Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher und medienpädagogische Zielsetzungen


Hausarbeit, 2005
26 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Eigenschaften der Medien
1.2 Determinanten der Mediennutzung
1.3 Zur Begrifflichkeit der Rezeption

2. Theoretische Ansätze zum Rezipientenverhalten
2.1 Historischer Ansatz
2.2 Wirkungsansatz
2.3 Uses-and-Gratifications-Approach – Nutzenansatz
2.4 Ethnomethodologischer Ansatz
2.5 Medienbiographischer Ansatz
2.6 Medienökologischer Ansatz
2.7Cultural Studies

3. Jugend und Medien
3.1 Rezeptionsgewohnheiten Jugendlicher
3.2 Funktionen der Medien im Alltag Jugendlicher
3.3 Der Jugendmedienschutz

4. Medienpädagogische Zielsetzungen
4.1 Rezeptive Medienarbeit
4.2 Medienkompetenz

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher und medienpädagogische Zielsetzungen

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit habe ich mich mit den theoretischen Ansätzen zum Rezeptionsverhalten, speziell in der Altersgruppe der Jugendlichen, aus der aktuellen Medienforschung befasst. Aus der Medienvielfalt habe ich den Fernseher in den Vordergrund gerückt, auf den ich besonders Bezug nehmen werde. Der Umfang der Hausarbeit hat es leider nicht zugelassen, auch auf Medien wie Bücher, Radio, Zeitschriften, Computer oder das Internet näher einzugehen, welche in der Mediendiskussion eigentlich nicht vernachlässigt werden sollten.

Zunächst möchte ich auf die allgemeinen Eigenschaften der Medien eingehen, um auch die Medien neben dem Fernseher nicht zu vernachlässigen. Ich werde ebenfalls auf die Determinanten der Mediennutzung eingehen und die Begrifflichkeit der Rezeption erläutern, um einen möglichst leichten Einstieg in das Themengebiet zu ermöglichen. Im zweiten Teil der Hausarbeit werde ich mich genauer mit den vielzähligen theoretischen Ansätzen zum Rezipientenverhalten auseinandersetzen. Die Rezeptionsgewohnheiten Jugendlicher und welche Funktionen die Medien im Alltag Jugendlicher haben, werde ich im dritten Teil ausführen. Zum Schluss werde ich noch auf die Bedeutung und die Zielsetzungen für die Medienpädagogik eingehen, die sich aus den theoretischen Hintergründen ergeben.

1.1 Eigenschaften der Medien

„Medien, allgemein Mittel zur Übertragung und Verbreitung von Information (Nachrichten, Bildung und Unterhaltung) durch Sprache, Schrift, Bild, Musik oder nonverbale (gestische, mimische) Verständigungsweisen; im engeren Sinn technisch bestimmte Kommunikationskanäle wie Druck (Buch, Zeitungen, Zeitschriften), Photographie, Film, Hörfunk und Fernsehen, Schallplatte, Tonband und elektronische Medien. Dabei richten sich Massenmedien im Rahmen einer asymmetrischen Kommunikationssituation an ein anonymes Publikum, während Individualmedien wie das Telefon eine bidirektionale Kommunikation zwischen einzelnen Personen ermöglichen.“[1]

Medien sind vor Allem Träger von Informationen. Die fundamentalen Medien sind Sprache und Schrift. Über sie tauschen wir Informationen, Ansichten und Gefühle aus. Denkt man an „Medien“ so fallen einem spontan die „Massenmedien“ ein, man denkt an technische Geräte (Fernseher, Computer, Videorekorder…), aber auch an didaktisch organisierte Materialien, wie z.B. die Overhead-Projektoren, die heutzutage in jedem Klassenzimmer stehen. Die öffentlichen Medien lassen sich grob einteilen in „auditive Medien“, (Radio, CD, Hörkassette), „visuelle Medien“ (Stummfilm, Dias, Fotos) und „Printmedien“ (Buch, Zeitschrift, Zeitung). Wir wollen uns darüber im Klaren sein, dass es sich bei jedem Medium meist um ein sehr komplexes System handelt. Besonders deutlich ist dies am Fernseher zu sehen. Es ist zu unterscheiden zwischen den Apparaten als technisch-physikalischeTräger (Fernsehapparat), den Übertragungswegen (Leitungen, Kabel, Satellit), den Produktionsstätten (Rundfunkanstalten) und den durch die Medien verbreiteten Programmen.

Die Medien sind so vielfältig, dass es kaum möglich ist alle Medien in ihren Eigenschaften und in ihrer Funktion zu beschreiben. Dennoch werde ich im Folgenden versuchen, zumindest die meiner Meinung nach bedeutsamsten Medien herauszustellen (Presse, Hörfunk, Fernsehen und Kino).

Entscheidend für die Funktion eines Mediums sind seine Eigenschaften, die Kommunikationsbedürfnisse seitens des Rezipienten und die Konkurrenz – die Alternativmöglichkeiten die es gibt um seine zu erfüllen. Der Glaube an das „Supermedium“, hört sich abwegig an, wenn man bedenkt wie unterschiedlich die Nutzungs- und Produktionsbedingungen der verschiedenen Medien sind.

Die folgenden Zwei Übersichten (entnommen aus Meyen, M. 2001) sollen die Eigenschaften und die Funktionen des Hörfunks, der Presse, des Fernsehens und des Kinos aufzeigen. Es wird deutlich, dass jedes Medium ihre individuellen jeweiligen Nutzungseigenschaften in Bezug auf die Wahrnehmung, die Verhaltensfreiheit, zeitliche Freiheit, Raum, soziale Situation und zeitliche Distanz hat. Ebenso unterscheiden sich die Medien auch hinsichtlich ihrer Funktionen. Dies ist wahrscheinlich mit ein Grund, wieso so viele Medien nebeneinander existieren können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1 Determinanten der Mediennutzung

Die Mediennutzung Jugendlicher hat einen bestimmten Zweck, der unabhängig davon ist, ob diese Nutzung bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird. Ob der Fernseher nur als Geräuschkulisse im Hintergrund läuft oder ob das Fernsehangebot den Tagesablauf strukturiert, entscheidend für den Gebrauch des Mediums „Fernseher“ sind die Erfordernisse, die sich aus unserer individuellen sozialen und psychologischen Situation ergeben.

Im Folgenden gehe ich auf die Ausführungen über die Mediennutzung von Michael Meyen (2001) ein. Er geht davon aus, dass die Mediennutzung sich nicht losgelöst vom Medienangebot und ebenso wenig vom Alltag der Menschen betrachtet werden kann. Er zeigt eine Reihe von Faktoren auf, die entscheidend für den Zugang zu den Medien und für deren Nutzen herausgestellt wurden. Michael Meyen versucht diese Faktoren zu systematisieren. Er teilt die Faktoren in drei Rubriken, die strukturellen (1), die positionellen (2) und die individuellen / sozialen Merkmale (3) ein. Unter die Rubrik „Strukturelle Merkmale“ zählt er die Industrialisierung, Urbanisierung, Religion, Arbeits- und Lebensbedingungen, Traditionen, Medienangebot, Freizeitalternativen, Klima, Politisches System und Rechtsnormen als Einflussfaktoren der Mediennutzung auf. Einkommen, Zeitbudget, Tagesablauf, Stellung im Beruf, Bildung, Alter, Lebensphase und Geschlecht zählt Meyen zu der Rubrik „Positionelle Merkmale“. Der dritten Rubrik „Individuelle und soziale Merkmale“ teilt er die menschlichen Grundbedürfnisse, psychologische Struktur, persönliche Lebensgeschichte, Medienerfahrungen, Familie, Freunde, Netzwerke, Rezeptionssituationen, Einstellungen, Werte und Überzeugungen zu (vgl. Meyen, M. 2001).

Diese systematische Einteilung der Einflussfaktoren auf die Mediennutzung erscheint plausibel, dennoch ist sie problematisch. Die Einteilung verschleiert die Zusammenhänge zwischen den oben aufgeführten Merkmalsrubriken. So sind beispielsweise die Arbeits- und Lebensbedingungen eng mit dem Einkommen und dem politischen System verknüpft. Der Tagesablauf und das Zeitbudget sind stark vom Verkehrsnetz abhängig. Betrachtet man die Einflussfaktoren einzeln, so sind diese meiner Meinung nach plausibel. Dass das Klima einen Einfluss auf die Mediennutzung hat ist besonders an verregneten und kalten Wintertagen deutlich - wenn die Zuschauerquoten erheblich steigen. Je nach der Vielfalt anderer zur Verfügung stehender Freizeitaktivitäten wird das Fernsehen erheblich öfters bevorzugt.

Der Vorzug dieser systematischen Einteilung nach Meyen liegt meiner Meinung nach vor Allem darin, dass er sowohl die positionellen, die individuellen, strukturellen und sozialen Merkmale unterscheidet. Die einzige Kritik besteht darin, dass einige gesellschaftliche Determinanten noch ergänzt und weiterentwickelt werden müssten.

1.2 Zur Begrifflichkeit der Rezeption

Der Begriff der Rezeption lässt sich nur schwer, kurz und präzise definieren. Aus diesem Grund werde ich hier nur kurz auf die Begrifflichkeit eingehen.

Schlägt man den Begriff „Rezipient“ in einem Wörterbuch nach, so erhält man die Beschreibung: „j-d, der ein literarisches, mus. od. allgemein künstlerisches Werk aufnimmt, Hörer, Leser, Zuschauer“[2] Die Beschreibung zu „Rezeption“ lautet wie folgt:

„Re·zep·ti'on
die; -, -en
1. Empfang, Empfangsschalter (Hotel, Krankenhaus)
2. (biol., med.) Reizaufnahme, Spüren
3. Aufnahme, Verstehen (z. B. von Gedankengut, literarischen Texten, Kunstwerken)
4. Übernahme, Aufnahme fremden Kulturgutes in die eigene Kultur“ (Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003)

Die Rezeption hat also allgemein gesagt etwas mit „Aufnehmen“ „Verstehen“ und „Verarbeitung“ zu tun. Mit anderen Worten: Die Medienrezeption beinhaltet strukturelle Komponenten, wie z.B. die Art und die Frequenz der Mediennutzung, aber auch die kognitiven und emotionalen Prozesse während und - im Sinne von Wirkung - nach der unmittelbaren Rezeption. Nicht nur der Rezipient, sondern auch das Medium und seine Botschaften spielen im Rezeptionsprozess eine Rolle. Neumann & Charlton definieren Medienrezeption wie folgt: “Die Rezeption von Medien wird als kontextuell gebundenes soziales Handeln mit identitätsstiftender Relevanz konzeptualisiert“ (Neumann & Charlton, 1990, S. 31).

2 Theoretische Ansätze zum Rezipientenverhalten

Eine einheitliche Theorie zur Erklärung der Phänomene im Zusammenhang mit dem Mediengebrauch von Jugendlichen gibt es zur Zeit (noch) nicht. Im Folgenden soll versucht werden, einen Überblick über die aktuellen Theoriemodelle der Medienforschung herzustellen. Die aufgezeigten Forschungsansätze liefern einen Einblick in die kontroverse Diskussion um die Rolle des Zuschauers als „passiven Rezipienten“ und der Wirkung des Mediums. So soll ein Überblick über die mannigfache Hypothesenbildung geschaffen werden. Kann also „[…] menschliches Handeln als ein im weiteren Sinne dinglich verursachtes Ereignis oder aber eher als Ergebnis von [...] selbstverantwortlich bestimmten Willensäußerungen eines aktiven und selbstreflexiven Subjekts angesehen werden [...]“[3] ?

2.1 Historischer Ansatz

Die Hinwendung zur Geschichtsperspektive in der Medienforschung verdankt ihre Rechfertigung, die Relevanz kommunikationshistorischer Fragestellungen an ihrer Funktionalität für die Untersuchung aktueller Kommunikationsprobleme. Die von Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun beschriebene Entwicklung der letzten Jahre, nämlich die zunehmend historische Erforschung von individueller und gesellschaftlicher Kommunikation, steht im Vordergrund dieses Forschungsansatzes. So könne er maßgeblichen Einfluss auf Erkenntnisse und Lösungsvorschläge aktueller Kommunikationsprobleme nehmen, Erklärungen anbieten und den geschichtlichen Werdegang heutiger Phänomene zu erklären helfen. Es dürfe, laut Roland Burkart, jedoch nicht der Fehler gemacht werden, Verhaltensweisen und Auswirkungen zurückliegender Medienrezeption ohne Berücksichtigung der sich heute ständig verändernden Medienlandschaft in die aktuelle Kommunikationsforschung mit einzubeziehen. So unterstreichen die Autoren die Bedeutung der Inter- und Multidisziplinarität, denn heutige Theorien und historische Erkenntnisse seien nur durch das Zusammenwirken verschiedener Wissenschaftsrichtungen eindeutig miteinander zu verknüpfen. Der historische Ansatz einer aktuellen Medienforschung impliziere zudem weit mehr als nur die bloße geschichtliche Betrachtung des Pressewesens. Vielmehr erstrecke er sich nun mehr auch auf andere Aspekte und Erscheinungsformen wie beispielsweise die Studien zur historischen Publikums- und Wirkungsforschung, zur Geschichte der Medien- und Kommunikationswissenschaften oder zur Geschichte der Institution der Medienproduktion. Charlton und Neumann-Braun betonen jedoch, dass diese Ansätze allein noch nicht ausreichen, um eine eigenständige und für sich abgerundete Theorie der Kommunikationsgeschichte auszumachen. Nur die Summation dieser und verschiedener weiterer Aspekte könne helfen die Mediengeschichte als „[…] eine Geschichte kultureller Differenzierungen […]“[4] zu verstehen. Was damit gemeint ist, soll das folgende Beispiel deutlich machen.

Bezug nehmend auf die oben referierten Thesen, greifen Charlton und Neumann-Braun auszugsweise den Text „Kinderwelten in einer sich verändernden Medienumwelt“ von Bettina Hurrelmann, auf. Dieser zeigt deutlich, welchen Wandel die Inhaltsbedeutung, Vermittlung und Rezeption vom Medium Literatur im sozialen Kontext der Familie in den letzten Jahrhunderten genommen haben. Die historische Relevanz eines sinnstiftenden und sachlichen Lesens habe sich bis zur heutigen Zeit zunehmend verändert. So hatte die Buchlektüre im 18. Jahrhundert primär autoritative und pädagogische Funktionen im interfamiliären Eltern-Kind Verhältnis zu erfüllen. „Lesen wurde als eine soziale Interaktionsform praktiziert“[5]. Diese Eigenschaft veränderte sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts insofern, als dass Geselligkeit und selbstständiges Lesen der Kinder immer mehr in den Vordergrund traten. Heute jedoch stehe das Lesen zunehmend in Konkurrenz zu anderen Medien, so dass familiäre Gemeinsamkeiten und Kommunikationsinhalte vermehrt in Fernsehkonsum und -rezeption wieder zu finden seien. So stiften Bücher heute, laut Hurrelmann, kaum noch wichtige soziale Situationen und Interaktionen im Familienverbund. Diese Funktion habe zunehmend das Fernsehen übernommen. Die Geschichte eines Mediums ist ohne Berücksichtigung von individuellen bzw. sozialen Verwendungspraktiken bzw. gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht adäquat zu erfassen.

2.2 Wirkungsansatz

Charlton und Neumann-Braun unterteilen den von ihnen beschriebenen Wirkungsansatz in drei unterschiedliche Ausprägungen: Die medienzentrierten und rezipientenorientierten Ansätze, sowie das komplexe Kausalmodell der Medien-Rezipienten-Beziehung. Diese werden im Folgenden einzeln aufgegriffen. So gibt es in der heutigen medien-zentrierten Wirkungsforschung ein einfaches, und zugleich weit verbreitetes Denkmodell, das auf der starren Verbindung zwischen Medienreiz und –rezeption beruht. Demnach hätte der übermittelte Inhalt direkten Einfluss auf die daraus resultierende Reaktion des Zuschauers, eine vermutete Gesetzmäßigkeit, die trotz vorhandener Gegenbeweise immer noch einen festen Platz in der Medienforschung einnimmt. Die Autoren definieren sie als „[…]direkte Wirkungshypothese[…]“[6], als konkrete Schlussfolgerung von den Inhalten auf die Wirkungen, die den Rezipienten als eindeutig passiven Empfänger charakterisiert. Die Erweiterung dieses Modells hin zur rezipienten-kontextorientierten Forschung zeige jedoch, dass dieses zwar nicht grundlegend falsch sei, jedoch weitere, für diesen Ansatz fundamentale Aspekte außer acht lasse. Die Berücksichtigung situativer, subjektiver und formaler Bedingungen während der Rezeption liefere ein weitaus realistischeres Bild des Zusammenhangs zwischen Reiz und Reaktion. Der Zuschauer gelte nicht mehr nur als passiver Informationsempfänger, vielmehr könne er durch oben genannte Einflüsse die Medieninhalte individuell verarbeiten, selbst auswählen und während der Rezeption mit anderen Zuschauern interagieren. Aus diesen Erkenntnissen resultierend hat sich ein weiterer Aspekt der Medienwirkungsforschung herausgebildet: der rezipientenorientierte Ansatz. Basierend auf der Voraussetzung von Eigenaktivität der Rezipienten bei der Verarbeitung der Medieninhalte, beruht dieser auf dem Bemühen, die kognitiven und emotionalen Abläufe dieses Vorgangs zu analysieren. So ist, laut Charlton und Neumann-Braun, der Zuschauer bereit die Inhalte dann nachzuahmen, wenn er diese „[…] für […] erfolgreich und (moralisch) gerechtfertigt oder für […] übertragbar auf die eigene Person […] einschätzt[…]“[7]. Die Fähigkeit zur individuellen Bewertung einer Situation entwickle sich jedoch erst im Laufe der Jahre. Kinder könnten demnach schwerer die moralischen Aspekte sowie Realität und Fiktion voneinander unterscheiden. Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von sozialkognitiven Fähigkeiten, die es dem Rezipienten später ermöglichen sollen, alltägliche Mediennutzungssituationen perspektivisch richtig einzuschätzen. Je nach seinem persönlichen Situationsverständnis „[…] sieht bzw. liest oder hört der einzelne Rezipient möglicherweise etwas ganz anderes als das, was vom Autor intendiert worden ist […].“[8] Die komplexen Kausalmodelle der Medien-Rezipienten-Beziehung sind ein weiterer Ansatz der heutigen Wirkungsforschung. Im Gegensatz zu einfachen Ursache-Wirkungs-Analysen widmen sich diese Modelle den vernetzten und multiplen Systemen zwischen Mensch und Umwelt, zwischen ständig wechselnden Bedingungen und Ereignissen. Charlton und Neumann-Braun untersuchen exemplarisch, basierend auf den komplexen Modellen der Medienwirkungsforschung, die Auswirkungen von Gewalt im Fernsehen auf den Rezipienten. Die vermuteten Folgen, gerade für Kinder, konnten jedoch bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden. Charlton und Neumann-Braun betonen, dass der Fernsehkonsum nur eine von vielen Variablen sei, die für die Persönlichkeitsentwicklung prägend ist. Diese zu bestimmen, einzuordnen und zu analysieren sei ein Grundbestandteil des kausalnomologischen Untersuchungsmodells, „[…]wenn es um die Untersuchung von Langzeiteffekten unter Berücksichtigung von sozialem Kontext und Persönlichkeit der Rezipienten geht[…]“[9].

[...]


[1] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 © 1993-2002 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[2] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 © 1993-2002 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[3] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.24

[4] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.28

[5] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S. 29

[6] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.32

[7] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.35

[8] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.38

[9] Charlton/Neumann-Braun (1992): Theorieansätze und Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung; S.45

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher und medienpädagogische Zielsetzungen
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Veranstaltung
Jugendkultur und Medien
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V34209
ISBN (eBook)
9783638345040
ISBN (Buch)
9783638652650
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorieansätze, Rezipientenverhalten, Jugendlicher, Zielsetzungen, Jugendkultur, Medien
Arbeit zitieren
Melanie Aschert (Autor), 2005, Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher und medienpädagogische Zielsetzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34209

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