Das Phänomen der schrumpfenden Stadt wurde in den 1970er Jahren noch kommunalpolitisch ignoriert. Gegenwärtig hat sich der Stadtentwicklungstyp "schrumpfende Stadt" seit mehr als 30 Jahren in Ostdeutschland ausgeweitet. Unabhängig von der Lage, Größe, wirtschaftlichen Basis, Geschichte und des administrativen Status, zeigen sich wirtschaftliche und soziale Folgen der Wende fast überall in Deutschland. Das Phänomen "Schrumpfung" hat sich dabei seit der Wende zu einem dauerhaften Problem entwickelt. Der mit der Wende einher gehende wirtschaftliche Strukturwandel, führte zu massiver Arbeitslosigkeit, massivem Bevölkerungsrückgang und einer Deurbanisierung.
In meiner Hausarbeit werde ich im Zusammenhang mit dem ostdeutschen Transformationsprozess von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft und den daraus resultierenden Veränderungen auf den öffentlichen Raum, der Frage nach Konzepten gegen Stadtschrumpfung nachgehen. Diese Analyse nach Konzepten dürfte für das Thema deshalb relevant sein, da sich ostdeutsche Städte kaum noch durch Zuzüge oder eigenen Nachwuchs reproduzieren. Hierbei stellt sich auch die Frage nach der Perspektive ostdeutscher Städte, deren Bürger mehrheitlich alt sind und immer älter werden.
Ob die Konzepte das Problem der Stadtschrumpfung erfolgreich lösen können oder ob es damit lediglich bei einem Versuch bleibt, diesem Problem entgegenzuwirken, wird im Zuge meiner Ausführungen näher beleuchtet. Im Verlauf meines Essays möchte ich nach der Erläuterung der Transformationsprozesse in Ostdeutschland und der Konzepte gegen die Stadtschrumpfung, die Folgen für den öffentlichen, innerstädtischen Raum aufzeigen. Hierbei möchte ich mit der These arbeiten, dass Städte sich dezentral entwickeln, transformieren und die Gestalt von Landschaften annehmen. Hierzu werde ich am Beispiel der sächsisch-anhaltischen Stadt Wolfen-Bitterfeld argumentieren. Die daraus entstanden physischen und sozialräumlichen Folgen, welche ich dabei beschreiben werde, sollen den abschließenden Rahmen bilden, um die These der Dezentralisierung zu belegen und die Bedeutung des Verlustes an innerstädtischem Leben und damit an öffentlichem Raum zu verdeutlichen.
Gliederung
1. Vorhaben und Themenschwerpunkte
2. Ausgangspunkt und Relevanz des Themas
3. Transformationsprozesse in Ostdeutschland nach 1989
4. Konzepte gegen Stadtschrumpfung
5. Folgen der Stadtschrumpfung für den öffentlichen Raum
5.1 Dezentralisierung der Städte nach Wolfgang Kaschuba
5.2 Sozialräumliche Folgen der Schrumpfung am Beispiel Wolfen
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformationsprozesse des öffentlichen Raums infolge der Stadtschrumpfung in Ostdeutschland, wobei am Beispiel der Stadt Wolfen kritisch hinterfragt wird, wie sich diese Prozesse auf die Lebensqualität und die städtische Struktur auswirken.
- Analyse des ostdeutschen Transformationsprozesses seit 1989.
- Kritische Beleuchtung stadtplanerischer Konzepte wie des "Stadtumbaus".
- Untersuchung der Dezentralisierung der Stadtgesellschaft und ihrer Folgen.
- Darstellung sozialräumlicher Veränderungen anhand der Stadt Wolfen-Bitterfeld.
- Diskussion des Begriffs der Zentralität im Kontext schrumpfender Urbanität.
Auszug aus dem Buch
5.2 Sozialräumliche Folgen der Schrumpfung am Beispiel Wolfen
Im gegenwärtigen Schrumpfungsprozess der ehemals eigenständigen, in Sachsen-Anhalt befindlichen Stadt Wolfen, findet Wohnen zwischen Aufwertung und Investitionsstillstand statt. Mit dem Schrumpfungsprozess vor Ort ist ein Anwachsen von Wohnungsleerständen verknüpft, welcher die Rahmenbedingungen für Aufwertungen veränderte. Verbesserungen in die Wohnqualität fanden Ende der 1990-er Jahre ein Ende (Peter 2009: 128).
Seitdem lag die Konzentration auf der Reduzierung von Wohnbeständen seitens der Stadtplaner. Zunehmender Leerstand und begrenzte Handlungsmöglichkeiten der Vermieter gelten als Ursachen für eine begrenzte Zukunft der Wohngebiete.
Auf Seiten der Mieter besteht in der Wohnproblematik eine Ambivalenz. Auf der einen Seite sind Investitionen in den Wohnbestand dringend notwendig, auf der anderen Seite besteht die Angst vor einem dafür notwendigen Abriss und einer Mieterhöhung infolge einer Aufwertung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorhaben und Themenschwerpunkte: Einführung in das Phänomen der schrumpfenden Stadt und Erläuterung der Zielsetzung der Hausarbeit im Kontext ostdeutscher Transformationsprozesse.
2. Ausgangspunkt und Relevanz des Themas: Einordnung der Stadtschrumpfung als Forschungsgegenstand der Stadtsoziologie und Begründung der Problematik.
3. Transformationsprozesse in Ostdeutschland nach 1989: Analyse des wirtschaftlichen Strukturbruchs von der Plan- zur Marktwirtschaft und dessen demografische Folgen.
4. Konzepte gegen Stadtschrumpfung: Kritische Betrachtung des Stadtumbaus als politisches Instrument zur Bereinigung des Wohnungsmarktes.
5. Folgen der Stadtschrumpfung für den öffentlichen Raum: Untersuchung der städtischen Fragmentierung und der realen Auswirkungen auf das Leben der Bewohner.
5.1 Dezentralisierung der Städte nach Wolfgang Kaschuba: Theoretische Auseinandersetzung mit der These der dezentralen Stadtentwicklung im Gegensatz zum klassischen Zentralitätsbegriff.
5.2 Sozialräumliche Folgen der Schrumpfung am Beispiel Wolfen: Konkrete Analyse der Wohnsituation und der Infrastrukturveränderungen in Wolfen-Bitterfeld.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der urbanen Transformation und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Stadt.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen.
Schlüsselwörter
Stadtschrumpfung, Ostdeutschland, öffentlicher Raum, Stadtumbau, Transformation, Wolfen-Bitterfeld, Dezentralisierung, Stadtsoziologie, Wohnungsleerstand, demografischer Wandel, Sozialräumlichkeit, Lebensqualität, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den Transformationsprozessen des öffentlichen Raums in ostdeutschen Städten, die durch den Prozess der Stadtschrumpfung nach der Wende stark geprägt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der wirtschaftliche Strukturwandel, die stadtplanerischen Reaktionen auf Schrumpfung, die Dezentralisierung von Stadtstrukturen und die Auswirkungen dieser Prozesse auf die soziale Lebenswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gültigkeit von Zentralitätstheorien im Kontext schrumpfender Städte zu prüfen und die realen Konsequenzen für die Bewohner am Beispiel von Wolfen-Bitterfeld aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer fallbezogenen Untersuchung, bei der stadtsoziologische Theorien auf die aktuelle Situation in Wolfen angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Transformationsbedingungen nach 1989, die Kritik am Stadtumbauprogramm, die theoretische Dezentralisierungsthese nach Kaschuba und die spezifischen sozialen sowie räumlichen Folgen in der Untersuchungsstadt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Stadtschrumpfung, öffentliche Räume, struktureller Wandel, Fragmentierung und städtische Lebensqualität charakterisiert.
Warum wird Wolfen als Fallbeispiel herangezogen?
Wolfen dient als exemplarisches Beispiel für eine Stadt, in der sowohl der Wohnungsleerstand als auch der Verlust an sozialer Infrastruktur und die Dezentralisierung der städtischen Einheiten deutlich sichtbar sind.
Welches Fazit zieht der Autor zur "Zentralität" der Stadt?
Das Fazit stellt fest, dass die untersuchte Stadt Wolfen-Bitterfeld nicht mehr der klassischen Definition der Zentralität nach Lefebvre entspricht, sondern sich durch Schrumpfungsprozesse räumlich parzelliert und dezentralisiert.
- Citation du texte
- Fabian Schönrock (Auteur), 2014, Transformationsprozesse des öffentlichen Raums im Kontext der Stadtschrumpfung in Ostdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343099