Die Sprechakttheorie nach J.L.Austin & J.Searle und der illokutionäre Akt des Versprechens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung

2.Sprechakttheorie
2.1 Theorie von Austin
2.2 Die Weiterentwicklung durch Searle

3.Searles Theorie der Sprechakte
3.1 Analyse des illokutionären Akts des Versprechens

4.Schluss

5.Literaturangaben

1. Einleitung:

In jeglichen Kommunikationsebenen in Bezug auf Sprache, werden Handlungen vollzogen seitens des Sprechers, die mit der Äußerung des Sprechens verknüpft sind. Diese Sprechakte lassen sich in Kategorien einteilen, beispielsweise der Akt des Informierens und des Verweisens, sowie Akte, die Behauptungen, Fragen, Befehle usw. beinhalten.

Bei den Akten der letzten Kategorie spricht Austin1 von „illokutionären“ Akten. Ausdrücke, welche diese charakterisieren sind zum Beispiel: behaupten, beschreiben, befehlen, kritisieren und versprechen.

In der Philosophie der normalen Sprache ist es von besonderer Wichtigkeit, Sprechakte zu analysieren und kategorisieren, denn für jede Form sprachlicher Verständigung muss eine Sprachhandlung vorliegen. Nicht das Wort in seiner Zeichenzusammensetzung (Buchstaben) stellt eine Sprechhandlung dar, sondern das Sprechen an sich.

Ein illokutionärer Akt ist somit „die Erzeugung eines Satzzeichens unter bestimmten Bedingungen und stellt als solcher die kleinste Einheit sprachlicher Verständigung dar.“2 Er bezeichnet den eigentlichen Zweck eines Sprechaktes, also die dem Sprechakt zugrunde liegende Absicht des Sprechers.

Das Durchführen illokutionärer Akte ist an Regeln gebunden. Fragen und Behauptungen beispielsweise sind dementsprechend regelgeleitete Handlungsweisen, welche notwendige und hinreichende Bedingungen implizieren, diese wiederum kennzeichnen die Äußerung als einen illokutionären Akt.

In dieser Arbeit werde ich die Begriffe Searles und Austins der Sprechakttheorie auf das wesentliche beschränken und den Fokus dabei auf die illokutionären Akte setzen. Als Grundlage schaffe ich eine Einbettung dessen in die Sprechakttheorie.

2. Sprechakttheorie:

Die Vertreter der Sprechakttheorie gehen davon aus, dass „ […] die traditionelle Philosophie an einer unklaren, überzüchteten und damit letztlich bedeutungslosen Sprache krankt.“3 Auf Grund dessen, entschied man sich, das Funktionieren der Alltagssprache zu analysieren und kategorisieren. John L. Austin, der als Begründer dieser Theorie gilt, formulierte in seinem Hauptwerk How to Do Things with Words, dass man mit bestimmten Äußerungen eine Handlung vollziehe, indem man spreche und falls sie gelingen, zu bestimmten Ergebnissen in Form sozialer Tatsachen führen. John R. Searle entwickelte Austins Theorie in entscheidenden Punkten weiter, und zwar auf der Grundlage von Austins Gelingensregeln, „die in der von Searle systematisierten Form zur Grundlage der Sprechakttheorie geworden sind.“4

Searle hat Austins Sprechakttheorie einen strengeren und systematischeren Zuschnitt gegeben. Hier wird Austin der formale Vorwurf mangelnder systematischer Ausarbeitung seines Ansatzes gemacht: „Austins Bemühen um Kriterien für die eindeutige Unterscheidung zwischen den einzelnen Sprachfunktionen […] stößt auf Grenzen, die der Autor selbst zugesteht.“ So stellt für Searle Austins Liste illokutionärer Akte zwar „eine exzellente Diskussionsgrundlage“ dar, allerdings, sei sie einer Überarbeitung bedürftig, weil sie Schwächen habe.5 Somit will Searle einen universalen Ansatz liefern, indem er notwendige und hinreichende Bedingungen für den Vollzug eines Sprechaktes bestimmt.

Die Theorie der Sprechakte ist eine Teildisziplin der Linguistik und beschäftigt sich vorrangig mit der Analyse der Bedingungen des Gelingens und Misslingens von Sprechakten und dem Zusammenhang von Äußerungen in einer bestimmten grammatischen Form mit dem Vollzug von Sprechhandlungstypen.6 Im Fokus der Sprechakttheorie steht der Handlungscharakter sprachlicher Äußerungen, dessen Hauptaugenmerk dem Gebrauch sprachlicher Formen in der Kommunikation gilt. In jeder Form von Kommunikation, möchten wir etwas mitteilen. Wird dazu die Sprache benutzt, handelt es sich um einen Sprechakt.

2.1 Theorie von Austin:

John Austins Untersuchung des natürlichen Sprachgebrauchs führte ihn zur Analyse von Redesituationen. Er stellte seine Theorie der Sprechakte Anfang der fünfziger Jahre in Vorlesungen an verschiedenen englischen und amerikanischen Universitäten vor. In seiner Theorie der Sprechakte geht es Austin darum zu zeigen, dass sich eine Analyse der Sprache nicht auf Sätze beschränken darf, die einen Sachverhalt beschreiben oder eine Tatsache behaupten und damit entweder wahr oder falsch sind, sondern eine erste Systematisierung von verschiedenen Formen des Gebrauchs vorliegen.7

Der thematische Rahmen lässt sich wie folgt bestimmen:

Ausgehend davon, dass man mit Äußerungen eine Handlung vollzieht, nennt Austin performative Äußerungen (‚Ich verspreche pünktlich zu sein’). Hierbei handelt es sich um eine explizite performative Aussage. Bei Impliziten, kann man die Performativität lediglich an der vorliegenden Situation festmachen. Im Gegensatz dazu stehen die konstativen Äußerungen, welche die Feststellung eines Sachverhaltes enthalten und als ‚wahr’ oder ‚falsch’ bestimmt werden können, wie etwa ‚Es schneit’. Performative Äußerungen können misslingen, wenn die Bedingungen nicht beachtet werden, die für ihr Gelingen notwendig sind.

Klassifikation der Bedingungen für explizit-performative Äußerungen (Austin, dt. S. 39):

1. Es muss ein übliches konventionelles Verfahren mit einem bestimmten konventionellen Ergebnis geben; zu dem Verfahren gehört, dass bestimmte Personen unter bestimmten Umständen bestimmte Wörter äußern. (bspw. ‚ich verspreche dir’)

2. Die betroffenen Personen und Umstände müssen im gegebenen Fall für die Berufung auf das besondere Verfahren passen, auf welches man sich beruft. (bspw. macht eine Tauf-Rede nur in der entsprechenden Situation einen Sinn) Wenn, wie oft, das Verfahren für Leute gedacht ist, die bestimmte Meinungen oder Gefühle haben, oder wenn es der Festlegung eines der Teilnehmer auf ein bestimmtes späteres Verhalten dient, dann muss, wer am Verfahren teilnimmt und sich so darauf beruft, diese Meinungen und Gefühle wirklich haben, und die Teilnehmer müssen die Absicht haben, sich so und nicht anders zu verhalten und sie müssen sich dann auch so verhalten. (bspw. setzt ein Versprechen auch dessen Einlösbarkeit voraus)

Wenn jemand eine Sprechhandlung ausübt, performativ oder konstativ, so vollzieht er damit einen lokutionären Akt, welcher sich aus drei gleichzeitig ablaufenden Teilakten zusammensetzt:8

- Phonischer Akt: ein Akt, der darin besteht, bestimmte Laute zu äußern.
- Phatischer Akt: ein Akt, der darin besteht, gewisse Vokabeln oder Wörter in einer grammatischen Konstruktion mit einer bestimmten Intonation zu äußern.
- Rhetischer Akt: ein Akt, der darin besteht, die Wörter so zu äußern, dass festliegt, wovon die Rede ist ('reference') und was darüber gesagt wird ('sense'). Beides zusammen bestimmt die Bedeutung ('meaning').9

Dieses Abhängigkeitsverhältnis des lokutionären Aktes bringt auch Austin ins Schwanken, denn der gelungene phonetische Akt impliziert nicht das Gelingen eines Phatischen (z.B. kann ein Affe einen Laut ausrufen, der für den Hörer wie ein Wort klingt). Ebenso impliziert ein gelungener phetischer Akt keinen Rhetischen (Beispiel: Nachreden eines Satzes, den der Sprecher selbst nicht versteht). Hier knüpft Searles Kritik an Austin an, ob der rhetische Akt immer notwendige Bedingung für das Zustandekommen der Lokution ist. Austin selbst führt dazu Beispiele an wie „Verdammt!“ und „Au!“.10 Um etwas illokutionär zu meinen, muss man zwar ein Wort äußern, welches grammatisch korrekt ist, die Absicht spielt dabei aber eine entscheidende Rolle. Selbst wenn die Bedeutung einer sprachlichen Äußerung feststeht, kann die Absicht, in welcher sie geäußert wurde, unklar sein. So kann z.B. die Äußerung „Lily sitzt auf der Treppe“ je nach Kontext als Warnung, Mitteilung oder Antwort interpretiert werden. Austin bestimmt deshalb den illokutionären Akt diejenige Sprachliche Handlung, die man vollzieht, „indem“ man etwas sagt.11

[...]


1 Austin, John L.: Zur Theorie der Sprechakte [How to do things with words, Oxford 1962]. Deutsche Bearbeitung von E. v. Savigny: Stuttgart 1972.

2 Schirn, Matthias (Hrsg.), Sprachhandlung - Existenz - Wahrheit, Stuttgart 1974, S.89.

3 Hindelang, Götz: Einführung in die Sprechakttheorie. Tübingen 1983, S. 1.

4 Prechtl, Peter, Austin, John L., In: Ders. (Hg.): Grundbegriffe der analytischen Philosophie. Stuttgart-Weimar 2004, S. 30.

5 Gondek, Hans Dieter in: Volpi, Franco (Hg.), Großes Werklexikon der Philosophie, Bd 1: A-K, Stuttgart 1999, S. 114.

6 Vgl.: Hartmann, Dirk: Konstruktive Sprechakttheorie. In: Preyer, G., Maria Ulkan und Alexander Ulfig. (Hrsg.): Intention - Bedeutung - Kommunikation. Kognitive und handlungstheoretische Grundlagen der Sprachtheorie. Opladen 1997, S. 228.

7 Vgl. Prechtl, Peter: Sprachphilosophie. Stuttgart 1999, S. 193.

8 Austin, John L.: How to do things with words. Oxford 1962. Deutsche Bearbeitung von E. v. Savigny: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1979, S. 122.

9 Ebd., S. 112.

10 Ebd., S. 153.

11 Ebd., S. 116-118.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Sprechakttheorie nach J.L.Austin & J.Searle und der illokutionäre Akt des Versprechens
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Sprachphilosophie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V342469
ISBN (eBook)
9783668321793
ISBN (Buch)
9783668321809
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprechakttheorie, austin, searle, versprechens
Arbeit zitieren
Philipp Falk (Autor), 2014, Die Sprechakttheorie nach J.L.Austin & J.Searle und der illokutionäre Akt des Versprechens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342469

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