Nach fast sechs Jahren des Blutvergießens in Europa und – ab Dezember 1941, mit dem Angriff Japans auf Pearl Harbor- auf der ganzen Welt, endete der Krieg am 8. Mai 1945. Generaloberst Jodl unterzeichnete am 7. Mai die Kapitulationsurkunde in Reims. Nur einen Tag später folgten der damalige Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral Friedeburg und der Luftwaffenoberst Stumpf diesem Beispiel und unterzeichneten die Kapitulationsurkunde in Berlin- Karlshorst1. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Armeen der „Großen Drei“ - nämlich die der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten von Amerika und die des Vereinigten Königreichs von Großbritannien- die deutsche Wehrmacht und deren Verbündete in ganz Europa besiegt. Mit der bedingungslosen Kapitulation wurde das endgültige Ende Hitler- Deutschlands und somit auch das Ende des Krieges in Europa besiegelt. Die Befreiung Europas von der Schreckensherrschaft der Nazis und die Besetzung dieser Gebiete stellte die Kriegs- Allianz allerdings vor neue Aufgaben und Probleme. Deutschland stellte eines der Hauptprobleme dar, da es über große wirtschaftliche Ressourcen sowie über die meisten Einwohner in Europa (ausgenommen der Sowjetunion) verfügte2.
Die USA waren sich bereits kurz nach der deutschen Kriegserklärung ihrer wichtigen Stellung nach dem Krieg bewusst. Allerdings scheute Amerika zu diesem Zeitpunkt noch eine Festlegung auf eine bestimmte Politik. Die Nachkriegsordnung Europas und auch Deutschlands waren bereits Hauptthemen auf den Konferenzen von Teheran im November und Dezember des Jahres 1943 sowie auf der Konferenz von Jalta im Frühjahr 1945 auf die später noch gesonderte eingegangen wird. Als im Herbst 1944 ein baldiges Ende des Krieges in Sicht war3, änderte sich die Situation für die USA schlagartig. Aus den bisher nur vagen Vorstellungen mussten nun in kürzester Zeit geeignete Pläne über die Nachkriegsordnung entstehen. Diese Hausarbeit befasst sich mit der amerikanischen Deutschlandpolitik vor Kriegsende und den ersten beiden Nachkriegsjahre und soll untersuchen, ob und wenn ja, inwiefern sich die Außenpolitik der USA gegenüber Deutschland in dieser Zeit gewandelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bilanz des 2. Weltkrieges
3. US- Deutschlandpolitik von 1944-1945
3.1 Morgenthau- Plan
3.2 Besatzungsdirektive JCS 1067
3.3 Konferenz von Jalta
3.4 Konferenz von Potsdam
3.5 Prinzipien der Neuordnung Deutschlands
3.5.1 Demokratisierung
3.5.2 Entnazifizierung
3.5.3 Reparationen
3.6 Zusammenfassung der US- Deutschlandpolitik 1944-45
4. Wende in der US- Deutschlandpolitik
4.1 Byrnes Rede
4.2 Gründung der Bizone
5. Verstärkung der Deutsch- Amerikanischen „Partnerschaft“
5.1 Eindämmungspolitik
5.2 Truman- Doktrin
5.3 Marshall- Plan
6. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert den fundamentalen Wandel der amerikanischen Außenpolitik gegenüber Deutschland im Zeitraum von 1944 bis 1947, wobei untersucht wird, wie sich die Strategie von einer harten Bestrafung hin zu einer partnerschaftlichen Stabilisierung entwickelte.
- Die Entwicklung der US-Deutschlandpolitik von der Kapitulation bis zur Bizone
- Die Rolle der Umerziehung (Reeducation) und Entnazifizierung
- Die strategische Bedeutung der Eindämmungspolitik (Containment)
- Der Einfluss der Truman-Doktrin und des Marshall-Plans auf die deutsche Teilung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Morgenthau- Plan
Noch während des Krieges im Jahre 1944 forderte der damalige amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau wirtschaftliche Boykottmaßnahmen gegen das Deutsche Reich. Er sah in den Deutschen eine große Gefahr. Deshalb ließ er von seinen Mitarbeitern einen Plan ausarbeiten, der die Behandlung Deutschlands nach Kriegsende regeln sollte. Der schon bald als Morgenthau- Plan bekannt gewordene Plan sah vor, dass Deutschland vollständig deindustrieallisiert werden sollte. Er forderte den Übergang des Deutschen Reiches zu einem Agrarstaat, um so jegliche Gefahr die von der Aggression Deutschlands ausgehen würde zu vermeiden. Des weiteren sah der Plan vor, dass Deutschland vollständig entmilitarisiert und in einzelne Länder aufgeteilt werde. Morgenthaus Absichten spiegeln sich in dem Titel seines veröffentlichten Buches wieder: „Deutschlands Weg zum Frieden führt zum Bauernhof“.
Dass die völlige Deindustrieallisierung ein Zusammenbruch des gesamten deutschen Wirtschaftssystems bedeuten würde und somit auch eine Versorgung der gesamten Bevölkerung nicht mehr sichergestellt war, nahm Morgenthau billigend in Kauf. Er war der Ansicht, dass das deutsche Volk im Kollektiv für die verursachten Schäden und das Leid, welches der Zweite Weltkrieg mit sich brachte, zu büßen hatte. Durch eine Stilllegung aller Betriebe und Zechen des Ruhrgebietes wäre es in dieser Region aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte zu einer katastrophalen Versorgungslage der Bevölkerung gekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skauiert die historische Ausgangslage bei Kriegsende und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Wandels der US-Außenpolitik.
2. Bilanz des 2. Weltkrieges: Dieses Kapitel fasst das Ausmaß der Zerstörung und die humanitäre Notlage am Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen.
3. US- Deutschlandpolitik von 1944-1945: Hier werden die frühen Besatzungspläne, inklusive des Morgenthau-Plans und der Direktive JCS 1067, sowie die Konferenzen von Jalta und Potsdam analysiert.
4. Wende in der US- Deutschlandpolitik: Dieses Kapitel erläutert den Wendepunkt zur wirtschaftlichen Konsolidierung und die Bedeutung der Byrnes-Rede sowie der Bizonen-Gründung.
5. Verstärkung der Deutsch- Amerikanischen „Partnerschaft“: Der Autor beschreibt hier die sicherheitspolitische Neuausrichtung durch die Eindämmungspolitik, Truman-Doktrin und den Marshall-Plan.
6. Schlussteil: Das Fazit fasst die Transformation der Besatzungspolitik und die damit verbundene Weichenstellung für die deutsche Teilung zusammen.
Schlüsselwörter
US-Deutschlandpolitik, Zweiter Weltkrieg, Morgenthau-Plan, JCS 1067, Entnazifizierung, Demokratisierung, Byrnes-Rede, Bizone, Eindämmungspolitik, Truman-Doktrin, Marshall-Plan, Westintegration, Alliierte Besatzung, Kalter Krieg, Wiederaufbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und den Wandel der amerikanischen Deutschlandpolitik zwischen 1944 und 1947, von einer repressiven Besatzungspolitik hin zur wirtschaftlichen Integration.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Besatzungsstrategien der USA, die Entnazifizierung, der wirtschaftliche Wiederaufbau sowie der Einfluss des beginnenden Kalten Krieges auf Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern und warum sich die US-Außenpolitik gegenüber Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren von einer harten Bestrafungspolitik zu einem partnerschaftlichen Wiederaufbau entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primärer Dokumente der Alliierten sowie fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die konkreten politischen Phasen durchschritten, von den frühen Konferenzen über die Implementierung der Besatzungsdirektiven bis hin zu den wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen des Marshall-Plans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind US-Deutschlandpolitik, Besatzung, Entnazifizierung, Containment-Policy, Marshall-Plan und der Wandel zum Kalten Krieg.
Welche Rolle spielte der Morgenthau-Plan in der frühen Besatzungspolitik?
Der Morgenthau-Plan war ein initialer Entwurf, der Deutschland als Agrarstaat deindustrialisieren wollte, um eine zukünftige militärische Bedrohung auszuschließen, was jedoch aufgrund der drohenden Versorgungskrise später verworfen wurde.
Warum wird die Byrnes-Rede als "historisch" bezeichnet?
Die Rede wird als historisch eingestuft, da sie den expliziten Wandel der US-Politik vom "Besatzer" hin zum Unterstützer des deutschen Wiederaufbaus und zur Demokratisierung markierte.
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- Daniel Kipper (Author), 2005, Amerikanische Deutschlandpolitik von 1944-1947, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34247