Diese Exegese beschäftigt sich mit der Perikope aus dem Markus-Evangelium 11, 27-33. Dieser Abschnitt ist in der Lutherbibel mit der Überschrift „Die Frage nach der Vollmacht Jesu“ versehen. Wir befinden uns in einem Streitgespräch zwischen den obersten Priestern, Schriftgelehrten, Ältesten auf der einen Seite und Jesus auf der anderen.
Ich habe mich für das Markus Evangelium entschieden, da es das älteste Evangelium ist und somit den Grundstein der drei synoptischen Evangelien darstellt. Auf diese Perikope bin ich aufmerksam geworden, da mich Jesu Reaktion in dieser Situation zunächst stutzig werden lässt. Gleichzeitig ist diese Perikope ein Beispiel für Jesu außergewöhnliche Weisheit und Redekunst. Eine Gruppe an Gelehrten fragt Jesus, von wem er die Vollmacht bekommt, all dies zu tun. Jesus antwortet mit einer Gegenfrage, in welcher er sich auf Johannes den Täufer bezieht und welche nicht beantworten werden kann. Daraufhin gibt auch Jesus keine Antwort.
Mir stellen sich nun folgende Fragen: Warum antwortet Jesus ihnen nicht einfach? Warum provozieren die Schriftgelehrten Jesus? Was wollen sie erreichen? Welche Antwort haben sie erwartet? Warum bezieht sich Jesus auf Johannes den Täufer? Welche Absicht hat der Autor des Markus-Evangeliums verfolgt?
Früher empfand ich Jesu Antwort als ein „Spielen“ mit den Gelehrten und konnte dies nicht nachvollziehen. Ich empfand seinen Entschluss, den Gelehrten dann auch keine Antwort zu geben, als eher barsch. Ich hoffe, dass ich durch diese Exegese mehr Klarheit erlangen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbesinnung
2 Übersetzungsvergleich
3 Textkritik
4 Textanalyse
4.1 Abgrenzung des Textes
4.2 Kontextstellung
4.3 Sprachlich- syntaktische Analyse
4.4 Semantische Analyse
4.5 Narrative Analyse
4.6 Pragmatische Analyse
4.7 Feststellung der Kohärenz
5 Literarkritik
6 Formgeschichte
6.1 Gattungskritik
6.2 Sitz im Leben
7 Traditionsgeschichte
8 Begriffs- und Motivgeschichte
9 Religionsgeschichtlicher Vergleich
10 Redaktionsgeschichte
11 Einzel- (und Gesamt-) Exegese
11.1 Einzelexegese
11.2 Gesamtexegese
12 Hermeneutische Besinnung
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit verfolgt das Ziel, die Perikope Markus 11, 27-33 exegetisch zu erschließen und die zugrunde liegende Vollmachtsfrage Jesu sowie deren Einbettung in das Markusevangelium zu analysieren. Dabei steht die Untersuchung der narrativen Struktur und der theologischen Absicht des Autors im Vordergrund, um zu verstehen, warum Jesus dem Synedrium mit einer Gegenfrage begegnet.
- Exegetische Untersuchung des Markus-Evangeliums (Kapitel 11, 27-33)
- Analyse der Vollmacht Jesu im Kontext des jüdischen Synedriums
- Methodische Betrachtung mittels Sprach-, Form- und Redaktionsgeschichte
- Synoptischer Vergleich mit Matthäus und Lukas
- Hermeneutische Reflexion über die Bedeutung der Autorität Jesu
Auszug aus dem Buch
4.5 Narrative Analyse
Jesus begibt sich erneut nach Jerusalem und in den Tempel. In Vers 27 heißt es, dass Jesus im Tempel „umherging“. Vermutlich ging Jesus lehrend umher, wie er es bereits zuvor getan hat. 14 Jesus wird von den „obersten Priestern“, „Schriftgelehrten“ und „Ältesten“ angesprochen. Damit sind wohl die Führungsspitzen des damaligen Judentums vereint. Aus den beteiligten Personen ergibt sich also, dass die folgende Auseinandersetzung einen offiziellen Charakter hat. 15 Handelnde Personen sind Jesus und seine Gegner. Die Jünger bleiben im Hintergrund. Johannes der Täufer und das Volk kommen in der Rede vor. Kernpunkt bleibt jedoch das Gespräch. Dieses wird, und das macht den besonderen Charakter der Perikope aus, von einem beratenden Gespräch der Gegner untereinander unterbrochen. 16 Die Delegierten des Synedriums stellen Jesus ohne lange Vorrede zwei entscheidende Fragen:
a) „In welcher Vollmacht tust du dies?“
b) „Wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dies zu tun?“
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbesinnung: Einführung in die gewählte Perikope und die subjektive Motivation der Autorin zur Auseinandersetzung mit der Vollmachtsthematik.
Übersetzungsvergleich: Gegenüberstellung verschiedener Bibelübersetzungen, um feine semantische Unterschiede in der Wortwahl und Betonung aufzuzeigen.
Textkritik: Kurzer Hinweis auf die Nicht-Bearbeitung dieses Punktes aufgrund fehlender Griechisch-Kenntnisse.
Textanalyse: Detaillierte Untersuchung der Abgrenzung, des Kontexts sowie der sprachlichen, narrativen und semantischen Elemente der Perikope.
Literarkritik: Analyse der schlüssigen Struktur des Textes und Diskussion um die historische Authentizität der Überlieferung.
Formgeschichte: Einordnung der Perikope in die Gattung der Streitgespräche und deren Sitz im Leben.
Traditionsgeschichte: Untersuchung der historischen Verankerung der Szene in Jerusalem und der Tradition von Johannes dem Täufer als Wegbereiter.
Begriffs- und Motivgeschichte: Definition und Kontextualisierung zentraler Begriffe wie Synedrium, Tempel, Vollmacht und Prophet.
Religionsgeschichtlicher Vergleich: Betrachtung der rechtlichen Hintergründe nach der Mischna und der Auseinandersetzung mit den jüdischen Führern.
Redaktionsgeschichte: Einordnung der Perikope in das Markusevangelium unter Berücksichtigung der Zwei-Quellen-Theorie und der Person des Autors.
Einzel- (und Gesamt-) Exegese: Vers-für-Vers-Interpretation der Perikope und abschließende Zusammenfassung der theologischen Aussagen.
Hermeneutische Besinnung: Reflexion über die Relevanz der Vollmachtsfrage für den persönlichen Glauben und das Handeln in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Vollmacht, Synedrium, Streitgespräch, Exegese, Jesus, Johannes der Täufer, Messias, Tempel, Autorität, Prophet, Schriftgelehrte, Theologie, Glauben, Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Perikope Markus 11, 27-33, in der Jesus im Tempel von Vertretern des Synedriums zu seiner Vollmacht befragt wird.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Themen sind die Autorisierung Jesu, die Auseinandersetzung zwischen Jesus und den jüdischen Führern sowie der Vergleich mit Johannes dem Täufer.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die narrative und theologische Tiefe dieser spezifischen Textstelle zu erschließen und die Gründe für Jesu Gegenfrage zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden klassische exegetische Methoden verwendet, darunter der Übersetzungsvergleich, die Text-, Form- und Redaktionsgeschichte sowie eine hermeneutische Reflexion.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des Streitgesprächs, die Begriffe Synedrium und Vollmacht sowie die redaktionsgeschichtliche Bedeutung für den Aufbau des Markusevangeliums.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Die Analyse wird durch Begriffe wie Vollmacht (Exousia), Synedrium, Tempelreinigung, Prophetie und Messias charakterisiert.
Warum antwortet Jesus den Schriftgelehrten nicht direkt?
Die Autorin argumentiert, dass Jesus dem Synedrium keine Antwort schuldet, da diese kein echtes Interesse an der Wahrheit haben, sondern Jesus lediglich wegen Gotteslästerung belasten wollen.
Welchen Einfluss hat die Tempelreinigung auf das Gespräch?
Die Tempelreinigung ist der unmittelbare Auslöser für das Misstrauen und die Konfrontation durch die Delegierten, da diese die Autorität Jesu hinterfragen müssen.
- Quote paper
- Johanna Weddigen (Author), 2013, Neutestamentliche Exegese Markus 11, 27-33, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342002