Hedgefonds als Shareholder-Aktivisten. Eine kritische Betrachtung


Bachelorarbeit, 2013
36 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Shareholder-Aktivismus
2.1 Shareholder-Aktivisten
2.1.1 Traditionelle institutioneile Anleger
2.1.2 Alternative Investments
2.2 Voraussetzungen verschiedener Aktivisten im Vergleich
2.3 Eigenschaften der attackierten Unternehmen
2.4 Zielformulierung bei Hedgefonds-Aktivismus
2.5 Strategien aktivistischer Hedgefonds
2.5.1 Nicht-aggressive Strategien
2.5.2 Aggressive Strategien
2.6 Zielerreichung aktivistischer Hedgefonds

3 Auswirkungen des Hedgefonds-Aktivismus
3.1 Auswirkungen auf Shareholder
3.2 Auswirkungen auf Stakeholder und Unternehmen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hauptkategorien der Zieldefinition von Hedgefonds

1 Einleitung

Im Oktober 2013 erschien in der Online-Ausgabe des Handelsblatts ein Artikel unter der Überschrift „Hedgefonds nehmen Europas Großkonzerne ins Visier“. Darin wird die zunehmende Bereitschaft von Anteilseignern (engl.: Shareholder) insbesondere Hedge­fonds, zu aktivistischem Handeln thematisiert. Die Investoren wollen ihren Einfluss auf das Unternehmen ausweiten und untemehmenspolitische Entscheidungen direkt mitbe­stimmen. Anhand einiger Beispiele und Expertenkommentare stellen die Autoren eine wachsende Bedeutung des Hedgefonds-Aktivismus für Unternehmen europaweit und in Deutschland heraus.[1] Ein Beispiel für einen erfolgreichen Aktivismus, der besonders in Deutschland für viel Aufsehen sorgte und auch im oben zitierten Artikel zur Sprache kommt, ist die Verhinderung der Akquisition der London Stock Exchange durch die Deutsche Börse AG im Jahr 2005. Der Plan des Vorstandes der Deutschen Börse AG sich durch den Kauf der London Stock Exchange zu vergrößern wurde durch eine Gruppe von Shareholder-Aktivisten unter der Regie des in London ansässigen Hedge­fonds Children's Investment Fund durchkreuzt. In diesem Zusammenhang musste der damalige Vorstandsvorsitzende Werner Seifert seinen Posten räumen.[2]

Die Aktualität dieser Thematik sowie die zunehmende Präsenz in den Medien ist der Anlass für diese Arbeit. Es ist notwendig Hedgefonds als Shareholder-Aktivisten näher zu beleuchten und verschiedene Aspekte vor allem im Hinblick auf den Einfluss des Aktivismus auf andere Shareholder des attackierten Unternehmens kritisch zu betrach­ten. Primär soll in dieser Arbeit herausgestellt werden, wie im Fall eines Hedgefonds­Aktivismus die übrigen am Unternehmen beteiligten Shareholder beeinflusst werden. Anhand verschiedener Studien, die Hedgefonds-Aktivismen thematisieren, sowie der Arbeit von Hu und Black aus dem Jahr 2006, die sich mit Hedgefonds-Strategien be­schäftigt, die aus der Loslösung von Stimmrecht und Eigentum entstehen, wird unter­sucht, ob von Aktivismen eine Gefahr für andere Shareholder ausgeht oder die Interes­sen konsistent sind.[3]

Zur Bearbeitung des dargestellten Forschungsthemas wird in Kapitel 2 zunächst ein allgemeiner Blick auf Shareholder-Aktivisten geworfen, die in der Vergangenheit aus­gemacht werden konnten, um danach deren Voraussetzungen im Bezug auf einen Akti­vismus zu untersuchen. Ab Kapitel 2.3 werden Hedgefonds als aktivistische Sharehol­der näher betrachtet. Es werden Eigenschaften der Zielunternehmen sowie Ziele und Strategien der Hedgefonds daraufhin untersucht, ob Hedgefonds als Aktivisten im Sinne des Prinzipal-Agenten-Modells als aktivistische Prinzipale handeln und ihr Aktivismus somit allen Shareholdern zugutekommt. Im Kapitel 2.6 erfolgt die Untersuchung der Zielerreichung. Abschnitt 3 fasst die Effekte des Aktivismus im Bezug auf andere Sha­reholder, Stakeholder und das Unternehmen selbst zusammen, um dann im letzten Kapi­tel als Fazit alle Ergebnisse zu resümieren und auf eventuelle Gefahren, die von Hedge­fonds-Aktivismen ausgehen, hinzuweisen.

2 Der Shareholder-Aktivismus

Das Phänomen Shareholder-Aktivismus ist nicht erst in der jüngeren Vergangenheit aufgetreten, sondern kann bereits seit einiger Zeit beobachtet werden. Verschiedene Gruppen von Anteilseignern haben immer wieder versucht, die Untemehmenspolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen.[4] In diesem Kapitel werden zunächst die wichtigsten Grup­pen von Shareholder-Aktivisten voneinander abgegrenzt, um im weiteren Verlauf insbe­sondere den Hedgefonds-Aktivismus näher zu betrachten.

2.1 Shareholder-Aktivisten

Als Aktivisten sind im Wesentlichen zwei Gruppen auszumachen, die sich vor allem anhand ihrer unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen voneinander abgrenzen lassen. Zum einen die traditionellen institutioneilen Anleger und zum anderen die alter­nativen Investments, wie Hedgefonds und Private Equity.[5]

2.1.1 Traditionelle institutioneile Anleger

Auf der einen Seite werden traditionelle institutioneile Anleger, wie öffentliche und private Rentenfonds, Versicherungs-, Investment - oder Stiftungsfonds als Anteilseigner aktivistisch.[6] Aktivitäten dieser Gruppe sind seit Mitte der Achtzigerjahre bekannt und beschränkten sich bis in die Mitte der Neunzigerjahre hinein oft auf formale Anteilseig­ner-Anträge nach § 240.14a-8 aus dem US-Amerikanischen „Code of Federal Regulati- ons“.[7] Bei diesen Anträgen wird seitens des institutioneilen Anlegers ein Vorschlag ein­gereicht, welche speziellen Maßnahmen der Vorstand im Hinblick auf die Geschäftsfüh­rung ergreifen soll. Wenn der Antrag alle Bedingungen des § 14a8 erfüllt und nicht vom Vorstand des Unternehmens rechtswirksam ausgeschlossen wird, darf er auf der Jahres­hauptversammlung den Stimmberechtigten präsentiert werden.[8] Seit Mitte der Neunzi­ger Jahre ist allerdings eine Tendenz von diesen formalen Anträgen hin zu privaten Verhandlungen zwischen dem Vorstand des Unternehmens und dem Management des institutioneilen Anlegers zu beobachten, um Einfluss auf die Untemehmenspolitik zu nehmen. Die formalen Anträge werden dann nur noch genutzt, wenn eine freiwillige Anpassung der Geschäftsführung an die Forderungen des Fondsmanagements nicht er­folgt.[9]

Die Gruppe der traditionellen institutioneilen Anleger ist in sich sehr unterschiedlich. Im Hinblick auf Eigentümer, Begünstigte, den politischen Hintergrund und die Anlage­ziele gibt es durch verschiedene Voraussetzungen andere Anreizstrukturen für ein akti- vistisches Verhalten.[10] Auch unterschiedliche rechtliche, regulatorische und steuerliche Vorschriften bieten innerhalb der Gruppe unterschiedliche Nährböden für Shareholder- Aktivismus.[11] Auf diese Voraussetzungen wird im nächsten Abschnitt explizit einge­gangen. Festgehalten werden kann jedoch bereits, dass der Aktivismus bei institutionei­len Anlegern in der Regel ex post erfolgt. Das bedeutet, dass mit gezielten Aktivitäten versucht wird ein Unternehmen zu beeinflussen, dessen Anteile bereits im Portfolio enthalten sind.[12] Eine Investition in Untemehmensanteile ist also nicht das Resultat ei­nes geplanten Aktivismus, sondern der Aktivismus resultiert aus der Entwicklung eines Unternehmens, dessen Aktienwerte der institutioneile Anleger hält.

2.1.2 Alternative Investments

Auf der anderen Seite sind als aktivistische Anleger die alternativen Investments, also Hedgefonds und Private Equity Fonds anzuführen. Diesen beiden Anlegern ist gemein, dass sie aufgrund verschiedener Eigenschaften andere Voraussetzungen für Strategien der aktiven Unternehmensbeeinflussung und andere Anreize haben.[13] Auch hierzu er­folgt im zweiten Abschnitt eine genauere Betrachtung. Zuvor allerdings gilt es zu klä­ren, was genau ein Hedgefonds ist und wodurch sich Private Equity Fonds auszeichnen.

Eine rechtliche Definition von Hedgefonds hat seitens der finanzregulierenden Behör­den noch nicht stattgefunden.[14] Es lässt sich jedoch festhalten, dass Hedgefonds Institu­tionen sind, die eingezahltes Kapital eines exklusiven Investorenkreises verwalten. In der Regel sind nicht mehr als 99 Investoren an einem Hedgefonds beteiligt. Das In­vestment in eine solche Kapitalanlage ist dadurch, dass ein öffentlicher Handel nicht stattfindet umso exklusiver.[15] Der Investorenkreis setzt sich sowohl aus institutioneilen Anlegern, wie Pensionsfonds, aber auch aus wohlhabenden Privatleuten zusammen, die einen Teil ihres Vermögens profitabel anlegen wollen.[16]

Hedgefonds unterscheiden sich in mehreren Merkmalen von den zuvor beschriebenen traditionellen institutioneilen Anlagen. Zum einen gibt es aufgrund des eingeschränkten Anlegerkreises kaum Regulierungsrestriktionen, die Liquiditätsreserven, Diversifikati­on, Managervergütung oder Ähnliches signifikant limitieren würden. Zum anderen wird das von den Anlegern eingezahlte Kapital professionellen Hedgefonds-Managern unter der Maßgabe der Renditemaximierung überlassen.[17] Nicht selten wird der Anreiz des Managers hierzu noch dadurch gesteigert, dass er Teile seines Privatvermögens eben­falls eingezahlt hat.[18] Auch kann im Vergleich zu den institutioneilen Anlegern festge­stellt werden, dass der Aktivismus bei Hedgefonds ex ante stattfindet und strategisch geplant wird. Das Investment in Unternehmensanteile oder Derivative muss also ten­denziell nach einem Plan erfolgen, der durch die Strategie des Aktivismus vorgegeben ist.[19] Intuitiv liegt der Schluss nahe, dass durch ihre Ausrichtung hin zur Gewinnmaxi­mierung, die Hedgefonds eine stärkere Tendenz zu aktivistischem Verhalten an den Tag legen. Diese Annahme wird in Kapitel 2.2 näher untersucht.

Alle bereits über Hedgefonds aufgeführten Punkte treffen auch aufPrivate Equity Fonds zu. Sie unterscheiden sich zu Hedgefonds im Wesentlichen durch einige Punkte, die im Folgenden beschrieben werden.[20]

Private Equity Fonds legen ihren Investment-Fokus eher auf außerbörslich gehandelte Unternehmen und streben Mehrheitsbeteiligungen an, wohingegen Hedgefonds sich mit Minderheitsbeteiligungen in regulär gehandelten Unternehmen begnügen.[21] Zusätzlich ist der Anlagehorizont, der beide Anlegertypen auszeichnet unterschiedlich. Die Halte­dauer von Anlagetiteln ist bei Private Equity Fonds mit drei bis sieben Jahren wesent­lich höher als der mittlere Anlagehorizont bei Hedgefonds.[22] Bei Hedgefonds liegt die mittlere Anlagedauer bei circa zwei Jahren.[23]

Da Aktivismen bei Hedgefonds aufgrund ihrer Aktivitäten am Börsenmarkt besser nachvollzogen werden können und die beiden Anlageformen sich im Übrigen sehr ähn­lich sind, wird der Fokus dieser Arbeit im Folgenden auf Hedgefonds als Vertreter der Gruppe der alternativen Investments liegen.

Der nächste Abschnitt hat das Ziel, die Voraussetzungen der hier vorgestellten Anleger für Shareholder-Aktivismus genauer zu beleuchten und Anreize oder Hemmnisse, die das Aktivwerden als Anteilseigner fördern oder beeinträchtigen, aufzuzeigen und zu vergleichen.

2.2 Voraussetzungen verschiedener Aktivisten im Vergleich

Um ein grundlegendes Verständnis für aktivistische Shareholder zu bekommen, muss zuerst das Prinzipal-Agenten-Modell näher betrachtet werden. Dieses beschreibt die Situation, wenn zwei Parteien ein Vertragsverhältnis eingehen bei dem eine Partei (Agent) im Auftrag einer anderen Partei (Prinzipal) aktiv wird. Der Agent hat direkten Einfluss auf ein Resultat, das dem Prinzipal zusteht. Im Interesse des Prinzipals liegt zum Einen, dass der Agent den Vertrag akzeptiert und zum anderen, dass der Nutzen, den er aus der Leistung des Agenten zieht, maximiert wird.[24] Dieses Verhältnis führt zu verschiedenen Konflikten. Unter der Annahme der individuellen Nutzenmaximierung möchte nicht nur der Prinzipal, sondern auch der Agent aus seiner Tätigkeit das beste Resultat erzielen. Deshalb muss der Prinzipal darauf achten, dass der Vertrag so ausge­staltet ist, dass das für ihn optimale Ergebnis erreicht wird, wenn auch der Agent seinen Nutzen maximiert.[25]

Dies kann sehr anschaulich am Beispiel eines an der Börse gehandelten Unternehmens erläutert werden.[26] Prinzipale sind in diesem Fall die Investoren, denen Anteile am Un­ternehmen in Form von Aktien gehören. Der Agent ist der Vorstand des Unternehmens, der von den Anteilseignern eingesetzt ist, um es erfolgreich und zur Maximierung des Shareholder Values zu führen. Eigentum und Kontrolle sind also voneinander losge­löst.[27] Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der das Unternehmen kontrollie­rende Vorstand tatsächlich solche Entscheidungen trifft, die den Nutzen der Anteilseig­ner maximieren. Die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik ist bei dieser Konstruktion für die Prinzipale beschränkt. Operative Entscheidungen werden vom Vorstand getroffen und die Einbringung eines Stimmrechts zu bestimmten Punkten ist nur einmal im Jahr auf der Jahreshauptversammlung möglich. Zudem hängt der Ein­fluss des Stimmrechts von der Größe des Aktienanteils und von der Stimmrechtsnut­zung der anderen Aktionäre ab.[28]

Anhand dieses Beispiels können die Rollen bei einem Shareholder-Aktivismus klar de­finiert werden. Demnach sind aktivistische Investoren im Prinzip nichts anderes als Prinzipale, die bestrebt sind ihren Nutzen, den Shareholder Value, zu vergrößern.[29] Der Vorstand des Unternehmens ist als Agent dazu eingesetzt dies für die Investoren zu er­reichen. Entsteht aber der Verdacht, dass die Unternehmenspolitik das Ziel des Prinzi­pals, dessen Nutzen zu maximieren verfehlt, ist der Anreiz für einen Aktivismus gege­ben. Nun genügt es den Anteilseignern nicht mehr ihr Stimmrecht nur auf der Hauptver­sammlung wahrzunehmen, sondern sie nutzen verschiedene Strategien dazu, die Unter­nehmenspolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen.[30] Bei dieser Betrachtung kann davon ausgegangen werden, dass ein Shareholder-Aktivismus allen Agenten nutzt, da alle An­teilseigner durch einen gestiegenen Shareholder Value profitieren würden. Ob dies in allen Fällen so ist, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit kritisch beleuchtet. Außerdem wird zu erörtern sein, ob der Effekt der Steigerung des Shareholder Values durch den Aktivismus nachhaltig ist und somit wirklich allen Agenten, unabhängig vom Anlage­horizont, zugutekommt. Zuerst aber wird herausgestellt, welche Shareholder, aus der im ersten Abschnitt aufgeführten Auswahl, sich am besten für aktivistisches Verhalten eig­nen.

Als erstes werden hierbei die rechtlichen Voraussetzungen beleuchtet. Wie bereits im ersten Teil angedeutet, entziehen sich Hedgefonds den meisten Regulierungsvorschrif­ten, die für die traditionellen institutioneilen Anleger gelten. Das US-Amerikanische Gesetz zur Regulierung von Investment Gesellschaften, der Investment Company Act von 1940 beschränkt Investment Gesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen im Hinblick auf ihren Hebel, Leerverkäufe, Kapitalverflechtungen, Kapitalstreuung, Mana­gementvergütung und die Nutzung von Finanzderivaten.[31] Diese Vorschriften gelten für Hedgefonds nicht, da die Anzahl ihrer Anleger auf maximal 99 beschränkt ist und eine Beteiligung nur für erfahrene Investoren möglich ist, die eine hohe Summe an Kapital investieren.[32] Solche Voraussetzungen werden von traditionellen institutioneilen Anle­gern nicht erfüllt, dementsprechend gelten für sie die oben genannten Beschränkun­gen.[33] Die daraus resultierende relative Freiheit von Vorschriften gibt Hedgefonds im Vergleich zu traditionellen institutioneilen Anlegern Vorteile verschiedenster Art, wenn es um Shareholder-Aktivismus geht.[34]

Eine wichtige Komponente hierbei ist die Managementvergütung, denn das Manage­ment ist verantwortlich für die Wertentwicklung des Fondsvermögens und entscheidet über einen eventuellen Shareholder-Aktivismus. Je nachdem wie die Gebührenstruktur eines Fonds beschaffen ist, entsteht eine stärkere oder schwächere Tendenz für das Ma­nagement einen Aktivismus einzugehen.[35]

Bei Hedgefonds-Managern ist die Vergütung stark performanceabhängig. Die gängige Gebührenstruktur bei einem Hedgefonds entspricht dem „2 and 20 Model“.[36] Das be­deutet, dass die Anteilseigner am Hedgefonds-Vermögen zwei Prozent an Gebühren auf das eingezahlte Kapital entrichten und zwanzig Prozent auf den erwirtschafteten Ge­winn. Vor dem Hintergrund des Prinzipal-Agenten-Modells, das in diesem Zusammen­hang wieder angewendet werden kann, handelt demnach der Manager des Hedgefonds als Agent für die Anteilseigner. Das Ziel der Kapitalgeber ist eine Maximierung ihres Gewinns. Der Anreiz für den Manager dies zu erreichen wird dadurch geschaffen, dass er in großem Umfang am Gewinn beteiligt wird. Der Manager ist also bestrebt, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, damit er seinen persönlichen Nutzen maximieren kann.[37]

Bei traditionellen institutioneilen Investoren ist die Gebührenstruktur anders. Hier steht nicht die Performance, sondern das verwaltete Fondsvermögen im Vordergrund. Die Manager eines solchen Investors sind also primär daran interessiert, neues Kapital zu generieren um ihre Vergütung zu maximieren.[38] Indirekt profitieren die Manager zwar von einer guten Performance, da dadurch der Anreiz für Neukunden größer ist, in den Fonds zu investieren und das Fondsvermögen gesteigert werden kann, direkt haben sie jedoch keinen Vorteil durch einen besonders hohen Gewinn.

Diese Gebührenstrukturen machen deutlich, dass Manager von Hedgefonds einen we­sentlich höheren Anreiz dazu haben, einen Shareholder-Aktivismus einzugehen. Poten­tielle Erträge durch den Aktivismus kommen direkt dem Manager zugute, was bei tradi­tionellen institutioneilen Anlegern, deren Manager nur durch ein gesteigertes Fonds­vermögen profitieren, nicht der Fall ist. Da es aber viele institutioneile Anleger mit ähn­lichen Portfoliostrukturen auf dem Markt gibt, würde eine Performancesteigerung durch einen Shareholder-Aktivismus konkurrierenden Anbietern ebenfalls zugutekommen. Diese sogenannte Free-Riding-Situation schmälert die Gehaltssteigerung des Managers durch Neukundengewinnung.[39] Die potentiellen Erträge eines Aktivismus weichen also stark zu Gunsten der Hedgefonds voneinander ab. Werden nun noch der dadurch entste­henden Zeit- und Verhandlungsaufwand sowie direkte Anwalts- und Expertenkosten, die in verschiedenen Bereichen entstehen, in Betracht gezogen, so wird ersichtlich, dass der Anreiz für einen Shareholder-Aktivismus bei Hedgefonds-Managern wesentlich höher ist.[40]

Auch die Voraussetzungen bezüglich Anlagevorschriften sind bei Hedgefonds günsti­ger. Traditionelle institutioneile Anleger unterliegen bestimmten Diversifikationsaufla­gen. Für US-Amerikanische Investmentfonds zum Beispiel gilt eine ähnliche Vorschrift wie für deutsche Anleger.[41] Diese besagt, dass ein Investor maximal zehn Prozent der ausgegebenen Aktien eines Unternehmens auf sich vereinigen und dabei nicht mehr als fünf Prozent seines eigenen Kapitals in diese Anlage stecken darf.[42]

[...]


[1] Vgl. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/uebemahmen-hedgefonds- nehmen-europas-grosskonzerne-ins-visier-seite-all/8844074-all.html

[2] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 10.05.2005 S. 15.

[3] Vgl. Hu/Black (2006) S.lOllff.

[4] Vgl. Klein/Zur (2009) S.188.

[5] Vgl. Heuser (2012) S.7ff.

[6] Vgl. Rubach (1999) S.l.

[7] Vgl. Kahan/Rock (2007) S.1042.

[8] Vgl. Code of Federal Regulations Part 240 - General Rules and Regulations, Securities Exchange Act of 1934, §240.14a-8.

[9] Vgl. Gillan/Starks (2000) S.279.

[10] Vgl. Rubach (1999) S.19.

[11] Vgl. Rubach (1999) S.19.

[12] Vgl. Smith (1996) S.231f.

[13] Vgl. Klein/Zur (2009) S.189f.

[14] Vgl. Cumming/Dai/Johan (2013) S.2.

[15] Vgl. Cumming/Dai/Johan (2013) S.2.

[16] Vgl. Heuser (2012) S.15.

[17] Vgl. Heuser (2012) S.15.

[18] Vgl. Wentrup (2009) S. 44.

[19] Vgl. Kahan/Rock (2007) S. 1069.

[20] Vgl. Heuser (2012) S.15.

[21] Vgl. Faber (2009) S.219, S. 222.

[22] Vgl. Heuser (2012) S.16.

[23] Vgl. Drerup (2012) S.2ff.

[24] Vgl. Cvitanic/Zhang (2012) S.3.

[25] Vgl. Cvitanic/Zhang (2012) S.3.

[26] Vgl. Eidenmüller (2001) S.1041ff.

[27] Vgl. Rubach (1999) S.10.

[28] Vgl.Rubach(1999) S.10.

[29] Vgl. Heuser (2012) S.47.

[30] Vgl. Brav/Jiang/Thomas/Partnoy (2008) S.1743.

[31] Vgl. Cumming/Dai/Johan (2013) S.2.

[32] Vgl. Klein/Zur (2009) S.190.

[33] Vgl. Brav/Jiang/Thomas/Partnoy (2008) S.1743.

[34] Vgl. Gantchev (2013) S. 611.

[35] Vgl. Kahan/Rock (2008) S.1051.

[36] Vgl. Cumming/Dai/Johan (2013) S.2f.

[37] Vgl. Brav/Jiang/Thomas/Partnoy (2008) S.1735.

[38] Vgl. Kahan/Rock (2008) S.1050f.

[39] Vgl. Kahan/Rock (2007) S.1065f.

[40] Vgl. Gantchev (2012) S.611.

[41] Vgl. Heuser (2012) S.9.

[42] Vgl. Kahan/Rock (2007) S.1049f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Hedgefonds als Shareholder-Aktivisten. Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Universität zu Köln  (Lehrstuhl für Corporate Finance)
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
36
Katalognummer
V343038
ISBN (eBook)
9783668332874
ISBN (Buch)
9783668332881
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corporate Finance, Shareholder Aktivismus, Private Equity, Hedgefunds
Arbeit zitieren
Julian Anschütz (Autor), 2013, Hedgefonds als Shareholder-Aktivisten. Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343038

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