Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (nachfolgend GmbH genannt) ist mit über 800.000 Gesellschaften die in Deutschland am meisten gewählte Rechtsform. Seit 2003 ist es jedoch durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur „Inspire Art“ zu einem rasanten Anstieg der Gründungszahlen der englischen Private Company Limited by Shares (nachfolgend Limited genannt) gekommen. Grund dafür ist, dass die Limited massiv beworben wirbt. Anbieter bewerben die englische Limited mit plakativen Aussagen wie „eine schnelle Gründung ohne nennenswertes Gründungskapital und dennoch eine Haftungsbeschränkung“. Daneben werden in der Werbung weitere Vorzüge der Limited wie Steuervorteile oder einfaches Gesellschaftsrecht gegenüber der deutschen GmbH angepriesen.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es zu untersuchen, ob die englische Limited tatsächlich eine sinnvolle Alternative zur deutschen GmbH darstellt. Dazu werden insbesondere die Haftungsregeln für die Gesellschafter und Geschäftsführer / Direktoren sowie die Besteuerung der Gesellschafter beider Rechtsformen miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau dieser Arbeit
2. Grundlagen der Rechtsformen
2.1 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
2.2 Private Company Limited by Shares (Limited)
2.2.1 Die Limited im Überblick
2.2.2 Die Limited in Deutschland
3. Vergleich zwischen Limited und GmbH
3.1 Haftung
3.1.1 Haftungsregeln für Gesellschafter
3.1.2 Haftungsregeln für Geschäftsführer und Direktoren
3.2 Besteuerung von in Deutschland ansässigen Gesellschaftern
3.3 Zusammenfassung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die englische Limited eine tatsächlich sinnvolle Alternative zur deutschen GmbH darstellt. Der Fokus liegt dabei auf einem direkten Vergleich der Haftungsrisiken für Gesellschafter und Geschäftsführer bzw. Direktoren sowie der steuerlichen Behandlung von in Deutschland ansässigen Gesellschaftern, um die Attraktivität der Limited vor dem Hintergrund gängiger Werbeversprechen zu prüfen.
- Analyse der gesetzlichen Grundlagen der GmbH und der Limited.
- Gegenüberstellung der Haftungsregeln für Gesellschafter und Geschäftsführer.
- Untersuchung der steuerlichen Situation bei in Deutschland ansässigen Gesellschaftern.
- Kritische Bewertung der Gründungs- und Verwaltungskosten.
- Einordnung der Rechtsprechung (EuGH und BGH) zur Anerkennung ausländischer Rechtsformen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Haftungsregeln für Geschäftsführer und Direktoren
Grundsätzlich wird bei der Haftung des Geschäftsführers oder des Direktors zwischen der sogenannten Innenhaftung (d.h. Haftung gegenüber der Gesellschaft im Innenverhältnis) und der Außenhaftung (d.h. Haftung gegenüber Dritten) unterschieden. Die Haftung im Innenverhältnis der Gesellschaft wirkt sich ebenfalls zum Vorteil der Gläubiger aus.
Die Innenhaftung wird in § 43 GmbHG geregelt. Gemäß § 43 Abs. 1 GmbHG haben die Geschäftsführer „in den Angelegenheiten der Gesellschaft die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes anzuwenden.“ Verletzt er diese Sorgfalt und die damit verbundenen Pflichten, so hat haftet er gemäß § 43 Abs. 2 GmbHG für den hierdurch entstandenen Schaden. Bei mehreren Geschäftsführern, sind diese solidarisch zur Haftung verpflichtet. Die Haftung des Geschäftsführers ist dann ausgeschlossen, wenn er einen Beschluss der Gesellschafterversammlung Folge geleistet hat. Eine Ausnahme bildet die Bestimmung in § 43 Abs. 3 S. 3 GmbHG, bei der die Geschäftsführer auch bei Weisung der Gesellschafterversammlung haften, wenn der Ersatz zur Befriedigung der Gläubiger der Gesellschaft notwendig ist. Dies gilt gemäß § 43 Abs. 3 S. 1 GmbHG insbesondere dann, wenn der Geschäftsführer gegen das Auszahlungsverbot des § 30 GmbHG verstoßen oder dem § 33 GmbHG zuwider eigene Geschäftsanteile der Gesellschaft erworben hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Thema: Hinführung zum Thema, Darstellung der Relevanz der Limited nach EuGH-Rechtsprechung und Definition der Forschungsfrage.
2. Grundlagen der Rechtsformen: Erläuterung der Struktur, Gründung und Organe von GmbH und Limited inklusive der rechtlichen Besonderheiten bei einer Tätigkeit in Deutschland.
3. Vergleich zwischen Limited und GmbH: Detaillierte Gegenüberstellung der Haftungsregeln und steuerlichen Aspekte sowie eine tabellarische Zusammenfassung.
4. Fazit: Kritische Beantwortung der Ausgangsfrage unter Berücksichtigung der Haftungsrisiken, Kosten und steuerlichen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
GmbH, Limited, Haftung, Geschäftsführer, Direktor, Rechtsform, Gesellschaftsrecht, Unternehmensrecht, Durchgriffshaftung, Besteuerung, Kapitalerhaltungsgrundsatz, Gläubigerschutz, Firmengründung, Kapitalgesellschaft, EuGH-Rechtsprechung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die englische Private Company Limited by Shares als potenzielle Alternative zur deutschen GmbH und prüft deren Vor- und Nachteile.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Haftungsregeln für Organe und Gesellschafter, steuerrechtliche Konsequenzen für in Deutschland ansässige Gesellschafter und die rechtliche Anerkennung ausländischer Rechtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Limited eine sinnvolle Alternative zur GmbH darstellt oder ob die in der Werbung oft angepriesenen Vorteile bei näherer Betrachtung hinfällig sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer rechtlichen Analyse unter Einbeziehung von Gesetzestexten, Fachliteratur und relevanter Rechtsprechung des EuGH sowie des Bundesgerichtshofs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Grundlagenbetreuung beider Rechtsformen und einen anschließenden detaillierten Vergleich der Haftungsrisiken und der Besteuerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind GmbH, Limited, Haftung, Geschäftsführer, Direktor und Besteuerung.
Welchen Stellenwert nimmt die Rechtsprechung im Dokument ein?
Die Rechtsprechung, insbesondere die Urteile des EuGH zur „Inspire Art“ und die Reaktion des BGH dazu, bilden das Fundament für die Anerkennung der Limited in Deutschland.
Wie bewertet der Autor die steuerlichen Vorteile der Limited?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland keine steuerlichen Vorteile gegenüber einer GmbH bestehen, da deutsches Steuerrecht Anwendung findet.
- Quote paper
- Bachelor of Engineering Dennis Kraft (Author), 2016, Die englische Limited als Alternative zur deutschen GmbH?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343040