Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Region: Other States

Das kanadische Wahl- und Parteiensystem: die begünstigte Entwicklung eines Vielparteiensystems durch die relative Mehrheitswahl?

Title: Das kanadische Wahl- und Parteiensystem: die begünstigte Entwicklung eines Vielparteiensystems durch die relative Mehrheitswahl?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 45 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Grasser (Author)

Politics - Region: Other States
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

[...] Kanadas bis dahin drittes Parteiensystem – in Kanada als 2 ½ Parteiensystem bekannt – widerfuhr eine Transformation in ein Vielparteiensystem mit fünf zumeist regional konzentrierten Parteien. Die regionale Fragmentierung dieses Parteiensystems ging einher mit der unausweichlichen Tatsache, dass sich die Parteien regionale Wählerbasen schufen, um sowohl ihr Überleben zu sichern als auch den Einzug ins House of Commons überhaupt zu realisieren. Das Ende der bis dahin praktizierten pan-Canadian politics zeigte auf, dass diese Politik Kanada nicht weiter einte, sondern tiefer spaltete. Es liegt in seinem eigenen System selbst verankert, dass das kanadische Wahlsystem zu einem gewissen Grade sowohl die Entstehung regional konzentrierter Parteien begünstigt als auch diese Parteien bei der Sitzvergabe bevorzugt behandelt.
Die Gründe für eine derartige ungleiche Behandlung einiger Parteien wie auch für die angesprochene, höchste je ausgemachte voter volatility sind vielfach und sollen im Folgenden auch analysiert werden.
Diese Arbeit zeigt daher das kanadische Wahl- als auch das Parteiensystem auf und untersucht in diesem Zusammenhang die Interdependenzen zwischen diesen Systemen. Sie analysiert die Diskrepanzen einer relativen Mehrheitswahl, welche in einer heterogenen Gesellschaft wie Kanada ihre stabilisierenden Funktionen verliert und bezieht hierbei auch die Historie und die Wahlergebnisse der Bundesparteien Kanadas mit ein. Die Regionalisierung und Fragmentierung der einzelnen Parteien werden ebenso dargestellt wie die Fluktuationen bzw. die Veränderungen des kanadischen Parteiensystems seit der Confederation. Die Frage, inwiefern das Wahlsystem die Entstehung eines Vielparteiensystems bedingt, wird ebenso behandelt wie weitere Faktoren, welche dazu beitragen. Diese Arbeit steht im Kontext der Bundesparteien und der kanadischen Bundespolitik, welche sich im großem Maße von den Provinzparteien und den Provinzpolitiken abhebt. Auf letztere kann daher im Umfang dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. DIE KANADISCHE BUNDESWAHL 1993 ALS GEBURTSSTUNDE EINES VIELPARTEIENSYSTEMS

2. HISTORISCHER UND POLITISCHER HINTERGRUND DER POLITISCHEN KULTUR KANADAS

2.1. Geschichte Kanadas

2.2. Politisches System Kanadas

3. KANADAS WAHLSYSTEM

3.1. Wahlsysteme im Überblick

3.2. Kanadas relative Mehrheitswahl: first-past-the-post

3.3. Probleme durch die relative Mehrheitswahl

3.4. Diskussion der Wahlsystemänderung in Kanada: Vorschlag der Einführung eines mixed-member-proportional Systems

4. DAS KANADISCHE PARTEIENSYSTEM

4.1. Parteiensysteme und Klassifizierungen von Parteien

4.2. Kanadische Parteienregistrierung

4.3. Historie, Entwicklung und Darstellung der aktuell im House of Commons vertretene Parteien sowie deren direkte Vorgänger

4.3.1. Liberal Party of Canada

4.3.2. Konservative Parteien

4.3.2.1. Die Progressive Conservatives

4.3.2.2. Von der Reform Party zur Canadian Alliance

4.3.2.3. Die Fusion der Progressive Conservatives und der Canadian Alliance zur neuen Conservative Party of Canada

4.3.3. Die New Democrats

4.3.4. Der Bloc Quebecois und weitere separatistische Parteien

4.4. Die regionale Fragmentierung der Parteien im vierten Parteiensystem

4.5. Die Transformationsprozesse der kanadischen Parteiensysteme

4.5.1. Vom 2-Parteiensystem zum 5-Parteiensystem

4.5.1.1. Das 2-Parteiensystem nach dem British North America Act

4.5.1.2. Drittparteien im 2-party-dominant Parteiensystem

4.5.1.3. Die NDP als Sprachrohr des Westens im 2-and-a-half Parteiensystem

4.5.1.4. Die Regionalisierung der Parteienlandschaft und der Zusammenbruch des dritten Parteiensystems

4.5.2. Die Veränderung des Föderalismus im Wandel der Parteiensysteme

5. DARSTELLUNG DER INTERDEPENDENZEN VON WAHL- UND PARTEIENSYSTEM ANHAND DER ANALYSE VERGANGENER WAHLEN

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das kanadische Wahl- und Parteiensystem sowie die Interdependenzen zwischen diesen beiden Systemen vor dem Hintergrund einer heterogenen Gesellschaft. Ziel ist es zu analysieren, wie die relative Mehrheitswahl in Kanada die Entwicklung eines fragmentierten Vielparteiensystems begünstigt hat und welche Rolle historische Transformationsprozesse dabei spielten.

  • Analyse der Wirkungsweise der relativen Mehrheitswahl (first-past-the-post) in Kanada.
  • Untersuchung der regionalen Fragmentierung des Parteiensystems seit 1993.
  • Darstellung der historischen Entwicklung und Transformation der großen Parteien und Parteiensysteme.
  • Diskussion von Reformvorschlägen wie dem mixed-member-proportional System.
  • Einfluss des Föderalismus auf die Parteienlandschaft und die regionale politische Kultur.

Auszug aus dem Buch

1. DIE KANADISCHE BUNDESWAHL 1993 ALS GEBURTSSTUNDE EINES VIELPARTEIENSYSTEMS

Die kanadische Politikwissenschaft hat die Bundeswahl von 1993 mit einer der bedeutendsten Wahlen der Nachkriegszeit verglichen und erwähnt sie stets mit dem bezeichnenden Zusatz als „biggest democratic earthquake yet recorded“, als bedeutendstes bis dahin verzeichnetes, demokratisches Erdbeben. Dies tut sie nicht, weil zwei noch junge Parteien erstmals die Politbühne in Ottawa betraten und auch nicht, weil zwei bis dahin etablierte Parteien um ihr politisches Erbe rangen: die neu gegründeten Reform Party und der Bloc Quebecois wurden die beiden stärksten Parteien nach der Liberal Party, während der Regierungspartei, den Progressive Conservatives, und den New Democrats ihre Wählerbasen und ihr offizielles Parteienstatut im House of Commons entrissen wurden.

Die Bezeichnung geht auf die bis dahin höchste voter volatility zurück, welche die Politologen Bartolini und Mair in mehr als 300 nationalen Wahlen ausmachen konnten (vgl. Carty 2000: S.32). Die bis dahin regierenden Progressive Conservatives wurden auf lediglich 2 Sitze reduziert, die als bis zu dieser Wahl als einzige Drittpartei etablierten New Democrats erlebten den schmerzlichsten Wählerverlust ihrer damals 30jährigen Geschichte.

Kanadas bis dahin drittes Parteiensystem – in Kanada als 2 ½ Parteiensystem bekannt – widerfuhr eine Transformation in ein Vielparteiensystem mit fünf zumeist regional konzentrierten Parteien. Die regionale Fragmentierung dieses Parteiensystems ging einher mit der unausweichlichen Tatsache, dass sich die Parteien regionale Wählerbasen schufen, um sowohl ihr Überleben zu sichern als auch den Einzug ins House of Commons überhaupt zu realisieren. Das Ende der bis dahin praktizierten pan-Canadian politics zeigte auf, dass diese Politik Kanada nicht weiter einte, sondern tiefer spaltete. Es liegt in seinem eigenen System selbst verankert, dass das kanadische Wahlsystem zu einem gewissen Grade sowohl die Entstehung regional konzentrierter Parteien begünstigt als auch diese Parteien bei der Sitzvergabe bevorzugt behandelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. DIE KANADISCHE BUNDESWAHL 1993 ALS GEBURTSSTUNDE EINES VIELPARTEIENSYSTEMS: Dieses Kapitel führt in die historische Zäsur der Wahl von 1993 ein, die das kanadische Parteiensystem fundamental transformierte und die Ära der pan-Canadian politics beendete.

2. HISTORISCHER UND POLITISCHER HINTERGRUND DER POLITISCHEN KULTUR KANADAS: Es werden die zentralen historischen Konfliktlinien (cleavages) sowie das politische System Kanadas beleuchtet, die als Grundlage für das Verständnis der Parteienstruktur dienen.

3. KANADAS WAHLSYSTEM: Dieses Kapitel analysiert das relative Mehrheitswahlsystem, dessen Probleme in einer heterogenen Gesellschaft und diskutiert Reformansätze zur Einführung einer Verhältniswahlkomponente.

4. DAS KANADISCHE PARTEIENSYSTEM: Es erfolgt eine detaillierte Klassifizierung der Parteien sowie eine historische Aufarbeitung der Entwicklungen, Fusionen und Transformationsprozesse der wichtigsten kanadischen Parteien.

5. DARSTELLUNG DER INTERDEPENDENZEN VON WAHL- UND PARTEIENSYSTEM ANHAND DER ANALYSE VERGANGENER WAHLEN: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit den konkreten Wahlergebnissen, um die Auswirkungen des Wahlsystems auf die Fragmentierung der Parteienlandschaft empirisch zu belegen.

Schlüsselwörter

Kanada, Wahlsystem, Parteiensystem, relative Mehrheitswahl, first-past-the-post, Vielparteiensystem, politische Kultur, Föderalismus, regionale Fragmentierung, cleavages, Reform Party, Bloc Quebecois, Liberal Party, Progressive Conservatives, Wahlreform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das kanadische Wahl- und Parteiensystem und analysiert, inwieweit das geltende relative Mehrheitswahlsystem die Entstehung eines regional fragmentierten Vielparteiensystems in einer heterogenen Gesellschaft begünstigt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Funktionsweise des Wahlsystems, die historische Entwicklung der kanadischen Parteien seit 1867, die Bedeutung regionaler Konfliktlinien sowie aktuelle Diskussionen über Wahlrechtsreformen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Interdependenzen zwischen dem Wahlsystem und der Parteienlandschaft aufzuzeigen und zu erklären, warum Kanada trotz seiner Regierungsform zu einem fragmentierten System mit regionalen Schwerpunkten neigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse der Wahlergebnisse (Stimmen-Mandate-Anteile) unter Einbeziehung historischer Daten und politologischer Theorien zur Parteienbildung und Systemtransformation.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Einordnung, der detaillierten Analyse des Wahlsystems (first-past-the-post), einer Systematisierung der kanadischen Parteien sowie einer Fallstudie der Wahlergebnisse, insbesondere ab 1993.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen das kanadische Wahlsystem, die relative Mehrheitswahl, regionale Fragmentierung, die historische Transformation der Parteiensysteme und der föderale Kontext Kanadas.

Warum wird das Jahr 1993 als Wendepunkt betrachtet?

1993 markiert das "demokratische Erdbeben", bei dem etablierte Parteien massiv an Stimmen verloren und neue, regional konzentrierte Akteure wie der Bloc Quebecois und die Reform Party als stärkste Kräfte nach den Liberalen hervorgingen.

Welchen Einfluss hat das Wahlsystem auf den Föderalismus?

Das Wahlsystem verstärkt die regionale Interessenvertretung, was zu einem decentralised federalism beigetragen hat, bei dem Provinzen und deren Parteien oft stärker agieren als eine einheitliche nationale politische Kraft.

Excerpt out of 45 pages  - scroll top

Details

Title
Das kanadische Wahl- und Parteiensystem: die begünstigte Entwicklung eines Vielparteiensystems durch die relative Mehrheitswahl?
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Wahl- und Parteiensysteme
Grade
1,3
Author
Sebastian Grasser (Author)
Publication Year
2005
Pages
45
Catalog Number
V34309
ISBN (eBook)
9783638345712
ISBN (Book)
9783640430413
Language
German
Tags
Wahl- Parteiensystem Entwicklung Vielparteiensystems Mehrheitswahl Wahl- Parteiensysteme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Grasser (Author), 2005, Das kanadische Wahl- und Parteiensystem: die begünstigte Entwicklung eines Vielparteiensystems durch die relative Mehrheitswahl?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34309
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  45  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint