Um den Ruheständlern ein gewisses „Existenzminimum“ zukommen zu lassen, wurden die Renten zum 1. Juli 2016 in Westdeutschland um 4,35 % und im Osten um 5,03 % erhöht. Dies entspricht einer monatlichen Erhöhung um 57 bzw. 61 Euro. Das Problem vieler Bestandsrentner als auch zukünftiger Rentenempfänger: Da die Rentenerhöhung erst seit Juli 2016 greift, steigt die Rente mit ca. 342 Euro (57 Euro West x 6 Monate) deutlich stärker als der Grundfreibetrag. Dieser wurde 2016 um lediglich 180 Euro auf 8.652 Euro erhöht.
Wird diese Grenze jedoch überschritten, sind Rentenempfänger dazu verpflichtet, zumindest eine Einkommensteuer bei ihrem zuständigen Finanzamt abzugeben. Je nach Abzug von Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen werden dann Steuern auf die gesetzliche Altersrente fällig. Zu dieser Steuerbelastung kommt es zudem, wenn Rentner auch noch über anderweitige Einkünfte (z.B. Zins- oder Mieteinkünfte) verfügen. Trotz Einkom-mensteuer-Erklärung gibt es jedoch legale Mittel und Wege, dieser Steuerpflicht zu entgehen.
Zudem zeigt das Lehrbuch auf, wie man sich gegen rechtfehlerhafte Renten- und Einkommensteuer-Bescheide wehrt. Da Rentner-Ehepaare gleichfalls der steuerlichen Gesamthaftung unterliegen, gibt es zudem wertvolle Hinweise, dieser Haftung per Spezialantrag zu entgehen.
Da jeder Steuerpflichtige die Möglichkeit besitzt, über mehrere Jahre hinweg seiner Steuererklärungspflicht nachzukommen, muss nicht sofort die „Selbstanzeige“ gewählt werden. Wer also in der Vergangenheit keine bzw. eine fehlerhafte Erklärung abgegeben hat, kann dies jederzeit nachholen bzw. berichtigen.
Um jedoch nicht ins Visier der Finanzverwaltung zu geraten, sollten Rentner wichtige Dinge beachten. Denn die Kontrollen, die sich zwischenzeitlich über immer neuere Prüffelder hinweg ziehen, werden immer engmaschiger. Man denke dabei an das neue Filterprogramm RMS (steht für elektronisches Risiko-Management-System). Damit haben die Beamten die Möglichkeit, nicht nur flexibel, sondern auch auf die örtlichen Besonderheiten zu reagieren.
Jeder Fehler, jede Unrichtigkeit – bewusst oder unbewusst – führt dann zwangsläufig zu einer Intensivprüfung für den jeweiligen Steuerzahler. Die Folge: Horrende Steuernachzahlungen bis hin zur Anzeige wegen Steuerhinterziehung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Durch Vorsorgemaßnahmen die Rentensteuer deutlich senken
1.2 Versicherungen auch im Rentenalter der aktuellen Situation anpassen
1.2.1 Vornahme einer Einzelfallprüfung durch die Finanzbehörde
1.3 Wichtige Versicherungen für das Rentenalter
1.3.1 Haftpflichtverträge ausschließlich mit Forderungsausfalldeckung
1.3.2 Lohnenswerte Versicherungen im Alter
1.3.3 Vorteile der Pflegetagegeldversicherung gegenüber privaten Pflegeversicherungen
2. Was Rentner über die neue Rentenbesteuerung wissen sollten
2.2 Steuerzahlungen sind von der Einkunftshöhe abhängig
2.2.1 Abgabe der Einkommensteuer-Erklärung ist abhängig von den Renteneinkünften
2.2.2 Senkung der Rentensteuer durch Werbungskosten
2.2.3 Steuerfrei trotz Zinseinkünfte
2.3 Das neue Alterseinkünftegesetz
2.3.1 Rentenart und Steuerpflicht
3. Taktisch klug zu mehr Rente
3.1 Taktik 1: Strukturierter Übergang in den Ruhestand
3.2 Taktik 2: Jährliche Überprüfung der Rentensteuerpflicht
3.3 Taktik 3: Weit über der Hinzuverdienstgrenze
3.3.1 Taktik 4: Versorgungsfreibetrag plus Zuschlag!
3.4 Taktik 5: Jährliche Vertragsprüfung unumgänglich
3.5 Taktik 6: Hartz IV- Wohneigentumsschutz
3.6 Taktik 7: Unzulässige Steuerstrafverfahren gegen Rentner
3.6.1 Taktik 8: Rentenart und Steuererklärung
3.6.2 Taktik 9: Verweigerte Werbungskosten müssen begründet werden
3.6.3 Taktik 10: Nachträgliche Änderung der Steuererklärung
3.7 Taktik 11: Fehlerhafte Berechnung der Krankenkassenbeiträge
3.7.1 Taktik 12: Fehlerhafte Beitragsberechnung durch die Krankenkasse
3.7.2 Sozialversicherungsbeiträge 2016
3.8 Taktik 13: Steuergestaltungs- und Abzugsmöglichkeiten zur Reduzierung der Rentensteuer
3.8.1 Taktik 14: Abzugsmöglichkeiten zur Reduzierung der Rentensteuer
3.8.2 Taktik 15: Steuerlich abzugsfähige Aufwendungen
3.8.3 Taktik 16: Abzugsmöglichkeiten bei privaten Leibrentenversicherungen
3.8.4 Taktik 17: Steuergestaltungsmöglichkeiten bei Umzug ins Ausland
3.9 Betrachtung des Gesamtergebnisses
4. Falsche Bescheide und Berechnungen
4.1 Die rückwirkende Steuererklärung
4.2 Bescheidprüfung
4.2.1 Vorläufigkeitsvermerke sollten misstrauisch machen
4.2.2 Fehler im Einspruchsverfahren
4.3 Fehlerhaft ausgefüllte Formulare
4.4 Steuerbescheid-Korrektur trotz Rechtskraft
4.4.1 Einspruch ohne rechtliche Hinweise
4.4.2 Widerspruchsmöglichkeit trotz Vergesslichkeit
4.4.3 Die nachträgliche Korrektur einer Steuererklärung
4.4.4 Verjährungsfristen beachten
4.5 Rentensteuer bei Scheidung
4.5.1 Haftung für Verbindlichkeiten des anderen Partners
4.5.2 Vor- und Nachteile der Zusammenveranlagung (gGemeinsame Veranlagung)
4.5.3 Der Aufteilungsbescheid
4.5.4 Partner muss zustimmen
4.6 Schutz der Basisrente vor Pfändung
5. Übernahme des hälftigen Krankenkassenbeitrags durch die Deutsche Rentenversicherung Bund
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Buches ist es, Ruheständlern fundierte Strategien aufzuzeigen, wie sie ihre Rentensteuerbelastung durch gezielte Vorsorgemaßnahmen und steuerlich abzugsfähige Aufwendungen legal reduzieren können. Zudem bietet der Ratgeber praktische Anleitungen für den Umgang mit dem Finanzamt, insbesondere bei der Korrektur fehlerhafter Bescheide und der Wahrung von Ansprüchen im Kontext von Rentenbesteuerung und Krankenversicherungsbeiträgen.
- Strategien zur Senkung der Rentensteuer
- Optimierung von Versicherungen für das Rentenalter
- Umgang mit fehlerhaften Renten- und Steuerbescheiden
- Taktiken zur Reduzierung von Krankenversicherungsbeiträgen
- Rechtliche Grundlagen der Rentenbesteuerung
Auszug aus dem Buch
1. Durch Vorsorgemaßnahmen die Rentensteuer deutlich senken
Ruheständler können mit entsprechenden Vorsorgemaßnahmen ihre Rentensteuer deutlich senken. Hierzu dienen Versicherungsvergleiche, um etwa private Rentenversicherungen, Pflege- bzw. Pflegezusatzversicherungen etc. dem aktuellen Stand der heutigen Lage anzupassen. Denn was viele Rentner nicht wissen: Selbst für den Fall, dass sie zur Einkommensteuer veranlagt werden (also eine Steuererklärung abgeben müssen), bedeutet dies noch lange nicht, dass sie auch Steuern auf ihre Renten- und sonstigen Einkünfte an das Finanzamt abführen müssen.
Was alleine für die Steuerzahlung entscheidend ist, ist nämlich das zu versteuernde Einkommen. Dieses ergibt sich – in diesem Absatz nur ganz grob angeschnitten – aus allen Einkünften (Renteneinkünfte, Pensionen, Betriebsrente, Zinseinkünfte, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung etc.) abzüglich der Werbungskosten (bzw. des Werbungskostenfreibetrages), der Sonderausgaben (Krankenversicherung, Vorsorgemaßnahmen) und der außergewöhnlichen Belastungen (Zuzahlungen für Rezepte, Brillen, Zahnarztkosten etc.).
Das bisher Gesagte zeigt also auf, dass zwar viele Rentner durch die Rentenerhöhung einkommensteuerpflichtig, aber nicht zwangsläufig steuerpflichtig werden. Vielmehr ergeben sich bei jedem Ruheständler individuelle Unterschiede, die beachtet werden müssen. Eine Einkommensteuererklärung muss immer dann abgegeben werden, wenn ein Rentner mit seinen Einkünften den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet. Der Grundfreibetrag gilt für alle Einkommen und liegt im Jahr 2016 bei 8.652 Euro.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Renteneinkünfte sind nicht gleich Renteneinkünfte, man muss zwischen der gesetzlichen Rente und der Betriebsrente unterscheiden. Zwischen beiden Einkünften liegt eine völlig andere steuerrechtliche Betrachtungsweise vor. Bei der einen Rente wird der Besteuerungsanteil herangezogen, bei der anderen der Ertragsanteil (auf dieses Thema wird im Ratgeber ausführlich eingegangen). Das wiederum bedeutet: Auch wenn Ruheständler oder Pensionäre ihre Rente nur mit dem Besteuerungsanteil bzw. Ertragsanteil versteuern, können sie ihre Werbungskosten in voller Höhe absetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Durch Vorsorgemaßnahmen die Rentensteuer deutlich senken: Dieses Kapitel erläutert, wie durch die Anpassung von Versicherungen und die Nutzung von Werbungskosten das zu versteuernde Einkommen optimiert werden kann.
2. Was Rentner über die neue Rentenbesteuerung wissen sollten: Hier werden die Grundlagen des Alterseinkünftegesetzes, die Besteuerungsanteile und die Notwendigkeit der Steuererklärung bei Überschreitung des Grundfreibetrags dargelegt.
3. Taktisch klug zu mehr Rente: Dieses Kapitel liefert eine Vielzahl an taktischen Ratschlägen, von der Vertragsprüfung bis hin zur korrekten Angabe von Rentenarten, um die Steuerlast rechtssicher zu minimieren.
4. Falsche Bescheide und Berechnungen: Hier wird aufgezeigt, wie Rentner gegen fehlerhafte Steuerbescheide vorgehen können, insbesondere durch Einspruchsverfahren und die Korrektur nach Rechtskraft.
5. Übernahme des hälftigen Krankenkassenbeitrags durch die Deutsche Rentenversicherung Bund: Der abschließende Teil behandelt den Anspruch auf Zuschüsse zur Krankenversicherung für freiwillig gesetzlich oder privat versicherte Rentner.
Schlüsselwörter
Rentensteuer, Altersvorsorge, Grundfreibetrag, Einkommensteuererklärung, Werbungskosten, Sonderausgaben, Rentenbeginn, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Bescheidprüfung, Einspruchsverfahren, Steuerhinterziehung, Aufteilungsbescheid, Rentenanpassung, Altersentlastungsbetrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Buch bietet einen Leitfaden für Rentner, um ihre Steuerlast zu verstehen, Fehler in Steuerbescheiden zu korrigieren und ihre finanzielle Situation im Ruhestand durch Vorsorge und Steueroptimierung zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der steuerlichen Behandlung von Renteneinkünften, dem Umgang mit Krankenkassenbeiträgen, dem Schutz des Wohneigentums und dem richtigen Verhalten gegenüber dem Finanzamt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Vermittlung von Strategien, mit denen Ruheständler trotz Rentenerhöhungen und komplexer Steuergesetze ihre finanzielle Belastung minimieren und unnötige Steuern sowie Abschläge vermeiden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Ratgeber, der auf geltendem Steuerrecht, BFH-Urteilen und gesetzlichen Regelungen wie dem Alterseinkünftegesetz basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Rentenarten, Abzugsmöglichkeiten für Sonderausgaben und Werbungskosten sowie spezifische Taktiken für Rentner, um Steuerstrafverfahren zu vermeiden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Rentensteuer, Grundfreibetrag, Steuergestaltung, Beitragsoptimierung und Steuerbescheid-Prüfung beschreiben.
Wie gehe ich bei einer falschen Berechnung meiner Krankenkassenbeiträge vor?
Wenn die Krankenkasse den Beitrag zu hoch ansetzt, muss der Rentner einen Antrag auf Korrektur stellen. Das Buch erläutert, dass die Kasse oft nicht automatisch prüft, ob mehrere Renten zusammengezählt wurden, weshalb der Rentner aktiv werden muss.
Was ist der Vorteil eines Aufteilungsbescheids bei Ehepaaren?
Er verhindert die gesamtschuldnerische Haftung für Steuerschulden des Partners. Dadurch haftet jeder Ehegatte nur noch für seine eigene, fiktiv berechnete Steuerschuld, was den anderen vor finanzieller Überforderung schützt.
Wann sollte ein Rentner eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) beantragen?
Wenn das Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag liegt, kann diese Bescheinigung beim Finanzamt beantragt und der Bank vorgelegt werden, damit Kapitalerträge ohne Steuerabzug ausgezahlt werden.
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- Dietmar Kern (Author), 2016, Rentensteuer. Mit Einzelfallprüfung und Aufteilungsbescheid zu noch mehr Rente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342836