Schulsozialarbeit. Ein Einblick


Hausarbeit, 2016
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2 Einblick in die Schulsozialarbeit
2.1 Begriffsdefinition und Konzeption Schulsozialarbeit
2.2 Entwicklung der Schulsozialarbeit
2.3 Zielgruppe und Aufgaben der Schulsozialarbeit
2.4 Gesetzliche und obligatorische Rahmenbedingungen in der Schulsozialarbeit
2.5 Rolle der Schulsozialarbeit im Kontext Schule
2.6 Methoden und Arbeitstechniken in der alltäglichen Arbeit der Schulsozialarbeit

3 Handlungskompetenzen der Schulsozialarbeit
3.1 Selbstkompetenz
3.1.1 Definition
3.1.2 Selbstkompetenz in der Schulsozialarbeit
3.2 Soziale Kompetenz
3.2.1 Definition
3.2.2 Soziale Kompetenz in der Schulsozialarbeit
3.3 Fachkompetenz
3.3.1 Definition
3.3.2 Fachkompetenz in der Schulsozialarbeit

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vor einigen Jahren waren es ausschließlich Lehrer1, die soziale Schwierigkeiten und Problemlagen bei Kindern und Jugendlichen im deutschen Schulsystem erkannt haben und sich dieser, neben dem primären Auftrag der Wissensvermittlung, annahmen. Über diese vorliegende Doppelbelastung hinaus gerieten Lehrer somit in ein Spannungsfeld, welches eine lernanregende Atmosphäre im Klassenraum negativ beeinflusste. Zum einen geprägt durch vorbelastete Schüler, denen die Verarbeitung oder das Lernen im Klassenverbund unmöglich war. Zum anderen die aufgrund ungelöster sozialer Probleme entstehenden Störenfriede. Hinzu kommen gesamtgesellschaftliche Probleme wie zum Beispiel soziale Armut, welche in den letzten Jahrzehnten zunehmend die Privatsphäre der Schüler bestimmt. Mit steigenden Problemlagen ertönt der Ruf nach Sozialer Arbeit, welche sich nach gescheiterten Versuchen in den 70er und 80er Jahren nach den Maßstäben der skandinavischen Länder richtet (vgl. Just (2013), S. 13). "Der Trend geht zu Schulsozialarbeit" schreibt die Süddeutsche Zeitung Anfang 2015 mit Verweis auf Professor Karsten Speck, der angibt, dass es derweil in den Bundesländern rund 5.300 Schulsozialarbeiter gibt. Mittlerweile ist Schulsozialarbeit ein etablierter Teilbereich der Sozialen Arbeit in Deutschland. Durch den internationalen Vergleich gerät die Politik zunehmend unter Druck, welcher eine wesentliche Erhöhung der angestellten Schulsozialarbeiter verursacht (vgl. Baier/Deinet 2011, S. 9). Doch welche genauen Ziele verfolgt Schulsozialarbeit? Mit welchen Methoden agiert sie und welche Handlungskompetenzen sind für ihre Arbeit nötig?

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich allgemein mit dem Tätigkeitsfeld der Schulsozialarbeit. Eingangs wird die Begrifflichkeit der Schulsozialarbeit klargestellt und ihre Position im Kontext Jugendhilfe/Schule verortet. Fortan wird der Fokus auf die Konzeption, sowie die multiple Zielgruppe und die Rahmenbedingungen gelegt. Die einzunehmende Rolle und die angewandten Arbeitstechniken bilden einen weiteren Teil des Einblickes in das Feld der Schulsozialarbeit. Anschließend wird ein zeitlicher Abriss der Entwicklung von Schulsozialarbeit dargestellt. Zuletzt liegt ein Schwerpunkt dieser Arbeit auf den wichtigsten Kompetenzen des Arbeitsfeldes, welche konkretisiert und begründet werden.

2 Einblick in die Schulsozialarbeit

2.1 Begriffsdefinition und Konzeption Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist neben vielen anderen fachlichen Termini der am häufigsten anzutreffende Begriff, wenn es darum geht, den Schnittpunkt zwischen Schule und Jugendhilfe zu definieren. Grundlage bildet eine sowohl messbare als auch vergleichbare fachlich kompetente und pädagogische Arbeit (vgl. Just 2016, S. 15). Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften, der Schulleitung, der Schüler und der Eltern. Auch wenn der Auftrag grundsätzlich von der Jugendhilfe gestellt wird, ist die Trägerschaft nicht immer klar geregelt. Die angewendeten Programme der Schulsozialarbeiter richten sich danach. In Trägerschaft der Jugendhilfe gibt es Kooperationsverträge zwischen der Schule und der Jugendhilfe. Förderprogramme entstehen folglich auf kommunaler Ebene. Schulsozialarbeiter in Trägerschaft von Landesprogrammen erhalten von dort ihre Förderprogramme (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 13f).

Schulsozialarbeit heißt also, dass eine Kooperation zwischen dem Schulsystem und der Kinder- und Jugendhilfe besteht. Dies bedeutet, dass sowohl beide Seiten einen Bildungs- und Erziehungsauftrag haben, welche nicht voneinander zu trennen sind. Der Auftrag überschneidet sich und muss von beiden Seiten mit Einsicht gezeichnet werden (vgl. Spies/Pötter 2011, S. 37). Des Weiteren impliziert der Begriff „Schulsozialarbeit“ eine Angebotspalette an präventiven und intervenierenden Angeboten, währenddessen in der „Jugendhilfe“ beispielsweise der Fokus eher auf additiven Freizeitangeboten liegt. Gleichzeitig beschreibt der Begriff eine gemeinsame Verantwortung von Schule und Sozialer Arbeit, welcher andere Termini wie beispielsweise Jugendhilfe als Dienstleister der Schule nicht unterliegen. Zudem stellt „Schulsozialarbeit“ die Finanzierung klar, während bei anderen Termini die Gefahr besteht, dass die Finanzierung aus dem Jugendhilferessort entstammt. Es wird ausdrücklich aufgrund der oben aufgeführten Argumente für den einheitlichen Terminus „Schulsozialarbeit“ plädiert (vgl. Speck 2014, S. 37).

Durch Gesetzesbestimmungen, welche im Folgenden noch genauer beschrieben werden, wird vorausgesetzt, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf eine freie und individuelle Persönlichkeitsentfaltung besitzen. Durch Belastungen, welche soziokulturellen, schulischen oder familiären Ursprungs sind, werden Betroffen häufig an ihr Belastungslimit geführt und sind nicht in der Lage ihre Probleme individuell lösen zu können. Aus diesem Kontext heraus ist Begleitung, Beratung und Unterstützung von Schülern durch pädagogische Fachkräfte eine zwingende Notwendigkeit, die nach Just (2016) folgende Ziele verfolgt:

1. Das System Schule wird von einer weiteren Profession unterstützt, die dafür Sorge trägt Situationen zu entschärfen.
2. Entlastung der Lehrer, welche durch ihre multiprofessionelle Doppelbelastung stark beansprucht werden.
3. Präventive Beratung durch die Jugendhilfe im Bedarfsfall.
4. Kooperation zwischen Schulsozialarbeitern und Sozialarbeitern der Jugendhilfe wird sichergestellt.
5. Kostenaufwändige Verfahren in der Jugendhilfeplanung werden oftmals vermieden.
6. Lösungsansätze für Betroffenen und deren Angehörige werden bereitgestellt, die die Jugendhilfe entlasten soll.
7. Eine Minimierung an Kosten für den Staat auf lange Sicht.

2.2 Entwicklung der Schulsozialarbeit

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert fanden die ersten sozialpädagogischen Konzepte Einklang an deutschen Schulen. In den sogenannten Industrieschulen wurden Arbeit und Lernen miteiandern verbunden und ergaben so neue Möglichkeiten wie beispielsweise die Kinderform des Unterrichts. Problematisch jedoch gestaltete sich die Finanzierung, weshalb die Industrieschulen nicht von langer Dauer waren und von Fabrikschulen vereinnahmt worden sind, in denen Kinder lediglich als Arbeitskräfte dienten. 1981 mussten diese aufgrund des Arbeiterschutzgesetztes abgeschafft werden, da Kinder von nun an nicht mehr in Fabriken arbeiten durften (vgl. Aden- Grossmann 2016, S. 18f). Weitere historische Vorläufer der Schulsozialarbeit waren die Schulkinderfürsorge (ab 1870), die Schulpflege (1907), Ansätze einer sozialpädagogischen Schule in der Weimarer Republik und die Hamburger Schülerhilfe in den 1930er Jahren. Die Kooperation zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe stand zwischen 1945 und dem Anfang der 1970er Jahre im Stillstand (vgl. Speck 2014, S. 11f).

Entgegen anderer europäischer Länder wie beispielsweise den skandinavischen wurde im Jahr 1922 in Deutschland das Reichsjugendwohlfahrtsgesetzt (RJWG) verabschiedet, welches eine strikte Trennung zwischen Jugendhilfe und Schule beinhaltete. Derweil gab es in Schweden bereits Schulpsychologen, -ärzte, - krankenschwestern und sogar Sozialpädagogisches Fachpersonal. Darüber hinaus wurden soziale Leistungen wie beispielsweise kostenlose Mittagessen angeboten. Der Begriff des Schulsozialarbeiters entstand Anfang der 1970er Jahren in den USA. Dort waren sie kompletter Teil des Schulsystems (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 15f). In Deutschland trat die Schulsozialarbeit ebenfalls Anfang der 1970er Jahren als Begleiterscheinung der Bildungsreform auf. Diese war nicht direkt im Konzept verfasst, entfaltete sich aber aufgrund der Entwicklung und der stärkeren Verbindung zwischen Jugendhilfe und dem Schulsystem. Die Entwicklung des Schulsystems ist aber im Gegensatz zur Jugendhilfe von den einzelnen Bundesländern geprägt. Die Jugendhilfe hingegen vom Bund oder der Kommune. Die heute vielfältigen anzutreffenden Ausprägungen der Schulsozialarbeit entstanden vor allem aus dem in den letzten 40 Jahren vollzogenen Prozess in der Jugendhilfe (vgl. Rademacker 2011, S. 17). Durch die Bildungsreformdebatte Ende der 1960er Jahre wurden sozialpädagogische Fachkräfte eingesetzt, um als Absicherung des Schulsystems zu dienen. Diese Absicherung galt dem Anstieg an Problemen und Verhaltensauffälligkeiten bei den Schülern. Aus diesem Problemdruck entstanden rasche sozialpädagogische Projekte die lediglich der Absicherung galten und kein klares Konzept verfolgten. Ziele, Methoden und Zugänge wurden stark vernachlässigt. In den 1980er Jahren wurde die Bildungsreform als gescheitert angesehen und sozialpädagogische Projekte nahmen quantitativ ab. Allerdings schafften eine Vielzahl an Fortbildungen, Publikationen und Forschungen zu einem Forum, welches auch den zentralen Begriff der Schulsozialarbeit mit sich zog. In den 1990er Jahren gab es ein verändertes Aufgabenverständnis, sowie ein Problembewusstsein, welches die Öffnung der Parteien Schule und Jugendhilfe vereinfachte (vgl. Speck 2014, S. 12f).

In den letzten Jahren nahmen Qualität und Quantität der Schulsozialarbeit in allen deutschsprachigen Ländern trotz Sparmaßnahmen deutlich zu. Verantwortlich für diesen Wandel sind bildungsreformerische Bemühungen seitens der Politik. Die PISAStudie belegte eine zu geringe Leistungsfähigkeit der Schulsozialarbeit im internationalen Vergleich (vgl. Baier/Deinet 2011, S. 9).

2.3 Zielgruppe und Aufgaben der Schulsozialarbeit

Die Zielgruppe der Schulsozialarbeit setzt sich aus schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen zusammen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese die Schule besuchen oder nicht. Durch mangelnde finanzielle Ressourcen und aufgrund eines überlasteten ‚Betreuungsschlüssels‘ muss die Zielgruppe meist eingeschränkt oder zumindest ein Schwerpunkt gesetzt werden. Der Auftrag der Jugendhilfe definiert die Zielgruppe im Gesetz. Aus dem SGB VIII ergibt sich folglich eine Zielgruppe von „sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche“ (§ 13 SBG VIII) (vgl. Spies/Pötter 2011, S. 46). Spricht man von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe und liest man die gesetzliche Definition, wird man dazu verleitet, die Zielgruppe auf benachteiligte junge Menschen zu reduzieren. Dies entspricht aber nicht der Definition. Sowohl alle Kinder und Jugendlichen, sowie auch Lehrer und Eltern sind in der Zielgruppe mit inbegriffen. Die Schulsozialarbeit soll kongruent zur Jugendhilfe Integrationsarbeit leisten und zudem Personen fördern und unterstützen. Auf der anderen Seite müssen sie gesellschaftliche Erwartungen und Normen erfüllen. Man spricht bei diesem Dilemma von einem doppelten Mandat, welches sich aus Hilfe und Kontrolle zusammensetzt (vgl. Speck 2014, S. 47).

Betrachten man die Untergruppen der Zielgruppen sozialer Arbeit, ergeben sich nach Speck (2014) folgende Aufgaben:

Für Kinder und Jugendliche sollen präventive und intervenierende Angebote bereitgestellt werden. Der Fokus dabei liegt auf Persönlichkeits- und Identitätsbildung. Des Weiteren soll die Lebensbewältigung sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule gefördert werden. Dafür werden soziale Kompetenzen benötigt, welche ebenfalls durch Angebote der Schulsozialarbeit gestärkt und gefördert werden sollen.

[...]


1 Soweit im Folgenden Berufs- Gruppen- und/oder Personenbezeichnungen Verwendung finden, ist auch stets die jeweils weibliche Form gemeint. Der Verf. sieht daher bewusst von einer genderneutralen Ausdrucksweise ab.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schulsozialarbeit. Ein Einblick
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V343004
ISBN (eBook)
9783668331549
ISBN (Buch)
9783668331556
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulsozialarbeit, Schulsozialarbeiter, Schule, Schüler, Lehrer, Seelsorge, Problembereich Schule, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Florian Lente (Autor), 2016, Schulsozialarbeit. Ein Einblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343004

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