Progressive Muskelrelaxation im Anwendungsbereich der Erkrankung Migräne


Hausarbeit, 2015
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Progressive Muskelrelaxation
2.1 Einsatzbereiche
2.2 Methode
2.3 Evidenz

3 Definition Migräne
3.1 Epidemiologie
3.2 Therapie

4 Anwendungsbeispiel: Wirksamkeit der Progressiven Muskelrelaxation bei Migräne

5 Diskussion und Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Weltweit leiden zwischen acht und zwölf Prozent der erwachsenen Bevölkerung, unabhängig von geografischer Herkunft und sozialem Status, an Migräne. Somit ist Migräne die zweithäufigste Form der Kopfschmerzen (Diener 2006: 4).

Im Bereich der medikamentösen Therapie wurde in den vergangenen Jahren intensive Forschung betrieben. Eine große Rolle spielt jedoch auch die nichtmedikamentöse Prophylaxe von Migräne, zu der unter Anderem Entspannungsverfahren gehören; eines der gängigsten Verfahren zur Vorbeugung von Migräne ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR) (Diener/Katsarava/Limmroth 2008: 51; Evers et al. 2008: 942).

In der vorliegenden Hausarbeit wird am Beispiel der Migräne analysiert, inwiefern PMR als Therapieverfahren und zur Prophylaxe von Migräneattacken wirksam ist.

Im Folgenden werden zunächst das Verfahren der PMR vorgestellt, verschiedene Einsatzbereiche aufgeführt und die allgemeine wissenschaftliche Evidenz für das Verfahren dargestellt. Außerdem wird die Erkrankung Migräne mit ihrer Epidemiologie und ihren verschiedenen Therapiearten beschrieben. Im darauf folgenden Kapitel wird dann im Anwendungsbeispiel die Studienlage zur Wirksamkeit von PMR bei Migräne vorgestellt. Zuletzt wird ein Fazit aus den gesammelten Ergebnissen gezogen und die Studienlage kritisch diskutiert.

2 Progressive Muskelrelaxation

PMR ist eine muskuläre Entspannungstechnik, welche in den 1920er Jahren von dem Mediziner Edmund Jacobson entwickelt wurde. Dieser stellte fest, dass ein Zusammenhang zwischen muskulärer Anspannung und dem Auftreten von Stress und innerer Unruhe besteht (Gatterer 2009: 249). Jacobson fand heraus, dass es bei einer Reduzierung der Muskelspannung zu einer Beruhigung der Gefühle und Gedanken kommt; auf dieser Untersuchungsbasis entwickelte er das Verfahren der PMR (Helmer 2008: 92).

In diesem Kapitel werden zunächst die verschiedenen Einsatzbereiche von PMR aufgezeigt, anschließend werden die Methode und die Durchführung der PMR sowie die wissenschaftliche Evidenz erläutert.

2.1 Einsatzbereiche

PMR kann sowohl zur Prävention als auch bei vorhandenen Krankheiten angewandt werden (Derra 2007: 120-123).

Da durch regelmäßige Anwendung von PMR das Stressniveau insgesamt sinkt, wird das Verfahren insbesondere bei stressbedingten Erkrankungen angewandt (ebd.). Krankheiten, bei denen das Entspannungstraining hilfreich sein kann, sind beispielsweise Migräne, Spannungskopfschmerzen, chronische Schmerzen und Bluthochdruck (Derra 2007: 128-131).

Bei der Anwendung zur Behandlung von Krankheiten muss unterschieden werden zwischen direkter Veränderung der Symptome und der Verminderung von krankheitsbedingtem Stress und Leidensdruck (Derra 2007: 127).

In der Prävention kann PMR helfen, die Erholungsfähigkeit, die Gedächtnisleistung sowie den Schlafrhythmus zu verbessern. Auch bei der Vorbeugung sowie dem besseren Umgang mit Stress kann PMR angewandt werden (Derra 2007: 120ff).

Bei dem Vorhandensein von Krankheiten ist es wichtig, dass schmerzende Körperpartien beim Training weggelassen werden und das Wohlbefinden beim Üben an erster Stelle steht (Helmer 2008: 99). Um negative Effekte zu vermeiden sollten Personen, die unter Erkrankungen leiden, das Training nur unter Fachaufsicht ausüben; wenn keine Beschwerden vorliegen, kann auch mithilfe von Büchern und CDs trainiert werden (Gatterer 2009: 250ff).

2.2 Methode

Die Originalversion der PMR nach Jacobson beinhaltet tägliche Übungszeiten von ungefähr einer Stunde über insgesamt 50 Sitzungen, in denen jeweils eine bis drei Muskelgruppen trainiert werden. Insgesamt werden somit drei bis sechs Monate zum Erlernen des Verfahrens benötigt. Um die Alltagstauglichkeit des Verfahrens zu erhöhen, wurden verschiedene verkürzte Varianten entwickelt (Hamm 2004: 194). Heutzutage wird größtenteils ein Einstieg über die sogenannte lange Standardform gewählt, welche im Laufe der Zeit auf eine tägliche Übungszeit von fünf bis sieben Minuten verkürzt wird. Das Training findet über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen statt (Helmer 2008: 94).

Eine Trainingseinheit der PMR kann in drei Phasen aufgeteilt werden: die Vorbereitung, der Hauptteil und die Nachbereitung.

In der Vorbereitungsphase des Trainings werden zunächst die äußeren Bedingungen wie Temperatur und Beleuchtung für die Trainierenden angenehm gestaltet; die Umgebung sollte störungsfrei sein (Helmer 2008: 96).

Im Hauptteil werden dann die abwechselnde Anspannung und Entspannung durchgeführt. Es werden zunächst einzelne Muskelgruppen für eine bis zwei Minuten angespannt, anschließend werden dieselben Muskelgruppen für drei bis vier Minuten aktiv entspannt. Die Anspannung sollte dabei nicht zu stark ausgeführt werden, es geht vielmehr darum, minimale Anspannungen wahrzunehmen (Hamm 2004: 190). Der Hauptteil endet mit einer Art Countdown, welcher den Übergang zurück zum Alltagsbewusstsein schafft (Helmer 2008: 97).

Während der Nachbereitung findet ein Erfahrungsaustausch unter den Trainierenden statt. Wenn das Training zuhause durchgeführt wird, sollte in der Nachbereitungsphase ein Trainingsprotokoll angefertigt werden (Helmer 2008: 98).

Wenn die aktive Form der PMR erlernt wurde, kann das Training mit der passiven Form weitergeführt werden. Dabei wird die Muskelanspannung nicht aktiv ausgeübt, sondern nur mental durchgeführt. Zusätzlich kann nach längerer Übungszeit die Übungsposition geändert werden; nach anfänglichem Training im Liegen können Fortgeschrittene die Übungen auch im Sitzen oder Stehen durchführen (Helmer 2008: 94f).

2.3 Evidenz

Bei der wissenschaftlichen Evaluation der Wirksamkeit von PMR sind verschiedene Schwierigkeiten vorhanden, welche im Folgenden erläutert werden.

Eine Problematik bei der Durchführung von Studien zur Wirksamkeit ist die enorme Methodenvielfalt. Es gibt keine Standardisierungen bezüglich der Stärke der Kontraktion, der Anzahl sowie der Abfolge der einzelnen Muskelgruppen beim Training. Durch diese unterschiedlichen Voraussetzungen ergeben sich voneinander abweichende Studienergebnisse und einzelne Studien können nur schwer miteinander verglichen werden (Hamm 2004: 200f).

Eine weitere Erschwernis bei der Untersuchung der Wirksamkeit von PMR sind die unbeständigen Befunde von Grundlagenstudien[1]. Viele Untersuchungen haben ergeben, dass durch PMR die Herz- und Atemfrequenz gesenkt werden; es gibt jedoch ebenfalls eine große Anzahl widersprüchlicher Befunde. Diese unterschiedlichen Ergebnisse sind auf die verschiedenen Voraussetzungen bei der Durchführung zurückzuführen, beispielsweise sind die Effekte von PMR bei Anweisungen vom Tonband geringer als bei persönlich gegebenen Instruktionen (ebd.).

Klinische Studien untersuchen im Gegensatz zu Grundlagenstudien die Wirksamkeit der PMR bei der Therapie verschiedener Erkrankungen. Die klinische Effektivität wurde besonders für die Störungsbilder Schmerz, Bluthochdruck und Schlafstörungen untersucht (ebd.).

Zusätzlich zu den genannten Faktoren können auch noch weitere Aspekte Einfluss auf die Wirksamkeit von PMR haben. Dies sind unter Anderem die Vorerfahrungen mit Entspannungsverfahren, die Geübtheit und Motivation einer Person sowie das Führen eines Übungsprotokolls (Derra 2007: 116).

3 Definition Migräne

Im folgenden Kapitel werden als Grundlage für das Anwendungsbeispiel die Krankheit Migräne, deren Epidemiologie und verschiedene Therapieformen dargestellt.

Bei der Migräne handelt es sich um einen sehr starken Kopfschmerz, der wiederholt anfallartig auftritt. Migräneanfälle können sich durch die sogenannte Aura[2] ankündigen (Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen 2008: 649).

Migräne wird in mehrere Formen unterteilt, davon sind die häufigsten die einfache Migräne (Migräne ohne Aura) und die klassische Migräne (Migräne mit Aura) (Diener 2006: 12). Migräneattacken sind gekennzeichnet von einem pulsierenden, halbseitigen Kopfschmerz hinter den Augen oder der Stirn. Die Schmerzen sind dabei in der Regel einseitig und können von Übelkeit, Gesichtfeldausfall oder Lähmungen begleitet werden. Eine einzelne Attacke kann zwischen 4 und 72 Stunden andauern (Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen 2008: 649).

Die Entstehung von Migräne ist zunächst durch eine Anfallsbereitschaft für die Krankheit bedingt. Wenn die Fähigkeit, Migräne zu bekommen, vorhanden ist, können verschiedene Auslöser (Triggerfaktoren) einen Migräneanfall auslösen (Göbel 2012a: 98). Die häufigsten Triggerfaktoren sind emotionale Belastungen und Stress. Auslöser können außerdem Erschöpfung oder hormonelle Veränderungen sein (Göbel 2012: 243).

3.1 Epidemiologie

In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an Migräne. In der Regel tritt die Krankheit das erste Mal in der Adoleszenz auf, dabei unterscheidet sich die Häufigkeit des Vorkommens bei Mädchen und Jungen nicht. Im späteren Verlauf ist die Prävalenz der Migräne dann bei Frauen höher, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter sinkt das Vorkommen insgesamt und die Geschlechterunterschiede gleichen sich an (Diener 2006: 4).

[...]


[1] Grundlagenstudien sind Untersuchungen, welche die Wirkung von PMR überprüfen und anderen Entspannungsverfahren gegenüberstellen.

[2] Die Aura bezeichnet Wahrnehmungsstörungen, welche direkt vor einem Migräneanfall auftreten. Diese können in Form von Seh- und Sprachstörungen, Kribbeln oder Schwäche in einem Arm oder Bein auftreten.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Progressive Muskelrelaxation im Anwendungsbereich der Erkrankung Migräne
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg  (Fakultät Life Sciences)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V342985
ISBN (eBook)
9783668330481
ISBN (Buch)
9783668330498
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PMR, progressive Muskelrelaxation, Kopfschmerzen, Migräne, Entspannung
Arbeit zitieren
Beke Freyer (Autor), 2015, Progressive Muskelrelaxation im Anwendungsbereich der Erkrankung Migräne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342985

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