Der Einfluss der physischen Attraktivität auf das Einkommen: Sind Bildung und Berufsprestige vermittelnde Mechanismen?

Eine Analyse auf Basis des ALLBUS 2014


Hausarbeit, 2016
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Hypothesen
2.1 Die „objektive Attraktivität“
2.2 Der Halo-Effekt (Attractiveness Stereotype) und die selbsterfüllende Prophezeiung
2.3 Der „Beauty is Beastly“-Effekt

3. Daten, Operationalisierung und Methode
3.1 Datengrundlage und Einschränkung des Samples
3.2 Konzeptspezifikation und Operationalisierung
3.3 Methode

4. Ergebnisse

5. Zusammenfassung und Diskussion

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Deskriptive Verteilungen

Tabelle 2: Lineare Regressionsanalyse des Einkommens

1. Einleitung

Soziologische Forschung ist seit jeher stark an der Untersuchung von sozialer Ungleichheit an sich und von Determinanten, die diese verursachen, interessiert. Man kann sagen „Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den ‚wertvollen Gütern‘ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten“ (Hradil und Schiener 2001: 30). Nun kann man sich generell streiten, welche Güter exakt als „wertvoll“ gelten können und welche nicht. Beim Einkommen dürfte diese Entscheidung jedoch recht leicht fallen. Einkommensungleichheiten können als Ursprung einer Vielzahl an ungleich verteilten Chancen und Risiken im Leben von Menschen gesehen werden und geraten deshalb immer wieder in den Fokus der Forschung. Neben Studien, die eine allgemeine Zunahme bzw. ein Verharren der Lohnungleichheit in Deutschland auf hohem Niveau konstatieren (vgl. Giesecke und Verwiebe 2008; Goebel et al. 2015) sind hier vor allem Studien zur, nach wie vor bestehenden, Lohndiskriminierung von Frauen (vgl. Hinz und Gartner 2005; 2009) und Personen aus Ostdeutschland (vgl. Bosch et al. 2014) zu erwähnen. Das Aussehen, und genauer gesagt die körperliche Attraktivität, von Menschen ist in der Soziologie hingegen ein „blinder Fleck“ bei der Erforschung von Ungleichheiten (vgl. Rosar et al. 2014: 177 f.). Dies ist aus zwei Gründen verwunderlich: Erstens handelt es sich bei der Attraktivität um eine Eigenschaft, die man, ähnlich wie andere exzessiv erforschten Quellen sozialer Ungleichheit, nur in recht begrenztem Rahmen selbst beeinflussen kann. Zweitens ist es ein Merkmal, von dem es zugleich in verschiedensten Kontexten immer wieder heißt, es könne bei entsprechender Ausprägung einen Vorteil darstellen und für eigene Profite genutzt werden. Hier stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob attraktivere Menschen auch im Berufsleben bevorzugt behandelt werden und demnach auch eher höhere Einkommen generieren können als unattraktivere. Vor allem sozialpsychologische Studien kommen bezüglich einer etwaigen Ungleichbehandlung aufgrund des Aussehens zu deutlichen – und bisweilen auch schockierenden – Ergebnissen. So konnte gezeigt werden, dass sogar Mütter ihre eigenen Säuglinge liebevoller behandeln und ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn diese attraktiver sind (vgl. Langlois et al. 1995). Wie sehr uns Schönheit anzieht und wie tief dieses Verhalten in uns verwurzelt ist, kann ebenfalls bereits bei Kleinkindern nachgewiesen werden, die sich bei besser aussehenden fremden Personen weniger zurückziehen und sich mehr am Spiel mit ihnen beteiligen (vgl. Langlois et al. 1990). Attraktivere Kinder und Erwachsene werden außerdem als intellektuell kompetenter eingestuft (vgl. Jackson et al. 1995) und „schönere“ Schüler erhalten dementsprechend auch die bessere Noten (vgl. Dunkake et al. 2012). Auch im Berufsleben zeigt sich ein sehr ähnliches Muster. In einem experimentellen Setting konnte nachgewiesen werden, dass „hübschere“ Menschen bei Vorliegen einer qualitativ mittelmäßigen, schriftlichen Bewerbung positiver eingeschätzt und auch eher zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, als weniger gut aussehende (vgl. Watkins und Johnston 2000). Attraktivere Professoren erhalten des Weiteren von Studenten bessere Bewertungen für ihre Lehrveranstaltungen (vgl. Rosar und Klein 2009) und zu guter Letzt kann auch gezeigt werden, dass mit der Attraktivität das durchschnittliche Haushaltseinkommen steigt (vgl. Schunck 2016). Alles in Allem lässt sich zusammenfassen, dass das Aussehen von Menschen großes Potential für soziale Ungleichheit mit sich bringt. Im Kontext der Forschungsergebnisse kann hier von einer Art Kapital im Sinne Bourdieus gesprochen werden, das bei entsprechender Ausprägung eingesetzt werden kann, um in verschiedensten Lebensbereichen bessere Chancen zu haben (vgl. Bourdieu 1983: 183 ff.). In vorliegender Forschungsarbeit soll nun untersucht werden, ob die Schulbildung und das Berufsprestige – als die neben dem Einkommen wichtigsten Determinanten des sozioökonomischen Status – vermittelnde Faktoren im Einfluss der Attraktivität auf das persönlich erzielten Einkommen darstellen. Die Forschungsfrage lautet somit entsprechend: Der Einfluss der physischen Attraktivität auf das Einkommen: Sind Bildung und Berufsprestige vermittelnde Mechanismen?

2. Theorie und Hypothesen

Dieses Kapitel ist in drei Teile untergliedert. Es beginnt mit einer Beschreibung der zentralen Annahme der „objektiven Attraktivität“. Im Anschluss daran wird auf den „Halo-Effekt“ und die „selbsterfüllende Prophezeiung“ eingegangen, bevor in einem letzten Punkt der „Beauty is Beastly“-Effekt genauer erläutert wird.

2.1 Die „objektive Attraktivität“

Bevor auf die eigentlichen theoretischen Ansätze eingegangen wird, soll an dieser Stelle die für diese Arbeit zentrale Annahme der objektiven physischen Attraktivität kurz diskutiert werden. Attraktivität wird in dieser Untersuchung als ein Kapital verstanden, das sich auf das erzielte Einkommen auswirken kann. Damit hier von einem Auslöser bzw. Verstärker allgemeiner sozialer Ungleichheit gesprochen werden kann, muss sichergestellt werden, dass Attraktivität auch weitestgehend interindividuell übereinstimmend bewertet wird. Es muss sich also um ein Merkmal handeln, das objektiv von verschiedensten Menschen in sehr ähnlicher Weise beurteilt wird. Nur dann kann es dadurch zu generellen Vorteilen oder Nachteilen kommen, die sich nicht über die Zeit hinweg einigermaßen ausgleichen. Tatsächlich liegt die Schönheit eines Menschen wohl weniger im Auge des Betrachters, als oft angenommen wird. Es kann hierbei von einer Personeneigenschaft gesprochen werden, die relativ präzise und mit hoher Übereinstimmung gemessen werden kann (vgl. Köhler 1984: 140 ff.). Da die Untersuchung der Auswirkungen von Attraktivität in der Soziologie ein noch weitestgehend unerforschtes Feld ist, stammen die meisten Beitrage zu diesem Thema aus der Sozialpsychologie. Etliche Studien kommen hier zu dem Ergebnis, dass das Schönheitsempfinden, vor allem (aber nicht ausschließlich) auf das Gesicht bezogen, bei den meisten Menschen und sogar kultur- bzw. ethnienübergreifend sehr ähnlich ist (vgl. u.a. Iliffe 1960; Cunningham 1986; Cunningham et al. 1990; 1995; Jones 1995). Diese große Übereinstimmung bei der „Schönheits-Bewertung“ bezeichnen Rosar et al. mit dem Begriff Attractiveness Consensus (vgl. ebd. 2008: 66). Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass es auch Kritiker gibt, die diese Annahme nicht bestätigen können. So kommt zum Beispiel Hönekopp in einem eigenen Experiment zu dem Schluss, dass der persönliche Geschmack bei der Attraktivitätsbewertung eine mindestens genauso große Rolle spielt, wie kollektiv geteilte Vorlieben (vgl. ebd. 2006). Aufgrund der deutlich höheren Evidenz wird in dieser Arbeit jedoch von ersterer Annahme ausgegangen.

2.2 Der Halo-Effekt (Attractiveness Stereotype) und die selbsterfüllende Prophezeiung

Der Halo-Effekt entstammt ebenfalls aus der Sozialpsychologie und beschreibt allgemein das Phänomen, das eine herausragende, positive oder negative, Eigenschaft bei der Bewertung einer Person auch auf andere Personenmerkmale übertragen wird. Man kann verbildlicht davon sprechen, dass die herausstechende Eigenschaft auf unterschiedlichste Merkmale „ausstrahlt“ und diese überdeckt. Dabei muss zwischen dem „strahlenden“ Merkmal und den „überstrahlten“ Merkmalen kein Zusammenhang bestehen und meist ist ein solcher auch nicht logisch. Der Gesamteindruck kann von diesem Bewertungsfehler entscheidend beeinflusst werden (vgl. Thorndike 1920: 25 ff.; Hemberger 2009: 7). Ein solcher Effekt kann auch von der physischen Attraktivität erzeugt werden. In entsprechenden sozialpsychologischen Forschungen wird dies auch als Attractiveness Stereotype bezeichnet (vgl. Rosar et al. 2008: 67). Forschungsergebnisse bestätigen, dass attraktiveren Menschen per se auch oft bessere Eigenschaften zugesprochen werden. So gelten sie unter anderem als intelligenter, fleißiger, leistungsfähiger, sympathischer, zuverlässiger und freundlicher (vgl. zusammenfassend Rosar et al. 2014: 188). Wendet man die bisherigen theoretischen Überlegungen auf vorliegende Fragestellung an, bedeutet dies, dass attraktivere Menschen ein höheres Einkommen erzielen, da andere Personen in diesen sozusagen „mehr sehen als tatsächlich vorhanden ist“. Innerhalb des Schul- und Ausbildungssystems kann sich das bemerkbar machen, indem attraktiveren Personen, im Vergleich zu unattraktiveren und bei ansonsten gleichem Leistungsniveau, beispielsweise eine generell höhere Intelligenz, Kompetenz und auch Sympathie zugeschrieben wird und dies auch (zumindest unterbewusst) in die Benotung miteinfließt. Auch wenn für jeden spezifischen Schul- bzw. Ausbildungsabschluss natürlich ein gewisses Maß an tatsächlicher Intelligenz und Begabung vorhanden sein muss, kann sich dies positiv auf Noten bzw. die Chance zur Erlangung eines höheren Abschlusses, und damit auch auf das später erzielte Einkommen, auswirken. Bezogen auf die Arbeitswelt ergibt sich ein recht ähnliches Muster. Auch hier kann sich ein solcher Effekt bemerkbar machen, indem die Arbeitsleistung attraktiverer Menschen, im Vergleich zu unattraktiveren mit ähnlicher Leistung, in der Regel besser beurteilt wird und mit ihnen auch eher sozial wünschenswerte Eigenschaften assoziiert werden. Dies dürfte sich auch positiv auf etwaige Karrierechancen und die Erlangung eines höheren Berufsprestiges auswirken, was wiederum zu einem höheren Einkommen führt. In beiden Fällen haben die Beurteiler in den entsprechenden Positionen sozusagen eine „rosarote Brille“ auf, die ihre Wahrnehmung verzerrt. Sie unterliegen dem Fehlschluss „What is beautiful is good“ (Dion et al. 1972: 289). Allerdings ist es auch denkbar, dass attraktivere Menschen durch eine fortwährende Zuschreibung höher Kompetenzen, diese im zeitverlauf auch tatsächlich ausbilden. In diesem Fall handelt es bei der Einschätzung von Eigenschaften einer attraktiven Person nur zu Beginn um einen wirklichen Fehler. Das stetige positive Feedback kann daraufhin zu Veränderungen in den Einstellungen, dem Selbstbewusstsein oder der Motivation führen, indem man sich beispielsweise konsequent weiterbildet. Aus „man hält mich für kompetent“ wird so mit der Zeit „ich bin kompetent“. Eine solche Entwicklung bezeichnet man als Selbsterfüllende Prophezeiung (vgl. Merton 1948: 193 ff.). Ganz gleich, ob attraktivere Personen nun etwaige Vorteile haben, weil man sie nur für kompetenter hält, oder weil sie durch das positivere Feedback der Mitmenschen tatsächlich bessere Kompetenzen ausbilden. Unter dem Strich handelt es sich in beiden Fällen um eine ungleiche Verteilung von Lebenschancen, deren Existenz es zu untersuchen gilt. Aus der eben erfolgten theoretischen Ableitung ergeben sich die ersten beiden Forschungshypothesen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der physischen Attraktivität auf das Einkommen: Sind Bildung und Berufsprestige vermittelnde Mechanismen?
Untertitel
Eine Analyse auf Basis des ALLBUS 2014
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Fortgeschrittene Analysemethoden der quantitativen Sozialforschung: Angewandte Regressionsanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V342075
ISBN (eBook)
9783668321519
ISBN (Buch)
9783668321526
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Ungleichheit, Einkommen, Aussehen, physische Attraktivität, Attractiveness Stereotype, Selbsterfüllende Prophezeiung, Beauty is Beastly, Regressionsanalyse, ALLBUS, Bildung, Berufsprestige, Prestige
Arbeit zitieren
Thomas Beer (Autor), 2016, Der Einfluss der physischen Attraktivität auf das Einkommen: Sind Bildung und Berufsprestige vermittelnde Mechanismen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342075

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