Von der Weltliteratur zur Kinderliteratur. Die Adaption literarischer Klassiker am Beispiel „Leonce und Lena“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Weltliteratur vs. Kinderliteratur - Begriffliche Erklärungen
1.1 Der Weltliteraturbegriff
1.2 Der Kinderliteraturbegriff

2. Adaption und Bearbeitung von Klassikern
2.1 Transformation in das kinderliterarische System
2.2 Das Bilderbuch - eine besondere Form der Transformation
2.2.1 Transformation von Theaterstücken in das Medium Bilderbuch

3. Die Adaption Georg Büchners „Leonce und Lena“ durch den Kindermann-Verlag
3.1 Zu Büchners Original
3.1.1 Inhalt und Werkaufbau
3.2 Ein Vergleich zwischen Original und Adaption
3.2.1 Paratextuelle Akkommodation
3.2.2 Gattungsspezifische Akkommodation
3.2.3 Sprachliche und inhaltliche Akkommodation

4. Kritik und didaktische Perspektiven literarischer Adaptionen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Schöner kann man große Geschichten für kleine Leute nicht erzählen“1 Faust, preisgekrönt mit dem LUCHS-Kinder- und Jugendpreis 2002; Der Erlkönig, prämiert von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur; Wilhelm Tell, ausgezeichnet mit ͣDie besten 7 Bücher für junge Leser“.

Diese Prämierungen verwundern, handelt es sich doch um allbekannte Klassiker der Lyrik und Weltliteratur, bereits vor Jahrhunderten für die erwachsene Leserschaft geschrieben. Wie ist es möglich, dass Werke von Goethe und Schiller einen Kinder- und Jugendliteraturpreis erhal- ten? Die Antwort liegt in der Reihe ͣWeltliteratur für Kinder“, geschrieben und publiziert durch die renommierte Bilderbuch-Autorin Barbara Kindermann. In ihrem eigenen Verlag bringt sie seit 1995 Kinderbücher heraus, die durch ihre Symbiose zwischen kanonischer Welt- literatur und Literatur für Kinder polarisieren. Unter der Mitwirkung namhafter Bilderbuch- Illustratoren gelingt es Kindermann, Klassiker für junge Leser attraktiv und erfassbar zu ma- chen. Und das Ergebnis überzeugt: jedes einzelne Werk ist eine an den kindlichen Leser ange- passte Neufassung, die es, gemeinsam mit den aufwändigen Illustrationen, schafft, der jungen Leserschafft eine Tür in die vielfältige Welt der Literatur zu öffnen.

Neben den Werken von Shakespeare, Kleist, Goethe und Schiller diente auch Georg Büchners Lustspiel ͣLeonce und Lena“ als Vorbild für Kindermanns Neuerzählungen und bewies damit aufs Neue, ͣ[d΁ass man Kinder auch spielerisch an die Weltliteratur heranführen kann […΁“2. Treffend zum 200. Geburtstag Georg Büchners erschien 2013 der Sonderband, indem Kindermann die amüsante Komödie des bekannten Autors in ihrem eigenen Stil verarbeitet. Unterstrichen wird die bildnerische Neufassung durch die farbenfrohen und karikierenden Zeichnungen von Almud Kunert. Gemeinsam entstand so ein Werk, das zum selbstständigen Lesen, gemeinsamen Vorlesen und Verweilen bei den Bildern einlädt. uf der Grundlage von Büchners ͣLeonce und Lena“ und Kindermanns daption wird in der vorliegenden Arbeit die Bearbeitung von Literaturklassikern für Kinder eine zentrale Rolle spielen. Für den Aufbau bedeutet dies eine Gliederung in zwei thematische Aspekte: einen theoretischen und einen analytischen Teil. Ersterer wird daher einführendes Grundlagenwis- sen zur Thematik Weltliteratur und Kinderliteratur beinhalten, sowie die Bezüge zwischen den beiden literarischen Systemen erläutern. Weiterhin folgt eine theoretische Betrachtung der Übernahme weltliterarischer Texte in das kinderliterarische System anhand Zöhrers Modell der Transformation. Abschließend wird das Medium Bilderbuch, vor allem die Adaption von Theaterstücken in die bildnerische Form, fokussiert, wobei Kindermanns Adaption stets den inhaltlichen Rahmen bildet. Im zweiten Teil werden weniger die Erkenntnisse aus bereits be- stehender Forschungsliteratur eine Rolle spielen, sondern eine selbstständige, vergleichende Analyse von Büchners und Kindermanns Versionen des Klassikers Leonce und Lena, wobei vor allem die paratextuellen, gattungsspezifischen und sprachlich/inhaltlichen Elemente als Un- terscheidungsmerkmal dienen: Wodurch unterscheidet sich das Werk Kindermanns von Büch- ners Original und welche Verfahren der Transformation wendet die Autorin an? Abgerundet wird die Arbeit schließlich mit einer Betrachtung kinderliterarischer Adaption aus didaktischer Sichtweise.

Verständnishalber sei noch darauf hingewiesen, dass in der Literatur kein einheitlicher Begriff für die Übernahme weltliterarischer Werke in das kinderliterarische System existiert. Zöhrer schlägt daher vor, synonym für die Begriffe Adaption oder Bearbeitung, den Begriff der Trans- formation anzuwenden, weshalb in den an Zöhrer angelehnten Passagen der Terminus über- nommen wird.

1. Weltliteratur vs. Kinderliteratur - Begriffliche Erklärungen

Spricht man von Weltliteratur als Kinderliteratur gilt es zunächst zu klären, wodurch sich Weltliteratur, bzw. Literaturklassiker von Kinderliteratur unterscheidet und ferner, in welchem Verhältnis die beiden Literatursysteme zueinander stehen.

1.1 Der Weltliteraturbegriff

Im Allgemeinen versteht man unter Weltliteratur ͣeinen nach den jeweiligen ästhetischen Normen etablierten und in Maßen geschichtlich variablen Kanon herausragender Werke, de- nen Überzeitlichkeit und llgemeingültigkeit zugesprochen werden.“3 Tragend sind hierbei die sogenannten Klassiker, deren Kanon identitätsstiftenden Charakter besitzt und bildungspoli- tisch von großer Bedeutung ist. Es handelt sich hierbei um qualitativ hochwertige und zeitlose Werke, die eine gesonderte Stellung im allgemeinliterarischen System genießen. Weltliteratur steht dementsprechend synonym für bedeutende Werke der Allgemeinliteratur und muss da- her in seiner ursprünglichen Form klar von dem kinderliterarischen System abgegrenzt wer- den.4

1.2 Der Kinderliteraturbegriff

Kinderliteratur unterscheidet sich von der Weltliteratur in erster Linie durch seine spezifische Adressierung an eine bestimmte Zielgruppe, eine gesonderte Themenwahl und die daraus hervorgehende stilistisch und sprachliche Anpassung an den kindlichen Leser. Dabei sei das kinderliterarische System als ͣ[…΁ mit allen erforderlichen Instanzen ausgestatteten, relativ eigenständigen Subsystem innerhalb eines komplexen, vielgliedrigen literarischen Polysys- tems […΁“5 zu verstehen, so Ewers. Doch nicht immer sind die Grenzen zwischen Allgemeinli- teratur und Kinderliteratur klar. Stattdessen beinhaltet das kinderliterarische System, neben den speziell an Kinder gerichteten Texten, eine Reihe von Texten der allgemeinen oder ͣer- wachsenen“ Literatur, die adaptiert und für Kinder empfohlen wurden: Märchen, Volksbü- cher, Sagen, ebenso wie die Klassiker Robinson Crusoe, Don Quichote, Oliver Twist u.a. Eine Schnittmenge zwischen den beiden Literatursystemen findet sich auch in entgegengesetzter Richtung. So beinhaltet das kinderliterarische System Werke, die ursprünglich an Kinder adres- siert wurden, bei der erwachsenen Leserschaft aber ebenfalls Anklang fanden, wie z.B. Der kleine Prinz oder Alice im Wunderland. Der aktuelle Trend jedoch neigt, mehr als zuvor, zu einer Verschmelzung beider Systeme: ͣIn jüngster Zeit scheint sich aus der Mehrfachadres- siertheit und der Ambivalenz der Texte heraus ein Bereich der all-age-Literatur zu entwickeln, der die Grenzen zwischen Jugendliteratur und Allgemeinliteratur verschwimmen lässt […΁“6, so Zöhrer.7

2. Adaption und Bearbeitung von Klassikern der Weltliteratur

Adaptionen weltliterarischer Werke spielen eine große Rolle im System der Kinderliteratur und erreichten zum Teil sogar den Status kinderliterarischen Klassiker. Dabei ist die Bearbei- tung und Übernahme von Klassikern der Weltliteratur traditionellen Ursprungs und seit jeher präsent. Neben den bereits genannten Werken von Defoe und Cervantes sind auch die Bear- beitungen der Sagen des klassischen Altertums durch Schwab, sowie den Kinder- und Haus- märchen der Gebrüder Grimm aus dem 19. Jahrhundert zu nennen. Auch über das Nibelun- genlied liegt eine große Anzahl an unterschiedlichen Bearbeitungen vor, zeitweilig auch für propagandistische Zwecke unter dem Deckmantel des Nationalsozialismus.8 Im Vordergrund der Bearbeitungen steht jeweils die Akkommodation, die Anpassung an den kindlichen Leser. Neben den sprachlichen Änderungen findet vor allem auf der inhaltlichen Ebene, in Form von Kürzungen oder Zensierungen, eine Angleichung an den Adressaten statt. Nicht selten ge- schieht darüber hinaus ein adaptiver Medienwechsel, sprich die Anpassung eines Textes an Hörspiel, Film, Computerspiel u.a. Zöhrer schlägt daher den Begriff der Transformation vor, der sowohl die Bearbeitung des Textes, aber auch den additiven Transfer in ein anderes Me- dium beinhaltet. Unter den Bereich der Transformationen fallen somit z.B. Bilderbücher, Gra- phic Novels oder Comics.9 Inwiefern Zöhrer das Modell der Transformation theoretisiert wird daher Kernpunkt dieses Kapitels werden; wobei die Transformation in das Medium Bilderbuch Schwerpunkt sein wird.

[...]


1 Die Ostthüringer Zeitung über Kindermanns ͣLeonce und Lena“, http://www.kindermannverlag.de/leonce- und-lena.htm (20.08.2014).

2 Sender Freies Berlin, http://www.kindermannverlag.de/weltliteraturfuerkinder.htm (20.08.2014).

3 Zöhrer, M.: Weltliteratur im Bilderbuch. 2010, S.37.

4 Vgl. ebd.

5 Ebd., S.38f.

6 Zöhrer, S.41.

7 Vgl. ebd., S.40f.

8 Vgl. Schulz, G.: Klassiker für Kinder, S.109, in: Franz, K.; Payrhuber, F.-J.: Odysseus, Robinson und Co. Vom Klassiker zum Kinder- und Jugendbuch. 2006, S.108-131.

9 Vgl. Zöhrer, S.19ff., sowie: S.46.

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Details

Titel
Von der Weltliteratur zur Kinderliteratur. Die Adaption literarischer Klassiker am Beispiel „Leonce und Lena“
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V342299
ISBN (eBook)
9783668320147
ISBN (Buch)
9783668320154
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weltliteratur, kinderliteratur, adaption, klassiker, beispiel, leonce, lena
Arbeit zitieren
Janet Schua (Autor), 2014, Von der Weltliteratur zur Kinderliteratur. Die Adaption literarischer Klassiker am Beispiel „Leonce und Lena“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342299

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