gleichzeitig wuchsen die Beziehungen zwischen dem Mubarak-Regime und neuen Wirtschaftseliten, die damit eine direkte Konkurrenz zum Wirtschaftsakteur Militär darstellten. Das ägyptische Militär baute daher seine Stellung als „Wächter der Nation“ aus und versuchte sich während der sozialen Proteste nach außen hin als neutraler Akteur zu präsentieren, dessen Ziel ausschließlich auf die Wahrung der Verfassung und Nation gerichtet war. Durch die herrschaftsinternen Bruchlinien wurde es für die Militärführung leichter, sich weiter von dem Regime zu distanzieren, sodass es nicht selbst zum Adressat der Proteste der Bevölkerung wurde (vgl. Demmelhuber 2013, S. 53). Insgesamt war die Kompensationsleistung der drei Säulen derart geschwächt, dass es letztendlich mit dem Rücktritt von Mubarak zum Zusammenbruch der bestehenden autokratischen Führung kam.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Fragestellung, ob der Arabische Frühling in Ägypten zu einer Demokratisierung führte oder eine Wiedereinführung der Militärherrschaft bewirkte.

2. Autokratie und Demokratie: Definition der Grundbegriffe und Kategorisierung politischer Systeme anhand der Typologien von Wolfgang Merkel.

3. Critical Junctures: Vorstellung des „Drei-Säulen-Modells“ der autokratischen Stabilität (Legitimation, Repression, Kooptation) und Definition von Critical Junctures.

4. Das ägyptische Militär: Analyse der Rolle und Sonderstellung des ägyptischen Militärs als wirtschaftlicher und politischer Akteur sowie als „Hüter der Nation“.

5. Ein demokratischer Putsch?: Überprüfung der ägyptischen Militärputsche anhand der Kriterien eines „demokratischen Putsches“ nach Ozan O. Varol.

6. Systemwechsel in Ägypten?: Einordnung der Ereignisse in das Konzept des Systemwechsels zwischen altem und neuem politischen System nach Wolfgang Merkel.

7. Anwendung der Systemtransformationstheorie: Analyse des Übergangs in Ägypten unter Anwendung idealtypischer Transformationsformen.

8. Untersuchung der Phasen der Umbrüche auf Critical Junctures: Detaillierte Untersuchung der drei Phasen des Umbruchs (Mubarak-Sturz, Mursi-Regierung, Sisi-Stabilisierung) unter Anwendung des Drei-Säulen-Modells.

9. Regimewandel oder Regimewechsel?: Fazit der Arbeit mit dem Ergebnis, dass kein echter Regimewandel, sondern lediglich ein Regimewechsel und die Restauration eines autoritären Systems stattfand.

Schlüsselwörter

Ägypten, Arabischer Frühling, Militärregime, Systemtransformation, Demokratisierung, Autokratie, Drei-Säulen-Modell, Critical Juncture, Mubarak, Mursi, Sisi, Kooptation, Repression, Legitimation, Regimewechsel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politischen Entwicklungen in Ägypten seit Beginn des Arabischen Frühlings, um zu klären, ob das Land eine echte demokratische Transformation durchlief oder ob eine autokratische Militärherrschaft wiederhergestellt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Stabilität von autokratischen Systemen, die Rolle des ägyptischen Militärs als mächtiger Akteur sowie die theoretische Einordnung der politischen Umbrüche in Ägypten zwischen 2011 und 2014.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob in Ägypten ein tatsächlicher Regimewandel hin zur Demokratie stattgefunden hat oder ob es sich lediglich um einen Regimewechsel handelte, bei dem Eliten ausgetauscht wurden, ohne das autokratische Fundament zu beseitigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Systemtransformationstheorie von Wolfgang Merkel sowie das „Drei-Säulen-Modell“ (Legitimation, Repression, Kooptation) von Gerschewski et al., um die Stabilität und die Umbruchphasen in Ägypten systematisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert die Ereignisse in drei Phasen (Sturz Mubaraks, Mursi-Ära, Machtübernahme Sisis) und prüft unter Anwendung des Drei-Säulen-Modells, ob durch das Wegfallen von Stabilitätssäulen „Critical Junctures“ entstanden sind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ägypten, Arabischer Frühling, Militärregime, Systemtransformation, Demokratisierung, Autokratie, Drei-Säulen-Modell und Regimewechsel.

Warum wird der Putsch gegen Präsident Mursi nicht als demokratisch eingestuft?

Der Putsch wird nicht als demokratisch gewertet, da Mursi durch freie und faire Wahlen legitimiert war und der Putsch den Ausschluss eines demokratisch gewählten Präsidenten bedeutete, ohne dass im Anschluss die demokratischen Kriterien nach Varol erfüllt wurden.

Wie definiert die Arbeit die Rolle des Militärs in Ägypten?

Das Militär wird als zentraler politischer und wirtschaftlicher Akteur definiert, der sich selbst als „Hüter der Nation“ versteht und durch seine tiefgreifenden Machtstrukturen in der Lage ist, den politischen Prozess maßgeblich zu beeinflussen und autokratische Strukturen zu sichern.

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Details

Titel
Die Restauration eines Militärregimes? Ägypten nach dem Arabischen Frühling
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,3
Autor
Louis Schiemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V341965
ISBN (eBook)
9783668317710
ISBN (Buch)
9783668317727
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autokratie Demokratisierung Ägypten Gerschewski Arabischer Frühling Mubarak Sisi Mursi Muslimbrüder Systemtransformation Proteste Drei-Säulen-Modell Autokratieforschung Transition Ägyptisches Militär ORS SCAF Oberster Rat der Streitkräfte Wolfgang Merkel Revolution Naher Osten
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Louis Schiemann (Autor:in), 2016, Die Restauration eines Militärregimes? Ägypten nach dem Arabischen Frühling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341965
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  37  Seiten
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