Wie beeinflusst Einkommensungleichheit das Glücksempfinden?


Bachelorarbeit, 2016

33 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs-und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition und Messung von Glück
2.1 Wie sich Glück beschreiben lässt
2.2 Messinstrumente zur Erforschung des Glücksniveaus

3 Die Tunneleffekttheorie

4 Der Zusammenhang zwischen Glück und Einkommensungleichheit
4.1 Der Gini-Koeffizient als Messinstrument
4.2 Beobachtungen für:
4.2.1 Die USA- Weltmacht und Industrienation
4.2.2 Das Entwicklungsland China
4.2.3 Lateinamerika
4.2.4 Andere Studien-Ergebnisse
4.2.5 Zwischenfazit

5 Konkrete Folgen von Einkommensungleichheit
5.1 Schlechtere Gesundheit
5.2 Höhere Gewaltbereitschaft
5.3 Niedrigere soziale Mobilität
5.4 Schwächeres Wirtschaftswachstum durch schlechtere Bildung
5.5 Geringeres Vertrauensniveau

6 Ursachen für das abnehmende Glücksempfinden
6.1 Misstrauen
6.2 Der Vergleich des sozialen Status

7 Maßnahmen gegen ungleiche Einkommensverteilung

8 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungs-und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1:„Inverted U-Shape“

Abbildung 2: Lorenzkurve

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Glück und Gini-Index in den USA

Abbildung 4: Korrelation zwischen Lebenserwartung und Gini-Koeffizient

Abbildung 5: Zusammenhang zwischen Krankheitsquoten und Einkommensungleichheit

Abbildung 6: Mehr an Schizophrenie Erkrankte bei größerer Einkommensungleichheit

Abbildung 7: Je höher die Ungleichheit, desto höher die Fettleibigkeitsquote

Abbildung 8: Geringere Lebenserwartung in Ländern mit größerer Einkommensschere

Abbildung 9: Zusammenhang zwischen Mordfällen und höherem Gini-Index

Abbildung 10: Die „Great-Gatsby-Kurve“

Abbildung 11: Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und Vertrauen

Tabelle 1: Unterschiede im Beeinflussungsgrad der Einkommensungleichheit in den USA

Tabelle 2: Einkommensungleichheitseffekt auf das Glücksempfinden in China

1 Einleitung

Die glücklichsten Menschen leben laut der New Economics Foundation im aus 83 Inseln bestehenden Südsee-Staat Vanuatu. Die Verfasser (Nic Marks, Saamah Abdallah, Andrew Simms und Sam Thompson) der Studie „THE (UN)HAPPY PLANET INDEX, An indexof human well-beingandenvironmental impact“ aus dem Jahre 2006 konzentrierten sich bei ihrer Umfrage auf die Zufriedenheit der Bevölkerung, die Lebenserwartung und den Umgang mit der Umwelt (Spiegel Online, Aufgerufen am 10.08.2016). Was macht Vanuatu so besonders?ViraeloBoborenvanua, der Zentralbankchef der Vanuatuinsel Pentecost, erklärt:„In unserer Gesellschaft wird jeder berücksichtigt. Selbst Weisheit wird belohnt. Wer alt ist und nicht mehr arbeiten kann, der kommt hierher und erzählt von seinen Lebenserfahrungen. Ein solches Stück Weisheit wird auch honoriert – denn ein guter Rat kann sehr wertvoll sein“ (Deutschlandradiokultur, Aufgerufen am 10.08.2016).

In Pentecost herrscht nach wie vor der Tauschhandel vor. Kapitalismus ist den Bewohnern fremd.Naturalien wie selbstgebastelte Schilfmatten oder Wildschweine und ihre Stoßzähne werden bei der Bank eingezahlt, Devisen ausgezahlt. Ein Charakteristikum des Landes:Zwar keine Elektrizität oder fließendes Wasser, aber auch kein Hunger, keine Arbeitslosigkeit und keine Armut.Boborenvanuaführt fort:„In unserem System braucht niemand zu stehlen, denn jeder ist wohlhabend. Jeder hat, was er zum Leben braucht […].Wir ziehen ein friedliches Miteinander und Respekt voreinander den oft gewinnorientierten Werten westlicher Gesellschaften vor.“

Die Aussage, jeder sei wohlhabend ist mitunter natürlich auch der Mentalität der Bewohner von Vanuatu geschuldet. Sie geben sich mit wenig zufrieden. Aber da alle dieses Wohlstandsniveau gewohnt sind und es keine Statusunterschiede à la „Arm, Mittel, Reich“ gibt, kann sich jeder als wohlhabend, zufrieden und glücklich bezeichnen. Gewaltige Einkommensunterschiede wie in den USA oder Großbritannien sind hier definitiv nicht das Thema politischer Debatten.

In diesem Zusammenhang ist eines der Ziele für das Jahr 2030 (Generalversammlung der Vereinten Nationen „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“)interessant, das die Vereinten Nationen 2015 aussprachen: Nämlich „die Ungleichheit in und zwischen Ländern zu verringern.“ Vor allem in ökonomischer Sicht ein Problem, bei dem es definitiv Handlungsbedarf gibt. Der Bericht „InequalityMatters“ (2013, S.25), der ebenfalls von den Vereinen Nationen herausgegeben wurde, zeigt auf, dass im Jahr 2010 die Länder mit dem höchsten Einkommen 55% des weltweiten Einkommens erzeugen würden und dabei jedoch nur 16% der Weltbevölkerung ausmachen. Wohingegen die Länder, die 72% der Weltbevölkerung ausmachen und gerade einmal 1% Einkommen generieren. Eine bedenkliche Situation, der die Vereinten Nationen einen Riegel vorschieben wollen.

Herauszustellen, wiesoEinkommensungleichheit ein Problem für die Gesellschaft darstellt und welche negativen Folgen sie für das Glücksempfinden mit sich bringt, ist Ziel dieser Arbeit. Des Weiteren wird auf einige unmittelbare Konsequenzen von Einkommensungleichheit eingegangen, die die Ursache für abnehmendes Glücksempfinden darstellen. Kapitel drei stellt eine Theorie aus den 70er-Jahren vor, deren Alter ihrer Aussagekraft jedoch keinen Abbruch tut. Zunächst soll in Kapitel zwei allgemein erläutert werden, welches gültige Glücksfaktoren sind und wie Glück beziehungsweise Einkommensungleichheit gemessen werden kann.

2 Definition und Messung von Glück

Fakt ist: Jeder auf der Welt möchte glücklich sein. Es ist ein Urbedürfnis des Menschen, dessen ganzes Tun und Handeln letzten Endes darauf zurückzuführen ist. Sogar die US-Verfassung aus dem Jahr 1776 spricht beim Streben nach Glück von einem „unveräußerlichen Recht“, welches Gott persönlich jedem Menschen zugesprochen hat.Aber lässt sich ein universeller Begriff für „Glück“ oder „Glücksempfinden“ überhaupt definieren?

2.1 Wie sich Glück beschreiben lässt

Der Duden (Stichwort: Glück, Aufgerufen am 01.06.2016) definiert Glück als „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat“ beziehungsweise als den „Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“. Auch wenn das sehr präzise und auf den Punkt gebracht klingt, wird man aller Voraussicht nach 100 verschiedene Antworten bei 100 verschiedenenMenschen erhalten, wenn sie nach ihrer Auffassung von Glück gefragt werden. Es handelt sich schlicht und ergreifend um einen höchst subjektiven Begriff, da alle Menschen, bedingt durch unterschiedliche Erziehung, Wert-und Moralvorstellungen, Idealen und Zukunftsplänen voneinander abweichende Ansichten haben.Nichtsdestotrotz gibt es einige Faktoren, die zu einem glücklichen Leben beitragen. Zu diesen gehören beispielsweiseFrieden und Sicherheit, die finanzielle Lage, familiäre Beziehungen, Gesundheit, das soziale Umfeld,einSinn im Leben und Perspektiven (JW.org 2016, Ruckriegel 2006).Diese Arbeit wird sich insbesondere auf die Auswirkungen von Einkommensungleichheit auf die Punkte Gesundheit, das soziale Umfeld, Sicherheit sowie Perspektiven konzentrieren.

2.2 Messinstrumente zur Erforschung des Glücksniveaus

Um Glück empirisch zu erforschen, gibt es zahlreiche Methoden oder Messinstrumente. In der Vergangenheit erwiesen sich umfangreiche Befragungen und Studien als gängigste Mittel der Glücksforschung. Häufig sind es Fragestellungen wie: „Als wie glücklich würden Sie sich unter Berücksichtigung Ihrer derzeitigen Lebenssituation einschätzen? Sehr glücklich, ziemlich glücklich oder nicht allzu glücklich ?“ (Oishi et al. 2011, Wang et al. 2015).

Neben dieser verbalen oder numerischen („Auf einer Skala von 0-10, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation?“) Umfrage-Methode, gibt es auch rein mathematische Annäherungsversuche, Glück und Zufriedenheit zu bestimmen. Blanchflower und Oswald (2004) beispielsweise entwickelten eine Formel, oder genauer gesagt eine Funktion, die das Glücksniveau mit Faktoren wie Einkommen, Familienstatus, Gesundheit in Zusammenhang bringt. Eine sehr interessante Gleichung entwickelte auch der deutsche Chemiker und Philosoph Wilhelm Ostwald. Er definierte Glück folgendermaßen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das “e” soll für die mit Absicht und Erfolg aufgewandte Energie stehen und das “w” repräsentiert die mit Widerwillen aufgewandte Mühe (Hakfoort 1992).Offensichtlich sind den Methoden zur Erklärung und Erforschung des Glücks keine Grenzen gesetzt. Auch diese Tatsache unterstreicht die Komplexität und Bandbreite der Thematik.

Bevor das Kernproblem dieser Arbeit thematisiert wird, soll auf eine interessante Theorie aus den 70-er Jahren eingegangen werden. Sie beschäftigt sich mit dem Neid-Aspekt und enttäuschten Erwartungen, die zum „Unglück“ beitragen.

3 Die Tunneleffekttheorie

Bei der Tunneleffekttheorie nach Hirschmann und Rothschild (1973) handelt es sich in erster Linie um ein Gedankenspiel. Zudiesemfordernsie in ihremZeitschriftenaufsatz „The Changing Tolerance for Income Inequality in the Course of Economic Development“ (S. 544 ff.) auf:

Man solle sich vorstellen, man befinde sich in einem zweispurigen Tunnel. Unglücklicherweise gerät man in einen Stau und es ist verboten, die Seite zu wechseln. Kein Auto auf beiden Seiten kommt vom Fleck und keiner der Fahrer kann so weit sehen, um zu erkennen, wann dem Stillstand ein Ende gemacht wird. Nach einiger Zeit geht es allerdings auf der rechten Seite weiter. Auf der eigenen Fahrbahn nicht.

Hirschmann und Rothschild führen nun folgendes an: Allein die Tatsache, dass es rechts weiter geht, wecke die Hoffnung und Erwartungshaltung in einem, das die eigene Spur ebenfalls sehr bald vom Stau befreit ist. Der Gedanke daran voranzukommen, erzeugt automatisch eine gewisse Hochstimmung. Man fühlt sich gleich viel besser. „Bald ist man selbst dran. Bald hört der Stau auf.“, denkt sich jeder der Wartenden. Dieses Empfinden der Vorfreude hält nun so lange an, bis nach und nach der Gedanke durchsickert, dass es auf der eigenen Spur entgegen der Erwartungen nicht weitergehen wird. Auf der rechten Seite kann von Stau schon längst keine Rede mehr sein. Rechts läuft’s, links wird geseufzt. Die Vorfreude schwindet und das Licht der Hoffnung verdunkelt sich immer mehr. Nun schlägt das Gerechtigkeitsempfinden Alarm. Man fühlt sich benachteiligt. Das Schlimmste: Die Spur zu wechseln ist verboten. Man kann einzig und allein neidvoll feststellen, dass die Fahrer auf der anderen Seite an einem vorbeizischen. Was wird nun geschehen? Höchstwahrscheinlich wird man unglücklich auf Grund der enttäuschten Erwartungen. Der Vergleich mit den „Rechtsfahrenden“ führt zu Neid.

Hirschmann und Rothschild übertragen dieses Gedankenspiel nun auf das Wohlergehen und Glücksempfinden, das in diesem Fall einzig und allein mit dem individuellen Einkommen zusammenhängen soll: Man stelle sich vor, man wisse nicht, wie viel man in Zukunft verdienen wird beziehungsweise „wann der Stau aufhört“. Die Mitmenschen befinden sich auf demselben Einkommensniveau. Doch plötzlich steigern unmittelbare Zeitgenossen- Nachbarn, Verwandte etc.- ihr Vermögen, indem sie beispielsweise mehr verdienen. Sie befinden sich gewissermaßen auf der rechten Spur. Selbstverständlich sind sie glücklich über diese Umstände und auch in einem selber steigt das Gefühl der Hoffnung, ebenfalls sehr bald einen monetären oder materiellen Segen erfahren zu dürfen. Die Vorfreude steigt solange an, bis man realisiert, dass man in naher Zukunft keinesfalls ein höheres Einkommen erzielen wird oder symbolisch „weiterhin im Stau steht.“ Die Hochstimmung, die sich aus der Erwartungshaltung ergab, nimmt immer stärker ab. Die anderen um einen herum verdienen mehr und dieser Vergleich trägt absolut nichts zum Glücksempfinden bei. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass die anderen um einen herum mehr verdienen und die Erkenntnis, dass man an dieser Situation nichts ändern kann, also gefangen in den eigenen Umständen ist, macht einen unglücklich. Man empfindetdiese Einkommensungleichheit schlicht und ergreifend als ungerecht (Wang et al. 2015, S.4)

Laut der Tunneleffekttheorie steigtdie Erwartungshaltung unddas subjektive Glücksempfinden also bis zu einem gewissen Grad an Ungleichheit, bevor es wieder absinkt. Grafisch kann der Zusammenhang, wie in Abbildung 1, mit einer nach unten geöffneten Parabel beziehungsweise mit einem Graphen in der Form eines umgedrehten U‘s (Wang et al. 2015) dargestellt werden:

Abbildung 1 "Inverted U-Shape"

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: teachpe.com

Nach dieser Theorie kann Ungleichheit bis zu einem gewissen Grad einen positiven Einfluss auf das Glücksempfinden haben, bevor das Niveau des Wohlergehens wieder fällt. Ob sich diese Aussage mit den Erkenntnissen und Ergebnissen moderner Studien und Umfragen deckt, wird im Folgenden ebenfalls angeschnitten werden. Im Allgemeinen soll nun zunächst geklärt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Glück und Einkommensungleichheit gibt und wie sich Einkommensungleichheit messen lassen kann. Um eine glaubwürdige Aussage über eine mögliche Korrelation zu treffen, sollen die Auswirkungen von Ungleichheiten auf das Wohlergehen in einer Industrienation, einem Entwicklungsland und einer armen Region untersucht werden.

4 Der Zusammenhang zwischen Glück und Einkommensungleichheit

4.1 Der Gini-Koeffizient als Messinstrument

Die gängigsten Instrumente zur Messung der Einkommensverteilung sind der „Gini-Koeffizient“, der „Theil-Index“ oder das Berechnen von Ungleichverteilung über Quantilrelationen (z.B. 90/10, 90/50 „Wie viel Einkommen besitzen die reichsten zehn % eines Landes und wie viel die restlichen 90%?“). In dieser Arbeit wird das populärste dieser drei Instrumente, derGini-Koeffizient, verwendet. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert ihn als „ein weit verbreitetes Maß zur Quantifizierung der relativen Konzentration einer Einkommensverteilung.“ Mathematisch ausgedrückt, sieht das Ganze so aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das „ X “ im ersten Bruch stellt das arithmetische Mittel der Einkommenswerte x1…xn>=0 dar. Das n steht für die Anzahl der Einkommensbezieher. Der Summenteil der Formel stellt die „mittleren absoluten Einkommensdifferenzen“ dar . Verbal ergibt sich der Gini-Koeffizient„als Hälfte der durch den Mittelwert der Einkommen dividierten Summe der mittleren absoluten Einkommensdifferenzen.“(Heinemann 2008, S.9f.)

Der Gini-Koeffizient wird im Falle der „maximalen Gleichverteilung“ Null. Dies würde bedeuten, dass jede Person eines Landes genau das Durchschnittseinkommen erhält. Die maximale Gleichverteilung wird grafisch von der Lorenzkurve dargestellt. Das andere Extrem ist Eins oder 100%. Nimmt der Index diesen Wert an, spricht man von „maximal ungleicher Einkommensverteilung“. Man könnte es auch so ausdrücken: Je größer der Gini-Koeffizient ist, desto größer das Stück der Reichen bei der Einkommenstorte. Grafisch sieht der Sachverhalt in Abbildung 2 dargestellt:

Abbildung 2: Lorenzkurve

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon

Der Gini-Koeffizient ist der Prozentanteil der Fläche zwischen Gerade und Kurve am gesamten Dreieck. Es gilt zu erwähnen, dass der Gini-Koeffizient nur ein Richtwert ist, der stets auf nationaler Ebene erhoben wird und auch nicht die gesamte Bevölkerung eines Landes berücksichtigt, sondern nur die befragten Personen. Um ein möglichst breites Feld der Gesellschafts-und Einkommensschichten abzudecken, wird auf den folgenden Seiten auf Einkommensungleichheiten und die Auswirkungen auf das Glück in einem reichen Industrieland, einem Entwicklungsland und einer armen Region eingegangen. Interessant wird zu beobachten sein, ob sich ein kritischer Gini-Wert oder eine kritischer Zahlenbereich in jeder der getesteten Studien herausstellt.

In den OECD („Organisation forEconomic Corporation and Development“= Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)-Ländern (zum Beispiel Deutschland, USA, Kanada, Mexiko) beispielsweise stieg der Gini-Index von 0,29 (1980) auf 0,32 (2012) (Focus on Inequalityand Growth (OECD 2014), Aufgerufen am 08.08.2016). Sie wurden also durchschnittlich „einkommensungleicher“.

4.2 Beobachtungen für:

4.2.1 Die USA- Weltmacht und Industrienation

Gemäß Deutschlands führendem Statistik-Portal „Statista“ waren die USA 2014 das reichste Land der Welt gemessen am BIP. Laut der Weltdatenbank lag ihrGini-Koeffizient 2013 bei 41,1%. Fakt ist: Amerika wird von Jahr zu Jahrwirtschaftskräftiger und reicher. Fraglich ist nur, ob das Plus an Erwirtschaftetem auch so eingesetzt beziehungsweise verteilt wird, dass im Durchschnitt jeder einen positiven Nutzen daraus zieht.

Laut Dabla-Norris et. al (2015) stieg die Einkommensungleichverteilung innerhalb der USA in den letzten 20 Jahren allerdings an. Oishi et.al (2011) beschäftigen sich ebenfalls mit dieser Thematik und zeigen auf, wie fair das Einkommen in den letzten 37 Jahren in den USA verteilt worden ist. Außerdem gehen sie auf die Frage ein, ob Geringverdiener und Menschen mit höherem Einkommen unterschiedlich auf eine Ungleichverteilung innerhalb ihrer Gesellschaftsschicht reagieren.

Hierfür wurden Daten des „General Social Survey“ (GSS) zu Rate gezogen. Der GSS wird als beste Datenquelle für das Erklären von Verhaltensmustern in den USA angesehen. Er sammelt Zahlen, um Tendenzen im Verhalten und in der Entwicklung von Eigenschaften innerhalb der Bevölkerung darzustellen. Im Zeitraum von 1972-2008 wurden insgesamt 48.318 Amerikaner im Alter zwischen 18 und 89 Jahren gefragt, ob sie sich als „sehr glücklich“ (drei Punkte), „ziemlich glücklich“ (zwei Punkte) oder „nicht allzu glücklich“ (ein Punkt) bezeichnen würden. Die Ergebnisse dieser langjährigen Studie kombinierte man dann mit den Daten des U.S. Census Bureau, das Aufschlüsse über den Gini-Koeffizienten gab, und stellte folgenden Zusammenhang in Abbildung 3 fest:

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Glück und Gini-Index in den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Oishi et al. (2012)

Nach dieser Studie sinkt bei zunehmender Ungleichheit demgemäß durchschnittlich das Glücksempfinden des Amerikaners. Oder anders ausgedrückt: Die Amerikaner empfinden sich selbst dann als glücklicher, wenn die Einkommensungleichheit in ihrem Land kleiner ist. Diesbezüglich ist ebenfalls von Interesse, dass die einkommensschwächsten 40% des Landes sehr viel stärker unter der weit geöffneten Einkommensschere leiden, als die stärkeren 60%. Dies bringt Tabelle 1 gut zum Ausdruck.

Tabelle 1: Unterschiede im Beeinflussungsgrad der Einkommensungleichheit in den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Oishi et al. (2012)

Erst ab der Mittelschicht fallen die Korrelationen (siehe Spalte „indirecteffect“) deutlich ab.Auch die Signifikanzniveaus ganz rechts in der Tabelle deuten auf wasserdichte Ergebnisse, vor allem bei den Geringverdienern, hin. Bei dieser Analyse wurde das Augenmerk darauf gelegt, welche Auswirkungen der Gini-Koeffizient speziell auf die Punkte „wahrgenommene Fairness“ und „allgemeines Vertrauen“ hat.

4.2.2 Das Entwicklungsland China

Gemäß dem „Development Assistance Committee“ (DAC) desOECD ist China nach wie vor ein Entwicklungsland, auch wenn es nach „Statista“ 2014 hinter den USA die zweitmächtigste Volkswirtschaft darstellte. Allerdings liegt Chinas Pro-Kopf-BIP mit circa 7.600 US-Dollar weit unter dem weltweiten Durchschnitt von ungefähr 10.800 US-Dollar.

Konnten in China ähnliche Beobachtungen zum Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und dem Glücksempfinden gemacht werden? Immerhin ist es möglich, dass die Ergebnisse in einem Land, das sich in erst in den letzten Jahren zu einer Wirtschaftsmacht entwickelt hat und nach wie vor in seiner Entwicklung steht, andere sind, als bei einer seit Jahren (bis auf wenige Ausnahmen) stabilen und florierenden Wirtschaftsgröße wie den USA. Dieser Frage gehen Wang et.al (2015) auf den Grund und benutzen hierfür Daten des „China General Social Survey“ (CGSS) - ein Studienprojekt, das die Lebensqualität der chinesischen Bevölkerung untersucht und abbildet.

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Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Wie beeinflusst Einkommensungleichheit das Glücksempfinden?
Hochschule
Universität Ulm
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V342644
ISBN (eBook)
9783668322493
ISBN (Buch)
9783668322509
Dateigröße
1329 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einkommensungleichheit, Glücksempfinden, Glück, Tunneleffekttheorie, Gini-Koeffizient, Soziale Mobilität, Messinstrumente des Glücks, Vertrauensniveau, Sozialer Status, Einkommensdiskrepanz, Inequality, Happiness, Welfare, Income Inequality
Arbeit zitieren
Oskar Brendler (Autor), 2016, Wie beeinflusst Einkommensungleichheit das Glücksempfinden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342644

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