Analyse zur Bewertung von Fußballunternehmen


Seminararbeit, 2002
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnisverzeichnis

1.Einleitung

2. Besonderheiten bei Fußballunternehmen

3. Bewertungsanlässe
3.1 Transaktionsbezogene Anlässe
3.2 Nicht-transaktionsbezogene Anlässe

4. Bewertungsverfahren
4.1 Vorstellung möglicher Bewertungsverfahren
4.1.1 Substanzwertverfahren
4.1.2 Discounted-Cashflow-Verfahren
4.1.2.1 Weighted Averaged Cost of Capital-Ansatz
4.1.2.2 Adjusted Present Value-Ansatz
4.1.2.3 Equity-Ansatz
4.1.3 Ertragswertverfahren
4.1.4 Branchenvergleichsverfahren
4.1.4.1 Kurs-Gewinn-Verhältnis
4.1.4.2 Multiplikatorverfahren.
4.2 Anwendbarkeit ausgesuchter Verfahren auf Fußballunternehmen
4.2.1 Anwendungsmöglichkeit des Substanzwertverfahrens
4.2.2 Anwendungsmöglichkeit des DCF-Verfahrens
4.2.3 Anwendungsmöglichkeit des KGV-Verfahrens

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Während in der Gründungszeit der Fußballvereine noch die ideellen Vorstellungen, wie z. B. gemeinsame Leibesertüchtigung, im Mittelpunkt standen, rücken nun vermehrt finanzielle Interessen in den Vordergrund. Früher waren Fußballvereine gemeinnützig orientiert, doch nun liegt ihr Hauptaugenmerk eher auf der Steigerung des Gewinns und des Unternehmenswertes. Die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung im Profifußball beschert Vereinen, neuerdings auch Kapitalgesellschaften, neue Einnahmequellen. Bisher bildeten die Umsätze aus dem Spielbetrieb, z. B. Zuschauereinnahmen, die eigentliche Einnahmequelle des Vereins. Doch mittlerweile stellen Umsätze aus dem wirtschaftlichen Betrieb, wie z. B. Merchandising, den größten Teil am Gesamtumsatz dar. Der Umsatz einiger Vereine ist mittlerweile soweit gestiegen, dass sie die Größe eines mittelständigen Unternehmens erreicht haben. Dieses und die Tatsache, dass die Eigenkapitalausstattung der Vereine mit der bisherigen Wachstumsdynamik nicht mithalten konnte, veranlasst Fußballvereine zu einer Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit zu einem Börsengang. Damit gewinnt auch die Thematik der Unternehmensbewertung für die neugegründeten Fußballunternehmen an Bedeutung. Die folgende Analyse bezieht sich dabei auf etablierte traditionsreiche Vereine, die sich entweder schon in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt haben oder dieses in naher Zukunft in Erwägung ziehen. Bei kleineren Fußballvereinen, wie beispielsweise Energie Cottbus oder FC St. Pauli, ist die Prognoseunsicherheit so hoch, dass eine aussagekräftige Bewertung nicht möglich wäre. Zunächst werden die Besonderheiten der Fußballunternehmen gegenüber traditionellen Unternehmen herausgestellt. Danach werden die wichtigsten Anlässe für eine Unternehmensbewertung herausgearbeitet. Der Verdeutlichung der Anwendungsmöglichkeiten von drei ausgewählten Bewertungsverfahren wird eine allgemeine kurze Beschreibung möglicher Bewertungsverfahren vorangestellt. Die Arbeit schließt mit einem Fazit und einem kurzen Ausblick.

2. Besonderheiten bei Fußballunternehmen

Fußballunternehmen weisen gegenüber traditionellen Unternehmen gewisse Besonderheiten auf. Da die meisten Bundesligavereine sich noch nicht in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt haben, unterliegen sie somit nicht der Publizitätspflicht. Zwar sind Vereine zu einer Aufstellung einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung gemäß §7 Lizensierungsverordnung verpflichtet, doch nicht zu einer Veröffentlichung dieser. Für die Unternehmensbewertung bedeutet dies, dass eine Schätzung der erforderlichen Daten nur sehr schwer möglich ist. Nur die mit der Prüfung der eingereichten Unterlagen des Vereins beim DFB beauftragten Wirtschaftsprüfer können eine sinnvolle Bewertung vornehmen, da nur sie Zugang zu sämtlichen relevanten Größen besitzen. Die Ermittlung der notwendigen Größen wird dadurch erschwert, dass in Fußballunternehmen die Controllingstrukturen nur relativ schwach ausgeprägt. Dies bedeutet, dass die Generierung und Verdichtung von Daten einen großen Aufwand bedarf. Diese Auswirkungen lassen erkennen, dass eine Bewertung von Außenstehenden nur dann durchgeführt werden kann, wenn die Vereine sich in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt haben und sie entweder gemäß §1 PublG zur Veröffentlichung verpflichtet sind oder eine Verpflichtung aus einer Börsennotierung heraus resultiert. Außerdem erleichtert die Bildung erster Controlling-Elemente die Ermittlung der notwendigen Daten.

Neben den Veröffentlichungen gem. PublG produzieren Fußballunternehmen im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmen durch die Leistungen an den Spieltagen einen „Unternehmensbericht“.[1] Das heißt, es wird ersichtlich, inwiefern der sportliche Erfolg erreicht wird. Gerade zum Ende einer Saison erhält dieser Unternehmensbericht verstärkte Aufmerksamkeit, weil z. B. erkennbar wird, ob eine Qualifikation für die sportlich und besonders finanziell lukrative Champions League geschafft werden kann. Für die Bewertung bedeutet dies, dass sich eine gewisse Planungssicherheit hinsichtlich der zu erwartenden Erträge bildet. Dieses ist von großer Bedeutung. Denn grundsätzlich besteht eine hohe Planungsunsicherheit. Einige Gründe dafür sind Verletzungen und Eingewöhnungsschwierigkeiten von Fußballprofis. Ein Beispiel hierfür ist der Spieler Emile Mpenza von FC Schalke 04. In der Saison 2000/2001 war der Stürmer einer der Hauptverantwortlichen für den Gewinn der Vize-Meisterschaft. Auf Grund unerwarteter Verletzungen , sowie Missstimmungen zwischen der Person Mpenza und seinem Arbeitgeber, erfüllte der Stürmer in der laufenden Saison die hohe sportlichen Ziele nur ungenügend. Der für manche Bewertungsverfahren zu bildende detaillierte Planungszeitraum kann demnach nur relativ klein gewählt werden.

Eine weitere Besonderheit bei Fußballunternehmen liegt in der Tatsache, dass der Personalaufwand im Lizenzbereich den größten Posten ausmacht. Fußballunternehmen stehen in einem großen Wettbewerb zueinander und versuchen über höhere Gehälter, Spieler an sich zu binden oder zu einem Wechseln zu bewegen. Die Spirale des Wettbewerbs hat sich im Laufe der Zeit so enorm gedreht, dass bei bestimmten Unternehmen der Personalaufwand schon jenseits der 30 Mio. Euro Grenze angelangt ist. Daraus resultiert für die Bewertung, dass auf diesen Posten ein besonderes Augenmerk gelegt werden muß. So stellt sich beispielsweise die Frage, ob bei der Bewertung mit aktuellen Spielerersatzkosten gerechnet werden soll. Dazu müßte errechnet werden, wieviel ein Fußballunternehmen aufwenden muß, um den Weggang der gesamten Mannschaft zu kompensieren.[2]

Als Gegenpart zu dem Personalaufwendungen stehen die Transfererlöse. Durch das Bosman-Urteil ist die Entwicklung der Transferumsätze rasant schnell vorangetrieben worden. Die Ablösesumme für einen einzelnen Spieler erreicht teilweise die 25 Mio. Euro. Grenze und auch weit darüber. Dadurch können die Umsatzzahlen verzerrt werden. Die Transferumsätze sollten demnach über einen längeren Zeitraum betrachtet werden und zur Erhöhung der Aussagekraft entweder mit einem Mittelwert in die Berechnung eingehen oder vollständig außer Betracht gelassen werden, da ihre genaue Höhe schwer planbar ist.

3. Bewertungsanlässe

Der Unternehmenswert ist abhängig vom Bewertungsanlaß. Die Anlässe für die Unternehmensbewertungen sind zahlreich und vielfältig.[3] Anlässe können beispielsweise ein Kauf oder Verkauf eines Unternehmens sein. Zur Strukturierung der Bewertungsanlässe werden diese in transaktionsbezogene und nicht transaktionsbezogene Anlässe unterteilt.

3.1 Transaktionsbezogene Anlässe

Ein transaktionsbezogener Anlaß liegt immer dann vor, wenn eine Änderung der bisherigen Eigentumsverhältnisse in Aussicht steht. Darunter fällt auch die von vielen Bundesligavereinen bereits vorgenommene Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs. Diese Abspaltung ist von den Clubs vorgenommen worden, um die Voraussetzungen der DFB-Statuten zur Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft zu erfüllen. Die direkte Umwandlung ist nach den DFB-Statuten nicht erlaubt. Fußballunternehmen wollen damit den möglichen Gang an die Börse ebnen und sich über den Kapitalmarkt die erforderlichen Mittel für die gewünschte strategische Ausrichtung beschaffen. Denn die nachhaltig steigenden Transfersummen und steigenden Gehälter können alleine aus dem Ticketverkauf nicht mehr finanziert werden. Wenn der Lizenzspielbereich ausgegliedert wird, muß das in die neue Tochtergesellschaft fließende Vermögen bewertet werden. Hierbei sind die Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung zu beachten. Der Gang an die Börse ist einer der wichtigsten Anlässe zur Unternehmensbewertung. Potentielle Investoren erlangen Anteile an dem Eigenkapital der Tochtergesellschaft und somit werden die bisherigen Eigentumsverhältnisse verändert. Der Unternehmensbewertung kommt dabei die Aufgabe zu, die Grundlage für die Berechnung des richtigen Emissionspreis zu bilden. Nur durch die richtige Höhe des Emissionspreises besteht für Fußballunternehmen die Möglichkeit, einen besonders hohen Emissionserlös zu erhalten.

Der Eintritt eines neuen Gesellschafters in ein bestehendes Fußballunternehmen ist ein weiterer transaktionsbezogener Anlaß. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Kauf einer 10%igen Beteiligung der Firma Adidas an der FC Bayern München AG. Zum einen wird der neue Gesellschafter das Unternehmen bewerten und zum anderen werden auch die alten Gesellschafter eine Bewertung vornehmen. Beide Parteien ermitteln den Wert des Unternehmens als Entscheidungsgrundlage. Allerdings sind dieser Form der Einbindung neuer Gesellschafter in das Fußballunternehmen durch die DFB-Normen Grenzen gesetzt. Denn die Muttergesellschaft muß nach der Ausgliederung mindestens 50% +1 der Stimmen besitzen und hat somit immer den beherrschenden Einfluß auf die Tochtergesellschaft. Damit sind Übernahmeversuche von Außen, wie es z.B. in der Vergangenheit von dem britischen Unternehmen BSky B bei Manchester United zu beobachten war, ausgeschlossen.

3.2 N icht-transaktionsbezogene Anlässe

Bei den nicht transaktionsbezogenen Anlässen wird eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse nicht angestrebt.[4] Es findet hier eine Unternehmensbewertung z. B. im Rahmen einer Kreditwürdigkeitsprüfung statt. Die potentiellen Geldgeber überprüfen das Fußballunternehmen darauf, ob genügend Sicherheiten dem zu vergebenden Kredit gegenüber stehen.

In jüngerer Zeit hat die Abschätzung der Auswirkungen bestimmter Maßnahmen auf den Shareholder Value an Bedeutung gewonnen. Das Management versucht, dabei jene Strategien zu erkennen, die eine Steigerung des Marktwertes des Eigenkapitals zur Folge haben. Beispielsweise könnte eine Unternehmensbewertung erfolgen ,um die Auswirkungen eines Stadionausbaus zu ermitteln. Im Vordergrund steht also hier nicht die Entscheidung über eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse[5], sondern inwieweit der Ausbau den Shareholder Value steigert. Daneben kann die Unternehmensbewertung auch erfolgen, um Investitionsalternativen zu bewerten. Stehen Fußballunternehmen vor der Entscheidung, sich zwischen zwei zu verpflichtenden Spielern zu entscheiden, so kann mit Hilfe der Bewertung eine finanzielle Vergleichbarkeit der Spieler geschaffen werden und es ist möglich, inwieweit der Spieler den Wert des Unternehmens aus der Sicht der Shareholder in der Zukunft steigern wird. Die Bewertung soll hier Aufschluss über die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der Investition geben, die neben den emotionellen und sportlichen Gründen gegeben sein muß.

4. Bewertungsverfahren

4.1 Vorstellung möglicher Bewertungsverfahren

4.1.1 Substanzwertverfahren

Der Substanzwert stellt den Reproduktionswert des Unternehmens dar.[6] Dieses sind die Kosten, die für einen exakten Nachbau des Unternehmens aufgewendet werden müßten. Die speziellen Probleme der Substanzbewertung liegen in der Erfassung, Bewertung und Aufbereitung der einzelnen zu einer Unternehmung gehörenden Wirtschaftsgüter.[7] Grundsätzlich wird bei der Substanzwertermittlung eine Trennung des Vermögens in betriebsnotwendiges und nichtbetriebsnotwendiges Kapital durchgeführt. Dabei wird das betriebsnotwendige Vermögen mit den Wiederbeschaffungswerten und das nichtbetriebsnotwendige mit dem voraussichtlichen Liquidationswert bewertet. Bei der Berechnung des Unternehmenswertes wird dann zwischen der Vollrekonstruktion und der Teilrekonstruktion unterschieden. Die Vollrekonstruktionsmethode geht davon aus, dass das Unternehmen als Gesamtes, sowohl in materieller als auch in immaterieller Hinsicht, nachgebildet wird. Es werden also neben den bilanzierten Vermögensgegenständen auch die Vermögensgegenständen mitbewertet, die nicht bilanziert werden durften. Hierunter fallen z. B. Bekanntheitsgrad oder Managementqualitäten. Und genau in diesen Werten liegt auch die größte Schwierigkeit der Bewertung, da man z. B. einen hohen Bekanntheitsgrad nicht unmittelbar kaufen kann.[8] Dadurch dass bei der Bewertung der immateriellen Vermögensgegenständen keine genauen Anhaltspunkte zur Bewertung vorliegen, fließt eine starke subjektive Betrachtungsweise mit ein. Das Verfahren auf Basis des Teilrekonstruktionswertes versucht diesem Problem auszuweichen. Es werden nur die verkehrsfähigen Wirtschaftsgüter bewertet und zwar in Form einer Einzelbewertung. Wie auch schon bei dem Vollreproduktionswert werden nicht die Anschaffungs- und Herstellungskosten als Grundlage genutzt, sondern die Bewertung erfolgt nach den heutigen Wiederbeschaffungswerten bzw. dem Liquidationswert. Es ist zu erkennen, dass es sich hierbei um ein wesentlich vereinfachtes Verfahren handelt. Es unterstellt nicht einen echten Nachbau des Unternehmens und ist deshalb in der Aussagekraft eingeschränkt.

[...]


[1] vgl. WGZ-Bank FC €URO-AG 2001 S. 94

[2] vgl. WGZ-Bank S. 94

[3] vgl. Mandl Unternehmensbewertung: Eine praxisorientierte Einführung 1997 S.13

[4] vgl. Mandl a. a. O. S. 13

[5] vgl. Mandl a.a.O.

[6] vgl. Moxter Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung 1983 S.54

[7] vgl. Bellinger Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis 1992 S. 104

[8] vgl. Henselmann Unternehmensbewertung: Praxisfälle mit Lösungsskizzen 2001 S. 343

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Analyse zur Bewertung von Fußballunternehmen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Betriebswirtschaft, insbes. Controlling)
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V34228
ISBN (eBook)
9783638345200
ISBN (Buch)
9783638652667
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Bewertung, Fußballunternehmen
Arbeit zitieren
Dieter Badry (Autor), 2002, Analyse zur Bewertung von Fußballunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34228

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