Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP). Internationaler Handel im Spannungsfeld zwischen Freihandelszonen und Multilateralismus


Bachelorarbeit, 2014

53 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Teil A – Motivation
1. Problemaufriss
2. Entwicklung
2.1 GATT als multilaterales Abkommen
2.2 Trend zu Handelsblöcken
2.3 Status quo des Handels zwischen Europa und den USA

Teil B – modelltheoretische Betrachtung
3. Ökonomische Grundlagen
3.1 Arten von Handelshemmnissen
3.2 Weitere Grundlagen
4. Modell nach Panagariya/Krishna (2002)
4.1 Modellaufbau
4.1.1. Idee des Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorems
4.1.2. Die Bedeutung der Rules Of Origin
4.2 Analyse des Modells
4.2.1. Analyse ohne Produktion des Gutes innerhalb der FTA
4.2.2. Analyse mit Produktion des Gutes innerhalb der FTA
4.3 THIP im Kontext des Modells
4.4 Kritik des Modells

Teil C – Ökonometrische Betrachtung
5. Studie von Felbermayr et al.
5.1 Untersuchungsaufbau
5.2 Zentrale Ergebnisse im Zollszenario
5.3 Evidenz/Kritik des Modells nach Panagariya/Krishna (2002)

Teil D – Fazit
6. Bewertung und Handlungsempfehlung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Politikimplikationen und Herausforderungen für die WTO

AnhangA

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zunahme von PHA im Zeitverlauf

Abbildung 2: Partialanalyse ohne Produktion (pre- und post-FTA Gleichgewicht)

Abbildung 3: Partialanalyse mit Produktion (pre-FTA Gleichgewicht)

Abbildung 4 Partialanalyse mit Produktion (post-FTA Gleichgewicht)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Immer mehr Länder intensivieren durch präferentielle Handelsabkommen (PHA) ihren Handel untereinander. Häufig geschieht dies auf Kosten der Drittländer, die nicht Teil dieses Abkommens sind, da die Drittländer im Handel mit den Partnerländern höhere tarifäre und nicht-tarifäre Handelsbarrieren (NTB) haben, als die Partnerländer untereinander. Das Modell von Panagariya/Krishna (2002) untersucht nun, wie Freihandelszonen (FTA) auszugestalten sind, damit Drittländer durch den Abschluss eines Freihandelsabkommens nicht schlechter gestellt werden. Dies geschieht, indem Panagariya/Krishna (2002) das ursprünglich für Zollunionen ausgearbeitete Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorem auf Freihandelsabkommen anwenden. Die Analyse des Modells stellt den Kern dieser Arbeit dar und wird anschließend mit ökonometrischen Ergebnissen von Felbermayr et al. (2013) verglichen. Ziel der Arbeit soll es sein, eine pareto superiore Ausgestaltung der transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP) zu präsentieren, die derzeit zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) verhandelt wird.

Teil A – Motivation

1. Problemaufriss

Sowohl die EU als auch die USA sehen sich dem zunehmenden Druck von aufstrebenden Schwellenländern ausgesetzt, die mehr und mehr Anteile am Welthandel erlangen. Derzeit tragen die EU und die USA bei gerade einmal 11,8 Prozent der Weltbevölkerung zu knapp 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung bei (siehe Felbermayr et al. 2013, S. 21).Die im Jahr 2013 aufgenommenen Verhandlungen zwischen der EU und den USA und seither unter dem Namen „EU – US TTIP“ (transatlantic trade and investment partnership) geführten Verhandlungen haben das Ziel, diese Position zu festigen, indem es zu einer tieferen Integration der Märkte der EU und der USA kommt (siehe Felbermayr et al. 2013, S. 9). Auch wenn noch kein ausgearbeiteter Vertrag zum Freihandelsabkommenfeststeht, so ist eines sicher: Die THIP wird einen der größten und mächtigsten Wirtschaftsräume der Welt schaffen und im Falle eines Abschlusses des Abkommens werden sich auch die Lebensbereiche der 820 Millionen Menschen in der EU und den USA ändern. Zudem wird die THIP wegen des globalen Einflusses ihrer Mitgliedereine Veränderung der Handelsstruktur in der Welt mit sich bringen.Wenige Abkommen haben solch eine öffentliche Diskussion entfacht wie die derzeit verhandelte THIP. Dabei sind PHA längst im internationalen Handelssystem etabliert. Die zunehmende Beliebtheit dieser Verträge ist auch damit begründet, dass der multilaterale Liberalisierungsprozess der Welthandelsorganisation (WTO) zunehmend träger wird. So konnte man sich auf WTO Ebene erst im Jahre 2013 auf einen Bruchteil der Ziele der 2001 gestarteten Doha Runde einigen.Auch Ökonomen haben seit jeher eine starke Präferenz für multilaterale Handelsliberalisierung, da diese ein pareto Optimum darstellt. Das Welthandelssystem befindet sich jedoch in einem von Handelshemmnissen geprägten Nash Gleichgewicht.Aufgrund dieses Umstandes entwickelten sich daher Theorien, bei denen PHA zu pareto superioren Wohlfahrtseffekten führen und letztendlich auch im pareto Optimum münden.Unter welchen Voraussetzungenaber werden durch den Abschluss der THIP pareto superiore Wohlfahrtseffekte erzielt? Diese Frage stellt den Hauptteil dieser Arbeit dar, in dem eine Ausgestaltung vonFreihandelsabkommen präsentiert wird, die kein Land im multilateralen Handelssystem schlechter stellt.

Das bekannte Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorem zeigt einen Weg auf, wie eine Zollunion einzurichten ist, damit der Rest der Welt (ROW) nicht schlechter gestellt wird und die Partnerländer innerhalb der Zollunion Wohlfahrtsgewinne generieren können. Da es sich bei der THIP aber weniger um eine Zollunion, als vielmehr um eine FTA handelt, lässt sich dieses Modell nicht auf die Verhandlungen zwischen der EU und den USA anwenden. Aus diesem Grund soll im Kern dieser Arbeit die Vorgehensweise von Panagariya/Krishna (2002) vorgestellt werden, die à la Kemp-Wan-Vanek-Ohyama wohlfahrtssteigernde FTA identifizieren können. Die genaue Vorgehensweise, sowie der Brückenschlag zur THIP, wird in Kapitel4genauer beleuchtet und kritisiert. Zuvor soll in dieser Arbeit jedoch eine genauere Betrachtung des multilateralen Handelssystems erfolgen. Im folgenden Kapitel soll daher kurz der Zusammenhang zwischen dem von der WTO propagierten multilateralen und nicht-diskriminierenden Handelssystem und dem zunehmenden Trend zu (über-) regionalen, präferentiellen Handelspartnerschaften erläutert werden. Darüber hinaus schließt Teil A mit einer Bestandsaufnahme des Handels zwischen der EU und den USA. Hier sollen die wichtigsten makroökonomischen Kennziffern präsentiert werden, um ein Gefühl für die Tragweite der THIP zu bekommen. Der darauf folgende Teil B stellt das Kernstück dieser Arbeit dar. Zunächst erfolgt eine kurze Auffrischung der relevanten ökonomischen Grundlagen, bevor anschließend das Modell von Panagariya/Krishna (2002) detailliert vorgestellt wird. Auf die Vorstellung der Vorgehensweise und den getroffenen Annahmen folgt eine Analyse des Modells, sowie der Bezug zur THIP und eine kritische Würdigung. Im Teil C erfolgt eine ökonometrische Betrachtung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA. Die Studie von Felbermayr et al. (2013) gilt aufgrund des gewählten Ansatzes als benchmark, um Aussagen über die zukünftigen Auswirkungen auf die makroökonomischen Indikatoren treffen zu können. Diese Studie sowie deren Ergebnisse werden abschließend in Abschnitt 5.2 mit den modelltheoretischen Resultaten verglichen. Im letzten Teil D dieser Arbeit werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und die daraus folgenden Herausforderungen für die WTO beleuchtet.1

2. Entwicklung

2.1 GATT als multilaterales Abkommen

Um die Auswirkungen von PHA richtig zu verstehen, muss zunächst der Kontext untersucht werden, in diesem sich diese Verträge bilden. PHA haben im weltweiten Handel eine lange Geschichte und hatten ihren Ursprung im 19. Jahrhundert.2 Ein abruptes Ende dieserLiberalisierungswelle stellte der Ausbruch des ersten Weltkrieges dar. Auch in der Zwischenkriegszeit konnten die Handelsvolumina nicht mehr das Vorkriegsniveau erreichen, da Staaten aufgrund von fehlendem Vertrauen wieder zu mehr Protektionismus tendierten.3 Die zum Ende des zweiten Weltkrieges einberufene Konferenz von Bretton Woods im Jahre 1944 sollte die internationalen Beziehungen stärken.4 Dort einigte man sich auf das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), welches am 30. Oktober 1947 in Genf von 23 Vertragsparteien unterzeichnet wurde (siehe WTO 2011, S. 51). Das GATT stellt einen völkerrechtlichen Vertrag dar, der das Rückgrat des internationalen Handelssystems bildet. Ziel ist es, Handelshemmnisse abzubauen und durch mehr Handel die Weltwohlfahrt zu erhöhen. Das Herzstück des GATT ist die Meistbegünstigungsklausel(MFN), die in Artikel I §1 niedergeschrieben ist:

„With respect to customs duties (...) any advantage, favor, privilege or immunity granted by any contracting party to any product originating in or destined for any other country shall be accorded immediately and unconditionally to the like product originating in or destined for the territories of all other contracting parties“.

Hier werden auch schon die beiden zentralen Säulen dieses multilateralen Vertrages sichtbar, nämlich Nicht-Diskriminierung sowie Reziprozität.5 Dies bedeutet, dass Vertragspartner des GATT nicht zwischen ihren Handelspartners diskriminieren dürfen. Wenn man einem Land einen Vorteil in Form von niedrigeren Zöllen gewährt, so muss dieser präferentielle Marktzugang auch allen anderen Ländern in gleicher Höhe gewährt werden (Nicht-Diskriminierung). Das Prinzip der Reziprozität findet während den Verhandlungsrunden über die Höhe der Zölle zwischen den Ländern Anwendung. Die Länder werden einer gegenseitigen Zolländerungen zustimmen, wenn sich dadurch die Importvolumina in ähnlicher Höhe wie die Exportvolumina ändern (siehe Bagwell/Staiger 2002, S. 6).6 Zum 1. Januar 1995 ist es zudem gelungen, die WTO zu gründen, die auf dem GATT Vertrag fußt und der mittlerweile mehr als 140 Länder angehören. In den 47 Jahren zwischen der GATT und der WTO Gründung, wurde inacht mehrjährige Verhandlungsrundeneine Zollreduktion für industrielle Güter von anfangs durchschnittlich 40 Prozent auf heute unter vier Prozent im Durchschnitt erreicht (siehe Bagwell/Staiger 2002, S. 1). Dass dies erreicht wurde, ist vor allem den Prinzipien der Reziprozität und Nicht-Diskriminierung zu verdanken, die die multilaterale Handelsliberalisierung durch Erwartungssicherheit und Stabilitätgefördert haben.7

Es gibt jedoch auch Ausnahmen von dieser Meistbegünstigungsklausel. Diese stellen sich dergestalt dar, dass manche Länder einigen wenigen Ländern einen präferentiellen Zugang zu ihrem Markt ermöglichen. Die weiteste, und damit auch schwächste Form, stellen PHA dar.8 Bei diesen schließen sich mindestens zwei Länder zusammen, die dann für den Handel untereinander niedrigere, aber positiv von Null verschiedene Zölle haben, als für Güter aus Drittländern. Den Außenzoll zu diesen Drittländern können die einzelnen Länder selbst festlegen. Der präferentielle Zugang zu einem Markt kann dabei entweder auf gegenseitiger Basis erfolgen oder die Vorteile werden nur einem Land gewährt. Eine strengere Form sind Freihandelsabkommen. Diese sind mit einem PHA vergleichbar.Der einzige Unterschied besteht darin, dass für den Güteraustausch der Partnerländer untereinander keine Zölle anfallen. Die strengste Form der präferentiellen Handelsliberalisierung ist in Form von Zollunionen definiert. Diese bauen auf Freihandelsverträgen auf, jedoch haben die Länder einen gemeinsamen Außenzoll (CET) für Güter aus Drittländern (siehe Panagariya 2000, S. 288)

Ein Abschluss von PHA ist jedoch nicht beliebig möglich, sondern nur in bestimmten Fällen zulässig. Eine Möglichkeit besteht darin, dass entwickelte Länder den Entwicklungsländern einen einseitigen präferentiellen Zugang zu ihrem Markt gewähren. Dies soll die Exporte aus den Entwicklungsländern fördern und zu Konvergenz beitragen. Eine weitere Möglichkeit besteht durch die sogenannte enabling clause.Diese gibt Entwicklungsländern die Möglichkeit, untereinander PHA abzuschließen. Damit soll erreicht werden, dass die Wirtschaft in diesen Ländern vor Exporten aus Industrieländern geschützt wird.9 Die dritte Variante lässt nun auch Industrieländer von PHA profitieren. Unter Artikel XXIV des GATT können sich Länder zu einer FTA oder Zollunion zusammenschließen, wie es bspw. im Falle der EU oder der nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA)geschehen ist. Die in diesem Artikel genannten Bedingungen besagen, dass der Handel für alle Güter der Partnerländer erleichtert wird. Gemäß §§ 8(a) und 8(b) des GATT Artikels XXIV soll vermieden werden, dass einzelne Sektoren von einer Liberalisierung ausgeschlossen werden.10 Ferner dürfen die Länder des Abkommens ihre Außenzölle gegenüber den Drittländern nicht erhöhen.11 Auch die THIP fällt unter diesen Punkt der Freihandelsabkommen zwischen entwickelten Ländern (siehe WTO 2013b, S. 2). Die Verhandlungen der THIP gelten als bilaterale Gespräche, da die EU mit dem Mandat all ihrer Mitgliedsländer die Verhandlungen mit den USA führt Derzeit sind bei der WTO insgesamt 387 PHA registriert. Den Großteil davon bilden Freihandelsabkommen, von denen zum Zeitpunkt dieser Arbeit 211 in Kraft waren. Demgegenüber stehen Zollunionen, die weit weniger verbreitet sind. Aktuell sind bei der WTO lediglich 17 Zollunionen in der Welt gemeldet, was die Bedeutung von FTA gegenüber Zollunionen unterstreicht.12 Ferner existieren gegenwärtig 37 Abkommen, die unter der oben erläuterten enabling clause geschlossen wurden.13

Dass sich PHA einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, soll nun im folgenden Abschnitt genauer beleuchtet werden, indem ihre Entwicklung im Zeitverlauf begutachtet werden soll

2.2 Trend zu Handelsblöcken

Im vorangegangenen Abschnitt wurde ein Einblick in die aktuelle Anzahl von bestehenden PHA gegeben. Die folgende Abbildung 1veranschaulicht, wie sich PHA seit der Unterzeichnung des GATT vermehrt haben. Zudem wird in der Grafik zwischen den im vorherigen Abschnitt erläuterten drei verschiedenen Möglichkeiten zur Gründung von PHA unterschieden Wie Abbildung 1 verdeutlicht, begannen die WTO Mitglieder schon wenige Jahre nach der Unterzeichnung des GATT mit der Suche nach präferentiellen Handelspartnern. Eine deutliche Zunahme an PHA lässt sich ab Mitte der 1950er Jahre erkennen. Zu dieser Zeit schlossen sich die wichtigsten europäischen Wirtschaftsmächte zur europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammen. Flankiert wurde dieses Abkommen mit PHA der früheren Kolonialmächte zu ihrendamaligen Kolonien (siehe WTO 2011, S. 52). Die Integration des europäischen Marktes führte bei anderen Ländern, wie etwa den USA, zu der Sorge, den Anschluss an den Welthandel zu verlieren. Aus diesem Grund wurden Mitte der 1960er Jahre mit der sogenannten Kennedy-Runde die durchschnittlichen MFN Zölle auf WTO Ebene gesenkt.Die zweite Welle der präferentiellen Liberalisierung begann anfangs der 1990er Jahre. Die mittlerweile zur europäischen Gemeinschaft zusammengeschlossenen Länder unterzeichneten nun nach dem Ende der Sowjetunion PHA, inter alia, mit osteuropäischen Staaten. Auch die USA, bisher immer ein Verfechter des multilateralen Systems, begannen, aufgrund der langwierigen Verhandlungen der Uruguay Runde, mit der Unterzeichnung von PHA. Das bekannteste Ergebnis dieses Prozesses stellt die NAFTA dar. Auch Entwicklungsländer schlossen sich mittels der enabling clause zu regionalen Gruppen zusammen, da diese durch die langwierige Uruguay Runde die Gefahr sahen, den Anschluss an die Industrienationen zu verlieren (siehe WTO 2011, S. 53). Mitte der 1990er Jahre wurde dann auch die Uruguay Runde zum Abschluss gebracht.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Zunahme von PHA im Zeitverlauf15

Seit dem Abschluss der Uruguay Runde 1994 und der daran anknüpfenden Doha Runde wurden keine nennenswertenmultilateralen Zollsenkungen mehr durchgesetzt. Grund ist, dass die WTO aufgrund der steigenden Mitgliederzahl zu einer immer heterogeneren Organisation wurde.16 Die WTO Mitglieder antworten auf diese Entwicklung, wie inAbbildung 1zu erkennen, mit dem Abschluss von PHA. Von 1990 bis 2000 hat sich die Anzahl der Abkommen knapp verdreifacht.17 Vieles spricht dafür, dass die Beliebtheit von PHA auch in der Zukunft anhalten wird.18 Aktuell verhandelt die EU neben der THIP noch über acht weitere Abkommen für präferentiellen Handel.19 Die USA führen derzeit Gespräche über den Beitritt in das transpazifische Partnerschaftsabkommen (TPP), welches seit 2006 in Kraft ist.Nicht zuletzt wird auch durch die THIP versucht, den Einfluss von Europa und den USA auf die Weltmärkte aufrecht zu erhalten. Zudem wurde seit der GATT Gründung zwar eine Senkung der Zölle erreicht, jedoch wurde wenig für die regulatorische Zusammenarbeit getan.20

Auf diese Analyse des weltweiten Handelssystems folgt im nächsten Abschnitt eine genauere Untersuchung des Handels zwischen der EU und den USA. Dieser Schritt ist notwendig, um die Bedeutung und die Determinanten des transatlantischen Handels richtig einschätzen zu können.

2.3 Status quo des Handels zwischen Europa und den USA

Zu der im vorherigen Abschnitt dargestellten zunehmenden Beliebtheit von PHA haben auch die EU und die USA beigetragen. Aktuell unterhalten die USA 14 bilaterale und multilaterale Abkommen, darunter das derzeit wohl bedeutendste Abkommen, das NAFTA, welches zum 1. Januar 1994 in Kraft trat.21 Die EU kommt auf eine Anzahl von 36 PHA(siehe WTO 2014b), wobei die einzelnen Mitgliedsländer der EU jeweils auch eigene bilaterale und multilaterale Verträge abschließen können.22

Der Handel zwischen der EU und den USA lässt sich als offen charakterisieren, da die durchschnittlichen MFN Zölle im Industriesektor i.H.v. rund 3,5 Prozent im historischen Vergleich sehr niedrig sind (siehe Felbermayr/Lehwald/Heid 2013, S. 9). Von der Gesamtheit aller Produkte unterliegen etwa ein Drittel keinem Zollsatz (vgl. Felbermayr et al. 2013, S. 40). In manchen Sektoren, wie etwa der Lebensmittelindustrie, ist man jedoch mit höheren Zöllen konfrontiert, was ein Indiz für die Heterogenität in den tarifären Handelshemmnisse ist. Im Automobilbereich sind die MFN Zölle beider Verhandlungspartner auf einem bereits relativ niedrigen Niveau. Durch ein vollständiges Eliminieren der Zölle ließen sich jedoch auch in diesem Sektor positive Wohlfahrtseffekte erzielen, dadieser Sektor die größten Volumina im transatlantischen Handel ausmacht (siehe ebenda). Ferner lässt sich beobachten, dass in fast allen Sektoren die Einfuhrzölle der EU höher sind, als die entsprechenden Zollsätze für EU Exporte in die USA23. Ausnahme bilden hier die Spitzenzollsätze. So erheben die USA auf vereinzelte importierte Produkte einen Zoll von 350 Prozent, während dieser Wert in der EU maximal 75 Prozent beträgt (siehe ebenda). Die Höhe der NTB lässt sich nur schwer schätzen und unterscheidet sich je nach Sektor und methodologischer Vorgehensweise.24 Es kann aber als sicher angenommen werden, dass diese NTB deutlich über den tarifären Handelshemmnissen liegen.25 Nichtsdestotrotz zählt die transatlantischeHandelsbeziehung im weltweiten Vergleich zu den größtenHandelsvolumina, was sich am besten am jeweiligen Anteil der Exporte messen lässt. So gehen 17 Prozent der EU Exporte in die USA, was diese zum wichtigsten Abnehmer von europäischen Produkten macht.Auf der anderen Seite ist der europäische Markt, nach Kanada, der zweitwichtigste Markt für Exporte aus den USA. Von der Gesamtheit aller Exporte der USA gehen 19 Prozent in die EU (vgl. Francois et al. 2013, S. 8). Insgesamt beläuft sich der Wert aller Importe und Exporte zwischen der EU und den USA auf rund 700 Mrd. US Dollar (USD) pro Jahr, was die transatlantische Beziehung zum weltweit größten bilateralen Handelsstrom macht (siehe Felbermayr/Larch 2013, S. 6).26 Da die USA bspw. pro Jahr Maschinen mit einem Wert von rund 50 Mrd. USD in die EU exportieren, gleichzeitig aber auch Maschinen aus der EU mit einem fast identischen Wert importieren, spricht dies für viel intra-industriellen Handel (siehe Felbermayr/Larch 2013, S. 6). Für den produzierenden Sektor ergibt sich ein Grubel-Lloyd Index für den transatlantischen Warenaustausch von 0,89.27

Auf diesen deskriptiven Teil A mit der beschriebenen Entwicklung des weltweiten Handelsystems sowie der Beziehung zwischen der EU und den USA soll im folgenden Teil B eine modelltheoretische Betrachtung von FTA erfolgen. Dafür werden zunächst in Kapitel 3 die ökonomischen Grundlagen dargestellt. Darauf aufbauend wird das Modell nach Panagariya/Krishna (2002) präsentiert. Ziel des folgenden Abschnittes soll es sein, sowohl die Auswirkungen auf die Wohlfahrt der Mitgliedsländer, als auch die Wohlfahrtseffekte im ROW zu erfassen

Teil B – modelltheoretische Betrachtung

3. Ökonomische Grundlagen

3.1 Arten von Handelshemmnissen

Wie der vorangegangene Abschnitt deutlich machte, sind die tarifären Handelsbarrieren der EU und der USA mit durchschnittlich rund3,5 Prozent auf Industriegüter sehr niedrig. Diese tarifären Hemmnisse stellen den klassischen Mechanismus dar, den ein Land verwendet, um seine einheimische Industrie vor Produkten aus dem Ausland zu schützen. Diese Mechanismen finden an der Landesgrenze statt (at-the-border). Darunter fallen bspw. Importzölle oder Exportsubventionen, die einheimischen Firmen gegenüber ausländischen einen Wettbewerbsvorteil einräumen. Aufgrund der historisch äußerst niedrigen Werteder Importzölle könnte man nun schließen, dass der transatlantische Handel bereits sehr frei ist und die Notwendigkeit eines Freihandelsabkommens könnte in Frage gestellt werden. Dies wäre jedoch ein Trugschluss, da der Handel bei weitem nicht so frei ist, wie die oben erwähnten niedrigen Importzölle suggerieren würden (vgl. Felbermayr/Larch 2013, S. 4). Grund ist, dass eine Reihe von NTB den Austausch von Gütern und Dienstleistungen hindern. Diese Handelsbarrieren stellen keine Preise oder Mengen als Restriktion des Handels dar, sondern fokussieren sich vielmehr auf unterschiedliche Konfigurationen der Güter (vgl. Ecorys 2009, S. 2).28 NTB können als Fixkosten für den Marktzugang gesehen werden, da sie Standards festlegen die erfüllt werden müssen, wenn das ausländische Produkt im Heimatmarkt angeboten werden soll und werden deshalb auch als behind-the-border Regularien bezeichnet (Felbermayr et al. 2013, S. 15). In diesem Falle dienen NTB nicht primär einer Abschottung gegenüber ausländischen Produzenten, sondern werden vornehmlich zum Schutz der einheimischen Konsumenten eingesetzt. Dies sind bspw. Sicherheitsstandards und Umweltschutzauflagen, deren Liberalisierung, aufgrund des Zweckes den sie verfolgen, schwierig ist (vgl. Francois 2013, S. 7).29 Viele NTB stellen jedoch auch sogenannte red tapes dar, die als bürokratische Hürde ohne einen Schutz von Konsumenten charakterisiert sind. Diese führen zu Wohlfahrtsverlusten, da die Produzenten teure Konfigurationen an ihren Produkten vornehmen müssen und diese Gelder bspw. für Investitionen fehlen.30 In der Realität sind diese red tapes in Form von bürokratischen Regularienzu finden.31

3.2 Weitere Grundlagen

Essentielles Element jeder Wohlfahrtsanalyse von PHA stellt das Werk von Jacob Viner (1950) dar, der am Beispiel einer Zollunion die Begriffe der „Handelsschaffung“ und „Handelsumlenkung“ prägte. Am besten lassen sich diese Begriffe anhand eines Beispiels mit drei Ländern (Land A, Land B und Land C) erklären. In einem ersten Szenario schützt Land A seine Produzenten mit hohen Zöllen vor ausländischen Produzenten. Die gesamte inländische Nachfrage wird durch die Produzenten in Land A befriedigt. Nun schließen sich Land A und Land B zu einer Zollunion zusammen.Durch die Eliminierung der Zölle zwischen den Ländern A und B können Konsumenten in Land A das Produkt nun auch (günstiger) von Land B beziehen. Diese Verschiebung vom Ausgangspunkt mit den hohen Kosten zum günstigeren und effizienteren Anbieter beschreibt Viner (1950, S. 53) als Handelsschaffung. Der günstigere Preis führt zu einer Erhöhung der Handelsvolumina, da die Konsumenten mehr nachfragen. In diesem Falle würde die Zollunion einen Schritt in Richtung Handelsliberalisierung implizieren.In einem zweiten Szenario identifiziert Viner (1950) jedoch Effekte, die gegen einen weltweiten Freihandel laufen. In diesem Fall importiert Land A bereits vor Gründung der Zollunion die Produkte von Land C, welches dieses Gut von allen Anbietern am günstigsten herstellen kann (selbst, wenn noch die Zölle in Land A eingerechnet werden). Mit dem Abschluss der Zollunion zwischen Land A und Land B können Konsumenten das Produkt nun günstiger von Land B kaufen, weil hierbei keine Zölle auf das Produkt zu zahlen sind. Da im weltweiten Vergleich jedoch Land C das Produkt am effizientesten herstellen kann und sich das Angebot nun vom effizientesten zum weniger effizienten Anbieter verschiebt, arbeitet dieser Effekt gegen die Ressourcenallokation bei weltweiten freiem Warenverkehr. Viner (1950, S. 53) beschreibt dies als Handelsumlenkungseffekt. In diesem Fall ändern sich die Handelsvolumina nicht und es kommt lediglich zu einer Veränderung der terms of trade (vgl. Panagariya 2000, S. 293).32

Eine weitere wichtige Grundlage um Wohlfahrtseffekte richtig zu deuten stellen die sogenannten lump-sum Transferzahlungen dar. Häufig gibt es in einem Land durch die Öffnung des einheimischen Marktes sowohl Gewinner als auch Verlierer. Die Theorie definiert nun lump-sum Transferzahlungen dergestalt, dass die Regierung die Gewinner aus dem Handel besteuert und damit die Verlierer kompensiert.33 Dadurch wäre es theoretisch möglich, dass mit der Öffnung des Landespositive Wohlfahrtseffekten für alleBürger erreicht werden (vgl. Feenstra 2002, S. 6-1).Übertragen lässt sich dieses Beispiel natürlich auch auf die multilaterale Ebene. Demnach würdenLänder, deren terms of trade sich durch den Abbau von Handelshemmnissen verschlechtern, multilateralem Freihandel zustimmen, wenn sie von den Ländern einen Ausgleich erhalten würden, die durch den Handel gewonnen haben. Dieser Sachverhalt beschreibt die second best Problematik der präferentiellen Handelsliberalisierung, da die first best Lösung in Form von nicht-diskriminierender, multilateraler Handelsliberalisierung sehr schwer zu erreichen ist.34

Auf diese rasche Auffrischung der relevanten ökonomischen Grundlagen erfolgt nun im nächsten Kapitel, welches gleichzeitig den Hauptteil dieser Arbeit darstellt, eine Analyse des statisch-partiellen Gleichgewichtsmodells von Panagariya/Krishna (2002)

4. Modell nach Panagariya/Krishna (2002)

4.1 Modellaufbau

4.1.1. Idee des Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorems

In der ökonomischen Literatur gab es bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts nur eine geringe Anzahl an Modellen, die die Wohlfahrtseffekte bei der Gründung von PHA untersuchten. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass, wie in Abbildung 1 dargestellt, PHA bis Mitte der 1950er Jahre im internationalen Handelssystem eine untergeordnete Rolle spielten.Mit der zunehmenden Verbreitung von regionalen Abkommen entwickelten sich auch vermehrt ökonomische Theorien zu den Auswirkungen von PHA. Eine der bekanntesten Theorien zur Untersuchung von Wohlfahrtseffekten ist das sogenannte Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorem. Entwickelt wurde dieses von Kemp (1964) und Vanek (1965) in zwei voneinander unabhängigen Arbeiten. Einen Beweis dieser Theorien lieferten kurz danach Ohyama (1972) sowie Kemp und Wan (1976) in einer gemeinsamen Arbeit, weshalb sich der Begriff des Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Theorems in der Literatur durchgesetzt hat. Ziel dieses Theorems ist, dass bei der Gründung einer Zollunion kein Land der Welt schlechter gestellt wird. Es wurde also versucht, die von Viner (1950) und in Abschnitt3.2erläuterten Handelsumlenkungseffekte auf die Drittländer zu eliminieren, damit sich deren Wohlfahrt nicht mindert. Dies sollte dergestalt ablaufen, dass der gemeinsame Import der sich zu einer Zollunion zusammenzuschließenden Länder aus den Drittländern vor der Gründung der Zollunion genau so hoch ist, wie nach ihrer Gründung. Möglich wird dies durch einen genau definierten CET, der in der Literatur auch als „Vanek Kompensationszoll“ bekannt ist.35 Bei diesem CET entsprechen sich die gemeinsamen Importe der Zollunion aus dem ROW vor und nach deren Gründung.36 In einem einzelnen Mitgliedsland kann es jedoch durchaus zu Änderungen der Importvolumina kommen. Dadurch, dass die Drittländer nun nach Gründung der Zollunion die gleiche Menge in die Union exportieren wie vor ihrer Gründung, wird garantiert, dass sich die Wohlfahrt in den Drittländern nicht verschlechtert. Unter der Annahme, dass die Partnerländer schon vor Gründung der Zollunion miteinander handeln, kommt es beim Abschluss der Zollunion zwischen diesen Ländern zu einem Effekt der Handelsschaffung mit einhergehenden Wohlfahrtsgewinnen, da die Handelshemmnisse abgebaut werden. Sollte ein Mitgliedsland der Zollunion Wohlfahrtsverluste erleiden (bspw. durch Handelsumlenkungseffekte), so werden diese mittels lump-sum Transferzahlungen des Partnerlandes ausgeglichen. Dies bedeutet, dass es zu pareto Verbesserungen der Wohlfahrt in der Union kommt.37 Wie bei einer Zollunion üblich, ist der Preis der Importe in die Union aufgrund des CET in jedem Mitgliedsland gleich (siehe Panagariya/Krishna 2002, S. 354). Indem sich (unter diesen Voraussetzungen) immer mehr Länder der Zollunion anschließen, rückt der Welthandel mit jedem zusätzlichen Partnerland in Richtung multilateralem Freihandel, ohne dass dadurch ein Drittland schlechter gestellt wird. Kemp-Wan-Vanek-Ohyama haben damit einen modus operandi zum Erreichen der first best Lösung identifiziert, indem sie die second best Lösung pareto superior ausgestaltet haben Da es sich bei der THIP jedoch um ein Freihandelsabkommen handelt und FTA im weltweiten Vergleich auch zahlenmäßig deutlich häufiger vertreten sind als Zollunionen, lohnt sich eine genauere Betrachtung ersterer. Dies wurde nun von Panagariya/Krishna (2002) erkannt, die die Idee hinter Kemp-Wan-Vanek-Ohyama auf FTA anwenden. Hier galt es, auf die in Abschnitt 2.1genannten Unterschiede zwischen Zollunionen und Freihandelsabkommen zu achten, da es bei den Mitgliedsländern der FTA bekanntlich keinen CET gibt und sich somit Kemp-Wan-Vanek-Ohyama nicht eins zu eins übertragen lässt.38 Um im Falle der FTA die Drittländer nicht zu diskriminieren ist die Idee von Panagariya/Krishna (2002), dass jedes Land seine individuellen Importe aus den Drittländern auf das Niveau vor Gründung der FTA fixiert. Dies stellt einen Unterschied zur ursprünglichen Idee von Kemp-Wan-Vanek-Ohyama dar, da diese die gemeinsamen Importe der Zollunion vor und nach deren Gründung konstant hielten und sich nicht auf den länderspezifischen Importvektor fokussierten. Aufgrund des CET in der ursprünglichen Analyse der Zollunion war diese Unterscheidung jedoch auch nicht notwendig.39

4.1.2. Die Bedeutung der Rules Of Origin

Aufgrund der zuvor erwähnten Tatsache, dass die Länder in einer FTA einen individuellen Außenzoll gegenüber Drittländern erheben, sollte noch eine wichtige Anmerkung gemacht werden, damit die Wohlfahrtseffekte strikt nicht-negativ sind. Es geht hierbei um das Umschlagen von aus Drittländern importierten Gütern innerhalb der FTA. Indem das Land mit dem günstigeren Außenzoll von den Drittländern importiert, sind die Konsumentenendpreise für das gleiche Gut dort geringer, als in dem Land, welches den höheren Außenzoll auf dieses Produkt erhebt. Da es, wie bereits erwähnt, für den Güterhandel zwischen den Partnerländern keine tarifären Handelsbarrieren gibt, könnte nun die strenge Bedingung der fixierten Importmengen aus den Drittländern ausgehebelt werden. Das ist der Fall, da die Akteure den Anreiz haben, das Gut in dem Land mit dem niedrigeren Außenzoll aus den Drittländern zu importieren und dann von diesem Land aus zollfrei in das Partnerland mit dem höheren Außenzoll zu transferieren. Es ist zwingend notwendig, dieses Umschlagen der Güter zu unterbinden, damit das Modell von Panagariya/Krishna (2002)zu einem pareto superioren Gleichgewicht führt. Aufgrund dieser zentralen Annahme soll im folgenden auf die Lösung dieses Problems eingegangen werden Der effizienteste (und auch in der Praxis am meisten angewandte) Lösungsweg ist, indem man Rules Of Origin (ROO)Regelungen in das Freihandelsabkommen mit aufnimmt. Die ursprüngliche Idee von Freihandelsabkommen bezieht sich darauf, dass Zollfreiheit nur für Produkte gilt, die in einem der Partnerländer hergestellt werden. Für Importe aus dem ROW gilt in einer FTA der individuelle Außenzoll eines Landes.Das zuvor beschriebene Umschlagen der Güter verletzt nun den Gedanken der FTA mit den individuellen Außenzöllen, da die Akteure versuchen werden, die Importe ausschließlich über das Niedrigzollland zu beziehen und anschließend in das Land mit dem höheren Außenzoll zu transferieren.40 Panagariya/Krishna (2002) definieren auch, wie ROO in ihrem Modell auszugestalten sind, damit pareto superiore Zustände eintreten. Demnach sind Produkte, die innerhalb der FTA produziert und gehandelt werden weiterhin von einem Zoll befreit. Spannender wird es im zweiten Fall, nämlich dann, wenn Importe von Zwischenprodukten aus dem ROW betrachtet werden, die innerhalb der FTA gehandelt werden. Diese Zwischenprodukte dürfen nur dann zollfrei in das Partnerland exportiert werden, wenn sie im anderen Partnerland hinreichend transformiert wurden. Ein unbearbeitetes Importgut darf nicht zollfrei zwischen den FTA Ländern transferiert werden. Um dies zu gewährleisten stellen Panagariya/Krishna (2002, S. 363) für diesen zweiten Fall zwei Anforderungen an ROO Regelungen: Zum einen darf ein Gut zollfrei in der FTA gehandelt werden, wenn die von Drittländern importierten Zwischenprodukte, die dieses Gut beinhaltet, sich von dem Endprodukt (also dem Gut, welches die intra-FTA Grenze überschreitet) unterscheidet. Die zweite Einschränkung ist, dass es sich bei dem Endprodukt um ein Gut handeln muss, welches vor Gründung der FTA bereits existierte. Dies bedeutet, dass Güter, die erst nach Gründung der FTA vorhanden sind, nur zollfrei innerhalb der FTA gehandelt werden dürfen, wenn sie innerhalb der FTA produziert wurden. An einem erklärenden Beispiel soll dieser Sachverhalt kurz erläutert werden: Nehmen wir an, es gibt vor der Gründung der FTA eine bekannte Anzahl an X Endprodukte und Zwischenprodukte, die von einer Behörde auf einer Liste erfasst sind. Nun wird ein Gut, nehmen wir an es ist ein eine Flasche Apfelsaft, von einem Partnerland in das andere Partnerland importiert. Der Importeur muss jetzt den Zollbehörden mitteilen, ob dieses Gut unter den X Gütern vor FTA-Gründung war. Wenn dies der Fall ist, dann muss er das Gut genau auf der Liste der Behörden klassifizieren.41 Sollte das Getränk tatsächlich auf der Liste sein (nehmen wir an der Apfelsaft ist auf der Behördenliste mit „A“ klassifiziert), dann muss der Importeur anschließend alle Zwischenprodukte, die aus dem ROW stammen, auf der Liste identifizieren. Sollten diese alle eine andere Klassifizierungsnummer als das Getränk haben, so darf das Gutdie Grenze der Partnerländer zollfrei überqueren (werden also Äpfel aus dem ROW importiert, so haben diese eine andere Klassifikationsnummer(bspw. „B“) als das fertige Erzeugnis). Sollte ein ROW-Import die gleiche Klassifikationsnummer wie das Getränk haben, ist dies ein Indiz dafür, dass der Apfelsaft aus dem ROW importiert wurde und in dem Niedrigzoll-Partnerland nur marginal geändert wurde (bspw. verdünnt wurde, etc.). Diese Annahmen garantieren, dass die aus den Drittländern importierten Produkte in einem Partnerland verarbeitet wurden und nicht nur importiert wurden, um den hohen Zoll im Partnerland zu umgehen.

Auf diesen überblickartigen Aufbau des Modells von Panagariya/Krishna erfolgt nun im nächsten Abschnitt eine genauere Analyse des Modells sowie ein modelltheoretischer Beweis, dass es unter dem zuvor erwähnten Modellaufbau zwingend zu Wohlfahrtssteigerungen in der Welt kommt

4.2 Analyse des Modells

In diesem Abschnitt soll nun das Modell von Panagariya/Krishna (2002) vorgestellt werden. Dies geschieht mittels einer statisch-partiellen Gleichgewichtsanalyse (ceteris paribus Annahmen).42 Hier wird mit einem Zwei-Güter-Modellgearbeitet, bei dem das Gut im Zähler (nicht-numéraire Gut) isoliert betrachtet wird, während alle anderen Güter im Nenner (also die numéraire Güter)auf eins normiert werden. Damit lässt sich der Preis der nicht-numéraire Güter in Einheiten der numéraire Güter ausdrücken.Das betrachtete Gut ist das nicht-numéraire Gut, welches neben Arbeit auch einen sektorspezifischen Produktionsfaktor benötigt, während das Gut im Nenner nur den Produktionsfaktor Arbeit benötigt.43 Es werden nun folgende Annahmen bei der Partialanalyse von FTA nach Panagariya/Krishna (2002) getroffen:

(i) Es werden ausschließlich homogene Endprodukte analysiert.44
(ii) Quasi-lineare Präferenzen der Konsumenten45
(iii) Transportkosten werden vernachlässigt
(iv) ROO werden, wie von Panagariya/Krishna (2002) beschrieben, angewandt
(v) Perfekter Wettbewerb,bei dem Preise die Produktionskosten repräsentieren
(vi) Lump-sum Transferzahlungen zwischen den Ländern in der FTA

Betrachtet werden Land A (Index A)und LandB (Index B), die sich dazu entschließen, eine FTA zu gründen, sowie der ROW (Exponent W), der nicht Teil dieses Abkommens ist. Mit dem Exponenten „0“ bezeichnen wir den Gleichgewichtszustand in den beiden Ländern vor Gründung der FTA, während mit dem Exponenten „FTA“ das ex-post Gleichgewicht der Mitgliedsländer der FTA angenommen wird. Vor dem Freihandelsabkommen hat jedes Land seinen individuellen, nicht-diskriminierenden Außenzoll[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], respektive[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]für Importe, wobei wir annehmen, dass der Zoll in Land B höher ist als in Land A ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]>[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), was ein Nash Gleichgewicht als Ausgangssituation darstellt

4.2.1. Analyse ohne Produktion des Gutes innerhalb der FTA

Es wird nun in diesem ersten Fall vereinfachend angenommen, dass das betrachtete Gut nicht in den beiden Partnerländern produziert wird und zwingend aus dem ROW importiert werden muss.46 Diese Annahme impliziert, dass sich der interne Konsumentenendpreis für dieses Gut in den beiden Ländern unterscheidet (vgl. Abbildung 2). Genauer gesagt müssen Konsumenten für das Gut in Land B den Preis[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zahlen, während in Land A der Preis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu zahlen ist, wenn der Preis im ROW [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] mit 1 angenommen wird. Die länderspezifische Nachfrage nach dem betrachteten nicht-numéraire Gut wird in der folgenden Abbildung 2mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]bzw. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abgetragen (die Mengenangaben auf der Abszisse beziehen sich ausschließlich auf das nicht-numéraire Gut). Die Nachfrage ergibt sich als Funktion des jeweiligen Preises in den Ländern. Es gilt also [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]für Land A und die analoge Funktion für Land B. Vor Gründung der FTA, also, im Nash Gleichgewicht, importieren die beiden Länder nun die Mengen[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für Land A, bzw. die Menge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für Land B (wobei mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]die Importe aus dem ROW bezeichnet werden).47 Aufgrund des höheren Preises in Land B, der von dem höheren Zoll[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]getrieben wird, gilt: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]>[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die Konsumenten in Land A können sich also aufgrund des niedrigeren Preises mehr Importe aus dem ROW leisten

Nun entschließen sich also Land A und Land B dazu, eine FTA zu gründen, das heißt, für den Handel zwischen den Partnerländern entfallen sämtliche tarifären Handelshemmnisse. Unter der von Panagariya/Krishna (2002) abgeleiteten Kemp-Wan-Vanek-Ohyama Idee bedeutet dies, dass jedes Land seine individuellen Importe aus dem ROW fixiert. Sprich, Land A importiert weiterhin die Menge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] während Land B die Menge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] importiert. Dies kann nur geschehen, wenn die Zölle in jedem Land nach der FTA Gründung gleich sind, wie im Gleichgewicht vor dem Freihandelsabkommen (siehe Abbildung 2). Es gilt also [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Indem die Importe aus dem ROW per Annahme nicht ändern, bleibt auch der Weltmarktpreis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] durch das Freihandelsabkommen unverändert. Da sich der Weltmarktpreis nicht ändert bleiben auch die Konsumentenpreise in den einzelnen Ländern gleich, unterscheiden sich aber weiterhin zwischen den Ländern (es gilt also [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Es sei, aufgrund der zentralen Annahme in diesem Modell, nochmals erwähnt, dass ROO Regelungen zwingend angewandt werden müssen. In diesem Beispiel, ohne Produktion des Gutes in den FTA Ländern, entspricht das Gleichgewicht vor Gründung der FTA dem ex-post FTA Gleichgewicht, wie aus Abbildung 2 hervorgeht. Es hat sich gezeigt, dass sich durch das Freihandelsabkommen weder die Partnerländer, noch der ROW schlechter stellen.48 Genauer gesagt hat sich, unter den getroffenen Annahmen, die Wohlfahrt in der Welt nicht verändert (vgl. Praussello 2005, S. 13).49

[...]


1 In dieser Arbeit wird die THIP ausschließlich in Bezug auf die Handelsvolumina untersucht. Sofern nicht anders definiert, werden aggregierte Güterströme von Endprodukten untersucht. Auf eine Betrachtung des Austausches von Dienstleistungen wird ebenso verzichtet, wie auf eine Evaluierung der Effekte auf den Arbeits- und Finanzmärkten.

Ein Großteil der öffentlichen Kritik in den Medien richtet sich gegen die Investorenschutzklausel. Hier wird befürchtet, dass Unternehmen Staaten vor Schiedsgerichten verklagen können. Auch von einer Betrachtung dieser Problematik wird in dieser Arbeit abgesehen. Hier sei lediglich erwähnt, dass Verträge zum Investorenschutz einst von den Industrieländern ins Leben gerufen wurden, um Investitionen in Entwicklungsländern zu fördern. Ob man ein solches Instrument auch für Länder mit sehr ähnlichen und funktionierenden Rechtssystemen benötigt, sollte besser vor einem rechtswissenschaftlichen Hintergrund untersucht werden

2 Angeführt von Großbritannien und Frankreich, die im Jahre 1860 mit dem „Cobden-Chavalier Vertrag“ erstmals bilaterale Zollsenkungen vornahmen, gab es zu dieser Zeit starke Liberalisierungsbestreben. Aufgrund des großen Einflusses der beiden Länder zu jener Zeit, löste dieser Vertrag in Europa einen Dominoeffekt aus. Um Zugang zu diesen wichtigen Märkten zu bekommen, senkten in Folge weitere europäische Staaten ihre Zölle (siehe WTO 2011, S. 49)

3 Maßnahmen wie der im Jahr 1930 in den USA eingeführte „Smoot-Hawley-Act“ führten dazu, dass die Regierungen ihre Wirtschaft durch hohe Importzölle schützten. Solche Maßnahmen entzogen den weltweiten Wirtschafts- und Finanzmärkten das Vertrauen und mündeten nicht zuletzt auch wegen der resultierende Instabilität der internationalen Beziehungen zur großen Depression in den 1930er Jahren und anschließend zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges (siehe ebenda)

4 Auf dieser Konferenz war das Ziel (neben den bekannten Organisationen wie der Weltbank und des internationalen Währungsfonds), eine internationale Handelsorganisation (ITO) zu gründen, was jedoch aufgrund des Vetos des US Senats scheiterte

5 Für eine Untersuchung des politökonomischen Kontextes in dem sich PHA bilden und wie sich diese auf das multilaterale Handelssystem auswirken sei auf Bagwell/Staiger (1998) verwiesen. Hier wird erklärt, weshalb Regierungen PHA attraktiv finden und wie letztere mit der MFN Klausel interagieren

6 Zudem besagt das Prinzip der Inländerbehandlung in Artikel III, dass, sobald ein Gut die Landesgrenzen passiert hat, dieses gleich wie ein einheimisches Produkt zu behandeln ist und nicht diskriminiert werden darf

7 Häufig wird argumentiert, dass wegen der historisch aktuell sehr niedrigen Zölle die Bedeutung von MFN zurückgehe. Dieses Argument weist aber einige Lücken auf. Zum einen sind die gegenwärtig so niedrigen Zölle das Ergebnis der MFN Bedingungen. Zum anderen gibt es durchaus heute noch Sektoren (bspw. Agrarprodukte), die mit hohen tarifären Handelshemmnissen konfrontiert sind. Für eine genauere Betrachtung der ökonomischen Aspekte der MFN Klausel sei auf Horn/Mavroidis (2001) verwiesen

8 In der Literatur ist auch oft der Begriff der regionalen Handelsabkommen (RTA) zu finden. Dieser kann synonym für PHA verwendet werden. Der Begriff der PHA ist jedoch weiter gefasst, da sich präferentielle Verträge nicht auf einzelne Regionen beschränken und auch zwischen weiter entfernten Ländern abgeschlossen werden. In dieser Arbeit wird von nun an der Begriff der PHA anstelle von RTA verwendet

9 Ein bekanntes Beispiel für diese Art der Liberalisierung stellt der Mercado Común del Sur (MERCOSUR) dar

10 In der Realität wurde diese Bedingung oft nicht eingehalten. So wurde bspw. für den Handel für Agrarprodukte in der EU ein deutlich höherer Zoll fällig als für importierte Industriegüter (siehe Panagariya 2000, S. 289). Ziel der WTO ist es, diese Regeln in Zukunft stärker zu kontrollieren (vgl. WTO 2011, S. 188)

11 Die im folgenden Abschnitt zu findende Abbildung 1 gibt Auskunft darüber, welche dieser drei Möglichkeiten zur Gründung von PHA am häufigsten verbreitet sind

12 Aus welchem Grunde sind nun FTA zahlenmäßig so viel häufiger aufzufinden als Zollunionen? Dies liegt daran, dass die Mitgliedsländer einer FTA die Souveränität über ihre Außenzölle behalten möchten. Jedes Mitgliedsland in einer FTA kann somit seine eigene, souveräne Handelspolitik bewahren, während sich die Länder in einer Zollunion mit den anderen Mitgliedsländern über die Höhe des CET einigen müssen (vgl. Bagwell/Staiger 1998, S. 1176). Freihandelsabkommen sind damit politisch attraktiver als Zollunionen, bei denen man diese Macht über die Zollsetzung aufgibt, da ein CET gefunden werden muss (Grinols/Silva 2003, S. 1)

13 Die restlichen 122 regionalen Abkommen stellen Verträge dar, die ausschließlich für Dienstleistungen gelten und unter dem General Agreement on Trade in Services abgeschlossen wurden (siehe WTO 2014c)

14 Wie zuvor beschrieben, stellen sich diese Verhandlungsrunden aber als jahrelanger und träger Prozess dar, weshalb Länder vermehrt nach second best Lösungen in Form von PHA suchen (vgl. Bhagwati/Panagariya 1996b, S. 4 sowie Felbermayr/Larch 2013, S. 6). Falls die Vermehrung von PHA neue Dynamik in die WTO Verhandlungsrunden und deren Abschluss bringt (wie bspw. bei der Kennedy oder Uruguay Runde), können diese Abkommen also auch die multilaterale Handelsliberalisierung voranbringen (siehe Felbermayr et al. 2013, S. 11). An dieser Stelle sei auf die exzellente Arbeit von Wonnacott (1996) verwiesen, der die Ausbreitung von FTA und deren Interaktion untereinander, sowie mit dem multilateralen Handelssystem untersucht

15 Quelle: WTO 2011, S. 55

16 So trat bspw. China der WTO erst im Jahr 2001 bei und viele Schwellen- und Entwicklungsländer verfolgen andere Ziele, als die Industrienationen. Aufgrund dieser Entwicklung spricht vieles dafür, dass die multilateralen Verhandlungsrunden auch in Zukunft einen lange andauernden Prozess darstellen werden

17 Getrieben wurde dieser Trend durch Abkommen, die unter der enabling clause geschlossen wurden. Verträge von entwickelten Ländern untereinander hingegen sind weniger verbreitet

18 Mittlerweile sind alle Mitgliedsländer der WTO (mit Ausnahme der Mongolei) Teil von mindestens einem PHA (siehe WTO 2011, S. 42). Durchschnittlich unterhält jedes WTO Mitglied 13 präferentielle Handelsverträge (vgl. WTO 2011, S. 47)

19 Die EU verhandelt noch mit: Kanada, Indien, Japan, Malaysia, Marokko, Singapur, Thailand und Vietnam (siehe: WTO 2014b)

20 Dieser Sachverhalt wird im letzten Abschnitt dieser Arbeit genauer beleuchtet

21 Ferner haben die USA bilaterale Freihandelsabkommen (für Güter) mit: Südkorea, Australien, Bahrain, Chile, Kolumbien, Israel, Jordanien, Marokko, Oman, Panama, Peru, Singapur sowie neben der NAFTA (Mexiko und Kanada) ein weiteres multilaterales Freihandelsabkommen mit der Dominikanischen Republik und anderen zentralamerikanischen Ländern (vgl. WTO 2014a)

22 Aktuell hat die EU bilaterale Freihandelsabkommen mit: Albanien, Algerien, Bosnien-Herzegowina, Kamerun, Chile, Elfenbeinküste, Ägypten, den Färöer Inseln, Mazedonien, Georgien, Island, Israel, Jordanien, Südkorea, dem Libanon, Mexiko, Montenegro, Marokko, Norwegen, Palästina, Moldawien, Serbien, Südafrika, Syrien, Tunesien und der Ukraine. Multilaterale Freihandelsverträge bestehen mit zentralamerikanischen Ländern, Karibikanrainerstaaten, Kolumbien & Peru, ost- und südafrikanischen Staaten, Papua Neuguinea & Fidschi, Schweiz & Liechtenstein sowie zu den Überseegebieten. Ferner unterhält die EU Zollunionen mit: Andorra, San Marino, und der Türkei (vgl. WTO 2014b)

23 So werden Lebensmittelexporte aus den USA in die EU mit 14,6 Prozent bezollt, während Lebensmittel, die von der EU in die USA exportiert werden mit lediglich 3,3 Prozent bezollt werden (siehe Francois et al. 2013, S. 14)

24 Eine Definition von NTB ist in Kapitel 3.1 dieser Arbeit zu finden

Eine genaue Schätzung der Höhe von NTB erweist sich als sehr anspruchsvoll, da eine Vielzahl von Faktoren unbekannt sind und sektorspezifisch geschätzt werden müssen. So versuchen Felbermayr et al. (2013) die Höhe der NTB mittels eines MIRAGE Modells zu schätzen, welches durch eine Verbandsumfrage ergänzt wird. Eine weitere bekannte Studie zur Quantifizierung von NTB stellt das Werk von Ecorys (2009) dar. Darüber hinaus sei auf Anderson/van Wincoop (2004) verwiesen, die einen Überblick über die verschiedenen Verfahren zur Messbarkeit von NTB liefern

25 So schätzt bspw. Felbermayr et al. (2013) die Höhe der NTB für EU Exporte in die USA im Chemiesektor mit 112 Prozent (siehe Felbermayr et al. 2013, S. 42)

26 Die hohen Handelsvolumina der EU und der USA sind auch damit begründet, dass sich die Länder bezüglich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und ihres kulturellen Hintergrundes sehr ähnlich sind (vgl. Felbermayr et al. 2013, S. 11)

27 Bekannterweise misst der Grubel-Lloyd Index den Anteil der Importe und Exporte in einem bestimmten Sektor. Dieser kann einen Wert von 0 bis 1 annehmen, wobei 1 für ausschließlich intra-industriellen Handel steht (siehe Felbermayr et al. 2013, S. 37)

28 Da Panagariya/Krishna (2002) in ihrem Modell nur tarifäre Handelshemmnissen betrachten, werden NTB im folgenden nur kurz definiert und anschließend (sofern nicht explizit genannt) vernachlässigt

29 Wenn eine Herabsetzung dieser wichtigen Standards nicht möglich ist, so gibt es andere Möglichkeiten den Handel zu fördern und gleichzeitig diese Standards aufrecht zu erhalten. Dies geschieht bspw. indem die beiden Handelspartner die Standards untereinander anerkennen (mutual recognition of standards) oder einen gemeinsamen Standard finden, der beide Länder befriedigt. Im letzten Teil dieser Arbeit wird diese Thematik näher beleuchtet, da sie für die THIP von zentraler Rolle ist

30 Ein Beispiel wäre hier die Tatsache, dass Automobilhersteller ihre Autos für den europäischen und amerikanischen Markt unterschiedlich ausstatten müssen. So ist in den USA die Farbe der Blinker mit rot vorgegeben, während sie auf europäischen Straßen orange sein müssen. Um das Auto nun im anderen Markt anzubieten, sehen sich europäische und amerikanische Autobauer mit erheblichen Kosten konfrontiert, die den Straßenverkehr jedoch keineswegs sicherer machen. Diese Diskriminierung stellt somit Effizienzverluste dar

31 Neben diesen beiden Arten von NTB können auch noch natürliche Barrieren wie etwa die geografische Distanz oder eine unterschiedliche Sprache als NTB gesehen werden (vgl. Felbermayr/Lehwald/Heid 2013, S. 6). Diese dürften im transatlantischen Handel aufgrund des hohen Entwicklungsstandes jedoch kaum eine Rolle spielen

32 Diese Art der präferentiellen Handelsliberalisierung wird von Viner (1950) sehr kritisch gesehen, da sich a priori keine Aussagen treffen lassen, ob es beim Abschluss der PHA zu Handelsschaffung oder Handelsumlenkung bei der Gründung einer Zollunion kommt. Für eine analytische Betrachtung der Effekte von Handelsschaffung und Handelsumlenkung sei an dieser Stelle auf Panagariya (2000) verwiesen

33 Entscheidend ist hier die Annahme, dass sich durch die Besteuerung der Regierung das Verhalten der Akteure nicht verändert. In der Realität erscheint diese Annahme jedoch schwer durchführbar, da die Wirtschaftssubjekte ihr Verhalten ändern werden um mehr staatliche Transferzahlungen zu bekommen

34 Das Vorhandensein von Zöllen im weltweiten Handel stellt somit ein Nash Gleichgewicht dar (vgl. Praussello 2005, S. 11). Bei einem weltweit friktionslosen Handel wird ein pareto Optimum erreicht

35 Dies stellt einen Unterschied zur Vorgehensweise von Meade (1955) dar, der bei der Gründung einer PHA die Zölle zu den Drittländern fixierte und nicht die Importe aus diesen Ländern. Zudem kann Meade (1955) keine genauen Aussagen darüber machen, ob der ROW durch den Abschluss des Abkommens besser oder schlechter in Bezug auf seine Wohlfahrt gestellt ist oder ob es keine Auswirkungen auf die Wohlfahrt hat (siehe Winters 1997, S. 229)

36 Es wird deutlich, dass Kemp-Wan-Vanek-Ohyama die Höhe des CET über die Menge der Importe bestimmen (und nicht über den Weltmarktpreis). Der Vanek Kompensationszoll wird also über die fixierten Importmengen determiniert und somit endogen aus dem Modell bestimmt

37 Es sei erwähnt, dass die marginal rate of substitution (MRS), also die Steigung der Indifferenzkurve der Konsumenten, und die marginal rate of transformation (MRT), also die Steigung der Produktionsmöglichkeitenkurve, identisch sind (siehe Praussello 2005, S. 4). Dies leitet sich aus der Annahme des perfekten Wettbewerbes ab und gilt auch für die folgende Analyse von Panagariya/Krishna (2002)

38 Dies macht die Analyse von FTA im Vergleich zur ursprünglichen Analyse von Zollunionen merklich komplexer, da sich aufgrund der unterschiedlichen Güterpreise die MRS in den Ländern nicht ausgleichen (siehe Panagariya/Krishna 2002, S. 354)

39 Kemp und Wan (1976) fokussieren sich also darauf, den Weltmarktpreis () über die Fixierung der Importe aus den Drittländern konstant zu halten. Dies steht in leichtem Widerspruch zum zuvor erwähnten Artikel XXIV des GATT, da hier als Bedingung für die Gründung von PHA genannt wird, dass sich die Außenzölle nicht ändern dürfen. Um die Drittstaaten aber wirklich indifferent zu der Entscheidung der Gründung eines PHA zu machen, ist die Argumentation von Kemp und Wan (1976) die Richtige, da bei einer bloßen Nicht-Erhöhung des Zolls die Drittländer nicht ausreichend vor den Handelsumlenkungseffekten geschützt sind (Feenstra, 2002, S. 6-26)

40 Dadurch wird aus der FTA aber eine Zollunion, da man die Importe aus dem ROW nur über den Außenzoll des Niedrigzolllandes bezieht, womit deren Außenzoll zu einem de facto CET der FTA wird, weil die Importe dann nur noch zu diesem einen Zollsatz des Partnerlandes mit dem niedrigeren Außenzoll aus dem ROW importiert werden

41 Wenn das Gut nicht auf der ursprünglichen Liste erscheint, so handelt es sich also um ein Produkt welches erst nach FTA-Gründung eingeführt wurde. In diesem Fall greift die oben beschriebene Regelung, dass neue Güter nur zollfrei die Grenze innerhalb der FTA passieren dürfen, wenn sie auch ein einem Partnerland hergestellt wurden

42 Panagariya/Krishna (2002) liefern in ihrer Arbeit zudem eine allgemeine Gleichgewichtsanalyse für ihr Modell. Bei dieser Art der Gleichgewichtsanalyse untersuchen wir nicht mehr lediglich ein Gut, sondern vielmehr mehrere Sektoren und Variablen. Diese Vorgehensweise ist selbstredend deutlich komplexer als der partielle Ansatz, da hier sämtliche Interaktionen der verschiedenen Einflussfaktoren abgebildet werden und Rückwirkungen zugelassen werden. Auf eine Betrachtung dieses Sachverhaltes wird in dieser Arbeit verzichtet und auf Panagariya/Krishna (2002, S. 358) verwiesen

43 Vergleichen lässt sich diese partielle Gleichgewichtsanalyse mit einem kontrollierten Laborexperiment. Um zu sehen, wie sich eine bestimmte Variable unter verschiedenen Umweltzuständen verhält, wird der Einfluss von anderen Variablen konstant gehalten (vgl. Zweifel/Heller 1997, S. 31). Unter der Annahme, dass Rückwirkungen anderer Variablen ausgeschlossen sind, ist dieser Ansatz ausreichend um die Auswirkungen einer Veränderung des nicht-numéraire Gutes auf die Wohlfahrt in den Ländern zu treffen

44 In Panagariya/Krishna (2002) werden in einem weiteren Kapitel auch Zwischenprodukte in der allgemeinen Gleichgewichtsanalyse betrachtet. Auf diese Ausdehnung soll in dieser Arbeit aber verzichtet werden

45 Quasi-Lineare Präferenzen haben die Eigenschaft, dass sie für ein Gut linear sind, während sie für das andere Gut nicht-linear sind. Dies impliziert, dass die Nutzenfunktion nur von dem Gut und dessen MRS getrieben wird, in dem die Präferenzen nicht-linearen sind. Das Gut mit der linearen Präferenz hat keine Auswirkungen auf die Nutzenfunktion. Zusätzlicher Nutzen wird also nur durch mehr Konsum des nicht-numéraire Gutes erreicht. Der Grenznutzen des numéraire Gutes ist konstant (siehe Panagariya/Krishna 2002, S. 355)

46 Nachdem dieser Fall beschrieben wurde, wird im Anschluss auch die (realistischere) Situation beschrieben, in der die Produktion des Gutes in den Mitgliedsländern erlaubt wird

47 Mit einem Strich über zwei Variablen wird von nun an die Strecke zwischen diesen beiden Punkten beschrieben. So gibt der Term im Schaubild die Distanz zwischen den Punkten undwieder

48 Für den Fall einer Zollunion ohne inländische Produktion kommt man zu anderen Ergebnissen: hier erhöht sich die Wohlfahrt in den Mitgliedsländern und bleibt für den ROW konstant. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Konsumenten in Land A aufgrund des Höheren CET nach der Gründung der Zollunion verlieren und weniger importieren. Das Land B aber gewinnt genau diese in Land A verlorengegangenen Importe hinzu. Da der CET niedriger ist als der ursprüngliche Außenzoll, gewinnen nun die Konsumenten von Land B. Aufgrund des höheren Grenznutzens in Land B, sind die Gewinne der Konsumenten dort größer als die Verluste in Land A. Dadurch gewinnt die gesamte Zollunion. Für eine genauere Betrachtung der Wohlfahrtseffekte in einer Zollunion sei auf Panagariya/Krishna (2002, S. 355) verwiesen

49 Es sei erwähnt, dass bei einer Betrachtung des allgemeinen Gleichgewichtsmodells es in diesem Fall zu einer Erhöhung der Wohlfahrt kommt. Dies ist der Fall, wenn die Ausgabenfunktion nach Gründung der FTA größer ist als selbige vor Abschluss des Freihandelsabkommens. An dieser Stelle sei auf Panagariya/krishna (2002, S. 358) verwiesen

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP). Internationaler Handel im Spannungsfeld zwischen Freihandelszonen und Multilateralismus
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
53
Katalognummer
V342630
ISBN (eBook)
9783668323179
ISBN (Buch)
9783668323186
Dateigröße
3246 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transatlantische, handels-, investitionspartnerschaft, thip, internationaler, handel, spannungsfeld, freihandelszonen, multilateralismus
Arbeit zitieren
Max Haug (Autor), 2014, Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP). Internationaler Handel im Spannungsfeld zwischen Freihandelszonen und Multilateralismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342630

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