Japan scheint ein Land voller gesellschaftlicher Kontraste und Widersprüche zu sein. Einerseits ist es traditionell und am Alten verhaftet. Japan scheint ein Land der Kontinuitäten. Andererseits ist es hochindustrialisiert, war die zweit- und ist immer noch nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die erste und älteste Demokratie Asiens und nach dem Human Development Index der UN das siebzehntentwickelte Land, also durchaus modernen Typs, wozu es ‚revolutionär‘ in kaum 100 Jahren wurde. Daher ist aus soziologischer Sicht zu fragen, inwieweit Japan eine moderne Ge-sellschaft ist und so genannt werden kann.
Lässt sich Japan auf den Ebenen von Strukturen, Institutionen und Kultur als modern charakterisieren oder gibt es feine Unterschiede und fließende Übergänge zwischen den Dimensionen von Modernität und Traditionalität oder bilden diese eigene soziotopische Horte in Japan?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modernität, Moderne und Modernisierung – eine Begriffsbestimmung
3. Zurück in die Zukunft – Erste Modernisierung (1868-1945)
4. Siegende Besiegte - Zweite Modernisierung (1946-1990er)
5. Fliegt die Leitgans noch? Dritte Modernisierung (1990er-2016)
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Monografien
Aufsätze in Sammelbänden
Aufsätze in Fachzeitschriften
Internetquellen
8. Anhang
Tabelle1: Kategorisierungen des „Japanerseins“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht aus soziologischer Perspektive, inwieweit Japan als moderne Gesellschaft charakterisiert werden kann und in welchem Verhältnis dabei Modernität zu traditionalen Elementen steht. Zentral ist die Analyse Japans als Akteur innerhalb multipler Modernen, wobei der Fokus auf den drei Modernisierungsphasen von der Meiji-Zeit bis zur Gegenwart liegt.
- Historische und soziologische Bestimmung von Modernität und Modernisierung
- Analyse der drei Modernisierungsphasen Japans (1868–2016)
- Diskussion des Konzepts „Multipler Modernen“ im japanischen Kontext
- Untersuchung des Spannungsfelds zwischen sozio-struktureller Modernisierung und traditionalistischen Rückgriffen
- Soziostrukturelle Analyse aktueller Herausforderungen wie Demografie und gesellschaftlicher Spaltung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Japan scheint ein Land voller gesellschaftlicher Kontraste und Widersprüche zu sein. Einerseits ist es traditionell und am Alten verhaftet: mythologisch und qua Gesetz bereits 660 v. Chr. gegründet und demnach die älteste bestehende Nation mit einem ‚weichen‘ Übergang von den Mythen und sagenhafter über ungewisser zu realer Zeitgeschichte (Lévi-Strauss 2012: S. 20ff.); eine seit über 1.000 Jahren „durch alle Generationen hindurch ununterbrochene[n] Linie der Dynastie“ (Ishida 2008: S. 32) des Kaiserhauses, die damit die älteste noch heute inthronisierte und verehrte Herrschaft ist; berühmt für vormodern-feudale Samurai, Daimyo, einem ritterlichen Bushidó als Ehrenkodex, Geishas, traditioneller Teezeremonie sowie dem Zen-Buddhismus, was als popkulturelle Güter (Literatur, Filme, Spiele) exportiert und in Form alter Shintó-Schreine touristisch besichtigt wird. Japan scheint also ein Land der Kontinuitäten.
Andererseits ist es hochindustrialisiert, war die zweit- und ist immer noch nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die erste und älteste Demokratie Asiens und nach dem Human Development Index der UN das siebzehntentwickelte Land, also durchaus modernen Typs, wozu es ‚revolutionär‘ in kaum 100 Jahren wurde.
Daher ist aus soziologischer Sicht zu fragen, inwieweit Japan eine moderne Gesellschaft ist und so genannt werden kann. Lässt sich Japan auf den Ebenen von Strukturen, Institutionen und Kultur als modern charakterisieren oder gibt es feine Unterschiede und fließende Übergänge zwischen den Dimensionen von Modernität und Traditionalität oder bilden diese eigene soziotopische Horte in Japan?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert Japan als ein Land voller Kontraste zwischen Tradition und Hochindustrialisierung und führt die zentrale soziologische Fragestellung ein, inwieweit Japan als moderne Gesellschaft begriffen werden kann.
2. Modernität, Moderne und Modernisierung – eine Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel klärt die soziologischen Fachbegriffe der Moderne und Modernisierung, diskutiert klassische sowie neuere Ansätze wie Eisenstadts Konzept der multiplen Modernen und grenzt diese von westlichen Normmodellen ab.
3. Zurück in die Zukunft – Erste Modernisierung (1868-1945): Das Kapitel behandelt die erste Phase der Modernisierung ab der Meiji-Restauration, in der Japan durch exogene Einflüsse sowie die bewusste Nutzung traditionaler Mythen einen rasanten Wandel zum Nationalstaat vollzog.
4. Siegende Besiegte - Zweite Modernisierung (1946-1990er): Der Fokus liegt auf der Nachkriegsentwicklung, geprägt durch die US-Besatzung, den Aufbau des „Eisernen Dreiecks“, das Wirtschaftswunder und die Formierung einer homogenen Mittelschichtgesellschaft bei gleichzeitigem Festhalten an konservativen Strukturen.
5. Fliegt die Leitgans noch? Dritte Modernisierung (1990er-2016): Dieses Kapitel analysiert die aktuelle Phase ab den 1990er Jahren, die durch wirtschaftliche Rezession, gesellschaftliche Spaltung, demografische Probleme und das Ringen um eine neue nationale Identität in einer globalisierten Welt gekennzeichnet ist.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, Japan nicht an westlichen Standards zu messen, sondern als nationalen Akteur innerhalb multipler Modernen zu verstehen.
Schlüsselwörter
Japan, Modernität, Modernisierung, Multiple Modernen, Tradition, Soziologie, Meiji-Zeit, Wirtschaftswunder, Mittelschicht, Sozialstruktur, Identität, demografischer Wandel, globale Zivilisation, gesellschaftlicher Wandel, Nationalstaat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Einordnung Japans als moderne Gesellschaft unter Berücksichtigung des Spannungsfelds zwischen globalen Modernisierungstendenzen und spezifischen traditionalen kulturellen Ausprägungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Definition von Modernität, die historische Analyse dreier Modernisierungsphasen Japans, sozio-strukturelle Veränderungen sowie die Frage nach Japans nationaler Identität im internationalen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob und inwieweit Japan als moderne Gesellschaft charakterisiert werden kann, ohne dabei westliche Standards als alleinige Norm zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch geleitete soziologische Analyse unter Rückgriff auf einschlägige Fachliteratur und Studien zur Modernisierung und zur japanischen Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung (Kap. 2) und eine historische Analyse der drei Phasen der Modernisierung Japans von 1868 bis 2016 (Kap. 3, 4, 5).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Modernität, Multiple Modernen, Sozialstruktur, Meiji-Zeit, Wirtschaftswunder, demografischer Wandel und nationale Identität.
Wie unterscheidet sich die erste von der zweiten Modernisierungsphase laut Autor?
Die erste Phase (1868-1945) war eine exogen erzwungene Modernisierung unter Rückgriff auf feudale Mythen, während die zweite Phase (1946-1990er) eine durch US-Einflüsse demokratisierte, hochindustrialisierte Entwicklung war, die jedoch an konservativen, "harmonistischen" Sozialstrukturen festhielt.
Warum wird die aktuelle Phase als "dritte Modernisierung" bezeichnet und kritisch hinterfragt?
Die dritte Phase wird als eine der "dritten Öffnung" des Landes bezeichnet, die endogen motiviert sein soll; der Autor hinterfragt jedoch kritisch, ob dieser Übergang aufgrund politischen Verhaltens tatsächlich stattfindet oder ob Japan weiterhin in alten Mustern verhaftet bleibt.
- Quote paper
- Dominic Schnettler (Author), 2016, Ist Japan eine moderne Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341992