Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem filmischen Expressionismus, ein Phänomen, das erst in den 1920er Jahren aufkam und sich vornehmlich in Deutschland entwickelte. Zentrale Themen und Gestaltungsmittel expressionistischer Filmkunst werden anhand der Analyse und –interpretation von den repräsentativsten deutschen Beispielen für filmischen Expressionismus in Erwägung gezogen. Die Filmanalyse erfolgt durch die Auseinandersetzung mit der filmisch umgesetzten Dramaturgie im Stil und der besonderen kinematographischen Technik.
Inhaltsverzeichnis
Kurzer Überblick über den Expressionismus
Die Gründung der UFA
Das Kabinett des Dr. Caligari
Die Straße
NOSFERATU: eine Symphonie des Grauens
Der letzte Mann
Dr. Mabuse, der Spieler
METROPOLIS: das Schicksal einer Menschheit im Jahre 2000
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetischen und inhaltlichen Merkmale der expressionistischen Filmkunst der Weimarer Republik und analysiert, wie Regisseure durch technische Innovationen und stilisierte Dekors innere Seelenzustände und gesellschaftliche Krisen visualisierten.
- Wesen und Ursprung des filmischen Expressionismus
- Die Rolle von Licht, Schatten und Geometrie als Gestaltungsmittel
- Die Darstellung des "neuen Menschen" und gesellschaftlicher Entfremdung
- Verhältnis von Realität, Traum und psychologischer Verzerrung
- Die Bedeutung der entfesselten Kamera für die Filmdramaturgie
Auszug aus dem Buch
Die Gründung der UFA
Das Jahr 1917, als die UFA (Universum Film Aktiengesellschaft) gegründet wurde, wird gewöhnlich als Geburtsjahr des deutschen Filmes festgesetzt. Eigentlich existierte schon seit Ende des 19. Jahrhunderts eine deutsche Filmkunst, sie hatte aber noch keine besonderen Werke hervorgebracht. Wie bei Langs Metropolis (einem der aufwendigsten Filme der Filmgeschichte) offensichtlich ist, war die UFA immer darum bemüht, für ihre Kassenfilme alle technischen Errungenschaften des künstlerischen Filmes zu verwerten.
Die Decla war eine kleinere, bescheidenere Gesellschaft als die UFA, eine unabhängige Gesellschaft, die nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hatte bei jenen Intellektuellen, die schon am Anfang der 20er Jahre (und schon früher) den ‘Autorenfilm’, also den literarisch wertvollen Film, forderten.
Im Film Das Kabinett des Dr. Caligari (1919) von Robert Wiene wird in einer Rahmenhandlung die Erzählung eines Irren wiedergegeben, der durch den unter eigenartigen Umständen erfolgten Tod seines Freundes wahnsinnig geworden ist und nun Wahrheit und Phantasie nicht mehr voneinander unterscheiden kann. In dem Direktor des Irrenhauses meint er den Dr. Caligari, den Jahrmarktanreißer, zu erkennen, der den Somnambulen Cesare zwingt, in der Hypnose Morde zu begehen. (Im Film sind die beiden - der Direktor und der Marktanreißer - vom selben Darsteller verkörpert.) Der Direktor versucht, den jungen Mann zu heilen, nachdem er den Grund seines Wahnsinns erkannt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Kurzer Überblick über den Expressionismus: Einführung in die kunsttheoretischen Grundlagen des Expressionismus als Reaktion auf Impressionismus und gesellschaftliche Krisen.
Die Gründung der UFA: Skizze der historischen Entstehung der UFA und des Aufkommens des anspruchsvollen "Autorenfilms" anhand von Beispielen wie Caligari.
Das Kabinett des Dr. Caligari: Untersuchung der stilistischen Merkmale und der psychologischen Dimensionen von Robert Wienes wegweisendem expressionistischen Film.
Die Straße: Analyse der urbanen Symbolik und der bedrohlichen Atmosphäre der nächtlichen Großstadt in Karl Grunes Werk.
NOSFERATU: eine Symphonie des Grauens: Betrachtung der ästhetischen Mittel zur Erzeugung des Unheimlichen und der naturphilosophischen Einbindung in Murnaus Horror-Klassiker.
Der letzte Mann: Dekonstruktion der sozialen Tragödie und der technischen Meisterleistung durch die "entfesselte Kamera" in Murnaus Portier-Drama.
Dr. Mabuse, der Spieler: Untersuchung der Figur des dämonischen Übermenschen und der Widerspiegelung politisch-sozialer Zustände der Nachkriegszeit.
METROPOLIS: das Schicksal einer Menschheit im Jahre 2000: Analyse der dystopischen Vision, der Architektur-Symbolik und der technokratischen Entfremdung des Menschen.
Schlüsselwörter
Expressionismus, Weimarer Film, Stummfilm, Helldunkel, UFA, Entfremdung, psychologischer Film, Avantgarde, Kameraführung, Montage, Maskerade, Traumwelt, Gesellschaftskritik, Industrialisierung, Dämonie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Blütezeit der expressionistischen Filmkunst in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts und analysiert deren ästhetische sowie inhaltliche Charakteristika.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die visuelle Deformation der Realität, die Darstellung des psychologischen Innenlebens, die Macht des Dämonischen und die Entfremdung des Individuums in einer technisierten Welt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie deutsche Filmemacher der 1920er Jahre formale Stilmittel wie Kontraste und Lichtgestaltung nutzten, um gesellschaftliche Ängste und existenzielle Krisen abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Filmanalyse als primäre Methode, um anhand konkreter Werke die Symbiose aus Regieentscheidungen, Dekor und filmischer Technik zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich ausführlichen Analysen bedeutender Filme wie "Das Kabinett des Dr. Caligari", "Nosferatu", "Der letzte Mann", "Dr. Mabuse, der Spieler" und "Metropolis".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Expressionismus, Helldunkel-Kontrast, entfesselte Kamera, psychologisierender Film, Automatenmensch und soziale Entfremdung.
Inwiefern beeinflusste die Malerei den expressionistischen Film?
Die Arbeit erläutert, dass die Gesetzmäßigkeiten des expressionistischen Films – insbesondere die Nutzung von Formen und Flächen – in direkter Verwandtschaft zur expressionistischen Malerei stehen.
Welche Bedeutung kommt der "entfesselten Kamera" bei Murnau zu?
Die entfesselte Kamera befreite den Film von statischen Perspektiven und ermöglichte es, den emotionalen Zustand der Charaktere durch dynamische Bewegungen unmittelbar für den Zuschauer erfahrbar zu machen.
Wie unterscheidet sich "Metropolis" von anderen expressionistischen Filmen?
Metropolis wird als technisch monumentales und sozialutopisches Drama hervorgehoben, das besonders durch seine geometrische Stilisierung und die Kritik an der modernen Industrialisierung geprägt ist.
- Citar trabajo
- Monica Pintucci (Autor), 1997, Die expressionistische Filmkunst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342372