Theoretische Grundlagen in der Pflege


Hausarbeit, 2016
10 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Was ist unter einer Theorie zu verstehen?

Das Wort Theorie stammt aus dem altgriechischen theorein und bedeutet „schauen“ oder „beobachten“.

Theorie im etymologischen Sinn bedeutet eine „Beobachtung“ bzw. „Anschauung“, dem- entsprechend eine besondere Art der Wahrnehmung unter dem Gesichtspunkt der Do- mäne einer Profession, wobei kein einheitliches wissenschaftliches Begriffsverständnis existiert (Neumann-Ponesch, 2014). Kirkevold beschreibt 2002 Theorie als „abstraktes Bild“ der Wirklichkeit, wobei eine Theorie „ausgesuchte Phänomene“ und die Interaktion der Beziehung untereinander beschreibt (zitiert nach Neumann-Ponesch, 2014, S.65). Ähnlich dessen definiert Schäfers 1986 Theorie als „begründeter Aussagezusammenhang über bestimmte Aspekte der dem Menschen zugänglichen Wirklichkeit“ (zitiert nach Neumann-Ponesch, 2014, S. 66).

Ungeachtet der verschiedenen Definitionsformen, die allesamt einen gemeinsamen Kon- text linguistisch-kreativ ausformulieren, muss eine Theorie einheitliche Kriterien erfüllen, d. h. eine logische Konsistenz und damit verbundene Widerspruchsfreiheit aufweisen, informativ in Bezug auf die Realität und an deren überprüfbar sein, sowie eine, den Kor- respondenzregeln entsprechende Operationalisierung möglich machen (Neumann- Ponesch, 2014).

Beschreiben sie die Unterschiede zwischen einem Konzept, einem Modell und einer Theorie?

Im Englischen bedeutet „concept“ Begriff, im Deutschen wird Konzept aber als Idee und Plan verstanden. Konzepte sind abstrakte Verallgemeinerungen von beobachtbaren und konkreten Sachverhalten bzw. Phänomenen, welche hier bestimmte Termini zur spezifi- schen Beschreibung und Identifikation heranziehen und diese untereinander durch An- nahmen verbunden werden (Neumann-Ponesch, 2014). Konzepte sind die kleinsten Bau- steine einer Theorie und gewinnen ihre Bedeutung im Rahmen der Theoriebildung durch die Synthese mehrerer Konzepte untereinander (Krohwinkel, 1988; zitiert nach Steppe, 2000).

Unter einem Modell versteht man die Darstellung eines tatsächlichen Sachverhaltes, wel- cher aber durch Vereinfachung, Verkleinerung und Akzentuierung wichtiger Struktur- merkmale modifiziert wird und dadurch leichter versteh- und erfassbar ist, ohne den An- spruch erheben zum müssen empirisch gültig zu sein (Neumann-Ponesch, 2014).

In einer Theorie werden schlussendlich miteinander in Beziehung stehende Konzepte über, im Ausmaß von Abstraktionsniveau und Reichweite abhängige, inhaltliche Bereiche einer Disziplin symbolisch dargestellt, deren Besonderheit das prognostische Potential ist (Neumann-Ponesch, 2014).

Die Begriffe Modell und Theorie werden unterschiedlich verwendet, wobei die Anwendung einer synonymen Form einerseits bis hin zu genau ausdifferenzierten Ansätzen anderer- seits am Beispiel Hallensleben: „Dieser normative Charakter der Pflegetheorien ist mit dem strengen Theoriebegriff nicht vereinbar“ (Hallensleben, 2003, S. 59) und dieser des- halb den Begriff Pflegemodell präferiert (Hallensleben, 2003; Brandenburg & Dorschner, 2015).

Was versteht man unter Theorienpluralismus? Was ist der überwiegende Konsens darüber?

Um einen Anspruch auf eine eigenständige Disziplin gerecht zu werden und sich etablie- ren zu können setzte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Phase der Theorien- entwicklung ein (Moers & Schaeffer, 2014). Die ersten Ansätze waren durch eine Position geprägt, die auf der Annahme beruhte, dass es möglich sei, Pflege in einer einheitlichen Pflegetheorie, im Sinne einer inhaltlichen Bestimmung pflegerischen Handelns und Ab- grenzung von Nachbardisziplinen, vorzustellen (Brandenburg & Dorschner, 2015).

Erst zu Beginn der 80er Jahre kam es zu einer bedeutsamen Entwicklung in der Theori- endiskussion deren Grundstein in Hervorhebung von Sue Donaldson und Dorothy Crow- ley gelegt wurde und eine Akzeptanz eines Theorienpluralismus setzte sich durch (Stem- mer, 2003).

Als Theorienpluralismus in einem allgemeinen, philosophischen Ansatz gesehen, versteht man eine Theorie, nach der die Wirklichkeit aus vielen selbstständigen Prinzipien besteht, denen kein gemeinsames Grundprinzip zugrunde liegt (Pluralismus, o.J.).

Da weder in der Medizin noch in den Sozialwissenschaften eine einheitliche Theorie exis- tiert, entzieht es sich jeglicher Grundlage warum dies ausgerechnet in der Pflege möglich sei und daher wird seither die pluralistische Sichtweise als konsensuell angesehen (Bran- denburg & Dorschner, 2015). Praktisch jedoch bestimmt das alte Bild einer einheitlichen Theorie den klinischen Alltag (z.B. Orem), sodass es noch einiger Anstrengungen bedarf, einen multiplen Umgang mit Theorien zu implementierten (Moers, Schaeffer & Schnepp, 2011).

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen in der Pflege
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V342463
ISBN (eBook)
9783668324817
ISBN (Buch)
9783668324824
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegetheorien, Modelle, Konzepte, Theorienpluralismus, Orem
Arbeit zitieren
Bianca Konrad (Autor), 2016, Theoretische Grundlagen in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342463

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