Inklusion für Alle? Theoretischer Ansatz zur Anfertigung eines Fragebogens

Zur Abklärung der zu erfüllenden Anforderungen vor der Inklusion eines Kindes mit Beeinträchtigungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Integration zur Inklusion
2.1 Was ist Integration
2.2 Was ist Inklusion
2.3 Der Index für Inklusion

3. Kinderbetreuung in Hamburg

4. Methodisches Vorgehen – exemplarisches Interview zur Problemstellung
4.1 Die Methode
4.2 Die Ausgangslage
4.3 Das Interview mit der betreuenden Fachkraft

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang: Interviewfragen

1. Einleitung

Der Begriff der Inklusion hat in den vergangenen Jahren in Deutschland, begonnen mit der Verabschiedung des Gesetzes zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, und seiner in Kraft-Tretung ab dem 26. März 2009 in Deutschland, erheblich an Bedeutung gewonnen. Dieses Gesetz stärkt explizit die Rechte von Menschen mit jeglicher Beeinträchtigung und fordert im Artikel 24 „Menschen mit Behinderungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen“ (Bundesgesetzblatt 2008). Für die Sozial- und Bildungspolitik in Deutschland hat dies weitreichende Folgen.

Denn Inklusion ist viel mehr als eine politische Vorgabe. Laut der Lebenshilfe Deutschland bedeutet es „Alle gehören dazu – immer“ (Lebenshilfe 2014, online). Das dies erhebliche Schwierigkeiten in der alltäglichen Umsetzung birgt, möchte ich exemplarisch an den Erfahrungen eines Erziehers in einer Kindertagesstätte im Bundesland Hamburg darlegen und an Hand eines qualitativen Interviews mit dieser pädagogischen Kraft erläutern.

Ich werde auf grundlegende Begrifflichkeiten eingehen und die derzeitige politische Lage und die Anforderungen an die pädagogischen Einrichtungen in Hamburg erläutern. Folgend kurz die Interviewmethode vorstellen und durch die Beschreibung des Falles einen Hintergrund zum Verständnis des Interviews geben. Im Interview versuche ich einige wichtige Problematiken hervorzuheben. Denn Inklusion wird kein temporäres Thema sein, sondern ist durch seine weltweite Bedeutung ein neuer Lebens- und Zusammenlebensaspekt.

2. Von der Integration zur Inklusion

Da die Begriffe Integration und Inklusion Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden haben und in den Medien oft Verwendung finden, möchte ich kurz ihre Bedeutung erläutern. Denn trotz ihrer konzeptionellen und theoretischen Überschneidungen (Vgl. Prengel 2006), ist der Unterschied für das Verständnis der pädagogischen und gesellschaftlichen Bedeutung enorm wichtig.

Zudem möchte ich den Index für Inklusion als wichtiges Grundwerk dieser Themenstellung nicht unerwähnt lassen.

2.1 Was ist Integration

Laut Duden bedeutet Integration (lat. (Wieder-)Herstellung eines Ganzen) sowohl die „Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes“ als auch die „Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit“ (Duden 2014 online).

Bei der Integration wird davon ausgegangen, dass die gesunde Gesellschaft die Allgemeinheit darstellt und diese sich als normal bezeichnet. Integriert werden müssen die, die anders sind. Diese Andersartigkeit stellt sich hauptsächlich durch Behinderungen und/oder einem Migrationshintergrund dar. Andersartigkeit wird als Defizit gesehen und die Personen mit Defiziten als besondere Gruppe in der Gesellschaft. Doch trotz eines freundlichen Umgangs, wird die Minderheit jedoch nicht vollständig in die Gesellschaft aufgenommen, sondern als Randgruppe in ihr akzeptiert (Vgl. Anderlik 2011, S. 27), im Gegensatz zum Inklusionsgedanken.

2.2 Was ist Inklusion

Inklusion (lat. inclusio = Einschluss) beschreibt das Vorhaben über Integrationsbestrebungen hinaus, alle Menschen mit Beeinträchtigungen im Alltag als normal anzusehen. Es wird nicht, wie bei der Integration versucht, Menschen mit Beeinträchtigungen nur teilhaben zu lassen, sondern dauerhaft eine gesellschaftliche Umgebung zu schaffen, die den Bedürfnissen Aller gerecht werden soll. Für Alfred Sander ist die Inklusion als eine „optimierte und qualitativ angereicherte Integration“ zu verstehen (Sander 2004).

Dies bedeutet zum Beispiel im Kindergartenalltag, das behinderte und nichtbehinderte oder auch auffällige Kinder, die selben Kindertageseinrichtungen besuchen und dort die individuelle Unterstützung und Betreuung bekommen, die sie benötigen. Die pädagogische Einrichtung muss sich an den Bedürfnissen der verschiedenen Kinder orientieren und gegebenenfalls sogar ein neues Konzept erstellen (Vollmer 2012). Wünschenswert wäre ein Gesellschaftsbild,

,, das(s) die ausschließliche Normorientierung unserer Gesellschaft am Gesunden und Vollhandlungsfähigen aufhebt und die Unterschiedlichkeit der einzelnen Menschen als zum Menschsein notwendig zugehörig und damit als Variante von Normalität begreift. Verschiedenheit wird dabei als eine Bereicherung des menschlichen Lebens und des Zusammenlebens der Menschen gewertet." (Markowetz 2005, S. 17-66).

2.3 Der Index für Inklusion

Der „Index für Inklusion für Tageseinrichtungen für Kinder“ (Tooth 2006) ist eine Spezifizierung des „Index für Inklusion“, der 2003 in Großbritannien für Schulen entwickelt und mittlerweile in 21 Sprachen übersetzt wurde.

Er richtet sich an Pädagogen und Pädagoginnen in Kindertageseinrichtungen und bietet eine umfassende Sammlung an pädagogischen Erfahrungen und Handreichungen, um inklusives Arbeiten in einer Kindertagesstätte zu erleichtern und einen ständigen Prozess der Verbesserung für Kinder, Eltern und das pädagogische Personal möglich zu machen.

Tooth führt an, „Der Index ist keine Ergänzung der vielen Aktivitäten, die in Kindertageseinrichtungen für Kinder stattfinden, sondern ein Weg, diese nach inklusiven Maßstäben zu gestalten“ (Tooth 2006 S.10).

Daher bietet er sich vor allem für Einrichtungen an, die spezielle integrative Einrichtungen mit Sonderförderung sind, oder mit Einrichtungen, die sich zukünftig, durch die auch in Hamburg geänderte Gesetzeslage, auf ein Mehr an Kindern mit Beeinträchtigungen jeglicher Art, einstellen wollen.

Der Index gilt jedoch nicht als allgemeines Lehrmaterial für Erzieher und Erzieherinnen und ist somit nicht jeder pädagogischen Fachkraft bekannt. Gerade in kleineren Einrichtungen, die nicht unter öffentlicher Trägerschaft stehen, fehlt es hier an Zugang zu solchen Werken. Kommt es dann zu einem wie von mir herangezogen Fall, geht es darum grundsätzliches für die Arbeit festzulegen, bevor die eigentliche Förderung des Kindes beginnt.

Ich erwähne ihn hier als wichtiges Grundlagenwerk, dass wesentlich mehr Verbreitung von staatlicher Stelle, gerade mit den rechtlichen Betreuungsvorgaben verbunden, erfahren muss.

3. Kinderbetreuung in Hamburg

Grundsätzlich gilt in Hamburg, über das stark durch die politische Lage beeinflusste Hamburger Kinderbetreuungsgesetz (KibeG) hinaus, das SGB VIII, als Kinder- und Jugendhilfegesetz bekannt.

In diesem ist im §1 festgehalten: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (Gesetze-im-internet 2014 online). In der Regelung zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege heißt es in §22 Absatz 3, dass

„Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen.“ (Gesetze-im-internet 2014 online).

Explizit sind dort die Rechte von Kindern mit Beeinträchtigungen jedweder Art unter §22a Absatz 4 formuliert, nämlich „Kinder mit und ohne Behinderung sollen, sofern der Hilfebedarf dies zulässt, in Gruppen gemeinsam gefördert werden. Zu diesem Zweck sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe mit den Trägern der Sozialhilfe bei der Planung, konzeptionellen Ausgestaltung und Finanzierung des Angebots zusammenarbeiten“ (Gesetze-im-internet 2014 online).

Hamburg hat in den vergangenen fünfzehn Jahren, maßgeblich durch die politische Landesregierung und deren häufige Machtwechsel beeinflusst, unkontinuierlich wechselnde und weitreichende Reformen innerhalb des Schulsystems und der Kinderbetreuung erfahren.

Grundsätzlich gilt aktuell, unter §6 Absatz 1 geregelt, dass jedes Kind „vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schulantritt Anspruch auf den Besuch einer Tageseinrichtung“ hat. „Er wird durch jede Tageseinrichtung erfüllt“ ... die „in zumutbarer Entfernung zur Wohnung des Kindes“... liegt (Hamburger Justiz 2014 online) . Dieser Besuch sollte dazu dienen „dem Kind Achtung vor seiner kulturellen Identität, seiner Sprache und seinen kulturellen Werten sowie vor anderen Kulturen zu vermitteln“ und

„das Kind auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft, im Geist der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und ethnischer, nationaler, religiöser und sozialer Gruppen vorzubereiten“,

sowie „das Zusammenleben von Kindern mit und ohne Behinderung zu fördern“ (Hamburger Justiz 2014 online, §2, Absatz 2, Punkt 1-2+4). Diese Vorgaben betreffen sowohl Einrichtungen staatlicher, karitativer oder privater Natur.

Im Landesrahmenvertrag, der für staatliche und karitative Einrichtungen gilt, sind detailliert die zu erfüllenden Voraussetzungen bei Aufnahme eine Kind mit Beeinträchtigungen aufgeführt. Unter 4.2 beschreibe ich die auch für die private Einrichtung XXXX Punkte.

4. Methodisches Vorgehen – exemplarisches Interview zur Problemstellung

Wie schon unter 2.3 erwähnt, sollte es für jede Betreuungseinrichtung eine gut in der Praxis umzusetzende und aussagekräftige Handreichung geben, um sich vor der ersten Aufnahme eines Kindes mit Beeinträchtigung, einen Überblick über die neuen Anforderungen und die verschiedensten zu beachtenden Bereiche, wie Elternproblematik, Personalanforderungen und eventuell entstehenden Problemen mit den vorhandenen Kindern, zu verschaffen. Dieses sehe ich mit einem quantitativen Fragebogen zu ermöglichen.

Im folgenden gehe ich kurz auf die Interviewmethode ein, beschreibe zum besseren Verständnis den Fall in der Kindertagesstätte und erläutere exemplarisch einige Antworten.

4.1 Die Methode

Um die Basis für die Entwicklung eines quantitativen Fragebogens zu schaffen, habe ich eine pädagogische Fachkraft in einem Leitfaden-Interview befragt. Da es sich bei nur einem Interview um keine repräsentative Kohorte handelt, kann es sich nur um einen exemplarischen Versuch handeln.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Inklusion für Alle? Theoretischer Ansatz zur Anfertigung eines Fragebogens
Untertitel
Zur Abklärung der zu erfüllenden Anforderungen vor der Inklusion eines Kindes mit Beeinträchtigungen
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Ausgewählte Theoriekonzepte und Ansätze in der Erwachsenenbildung: Inklusion!? Theoretische Ansätze in der Erwachsenenbildung zum Spannungsfelder Inklusion
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V342430
ISBN (eBook)
9783668323216
ISBN (Buch)
9783668323223
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwachsenenbildung, Inklusion, Fragebogen, Interview, pädagogisches Personal, Entwicklung, Integration, Fragebogenentwicklung
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts (B. A.) Alexandra Schmidt (Autor), 2014, Inklusion für Alle? Theoretischer Ansatz zur Anfertigung eines Fragebogens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342430

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