1. Einleitung
Während in der Gründungszeit der Fußballvereine noch die ideellen Vorstellungen, wie z. B. gemeinsame Leibesertüchtigung, im Mittelpunkt standen, rücken nun vermehrt finanzielle Interessen in den Vordergrund. Früher waren Fußballvereine gemeinnützig orientiert, doch nun liegt ihr Hauptaugenmerk eher auf der Steigerung des Gewinns und des Unternehmenswertes. Die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung im Profifußball beschert Vereinen, neuerdings auch Kapitalgesellschaften, neue Einnahmequellen. Bisher bildeten die Umsätze aus dem Spielbetrieb, z. B. Zuschauereinnahmen, die eigentliche Einnahmequelle des Vereins. Doch mittlerweile stellen Umsätze aus dem wirtschaftlichen Betrieb, wie z. B. Merchandising, den größten Teil am Gesamtumsatz dar. Der Umsatz einiger Vereine ist mittlerweile soweit gestiegen, dass sie die Größe eines mittelständigen Unternehmens erreicht haben. Dieses und die Tatsache, dass die Eigenkapitalausstattung der Vereine mit der bisherigen Wachstumsdynamik nicht mithalten konnte, veranlasst Fußballvereine zu einer Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit zu einem Börsengang. Damit gewinnt auch die Thematik der Unternehmensbewertung für die neugegründeten Fußballunternehmen an Bedeutung. Die folgende Analyse bezieht sich dabei auf etablierte traditionsreiche Vereine, die sich entweder schon in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt haben oder dieses in naher Zukunft in Erwägung ziehen. Bei kleineren Fußballvereinen, wie beispielsweise Energie Cottbus oder FC St. Pauli, ist die Prognoseunsicherheit so hoch, dass eine aussagekräftige Bewertung nicht möglich wäre. Zunächst werden die Besonderheiten der Fußballunternehmen gegenüber traditionellen Unternehmen herausgestellt. Danach werden die wichtigsten Anlässe für eine Unternehmensbewertung herausgearbeitet. Der Verdeutlichung der Anwendungsmöglichkeiten von drei ausgewählten Bewertungsverfahren...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Besonderheiten bei Fußballunternehmen
3. Bewertungsanlässe
3.1 Transaktionsbezogene Anlässe
3.2 Nicht-transaktionsbezogene Anlässe
4. Bewertungsverfahren
4.1 Vorstellung möglicher Bewertungsverfahren
4.1.1 Substanzwertverfahren
4.1.2 Discounted-Cashflow-Verfahren
4.1.2.1 Weighted Averaged Cost of Capital-Ansatz
4.1.2.2 Adjusted Present Value-Ansatz
4.1.2.3 Equity-Ansatz
4.1.3 Ertragswertverfahren
4.1.4 Branchenvergleichsverfahren
4.1.4.1 Kurs-Gewinn-Verhältnis
4.1.4.2 Multiplikatorverfahren.
4.2 Anwendbarkeit ausgesuchter Verfahren auf Fußballunternehmen
4.2.1 Anwendungsmöglichkeit des Substanzwertverfahrens
4.2.2 Anwendungsmöglichkeit des DCF-Verfahrens
4.2.3 Anwendungsmöglichkeit des KGV-Verfahrens
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Spezifika von Fußballunternehmen im Hinblick auf deren Unternehmensbewertung und untersucht, inwieweit etablierte Bewertungsverfahren auf diese Branche anwendbar sind, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Investoren und Management zu schaffen.
- Besonderheiten von Fußballunternehmen gegenüber traditionellen Unternehmen
- Differenzierung von Bewertungsanlässen (transaktionsbezogen vs. nicht-transaktionsbezogen)
- Vergleichende Analyse gängiger Bewertungsverfahren (Substanzwert-, DCF- und KGV-Verfahren)
- Analyse der Prognosesicherheit und Einnahmestruktur von Fußballvereinen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Discounted Cashflow-Verfahren ( DCF-Verfahren )
Die DCF- Verfahren basieren auf dem Kapitalwertkalkül. Mit den verschiedenen DCF-Verfahren wird der Wert einer Unternehmung durch die Diskontierung von erwarteten Cashflows ermittelt. Die Cashflows stellen erwartete Einnahmeüberschüsse dar, die je nach Variante des DCF-Verfahrens verschieden voneinander abzugrenzen sind. Vorweg muß erwähnt werden, dass sich bis heute in der Literatur noch kein einheitliches, abschließendes Berechnungsverfahren für den Cashflow herausgebildet hat. Je nach Autor treten zum Teil erhebliche differierende Varianten auf.
Auf die Steuerbetrachtung wurde hier verzichtet. Man erkennt, dass der FCF frei von Finanzierungseinflüssen ist und die so ermittelten erwarteten Einnahmeüberschüsse, die für die Bedienung der Fremdkapital- und Eigenkapitalgeber verwendet werden können, darstellen. Man bezeichnet diesen Ansatz als entity-approach. Um den Unternehmenswert zu errechnen, können drei verschiedene Varianten angewendet werden, die bei konsistenter Handhabung ihrer Rechnungsgrundlagen zu identischen Ergebnissen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Wandel von Fußballvereinen hin zu kommerziellen Unternehmen und die daraus resultierende Notwendigkeit einer professionellen Unternehmensbewertung.
2. Besonderheiten bei Fußballunternehmen: Erläutert die spezifischen Herausforderungen wie schwache Controllingstrukturen und die Abhängigkeit von sportlichen Erfolgen bei der Datenermittlung.
3. Bewertungsanlässe: Unterscheidet zwischen transaktionsbezogenen Anlässen, wie Börsengängen, und nicht-transaktionsbezogenen Anlässen, etwa zur strategischen Steuerung oder Kreditprüfung.
4. Bewertungsverfahren: Stellt methodische Ansätze wie Substanzwert-, DCF- und KGV-Verfahren vor und analysiert deren spezifische Eignung für Fußballunternehmen.
5. Schlussbetrachtung: Führt aus, dass das DCF-Verfahren m. E. zukünftig an Bedeutung gewinnen wird und betont die Notwendigkeit von Controllingstrukturen für eine wachsende Branche.
Schlüsselwörter
Fußballunternehmen, Unternehmensbewertung, Controlling, Discounted-Cashflow-Verfahren, KGV-Verfahren, Substanzwertverfahren, Kapitalgesellschaft, Börsengang, Shareholder Value, Transfererlöse, Sponsoring, TV-Rechte, Merchandising, Eigenkapital, Finanzplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Fußballunternehmen vor dem Hintergrund ihrer spezifischen ökonomischen Rahmenbedingungen und der zunehmenden Kommerzialisierung professionell bewertet werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Identifikation von Bewertungsanlässen, die Analyse der branchenspezifischen Einnahmequellen sowie die kritische Würdigung klassischer Bewertungsverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Bewertungsmodelle – insbesondere DCF und KGV – für Fußballunternehmen sinnvoll anwendbar sind und welche Faktoren dabei die größte Unsicherheit darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende finanzwirtschaftliche Bewertungsverfahren auf die Besonderheiten des Profifußballs übertragen und kritisch geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Verfahren (Substanzwert, DCF, KGV) und deren praktische Anwendbarkeit auf die spezifische Kosten- und Ertragsstruktur von Fußballvereinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unternehmenswert, Fußballunternehmen, Controlling, Cashflow, Peer-Group und Investitionsanalyse definiert.
Warum ist die Bewertung von Fußballvereinen so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der hohen Prognoseunsicherheit, bedingt durch die Abhängigkeit von sportlichen Erfolgen, verletzungsbedingten Ausfällen und einer oft erst rudimentär entwickelten Controlling-Infrastruktur.
Welche Rolle spielt der sportliche Erfolg in der Bewertung?
Der sportliche Erfolg beeinflusst maßgeblich die Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring und Stadionbetrieb, weshalb eine konservative Planung für die Unternehmensbewertung unerlässlich ist.
- Quote paper
- Dieter Badry (Author), 2002, Analyse zur Bewertung von Fußballunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34228