Bankenregulierung. Status Quo und Reformbedarf


Bachelorarbeit, 2016
64 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzung
2.1 Bankenregulierung
2.2 Bankenaufsicht

3. Die zentrale Rolle von Banken in der Volkswirtschaft
3.1 Tätigkeitsfelder
3.2 Funktionen

4. Risiken

5. Rechtfertigung der Bankenregulierung
5.1 Marktversagen
5.2 Identifizierung von sozialen Kosten
5.3 Quantifizierung der Kosten
5.4 Kosten-Nutzen-Analyse
5.5 Zwischenfazit

6. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht
6.1 Der Weg von Basel-I zu Basel-III
6.2 Bewertung

7. Status quo - Die Basel-III Reformen
7.1 zentraler Kontrahent
7.2 Eigenmittelanforderungen
7.2.1 qualitative Anforderungen
7.2.2 quantitative Anforderungen
7.3 Kapitalerhaltungspuffer
7.4 antizyklische Kapitalerhaltungspuffer
7.5 Kapitalzuschlag für systemrelevante Banken
7.6 Liquiditätskennzahlen
7.6.1 kurzfristige Mindestliquiditätsquote
7.6.2 strukturelle Liquiditätsquote
7.7 Höchstverschuldungsquote

8. Umsetzung

9. Reformbedarf
9.1 Mängel beseitigen - Basel-III vervollständigen
9.1.1 Sonderbehandlung von Staatsanleihen beenden
9.1.2 fehlende Proportionalität beseitigen
9.1.3 Verschärfung der Prozyklizität bekämpfen
9.2 Kritik
9.3 risikorobusterer Ansatz - eine Idee zur bestehenden Norm
9.4 Kosten-Nutzen-Vergleich der Regulierungsansätze

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Finanzintermediäre als Vermittler zwischen Kapitalgeber und 6 Kapitalnehmer

Abbildung 2: Überblick über die sozialen Kosten der Bankenregulierung 11

Abbildung 3: Kosten-Nutzen-Analyse 14

Abbildung 4: Risikogewichtung der Bilanzaktiva gemäß Basel-I 17

Abbildung 5: Basler Grundkonzept gemäß Basel-II Regelwerk 18

Abbildung 6: qualitative Zusammensetzung der Eigenmittel gemäß Basel-III 22

Abbildung 7: Änderungen der Mindestanforderungen und Einführung von 25 Puffern

Abbildung 8: Mindeststandards für die Kapitalerhaltung auf Bankebene 26

Abbildung 9: Teufelskreis als Motor der Krise 35

Abbildung 10: stufenweise Begrenzung der Dividendenzahlungen in 43 Abhängigkeit von der Eigenmittelquote

Abbildung 11: Verlustabsorptionsfähigkeit von Banken in Abhängigkeit der 44 Eigenmittelquote

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bankenregulierung ist ein komplexes und zugleich ein so aktuelles Thema wie niemals zuvor. Die globale Banken- und Finanzkrise, welche Jahr 2007 aufkam hat eindrucksvoll und gleichermaßen beängstigend aufgezeigt, dass Probleme im Finanzsystem einer Volkswirtschaft mit beachtlicher Geschwindigkeit auf die Realwirtschaft übergreifen können und somit einer Volkswirtschaft ein immenser Schaden zugefügt werden kann.

Durch die Immobilienblase1 im US-amerikanischen Immobiliensektor begann die größte internationale finanzwirtschaftliche Krise seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Der entscheidende mikroökonomische Faktor für die Verschärfung der Finanzkrise war die Insolvenz der Lehman Brothers2. Aufgrund der Zahlungsunfähigkeit vieler einkommensschwacher Kunden mit geringer Bonität zerplatzte die Immobilienblase. Dadurch war die Lehman Brothers gezwungen, außerordentlich hohe Abschreibungen durchzuführen (vgl. Deutsche Bundesbank.de). Gleichzeitig kündigten sie Verluste in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar an, wodurch sie ihren Verpflichtungen im Interbankenhandel nicht mehr nachkommen konnte (vgl. www.FinancialTimes.de).

Während sich die Auswirkungen bisheriger Bankenkrisen meistens nur national äußerten, war breite sich die Finanzkrise 2007 durch die internationale Vernetzung der Lehman Brothers rasch im europäischen Raum aus. Ausschlaggebend hierfür war, dass das vorgehaltene Eigenkapital der Lehman Brothers nicht ausreichend war, um die eigenen Verluste abzudecken. Deshalb wurde das Kapital ihrer Gläubiger, bspw. anderer Banken, in Mitleidenschaft gezogen, woraus eine globale Kettenreaktion resultierte. Aus Furcht vor dem Bankrott vertrauten sich die Banken gegenseitig nicht mehr und der Interbankenmarkt kam zum erliegen. So entwickelte sich innerhalb Eine Immobilienblase wird auch als eine Spekulationsblase bezeichnet. Ausgelöst wird eine Immobilienblase durch eine eine erhöhte Nachfrage nach Immobilien, die zu einer Erhöhung der Preise führt und dadurch weitere Nachfrager zum Kauf anregt. Daraus resultiert eine deutliche Überbewertung von Immobilien und ein plötzlicher, sehr starker Preisnachlass, welcher zu hohen Verlusten bei den Nachfrager führen kann (vgl. finanzlexikon-online.de).

Die Lehman Brothers gehörte zu einer Gruppe von ca. 15 Finanzinstituten, die als „large complex financial institutions“ eingetsuft wurde. Im Jahr 1850 wurde die Lehman Brothers in Montgomery, USA, gegründet und im Jahr 2008 aufgrund von Insolvenz aufgelöst wurde. Bis 2007 war die Bank Lehmann Brothers mit einer Bilanzsumme von 691,063 Mrd. US-Dollar und einem Umsatz von 19,257 Mrd. US-Dollar eine feste Größe in der internationalen Finanzbranche (Vgl. Lehmann Brothers 2007, S.1). kürzester Zeit aus einer Banken- und Finanzkrise im US-amerikanischen Raum eine globale Wirtschaftskrise.

Die Folgen waren fatal und schlimmer als alles was sich Experten vorstellen konnten. Zunächst äußerte sich die Finanzkrise unmittelbar in der Finanzbranche. Viele Finanzdienstleister machten Rekordverluste, einige mussten Insolvenz3 anmelden. Oft sprang in letzter Instanz der Staat mit Rettungspaketen ein, die vom Steuerzahler finanziert wurden, um einen Kollaps der gesamten Volkswirtschaft zu vermeiden (vgl. Hellwig & Amati, 2013, S.126). Neben der Finanzbrache traf die Krise auch andere Branchen. Unternehmen hielten Investitionen zurück oder konnten geplante Investitionen aufgrund der gestiegenen Kreditkosten nicht tätigen. Viele Unternehmen waren gezwungen Kurzarbeit einzuführen. Dadurch verloren etliche Menschen ihre Arbeit (vgl. DeutscheBundesbank, 2015, S.1).

In der Europäischen Union (EU) stieg die Zahl der Arbeitslosen in nur zwei Jahren um von 16,9 Millionen auf 23,2 Millionen an. Das reale aggregierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU-Mitgliedsstaaten der Jahre 2008/2009 sank um 3,2% im Vergleich zum Vorjahr. Einzig und allein Polen konnte ein Wirtschaftswachstum von 1,7% verzeichnen (vgl. economic-growth.eu). Die aggregierten Verluste innerhalb der EU wurden vom Internationaler Währungsfonds (IWF) auf 2,76 Billionen Euro beziffert (vgl. Internationaler Währungsfond, 2009).

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht stellte schmerzhaft fest, dass die getroffenen Regulierungsmaßnahmen aus Basel-II4 nicht ausreichend waren. Aus diesem Grund setzten sich der Ausschuss mit der Frage auseinander, wie die Stabilität des der internationalen Finanzmärkte erhöht werden kann und wie in Zukunft derartige Fehlentwicklungen zu vermeiden sind (vgl. Oberender, 2011, S.1).

Im Jahr 2010 wurde unter dem Namen Basel-III ein „Umfassendes Regelwerk für die Regulierung von Banken“ veröffentlicht. Es enthielt eine Vielzahl von darunter befanden sich unter anderem große Finanzdienstleister wie die Geschäftsbank Washington Mutual. Andere Banken wie die US-Investmentbank Bear Stearns werden notverkauft.

vollständig: Basel-II: International Convergence of Capital Measurement and Capital

Standards: A Revised international capital framework, ist eine Überarbeitung der in Basel-I getroffenen Vorschriften zur Eigenkapitalausstattung von Banken mit dem Ziel einheitliche Wettbewerbsbedingungen im internationalen Rahmen zu schaffen und das Finanzsystem zu stabilisieren (vgl. Deutsche Bundesbank.de).

Verbesserungen der bestehenden Regelungen aus Basel-II und ergänzte diese teilweise durch neue oder auch überarbeitete Regulierungsmaßnahmen (vgl. DeutscheBundesbank.de).

Die hier vorliegende Bachelorthesis befasst sich inhaltlich mit dem aktuellen Status Quo der Regulierung im Bankensektor und stellt darüber hinaus anhand von tiefgreifenden Analysen Reformbedarf fest. Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob die in Basel-III getroffenen Regulierungsmaßnahmen die Stabilität im Finanzsektor gewährleisten oder ob Regulierungs- oder Deregulierungsbedarf besteht.

Dazu wird der Leser zu beginn der Arbeit durch eine definitorische Abgrenzung von Begrifflichkeit mit dem Fachterminus vertraut gemacht. Im Anschluss daran wird der Leser auf Basis einer breiten Grundlage in das Thema eingeführt. Dabei werden insbesondere die Aufgaben einer Bank in einer Volkswirtschaft und die daraus resultierenden Risiken erläutert. Zusätzlich wird die generelle Funktionsweise einer Bank sowie ihre Verflechtung innerhalb der Wirtschaft erklärt. Des Weiteren werden Risiken erläutert, mit denen Banken konfrontiert sind.

Auf der geschaffenen Basis wird im darauffolgenden Kapitel 5 erläutert, warum eine Bankenregulierung in der modernen Wirtschaft notwendig ist. Darüber hinaus werden die Kosten der Regulierungsmaßnahmen anschaulich dargestellt. Darauf aufbauend wird in einer Kosten-Nutzen-Analyse aufgezeigt, dass effiziente kostenbewusste Regulierung notwendig ist und auch durch Überregulierung ein wohlfahrtsökonomischer Schaden entstehen kann.

Im 6. Kapitel wird der Leser über die überarbeiteten Regulierungsmaßnahmen Basel-I und Basel-II zu dem aktuellen bestehenden Regelwerk Basel-III hingeführt, auf welches sehr spezifisch eingegangen wird. Der Fokus hierbei liegt auf den Eigenkapitalreformen, den neuen Liquiditätsstandards, dem Eigenkapitalpuffer, dem Verschuldungsgrad und den Offenlegungsanfor- derungen.

Daran anschließend folgt eine diversifizierte Auseinandersetzung mit der Frage, ob die getroffenen Regulierungsmaßnahmen die Finanzstabilität erhöhen und ob Regulierungsbedarf besteht. Ebenso wird veranschaulicht, ob auch Deregulierung eine sinnvolle Alternative zu der bestehenden Regulierungsnorm sein kann. Dies geschieht unter Beachtung einer Kosten-Nutzen-Analyse.

Die Arbeit terminiert mit einem abschließenden Fazit.

2. Begriffsabgrenzung

Ein häufiges Thema in privaten und öffentlichen Diskussionen ist die Regulierung von Banken, geschuldet durch die Finanzkrise 2007. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden fälschlicherweise die Begriffe „Bankenregulierung“ und „Bankenaufsicht“ oft synonym verwendet, weshalb es notwendig ist, diese voneinander abzugrenzen (vgl. Steden, 2002, S.4).

2.1 Bankenregulierung

Unter Bankenregulierung wird die Tätigkeit des Staates verstanden, Normen und Vorschriften im Bankensektor zu etablieren (vgl. Goodhart et al., 1998, S.XVII). Die Regulierung kann als ein spezieller Fall der Wirtschaftspolitik verstanden werden und ist der Ordnungspolitik5 zuzuordnen (vgl. Tuchfeld, 1982, S.193).

Die Regulierung ist dauerhaft angelegt und stellt einen direkten Eingriff des Staates in die unternehmerische Freiheit des Bankensektors dar. Sie schreibt generelle als auch spezielle Verhaltensregeln für die Interaktion am Markt vor (vgl. Thieme, 1985, S.27). Branchenspezifisch umfasst die Regulierung von Banken Regeln zur Begrenzung von Zinssätzen und Risiken, Zulassungs- vorschriften, Eigenkapitalquoten und Vorschriften zur Einlagensicherung

(vgl. Steden, 2002, S.5).

2.2 Bankenaufsicht

Unter Bankenaufsicht wird die dauerhafte Beobachtung und Kontrolle des Bankensektors zur Aufrechterhaltung der Finanzstabilität einer Volkswirtschaft verstanden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die erlassenen Regulierungsmaßnahmen durch den Bankensektor eingehalten werden.

die Ordnungspolitik bezeichnet alle staatlichen Maßnahmen, die zur Erhaltung, der Anpassung oder der Verbesserung der Wirtschaftsordnung dienen sollen Zum anderen erteilt die Bankenaufsicht auch die Erlaubnis zur Eröffnung eines Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituts (vgl.Deutsche Bundesbank.de).

3. Die zentrale Rolle von Banken in der Volkswirtschaft

Banken vollbringen volkswirtschaftlich Leistungen, dessen Störung negative Folgen für die Volkswirtschaft haben kann. Im Folgenden wird zwischen Tätigkeitsfelder und Funktionen einer Bank unterschieden

(vgl.Steden, 2002, S. 28).

3.1 Tätigkeitsfelder

Im Vorfeld ist zu erwähnen, dass sich Banken durch ihren Namen deutlich voneinander unterscheiden. Oft ist es möglich anhand des Namens6 einer Bank auf die jeweilige Spezialisierung zu schließen. Grundsätzlich jedoch lassen sich alle Tätigkeiten, unabhängig von der Spezialisierung, dem Inter- mediationsgeschäft7 oder dem Wertpapier- oder Provisionsgeschäft zuordnen. Zum einen nehmen Banken von privaten Haushalten und Unternehmen verbriefte8 Einlagen und unverbriefte9 Gelder entgegen. Für diese zahlt die Bank mehrheitlich Zinsen an den Einleger. Zum anderen vergeben Banken Kredite an private Haushalte, Unternehmen und den Staat oder kaufen Wertpapiere mit dem Ziel Zinserträge zu erwirtschaften. Des Weiteren weisen Banken ein Zahlungssystem auf, welche schnelle und unkomplizierte Transaktionen ermöglicht. Außerdem führen sie „Beratungsleistungen und Wertpapierdienstleistungen“ aus, um Provisionserträge zu erzielen. Typische Beispiele wären die Unterstützung von Unternehmen bei Fusionen oder Unternehmensaufkäufen (vgl. Steden, 2002, S.29).

Eine weitere klassische Tätigkeit ist die Handelsfinanzierung. Sie beschreibt die Finanzierung, welche die Zeit zwischen Produktion, Anlieferung und

Investment Bank, Sparkasse, Privatbank, Universalbank, Hypothekenbank etc. die Banken treten als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage auf eine Verbriefung beschreibt die Bündelung von gleichartigen Verbindlichkeiten und dessen Umwandlung in handelbare Wertpapiere, die leicht von einem Gläubiger zum anderen übertragen werden können unverbriefte Gelder bezeichne u.a. Bankguthaben auf Giro-, Tages- oder Sparkonten Zahlungsempfang überbrückt (vgl. Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, 2014, S.2).

3.2 Funktionen

In der Literatur variieren die Funktionen von Banken sehr stark. Ein gemeinsamer Konsens ist die „Lenkung von Ersparnissen in produktiveInvestitionsobjekte“. Als Finanzintermediär nehmen Banken Einlagen von Sparern entgegen und verwalten diese durch die Vergabe von Krediten. Banken stellen Kapitalnehmern das nötige Kapital für Investitionen zur Verfügung, indem sie die Einlagen der Kapitalgeber „sammeln“ und nach erfolgreicher Bonitätsprüfung der Kapitalnehmer an diese ausgegeben. Das Zusammenfassen von mehreren kleinen Sparbeträgen zu wenigen großen Kreditbeträgen wird „Losgrößentransformation“ genannt.

Eine weitere essentielle Funktion von Banken ist die „Fristentransformation“. Darunter wird die Fähigkeit verstanden, unterschiedliche Laufzeitinteressen zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmer miteinander zu verknüpfen. Der durchschnittliche Kapitalgeber legt sein Geld für gewöhnlich nur kurzfristig an, wohingegen Investitionen durch einen Kapitalnehmer in den häufigsten Fällen eine längere Laufzeit aufweisen. Ebenso ist der Zeitpunkt, an dem der Sparer sein Geld der Bank entzieht nicht gewiss, sondern nur aus Ein- und Auszahlungswerten der Vergangenheit bestimmbar.

Abbildung 1: Finanzintermediäre als Vermittler zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Hartmann-Wendels, Pfingsten, Weber, 2010, S. 3

Darüber hinaus führen Banken eine „Risikotransformation“ durch. Der Sparer ist oftmals nicht risikobereit und häufig nicht in der Lage sich diversifiziert mit verschiedenen Investitionsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Deswegen wird häufig die vergleichsweise „sichere“ und einfache10 Einlage bei der Bank gewählt. Die Kreditvergabe ist immer mit Risiken verbunden, da niemals vollständig ausgeschlossen werden kann, dass ein Kapitalnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt (Kreditrisiko). Hohe Risiken werden für gewöhnlich mit höheren Zinszahlungen (Risikozuschlag) verknüpft (vgl. Steden, 2002, S.30f).

Aus den dargestellten Tätigkeitsfeldern und Funktionen ergibt sich zusammenfassend ein gutes Bild über die Aufgaben von Banken innerhalb einer Volkswirtschaft. Banken fungieren als Vermittler zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer, legen stellvertretend für Kapitalnehmer Geld am Finanzmarkt an und verwalten einen Großteil des Vermögens einer gesamten Volkswirtschaft. Darüber hinaus stellen sie Geld für Unternehmen, private Haushalte und den Staat durch Kreditvergabe zur Verfügung. Unter anderem stellen sie die Weichen für ein funktionierendes Zahlungssystem, überwachen Zahlungsvorgänge und haben im Bereich der Geldversorgung enormen Einfluss auf die Konjunktur und das Wachstum.

Hieraus wird deutlich, dass Banken eine zentrale Stellung in Volkswirtschaften haben. Störungen des Betriebs geben also Grund zur Befürchtung, dass Banken in Krisen diese Funktionen nicht mehr erfüllen können und somit zum Nachteil für die gesamte Volkswirtschaft wären (vgl. Büschgen, 1998, S.271).

4. Risiken im Bankensektor

Aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Bankensektors und ihrer zentralen Bedeutung in einer Volkswirtschaft sind Risiken in diesem Bereich von hoher Bedeutung und volkswirtschaftlich unerwünscht. Um die Gründe für die Regulierung nach dem Basel-III Regelwerk zu verstehen, ist es notwendig, die verschiedenen Risiken im Bankensektor zu kennen und zu verstehen. Die

Banken bieten oftmals leicht verständliche Konditionen an, ohne dass sich Kapitalgeber entsprechend weitergehend informieren müssen. Typische Kondition könnten bspw. folgermaßen aussehen: Der Kunde deponiert sein Geld für ein Jahr bei der Bank und erhält im Gegenzug 1% Zinsen.

Risiken des Bankensektor sind eng miteinander verzahnt, weswegen es in der Realität nicht immer exakt möglich ist, die Risiken voneinander zu trennen. Dennoch soll im Folgenden eine grundlegende Übersicht geschaffen werden. Die Risiken lassen sich grob in vier11 Kategorien einteilen. Diesen umfassen operationelle Risiken, Zins- und Marktpreisänderungen und systemische Risiken.

O perationelle Risiken stellen die Gefahr von Verlusten dar, die aufgrund von Unangemessenheit von internen Verfahren, menschlichen oder technischen Versagens oder infolge von externen Ereignissen eintreten können. Diese Risiken besitzen die Eigenschaft, dass Banken diese Risiken nicht bewusst eingehen. Unter operationellen Risiken kann bspw. das Versagen von Mitarbeitern aufgrund einer nicht ausreichenden fachlichen Ausbildung oder auch das Auftreten von Fehlern in der IT-Abteilung innerhalb der Bank verstanden werden (vgl. Hartmann-Wendels, Pfingsten, Weber 2010, S.711).

Darüber hinaus sehen sich Banken mit Marktpreisrisiken konfrontiert, welche ernsthafte Auswirkungen auf die Geschäftsfähigkeit haben können. Als Marktpreisrisiko wird das Risiko finanzieller Verluste bezeichnet, die aufgrund von Veränderung des Marktpreises zu Lasten der Bank entstehen12. Darunter fallen Änderungen von Zinssätzen, Aktienkursen, Wechselkurse, aber ebenso Wertänderungen von Rohstoffen und Sachvermögen. Diese Risiken sind als Fremdwährungs-, Aktienkurs- und Zinsänderungsrisiken definiert. So entstehen bspw. Verluste, wenn Banken in deutsche Aktien investiert haben und der Kurs des Deutschen Aktienindex (Dax) fällt (vgl. Noack et. al, 2014, S.18).

Des Weiteren besteht bei jeder Kreditvergabe ein Kreditrisiko14. Das Kreditrisiko beschreibt die Ausfallwahrscheinlichkeit dafür, dass ein Kredit vom Kreditnehmer nicht mehr bedient werden kann und die dazugehörigen Zins- und Tilgungsleistungen nicht erbracht werden können. Für Banken bedeutet dies einen finanziellen Verlust in Höhe des Restbetrages des gewährtes Kredits (vgl. Hölscher & Erdmann, 2016). Im Gegensatz zu Marktpreisrisiken hat die Bank nach Vergabe eines Kredites nur noch sehr wenig Möglichkeiten das Risiko zu begrenzen. Deswegen ist es wichtig, vor der Kreditvergabe durch eine hier wird sich auf die wichtigsten Kriterien beschränkt Zinsänderungen können selbstverständlich auch zugunsten der Bank auswirken. In dem Fall profitiert die Bank. der Dax spiegelt die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands wieder oder auch Ausfallrisiko möglichst exakte Prüfung der Bonität des Kreditnehmers die Ausfall- wahrscheinlichkeit und die damit verbundenen Kosten zu ermitteln (vgl. Hartmann-Wendels, Pfingsten, Weber, 2010, S.497). Von außerordentlicher Bedeutung für den Bankensektor und die damit verbundene Finanzstabilität einer Volkswirtschaft ist das systemische Risiko. Der Bankensektor zeichnet sich durch eine umfangreiche Kreditvergabe untereinander aus. Die dadurch entstehende Verflechtung der Banken kann zu einem Kollaps des gesamten Bankensystems und somit zu enormen Schäden einer Volkswirtschaft führen. Es bedeutet, dass die Insolvenz bzw. Zahlungsunfähigkeit einer Bank zu Zahlungsunfähigkeiten weiterer Banken führen kann. Dies führt zu Verunsicherungen bei den Einlegern, welche durch die drohende Insolvenz ein Bankrun15 wahrscheinlicher werden lassen. Dieser Bankrun würde das gesamte bankenbasierte Finanzsystem in ernsthafte Schwierigkeiten bringen (vgl. Nastansky, 2014, S.4).

5 Rechtfertigung der Bankenregulierung

5.1 Marktversagen

Die Voraussetzung für ein Eingreifen des Staates in die unternehmerische Freiheit der Marktteilnehmer im Bankensektor ist, dass ein Versagen des Marktes vorliegt. Um ein Marktversagen zu beurteilen, wird eine Bankenregulierung unter wohlfahrtsökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Führt ein Markt nicht zu einem wohlfahrtsökonomischen gewünschten Ergebnis, kann ein Eingreifen durch den Staat gerechtfertigt sein. Dennoch ist zu beachten, dass dem Marktversagen die Möglichkeit des Staatsversagens gegenübersteht, da es ex-ante nicht möglich ist festzustellen, ob die Eingriffe tatsächlich zum gewünschten wohlfahrtsökonomischen Ergebnis führen (vgl. Welfens, 2007, S.125ff).

dt. „Ansturm auf Banken“ oder auch „Schaltersturm“ bezeichnet den möglichst zeitnahen Versuch von Einlegern bei wirklichen oder scheinbaren Zahlungsschwierigkeiten der Bank ihre Einlagen abzuheben (vgl. Schöning, 2016, wirtschaftslexikon.gabler.de)

Um die Notwendigkeit einer Bankenregulierung zu verdeutlichen, kommen zwei16 unterschiedliche Tatbestände in Betracht, die für den Bankensektor von Relevanz sind. Zum einen asymmetrische Informationen und zum anderen negative Externe Effekte.

Asymmetrische Informationen liegen dann vor, wenn zwei Marktteilnehmer im Begriff sind ein Geschäft abzuschließen und einer der Vertragspartner eine bessere Informationslage als der andere aufweisen kann. Im Bankensektor lassen sich starke asymmetrische Informationen zu Lasten des Kapitalgebers nachweisen, da dieser ist selten zu angemessenen Kosten oder überhaupt in der Lage ist, alle relevanten Informationen17 über die Bank einzuholen. Ebenso ist es nur sehr schwer möglich das zukünftige Verhalten der Bank abzuschätzen und zu kontrollieren. Daher besteht die Möglichkeit für den Kapitalgeber, einen falschen Vertragspartner auszuwählen und sich somit nicht gewollten Risiken auszusetzen (vgl. Steden, 2002, S. 24-25).

Außerdem sind n egative externe Effekte genauer zu betrachten. Diese treten dann auf, wenn ein Handel zwischen zwei Markteilnehmern negative Auswirkungen auf unbeteiligte Dritte hat. Ein solcher Effekte kann z.B. durch einen Zusammenbruch einer Bank hervorgerufen werden, wodurch eine gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Das aktuellste und populärste Beispiel, wie bereits zu Beginn der Arbeit erwähnt, ist die Finanzkrise aus dem Jahr 2007, die nicht nur einer Volkswirtschaft immensen Schaden zufügte, sondern sich international ausbreitete und länderübergreifend Volkswirtschaften in Mitleidenschaft zog (vgl. Steden, 2002, S.23f; vgl. Hellwig, 2012, S.112).

Hieraus lässt sich unschwer erkennen, dass diese volkswirtschaftlichen Folgen kein gewünschtes wohlfahrtsökonomisches Ergebnis darstellen und sich darin die Notwendigkeit von Bankenregulierung begründen lässt. Dennoch muss eine Bankenregulierung immer sorgfältig durchgeführt werden. Die Kosten sind aufgrund des enormen Informationsbedarfs und der notwendigen Expertise zur Einschätzung der Risiken immens. Ebenso entsteht ein Effizienzverlust, der zu andere Gründe für Marktversagen wie natürliche Monopole oder ruinöse Konkurrenz werden nicht betrachtet, da es a) nicht empirische nachweisbar ist und b) auf den Bankensektor nicht zutrifft (vgl. Steden, 2002, S.22ff).

gemeint ist u.a. die Qualität des Managements, Risikoaffinität bei Kreditgeschäften, zukünftiges Verhalten usw. hohen volkswirtschaftlichen Schäden führen kann, wenn die Regulierung falsch oder kostenineffizient durchgeführt wird.

5.2 Identifizierung von sozialen Kosten

Eine Regulierung des Bankensektors und Kontrolle durch die Bankenaufsicht kann nur sinnvoll sein, wenn der Nutzen größer ist als die Kosten. Dazu ist es notwendig, sich einen Überblick über die durch die Regulierung entstehenden Kosten zu verschaffen.

Abbildung 2: Überblick über die sozialen Kosten der Bankenregulierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Aus der dargestellten Tabelle lässt sich entnehmen, dass sich die sozialen Kosten in direkte und indirekte Kosten unterscheiden lassen. Bei der Erstellung des Regelwerks ist es offensichtlich, dass die Bankenaufsicht gute und verlässliche Informationen benötigt, um eine gezielte und effektive Regulierung ermöglichen zu können. Diese Informationsbeschaffung ist ein sehr kostenintensiver und langwieriger Prozess, der weit über die einmalige Beschaffung der Informationen hinausgeht. Um eine dauerhafte effektive Regulierung gewährleisten zu können, benötigt die Bankenaufsicht kontinuierlich Zahlen und Fakten bezüglich gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge, aber auch Abschluss- und Zwischenberichte der Banken, um Fehlentwicklungen zu erkennen und vorbeugen zu können. Diese ununterbrochene Auswertung der Daten bindet eine Vielzahl von Mitarbeitern und stellt einen erheblichen Kostenfaktor der Bankenregulierung dar (vgl. Hackethal & Inderst, 2015, S.86ff).

Unter den direkten Kosten für unmittelbare Betroffene (Banken) werden z.B. die Kosten zur Umsetzung der Maßnahme verstanden. Dazu gehören Kosten zur Einarbeitung in das neue Regelwerk, Kosten für Unternehmensberatung, Aufwendungen für die Weiterbildung von Mitarbeitern oder auch die Einstellung von weiteren Mitarbeitern, die aufgrund des neuen Regelwerks notwendig geworden sind. Außerdem entstehen direkte Kosten durch die sogenannten „auferlegten Kosten“, zu denen sich die Handlungspflichten zuordnen lassen. Darunter werden Informations-, Kooperations-, Überwachungs-, und Qualifikationspflichten verstanden, die eine Vielzahl von Mitarbeitern in den Banken binden (vgl. Hackethyl & Inderst, 2015, S.13f).

Darüber hinaus können direkte Kosten für Kunden entstehen, wenn die Bank die Kostenerhöhung aufgrund er Regulierung teilweise oder sogar ganz an den Kunden weitergibt. Dies äußert sich in Form eines höheren Preises für das Produkt oder neu entstandenen Gebühren. Außerdem entstehen Kosten, wenn sich Produkte verändern oder ganz aus dem Markt verschwinden, da sich der Kunde in dem Fall neu über alternative Produkte informieren muss (vgl. ebda. S.14).

Indirekte Kosten für Banken können durch eine verschlechterte Wettbewerbsposition entstehen, die aus den Regulierungsmaßnahmen resultiert. Dies kann u.a. dadurch verursacht werden, dass Regulierungsmaßnahmen nicht zwingend an den ganzen Sektor gerichtet sein müssen, sondern nur an Banken, die gewisse Voraussetzungen erfüllen18. Ebenso stellen Opportunitätskosten einen Kostenfaktor dar, wenn Unternehmen aufgrund von regulatorischen Vorgaben Investitionen unterlassen oder nicht durchführen können19. Darüber hinaus ist es möglich, dass ganze Geschäftsbereiche aufgegeben werden müssen, da diese nicht mehr rentabel sind (vgl. ebda. S.14).

vorstellbar wäre, dass Banken ab einer bestimmten Größe anders behandelt werden; üblich bei systemrelevanten Banken da finanzielle Mittel oder Mitarbeiter durch die Regulierung gebunden sind

[...]

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Bankenregulierung. Status Quo und Reformbedarf
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fakultät für Volkswirtschaftslehre, insb. Industrieökonomik)
Veranstaltung
Bachelor Thesis
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
64
Katalognummer
V342698
ISBN (eBook)
9783668323575
ISBN (Buch)
9783668323582
Dateigröße
996 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vwl, Industrieökonomik, Bachelor, Bachelorarbeit, Bachelorthesis, Thesis, Banken, Bankenregulierung, Bankenkrise, Regulierung, Reformbedarf, Status Quo, Reform, Deregulierung, Bedarf, Finanzkrise, Bankenrkise, Bankenunion, Krise, globale Wirtschaftskrise, Wirtschaftskrise, global, Auswirkungen, Volkswirtschaft, Funktionen, Tätigkeitsfelder, Bankensektor, Risiken, Kosten-Nutzen-Analyse, Kosten, Nutzen, Analyse, Rechtfertigung der Bankenregulierung, Rechtfertigung, Marktversagen, asymmetrische Information, Asymmetrisch, externe Effekte, negative externe Effekte, soziale Kosten, Basler Ausschuss, Basel, Bankenaufsicht, Basel-I, Basel-II, Basel-III, Eigenmittel, zentraler Kontrahent, Risiko, risikobasierter Ansatz, Anforderungen, Regulierungsmaßnahmen, LCR, NSFR
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Bankenregulierung. Status Quo und Reformbedarf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342698

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