News Aggregatoren als disruptive Innovation in der Zeitungsverlagsindustrie

Wettbewerbliche Konsequenzen und strategische Optionen für Zeitungsverlage


Seminararbeit, 2016
13 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Auswirkungen der Digitalisierung aufdie Zeitungsverlagsindustrie
2.1 EntwicklungderZeitungsverlagsindustrie
2.2 News Aggregatoren als disruptive Innovation

3. Wettbewerbliche Konsequenzen und strategische Optionen für Zeitungsverlage
3.1 Auswirkungen auf den Wettbewerb
3.2 Strategische Ansatzpunkte fürZeitungsverlage
3.2.1 Neue Geschäftsmodelle fürZeitungsverlage
3.2.2 Umgang mit News Aggregatoren

4. Evaluation und Ausblick

1. Problemstellung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern News-Aggregatoren eine disruptive Innovation in der Zeitungsverlagsindustrie darstellen und welche Konsequenzen und strategische Optionen diese den Verlagen bieten.

Aufgrund der Digitalisierung hat sich das Mediennutzungsverhalten stark verändert. Viele Menschen sind vor allem durch mobile Endgeräte und mobiles Internet auf Online-Angebote von Zeitungen umgestiegen. Da dies in den letzten Jahren zu einer Strukturkrise in der Zeitungsverlagsindustrie geführt hat, ist es für Verlage notwendig, über neue Strategien nachzudenken.

Zu Beginn der Arbeit werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Zeitungsverlagsindustrie dargestellt. Dabei wird nicht nur auf das traditionelle Geschäftsmodell von Zeitungsverlagen eingegangen, sondern auch die aktuelle Situation auf dem Markt beschrieben. Schwerpunkt wird dabei das veränderte Nutzungsverhalten der Leser aufgrund der Digitalisierung sein. Danach werden in Verbindung mit der Digitalisierung News-Aggregatoren thematisiert und angeführt, warum diese als disruptive Innovation in der Zeitungsbranche gelten. Im darauffolgenden Kapitel werden wettbewerbliche Konsequenzen und strategische Optionen, also Chancen und Risiken, für die Zeitungsverlage angeführt. Dabei wird unter anderem auf die Auswirkungen des Auflagenrückgangs auf den Werbemarkt eingegangen. Danach werden strategische Ansatzpunkte und Optionen für die Zeitungsverlagsindustrie im Zeitalter der neuen Medien dargestellt. Zuletzt wird erklärt, wie Zeitungsverlage mit News- Aggregatoren umgehen, wobei besonders Bezug auf das Leistungsschutzrecht genommen wird.

Ziel der Arbeit soll sein, herauszustellen, welchen Einfluss News-Aggregatoren auf die traditionellen Geschäftsmodelle der Zeitungsverlage haben, ob sie also der Zeitungsverlagsindustrie schaden oder sie unterstützen.

2. Auswirkungen der Digitalisierung auf die Zeitungsverlagsindustrie

2.1 Entwicklung der Zeitungsverlagsindustrie

Nur ein paar Jahre nach der Einführung des World Wide Web veröffentlichten Zeitungsverlage ihre Artikel auch im Internet (Wieser/Schaffert 2009, S. 423). Im Jahr 2009 herum informierte sich bereits jeder fünfte Deutsche im Internet und Online-Angebote waren laut einer Trendanalyse der Fachzeitschrift „Media Perspektiven" zu der Zeit bereits Konkurrenz für Printmedien (Wieser/Schaffert 2009, S. 423). Heute lesen bereits 10 Millionen Internetnutzer täglich die digitale Zeitung (ZGM 2016).

Das traditionelle Erlösmodell von Zeitungen bestand lange Zeit aus der Werbevermarktung von Anzeigen und Beilagen und dem Erlös für journalistische Inhalte durch Abonnement und Einzelverkaufserlösen (Breyer-Mayländer 2015, S. 3). Dabei stammten zwei Drittel aus den Werbeerlösen und ein Drittel aus den Vertriebserlösen (Breyer-Mayländer 2015, S. 10). Heute besteht das Geschäftsmodell von Zeitungsverlagen immer noch aus den Werbe- und Vertriebserlösen, wobei der Werbeerlös viel niedriger als früher ist (Breyer-Mayländer 2015, S. 10). Online erzielen Verlage ihre Werbeeinnahmen durch Seitenaufrufe (Becker 2013, S. 163). Die traditionellen Märkte haben sich aufgrund neuer digitaler Geschäftsmodelle verändert (Breyer-Mayländer 2015, S. 3). Ebenso verändert hat sich das Mediennutzungsverhalten. Aufgrund von mobilen Endgeräten und mobilem Internet sind neue Nutzungssituationen entstanden, auf die Zeitungsverlage Rücksicht nehmen müssen (Hallermeyer/Menke/Kinnebrock 2015, S. 55).

Lokale und regionale Kfz-, Immobilien- oder Stellenanzeigen werden heute zum Beispiel nicht mehr so häufig in Zeitungen aufgesucht wie noch vor einigen Jahren, denn es werden eher die Onlineangebote über mobile Endgeräte oder den Computer genutzt (Breyer-Mayländer 2015, S. 10). Dadurch, dass innovative Technologien stark an Bedeutung zugenommen haben, hat sich auch die Art der Informationsverbreitung verändert

(Tünte/Mottweiler/Hermann/Kulenovic 2011, S. 121). Es herrscht eine sogenannte „mediale Omnipräsenz" (Tünte/Mottweiler/Hermann/Kulenovic 2011, S. 121), das heißt, Medieninhalte können immer und überall bereitgestellt und abgerufen werden. Dadurch hat sich das Kundenverhalten, sowie die Wünsche der Kunden, stark verändert (Tünte/Mottweiler/Hermann/Kulenovic 2011, S. 121). Zeitungsverlage stehen im Zeitalter der Medien und durch die Medienkonvergenz unter einem Veränderungsdruck und müssen sich von ihren traditionellen Geschäftsmodellen trennen (Tünte/Mottweiler/Hermann/Kulenovic 2011, S. 122).

Das Phänomen „Medienkonvergenz" ist durch die Digitaltechnik entstanden. Man versteht darunter die Verbindung getrennter Märkte, was wiederum zu neuen Leistungsangeboten und Ansätzen führt. Ein Beispiel dafür ist die Kombination von Print- und Online-Angeboten von Zeitungsverlagen (Breyer-Mayländer 2015, S. 5). Laut einer deutschlandweiten Unternehmensbefragung von Verlags- und Medienhäusern, bieten bereits drei Viertel der Verlagsunternehmen Produkte und Dienstleistungen im Bereich Neue Medien an (Tünte/Mottweller/Hermann/Kulenovlc 2011, S. 123). In den letzten Jahren Ist, vor allem bei den 14- bis 29-Jährlgen, ein Wachstum der Onllne-Relchwelte zu sehen (von Borstel 2015, S. 138). Die jüngere Altersklasse Ist jedoch gleichzeitig für die sinkenden Reichweiten der Printzeltungen verantwortlich (Breyer-Mayländer 2015, S. 8).

2.2 News-Aggregatoren als disruptive Innovation

News-Aggregatoren, oder auch Social News-Aggregatoren, sammeln journalistischen Inhalt aus verschiedenen Quellen und veröffentlichen diesen auf einer Internetseite. Beispiele für solche Selten sind Google News, Yahoo News oder BuzzFeed (George 2015, S. 269). News- Aggregatoren erstellen selber keine Artikel oder andere Inhalte (Beckedahl 2014, S. 94). Die Inhalte werden von Suchmaschinen wie Google ausgesucht und gefiltert (Neuberger 2011, S. 40). Wichtig zu erwähnen Ist hierbei, dass diese Nachrichten vom Web an den Nutzer angepasst und personalisiert sind (Goldapp 2016, S. 85). Über einen Link können die Leser auf die ursprüngliche Internetseite des Zeitungsverlags gelangen, von welcher die Nachricht stammt. News-Aggregatoren sind für die Leser praktisch, denn sie bekommen eine Vielzahl journalistischer Inhalte geboten und können sich so einen schnellen Überblick über die aktuellen Themen verschaffen (Neuberger 2011, S. 40). Sie haben außerdem den Vorteil, dass die Leser nicht erst die Internetseite der Zeitung selber aufrufen müssen, sondern sie bekommen direkt ein breites Spektrum an Nachrichten geboten und sparen so Zelt (Beckedahl 2014, S. 94). News-Aggregatoren zeigen keine vollständigen Artikel, sondern nur die Überschrift und die ersten zwei bis drei Sätze der Nachrichten, sogenannte „Snippets". Um den ganzen Artikel lesen zu können und auf die ursprüngliche Seite der entsprechenden Zeitung zu gelangen, muss der Leser auf den zugehörigen Link klicken (Beckedahl 2014, S. 94).

Es Ist umstritten, Inwiefern diese Aggregatoren eine disruptive Innovation fürZeltungsverlage darstellen. Der Begriff „disruptive Innovation" Ist mit der Zelt durch die neuen Technologien entstanden (Christensen 2011, S. 6). Bel neuen Technologien wird zwischen „evolutionären Technologien" und „dlsruptlven Technologien" unterschieden (Christensen 2011, S. 6). Evolutionäre Technologien sollen bereits vorhandene Produkte In vorhandenen Märkten, und somit die Kundenanforderungen, verbessern. Diese richten meistens keinen Schaden bei führenden Unternehmen an (Christensen 2011, S. 6). Disruptive Technologien hingegen kommen meistens mit schlechteren, aber dafür billigeren und einfacheren, Produkten hervor und schaden dabei führenden Unternehmen (Christensen 2011, S. 6). Produkte dlsruptlver Technologien können selten mit den ursprünglichen, bereits auf dem Markt etablierten, Produkten mithalten, haben dafür jedoch andere Vorteile (Christensen 2011, S. 6). Evolutionäre Technologien besitzen einen festen Kundenstamm, disruptive Technologien hingegen werden eher von neuen, kleineren Kundengruppen bevorzugt (Christensen 2011, S. 6). Aus diesem Grund werden disruptive Innovationen von großen, etablierten Unternehmen erst einmal nicht beachtet, bis diese die Verbesserungen und Vorteile der neuen Produkte wahrnehmen (Christensen 2011, S. 41). Disruptive Innovationen führen zu Umbrüchen und neuen Geschäftsideen (Christensen 2011, S. 17) und können daher eine Gefahr für die bestehende Technologie sein und diese im Endeffekt ersetzen (Christensen 2011, S. 41).

Im Fall der News Aggregatoren ist es so, dass aufgrund der Digitalisierung, des Internets und des Web 2.0s neue Geschäftsmodelle für Zeitungen entstanden sind. Die neuen Produkte, also die Zeitungsartikel in Form von Onlinenachrichten, sind im Vergleich zu den traditionellen günstiger, denn diese müssen nicht auf Papier gedruckt und an die Haushalte verteilt werden. Außerdem sind sie „einfacher" (vgl. Christensen 2011, S. 41), denn Onlinenachrichten können ganz leicht verfasst, veröffentlicht, geändert und im Internet geteilt werden. „Kleiner" (vgl. Christensen 2011, S. 41) sind Onlineinhalte im Vergleich zu Printzeitungen auch, denn es ist schon mit einem Smartphone oder Tablet möglich, aktuelle Nachrichten zu lesen.

Auch wenn News-Aggregatoren die Bedürfnisse vieler Nutzer mit ihren personalisierten journalistischen Inhalten befriedigen (Goldapp 2016, S. 20), sind sie gleichzeitig eine Konkurrenz für traditionelle Zeitungsverlage. Da sich immer mehr Onlinenutzer mit einem kurzen Nachrichtenüberblick zufrieden geben, verwenden diese News-Aggregatoren, anstatt die verlagseigenen Internetseiten zu besuchen (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. 2013). Das Problem hierbei sind die Kurzauszüge der Artikel, die Snippets. Der Leser überfliegt nur die ersten zwei bis drei Sätze einer Nachricht ohne auf den Link, der zur Webseite der Zeitung führt, zu klicken (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. 2013). Der Leser wird von den verlagseigenen Seiten ferngehalten und der Artikel kann vom Verlag nicht mehr verkauft oder mit Werbung begleitet werden (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. 2013). Außerdem können News-Aggregatoren dem Leser aktuelle Nachrichten viel schneller zur Verfügung stellen als Printzeitungen. Aufgrund neuer Technologien können heute immer und überall neue Nachrichten verfolgt und gelesen werden. Vor der Zeit der Digitalisierung waren Zeitungen die ersten, die die Menschheit mit Nachrichten versorgt haben (Breyer-Mayländer 2015, S. 8).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
News Aggregatoren als disruptive Innovation in der Zeitungsverlagsindustrie
Untertitel
Wettbewerbliche Konsequenzen und strategische Optionen für Zeitungsverlage
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Seminar "Digitale Disruption in der Medienbranche"
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V341968
ISBN (eBook)
9783668319271
ISBN (Buch)
9783668319288
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
News Aggregatoren, Digitale Disruption, Zeitungsverlage, Zeitungsverlagsindustrie
Arbeit zitieren
Carolin Kraus (Autor), 2016, News Aggregatoren als disruptive Innovation in der Zeitungsverlagsindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341968

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