Die "Natur" im Marxschen Denken


Hausarbeit, 2002

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die „ Natur “ bei Marx

Hauptteil
1. Die Bedeutung des Wortes „ Natur “ bei Marx
2. Wert der Natur
3. Stoffwechsel
4. Doppelcharakter
4.1 Doppelcharakter der Arbeit
4.2 Doppelcharakter der Industrie und der Naturwissenschaft
5. Entfremdung
6. Natur in der negativen Theorie
7. Ökologischer Marxismus

Schluss

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Alfred Schmidt, Der Begriff der Natur in der Lehre von Marx, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a.M. (überarbeitete und ergänzte Neuausgabe) 1971

Elmar Altvater/Erika Hickel/Jürgen Hoffmann, Markt, Mensch, Natur, VSA -Verlag, Ham- burg 1986

Elmar Altvater, Die Zukunft des Marktes, Westfäl. Dampfboot, Münster 1991

Hans Immler, Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, Marx und die Naturfrage, VSA -Verlag, Hamburg 1984

Hans Immler, Welche Wirtschaft braucht die Natur? S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a. M. 1993

Hilmar Westholm, Stoffwechsel des Menschen mit der Natur, BIS Universität Oldenburg, 1986

Hofgeismarer Protokolle, Tagungsbeiträge aus der Arbeit der Evangelischen Akademie Ho f- geismar, 284, Vom Wert der Natur,

Marx Karl:

-Nationalökonomie und Philosophie, Sammlung der Pariser Manuskripte, Hg. von E. Thier, Köln und Berlin 1950

- Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Rohentwurf zum ersten Band des Kapitals und zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1953

- Das Kapital erster Band, MEW, Band 23, Berlin 1968

- Das Kapital dritter Band, MEW, Band 25

Philosophisches Wörterbuch, Hg von G. Klaus und M. Buhr, 10. Aufl., Berlin 1974

Rostocker Philosophische Manuskripte Heft 18, Zum marxistischen Naturbegriff - 100 Jahre „Anti-Düring“, Wilhelm-Pieck-Universität Rostock, 1979

Richard Faber Hg., Sozialismus in Geschichte und Gegenwart, Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 1994

Einleitung

Die „ Natur “ bei Marx

Das Verhältnis der Menschen zur sie umgebenden Natur, ihrer Lebensgrundlage , ist bereits als überlebensnotwendiges Problem erkannt worden. Es wird immer deutlicher, dass die Industriegesellschaft an den Rand des ökologischen Ruins treibt. „Der Krieg gegen die Natur ist nicht zu gewinnen. Wollen sie aber ihren Umgang mit der Natur neu bestimmen, um ihre physischen Lebenschance weiter wahrnehmen zu können, dann müssen sie jene Entscheidungsstrukturen zur Disposition stellen, die seit Jahrhunderten Gültigkeit haben.“1

Einen neuen Weg könnte eine ökosoziale Politik bieten.

Nach Aussage von Friedrich Otto Wolf ist der Kern- und Angelpunkt einer ökosozialen Poli- tik die Forderung des ökosozialen Übergangs, d.h. der Transformation der herrschenden Pro- duktionsweise in Richtung auf eine langfristige , ökologisch nachhaltige, reproduktionsfähige und die Reproduktion eines eigenständigen Komplexes nicht menschlich vermittelter ökologi- scher Systeme ermöglichende, zu den bestehenden Verhältnissen alternative Weise des „Arbeitens und Lebens“, in der die tätigen Subjekte selbstverantwortlich imme r wieder die Kontrolle über ihre gesellschaftlichen Reproduktionsprozesse gewinnen.2 In wie weit hat nun Marx in seinen Werken Ökologie oder die Rolle der Natur überhaupt be- handelt? Mit dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Bedeutung der Natur im Marxschen Denken zukommt und ob sich daraus Lösungen ergeben für den Übergang in ein ökologische- res und nachhaltigeres Gesellschaftssystem.

Marx hat nie eine systematische Theorie der Natur entworfen, dass liegt offensichtlich an der damalig geringen Bedeutung von ökologischen Problemen, wie die Verknappung von Res- sourcen, Verschmutzung der Umwelt, Bodendegradation und weiteren , heute aktuellen Um- weltproblemen. Jedoch findet man bei Marx bereits ein ausgeprägtes Gespür für Umwelt- schäden, die als Folge des Umganges von Menschen mit ihrer Gesellschaft und die sie umge- bende Natur entstehen. So ist Wolfdietrich Schmied-Kowarzik davon überzeugt, dass Marx, nun bereits vor 160 Jahren, „die Problematik der Entfremdung der kapitalistisch b estimmten industriellen Produktionsweise gegenüber der lebendigen Natur sowie ihre revolutionäre Überwindung grundlegend durchdacht hat“.3

Hauptteil

1. Der Bedeutung des Wortes „ Natur “ bei Marx

Marx spricht sich in polemisierender Weise gegen jedes glorifizierende oder mystifizier ende Naturverständnis aus, so z.B. gegen Daumer oder das Gedicht von Stolberg „An die Natur“.4 Denn die Natur interessiert Marx in erster Linie als Moment menschlicher Praxis. So heben schon die Pariser Manuskripte mit aller Entschiedenheit hervor:

„…die Natur, abstrakt genommen, für sich, in der Trennung vom Menschen fixiert, ist für den Menschen nichts.“5 und aus dem Rohentwurf des Kapitals

„Solange die Natur nicht bearbeitet ist, ist sie ökonomisch wertlos, genauer gesprochen, bloßes Naturmaterial, soweit keine menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist, soweit es daher bloße Materie ist, unabhängig von der menschlichen Arbeit existiert, hat keinen Wert, da Wert nur vergegenständlichte Arbeit ist…“6

Hier versucht Marx deutlich zu machen, solange der Mensch keinen Nutzen von der Natur hat ist sie für ihn wertlos.

Die Natur muss erst bearbeitet werden, um einen Nutzen für den Menschen zu liefern.

Aber dennoch zieht sich durch sein gesamtes Werk der Versuch, immer wieder die wechsel- seitige Verschränkung der Natur und Gesellschaft deutlich zu machen. Hierbei wird das Wort „Natur“ in den Marxschen Schriften nicht einheitlich verwendet. In den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ schreibt Marx: „Physisch lebt der Mensch von diesen Naturprodukten, mögen sie nun in Form der Nahrung, Heizung, Kleidung, Wohnung etc. erscheinen. Die Universalität des Menschen erscheint praktisch in der Unive r- salität, die die ganze Natur zu seinem unorganischen Körper macht, sowohl insofern sie :

1. ein unmittelbares Lebensmittel, als inwiefern sie

2. die Materie, der Gegenstand und das Werkzeug seiner Lebenstätigkeit ist.

Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist. Der Mensch lebt von der Natur, heißt: Die Natur ist sein Leib, mit dem er in beständigem Prozeß bleiben muß, um nicht zu sterben. Daß das physische und geis- tige Leben des Menschen mit der Natur zusammenhängt, hat keinen andren Sinn, als daß die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur.“7

Der Begriff der „Natur“ wir hier einmal als „unorganischer Leib des Menschen“ verwendet und zum anderen, wird die „Natur“ als Begriff benutzt , in dem der Mensch mit eingeschlos- sen ist. Wird vom menschlichen Körper gesprochen ist die biologische Komponente des Me n- schen gemeint, in diesem Fall ist „Natur“ als Gegenteil von Gesellschaft zu sehen. Aber auch der „unorganische Leib des Menschen“ , also die gesamte organischen und anorganischen Na- tur, oder die „Gesamtheit aller Bewegungs- und Strukturformen der Materie“8, können als Gegenteil zur Gesellschaft gesehen werden.

Natur wird aber auch gleichbedeutend mit Wesen, Wesen des Menschen verwendet.

Dies wird deutlich, wenn Marx von „Eigener Natur“ des Menschen spricht.

„Indem er durch die Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigene Natur“9

Die „eigene Natur“ ist die Gesamtheit von „äußerer“ und „innerer“ Natur des Menschen.

Da der Mensch ein Teil der „äußeren“ Natur ist, wirkt diese auch auf seine „innere“ Natur. Hieraus läst sich jedoch nicht behaupten das Natur u. Gesellschaft wesensgleich sind .10 Die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ist historisch zwar von der Natur abhängig, jedoch sind diese nicht wesensgleich miteinander verbunden.

Marx verwendet den Ausdruck „natürlicher Reichtum“ , für Rohstoffe, natürliche Produkti- onsgrundlagen usw., wobei „natürlicher Reichtum“ noch einmal hinsichtlich der Produktion, in Lebensmittel und Arbeitsmittel, unterteilt wird. „Von der mehr oder minder entwickelten Gestalt der gesellschaftlichen Produktion abgesehen, bleibt die Produktivität der Arbeit an Naturbedingungen gebunden. Sie sind alle rückführbar auf die Natur des Menschen selbst, wie Race usw., und die ihn umgebende Natur. Die äußeren Naturbedingungen zerfallen öko- nomisch in zwei große Klassen, natürlichen Reichtum an Lebensmitteln, also Bodenfruch t- barkeit, fischreiche Gewässer usw. und natürlichen Reichtum an Arbeitsmitteln wie lebendige Wassergefälle, schiffbare Flüsse, Holz, Metall, Kohle usw.“11

2. Wert der Natur

In seiner Kritik des Gothaer Programms bezog Marx auch Stellung zur Frage der Quelle des Reichtums. „Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebenso sehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeit s- kraft…“.12

Dadurch, dass der Arbeiter mehr Zeit (Energie) für die Arbeit aufwendet, also länger arbeite t, als für die Reproduktion seiner körperlichen Kräfte notwendig wäre, entsteht ein Arbeitsübe r- schuss. Durch diesen Übergang der Arbeit in Lohnarbeit entsteht der Mehrwert, diesen eignet sich der Kapitalist an. Der Wert einer Ware entsteht nur durch menschliche Arbeit.

Hans Immler, wirft Marx vor, mit seiner Arbeitswerttheorie ungeprüft die Ansicht Ricardos von der Naturkonstante übernommen zu haben. Nach Ricardo und der klassischen Ökonomie, steht die Gesamtheit der Naturbedingungen in unbegrenzter Menge für die Produktion zur Verfügung. Hierdurch negiere Marx die schöpferische, mitproduzierende Kraft der Natur. Immler spricht der Natur eine Wertbildende Funktion zu. Doch er schafft es nicht deutlich zu machen wo der Wert der Natur konkret her kommt, wie der Wert entsteht. Der Wert der Natur könnte höchstens in den von Immler benutzten Wertbegriffen liegen: N a- turwert und Schönheit der Natur.13

Er vertritt die These, dass alle Tauschwerte von der Natur produziert sind, weil die menschliche Kraft, die Physis bearbeiten zu können, auch eine Naturkraft darstellt.14 Damit ist er gar nicht so weit entfernt von dem Marxschen Naturbegriff. Doch der ökonomische Wert der N a- tur entsteht immer nur durch die menschliche Arbeit.

Wolfdietrich Schmied-Kowarzik liefert in dem Wissenschaftsstreit mit Hans Immler, um die Rolle der Natur in der Werttheorie, eine fundiertere Antwort, indem er den Marxschen Natur- begriff in den Frühschriften und die „Kritik der politischen Ökonomie“ nicht getrennt vonein- ander betrachtet haben will. Er macht deutlich, dass Marx sehr wohl die Arbeitswerttheorie Ricardos übernimmt um aufzudecken, dass ein Gesellschaftsmodell das auf Wertgesetzen beruht zwangsläufig dazu führen muss, die Menschen und gleichsam die Natur zu ruinieren.

Die „Kritik der politischen Ökonomie“ ist nach Schmied-Kowarzik eine negative Theorie und somit kommt die Natur auch nur in der negativen Form vor. Hierauf wird an späterer Stelle noch eingegangen.

3. Stoffwechsel

Die Natur ist die Lebensgrundlage des Menschen, er ist ein Teil der Natur und dadurch von ihr abhängig.

Aus dieser Doppelbestimmung des Verhältnisses von Mensch und Natur wird deutlich, dass Marx nicht nur die produktive Tätigkeit als die gesellschaftliche und geschichtliche Heervo r- bringung der ganzen Welt begreift, sondern zugleich aufzeigt, dass die produktive Tätigkeit des Menschen immer zugleich Teil der Produktivität der Natur bleibt. Natur ist nicht nur das, was aller menschlichen Tätigkeit vorausliegt und gegenübersteht, sondern auch das, was durch diese selbst lebendig fortwirkt.

„Sofern die Arbeit als Erzeugerin von Gebrauchswerten auftritt, ist sie für Marx „ …eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen ewige Naturno t- wendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln“.15

Durch den Ausdruck „Stoffwechsel“ formuliert Marx dieses Verhältnis von Mensch und N a- tur. Mit diesem Begriff soll Marx ein völlig neues Verständnis der menschlichen Beziehung zur Natur eingeleitet haben.16

Stoffwechsel hat laut Alfred Schmidt zum Inhalt: „das die Natur humanisiert, die Menschen naturalisiert werden. Seine Form ist jeweils historisch best immt. Die Arbeitskraft, jener in „Menschlichen Organismus umgesetzte Naturstoff“ ,17 betätigt sich an Außermenschlichen Naturstoffen; Natur setzt sich mit Natur um. Wie die Menschen ihre Wesenskräfte den bea r- beiteten Naturdingen einverleiben, so gewinnen umgekehrt die Gebrauchswerte eine neue gesellschaftliche Qualität.“18

Diese Verbindung von Humanismus und Na turalismus macht aber nur Sinn, wenn der Marx- sche Naturbegriff aus seinen Frühschriften in Verbindung gebracht wird mit der „Kritik der Politischen Ökonomie“.

[...]


1 Hans Immler, Welche Wirtschaft braucht die Natur? S. 10

2 vgl. Frieder Otto Wolf aus Sozialismus in Geschichte und Gegenwart S. 253

3 Schmied-Kowarzik, Marx und die Naturfrage, S. 10

4 MEGW, 10, S. 244

5 Nationalökonomie und Philosophie, S. 246.

6 Rohentwurf, S. 271

7 Ökonomisch-Philosophische Manuskripte MEW E I S.516 f.

8 Philosophisches Wörterbuch

9 Das Kapital 1.Band. In: Marx, K./F. Engels: Werke, Band 23, Berlin 1968, S.192,

10 Zum marxistischen Naturbegriff - 100 Jahre „Anti-Düring“, S. 27

11 A. a. O., S. 535

12 MEW 19, S.15

13 vgl. Hans Immler Vom Wert der Natur, S.8

14 A.a.O., S.12

15 Das Kapital Bd. I, S.47

16 vgl. Alfred Schmidt, S.76

17 Das Kapital, Bd.I, S233, Fußnote 27.

18 vgl. Alfred Schmidt, S.76

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die "Natur" im Marxschen Denken
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto Suhr Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V34230
ISBN (eBook)
9783638345224
ISBN (Buch)
9783638860697
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Natur, Marxschen, Denken
Arbeit zitieren
Harm Sönksen (Autor), 2002, Die "Natur" im Marxschen Denken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34230

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