Starre Bezeichnungsausdrücke und a posteriorische Notwendigkeiten


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Situation vor Kripke
2.1 Namen vor Kripke
2.2 Notwendigkeit vor Kripke

3 Kripkes kritischer Standpunkt
3.1 Kritik zur Notwendigkeit
3.2 Kritik an der Namenstheorie
3.3 Kripkes Vorstellung der Festlegung einer Referenz
3.4 Identitätsaussagen von starren Bezeichnungsausdrücken

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der amerikanische Philosoph Saul Aaron Kripke hielt 1970 eine Reihe von drei Vorlesungen, deren Ideen eine kleine Revolution in der Philosophie nach sich zogen. Später entstand aus den Mitschriften dieser Vorlesungen dann das Buch „Naming and Necessity“. Kripke greift zwei weitestgehend akzeptierte Paradigmen seiner Zeit an. Zum einen ist das die Kennzeichnungstheorie welche sich damit beschäftigt, was Namen eigentlich sind und wie sie mit der Sache zusammenhängen, die sie bezeichnen. Und die zweite bezieht sich auf „Necessity“ also auf den Begriff der Notwendigkeit, hierbei geht es vor allem darum, wie er damit zusammenhängt ob man etwas a priori erkennen kann und ob es notwendige Eigenschaften gibt.

In dieser Arbeit werden zunächst die eben erwähnten Theorien, welche sich vor Kripke etabliert hatten genauer dargestellt. Danach wird es um die Kritik gehen welche Kripke daran übt und die Theorie (beziehungsweise das Bild wie er es nennt), welches er alternativ dazu vorschlägt und abschließend wird Kripkes Standpunkt zu Identitätsaussagen, der sich aus seiner restlichen Theorie ergibt, erläutert.

2 Situation vor Kripke

2.1 Namen vor Kripke

Im 20. Jahrhundert war die Sprachphilosophie vor allem was die Theorie über Namen betrifft, hauptsächlich von einer Theorie geprägt die von dem Philosophen Bertrand Russel und zeitgleich von dem Philosophen Gottlob Frege entwickelt wurde. Diese Theorie besagt, dass ein Name nur eine Abkürzung für Kennzeichnungen einer Sache sind, die von dem Namen bezeichnet werden. Die Kennzeichnungen können Eigenschaften sein oder bestimmte Dinge, die eine Person gemacht hat. Das klassische Beispiel hierfür ist, dass man den Namen „Aristoteles“, durch die Kennzeichnung „der Lehrer von Alexander dem Großen“ ersetzen kann.

Frege unterscheidet in seiner Theorie zwischen Sinn und Bedeutung, wobei Bedeutung bei ihm für das steht, was im Allgemeinen und auch im folgenden Referenz genannt wird, das heißt eben die Entität auf die sich der Name bezieht. Während Sinn für das steht, was man normalerweise mit Bedeutung meint, das heißt auf die Kennzeichnungstheorie bezogen, sind damit die Kennzeichnungen gemeint, welche durch den Namen ersetzt werden.[1] Frege selbst bezeichnet es als „die Art des Gegebenseins“[2]. Also das was man metaphorisch gesprochen, vor Augen hat, wenn man über etwas spricht oder sich mit einem Namen oder einer Kennzeichnung auf etwas bezieht. Russel baut seine Theorie auf den Unterschied zwischen dem Wissen aus Erfahrung und dem Wissen durch Beschreibung auf.[3]

Die unterschiedlichen Varianten der Kennzeichnungstheorie beschreiben die Festlegung einer Referenz alle in etwa, auf dieselbe Weise: es werden bestimmte Eigenschaften des betroffenen Gegenstandes ausgewählt, die diesen Gegenstand so beschreiben, dass er mit keinem anderen verwechselt werden kann und dann wird der Name für ihn festgelegt. Kripke beschreibt diesen Vorgang, als eine Art Zeremonie, in der jeder für sich den Referenten für einen Namen festlegen muss. Es ist ein isolierter Vorgang, für den die Gemeinschaft in der der Name verwendet wird, keine Rolle spielt.[4] Für die Theorie spricht eindeutig, dass wenn man nach dem Referenten eines Namens gefragt wird, man Eigenschaften und Kennzeichnungen der Person oder des Gegenstandes angibt, auf welche man sich bezieht, um zu verdeutlichen wie man den Namen verwendet.[5]

2.2 Notwendigkeit vor Kripke

Vor Kripke unterschied man zwar grundsätzlich zwischen „a Priori“ und „a posteriori“ und auch zwischen „notwendig und „kontingent“, man ging jedoch davon aus, dass die Begriffe „a priori“ und „notwendig“ stets zusammen fallen, genauso wie „a posteriori“ und „kontingent“. Diese Unterteilung geht auf Immanuel Kant zurück, der vor allem darauf bestand, dass alles was a priori gewusst werden kann, auch notwendigerweise wahr sein muss. Darüber hinaus scheint es schlüssig, dass wenn man etwas durch die Erfahrung herausfindet, es sich auch hätte herausstellen können, dass es anders gewesen wäre, wodurch es nicht notwendigerweise sein kann, dass es so ist.[6]

Der amerikanische Philosoph William von Orman Quine baute darauf auf und etablierte desweiteren die Auffassung, es könne nur Notwendigkeiten aufgrund der Sprache somit de dicto-Notwendigkeit geben und keinen Notwendigkeit die sich aus der Sache selbst ergibt, das heißt keine de re-Notwendigkeiten. Mit einer sprachlichen Notwendigkeit ist beispielsweise gemeint, dass wenn man von einem Junggesellen spricht, dieser notwendigerweise unverheiratet sein muss. Eine Notwendigkeit de dicto wäre es, wenn man es als notwendig betrachten würde, dass eine bestimmte Person, ein Lebewesen ist und nicht etwa ein Stein oder eine Maschine. Es ist also von einer notwendigen Eigenschaft einer bestimmten Sache die rede. An diese Form von Notwendigkeit halten Philosophen fest welche man dem Essentialismus zurechnet.

Quine und damit einer der führenden Philosophen zu Kripkes Zeit, ist jedoch der Ansicht, nur Aussagen könnten als notwendig bezeichnet werden und ob ein Gegenstand eine bestimmte Eigenschaft notwendiger- oder kontingenterweise habe, hänge davon ab wie man ihn beschreibe.[7] Allgemein kann man also laut Quine keinen Unterschied zwischen essentiellen und zufälligen Eigenschaften machen.[8]

3 Kripkes kritischer Standpunkt

3.1 Kritik zur Notwendigkeit

Quines Ablehnung von de re-Notwendigkeiten kritisiert Kripke scharf und behauptet sie seien durch eine falsche Betrachtungsweise des Gedankenkonstrukts möglicher Welten entstanden. Er argumentiert damit, dass es intuitiv sei, dass etwas eine notwendige Eigenschaft ist und etwas anderes eine Kontingente.[9] Überhaupt ist die Intuition für Kripke ein sehr wichtiges Argument, da sich laut ihm letztendlich Argumente nur auf sie stützen können. Als Beispiel nimmt er die amerikanische Präsidentschaftswahl im Jahr 1968 in der der Republikaner Nixon die Wahl gewann. Laut Kripke könne man davon ausgehen, dass Nixon immer noch Nixon gewesen wäre, hätte er die Wahl nicht gewonnen, beziehungsweise in eine anderen möglichen Welt könnte es Nixon geben, ohne dass er die Wahl gewonnen hat. Die Vorstellung dass bestimmte Handlungen oder Vorgänge im Leben eines Menschen vorbestimmt sind, also beispielsweise dass Nixon nur hätte gewinnen können, lehnt Kripke ab. Die Eigenschaft die Wahl gewonnen zu haben ist also eine Kontingente.[10] Man kann sich aber hingegen nicht vorstellen, dass es Nixon gegeben hat, ohne dass er ein Mensch oder überhaupt ein Lebewesen war. Ein Lebewesen zu sein muss also eine notwendige Eigenschaft Nixons sein. Eine weitere Eigenschaft die Kripke als notwendig einstuft, ist die Herkunft. So kann Nixon beispielsweise nicht Nixon sein, wenn er von anderen Eltern abstammt. Es wurde jedoch argumentiert, dass man sich sehr wohl vorstellen kann, wie das Leben einer Person verlaufen wäre, hätte sie andere Eltern gehabt. Vermutlich denken das viele von sich selbst ab und zu.[11] „Was wäre aus mir geworden, wenn ich das Kind eines Paares gewesen wäre, das sich keine Bildung für mich hätte leisten können?“ beispielsweise. An dieser Stelle sprechen zwei nachvollziehbare Intuitionen gegeneinander.

Die falsche Betrachtungsweise einer möglichen Welt sieht laut Kripke so aus, dass man eine mögliche Welt betrachtet, „als sei sie ein fremdes Land“[12] welches wir durch ein Fernrohr betrachten und von dem wir nur die Qualitäten kennen die wir wahrnehmen können. In diesem fernen Land ist es schwierig festzustellen, ob etwas das Gleiche wie in unserer Welt ist, sobald es nicht exakt die gleichen Qualitäten aufweist. Diese Art der Identifizierung ist ein notwendiger Vorgang für die Gegenstücktheorie (Counterpart Theory), nach der es jedes Individuum nur einmal in einer Welt gibt und die anderen möglichen Welten nur Gegenstücke des Individuums enthalten. Laut Kripke ist diese Frage jedoch nicht sinnvoll, da wir mögliche Welten nicht entdecken und aus der Ferne betrachten, sondern festsetzten, zusammen mit allem was in ihnen enthalten ist. Er richtet sich damit auch gegen die Auffassung, ein Gegenstand sei nur ein Bündel der Qualitäten die uns durch ihn gegeben sind.[13] An dem Beispiel von Nixon bedeutet das, dass man festsetzt, dass es in der anderen Welt Nixon gibt und dass er dort die Wahl verloren hat. Um Verwirrungen zu vermeiden, sei es besser auf den Begriff der möglichen Welten zu verzichten und stattdessen einfach zu sagen, es hätte das und das passieren können.[14]

Wie oben bereits erwähnt, meint man auch, wenn man etwas zunächst empirisch nachweisen muss, könne dies nicht notwendigerweise wahr sein, denn es hätte sich auch herausstellen können, dass es anders ist. Um diese Verwirrung aufzuklären, unterscheidet Kripke zwischen epistemischer und metaphysischer Möglichkeit. Am besten lässt sich das an einem einfachen Beispiel Kripkes erläutern, indem es um einen Konkreten Tisch geht, zu dem sich die Frage stellt, ob er an statt aus Holz auch hätte aus Eis sein können. Vorausgesetzt es sei sicher dass der Tisch wirklich aus Holz bestünde, könne man sich laut Kripke zwar vorstellen, dass es einen Tisch gibt der genauso aussieht wie dieser und den man sogar an die gleiche Stelle stellen kann, jedoch handle es sich dabei dann eindeutig um einen anderen Tisch. Selbst dann wenn dieser Tisch nicht existieren würde.[15] Im Fall des Tisches kann man sich zwar im epistemischen Sinn, bevor man es herausgefunden hat, vorstellen, dass der Tisch auch aus Eis sein könnte, metaphysisch betrachtet besteht diese Möglichkeit aber nicht und der Tisch ist notwendigerweise aus Holz, egal ob wir es wissen oder nicht. Es ist wie bei mathematischen Problemen, das heißt bei Fragen deren Antworten man im Allgemeinen eindeutig für sowohl notwendig als auch a priori erkennbar hält, wenn solche Fragen noch nicht gelöst wurden. Es gibt verschiedene im epistemischen Sinn, mögliche Ergebnisse und nur weil wir noch nicht wissen welches das richtige ist, bedeutet das nicht, dass es nicht bereits metaphysisch betrachtet, notwendigerweise das eine Ergebnis ist.[16]

Damit widerspricht Kripke der Annahme, dass alles was man nur a posteriori herausfinden kann, kontingente Wahrheiten sein müssen. Welches Material der Tisch hat, stellt also eine notwendige a posteriorische Wahrheit dar.

Dass es auch Wahrheiten gibt welche a priori erfahrbar und dennoch kontingent sind, beweist Kripke mit seinem prominenten Beispiel vom Urmeter. Jemand definierte die Maßeinheit „ein Meter“ indem er einen Stab nahm und einen Meter als seine Länge definierte. Zumindest der Sprecher der das definierte, wusste a priori, dass dieser Stab ein Meter lang ist, oder etwas präziser, dass der Stab zu diesem bestimmten Zeitpunkt einen Meter lang war. Ist es nun automatisch weil es sich um eine Definition handelt eine notwendige Wahrheit?

[...]


[1] Kripke, Saul: Name und Notwendigkeit, Frankfurt am Main, 1981, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft S.36

[2] Frege, Gottlob/ Textor, Mark: Funktion-Begriff-Bedeutung, Göttingen, 2002, Vandenhoeck & Ruprecht, S.24 Z.16-17

[3] Noonan, Harold: Routledge Philosophy Guidebook To Kripke and Naming And Necessity, New York, 2013, Routledge, S. 5

[4] Kripke, Saul: Name und Notwendigkeit, Frankfurt am Main, 1981, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft S.106-107

[5] Ebd. S.38

[6] Linsky, Bernard/ Berger, Alan (Hrsg.): Saul Kripke, Cambridge, New York u.a. 2011, Cambridge University Press S. 29

[7] Kripke, Saul: Name und Notwendigkeit, Frankfurt am Main, 1981, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft S.50

[8] Noonan, Harold: Routledge Philosophy Guidebook To Kripke and Naming And Necessity, New York, 2013,Routledge, S. 4

[9] Ebd. S. 52

[10] Ebd. S. 89

[11] Noonan, Harold: Routledge Philosophy Guidebook To Kripke and Naming And Necessity, New York, 2013,Routledge, S. 144

[12] Kripke, Saul: Name und Notwendigkeit, Frankfurt am Main, 1981, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft S. 53 Z. 34-35

[13] Ebd. S. 64

[14] Ebd. S. 58

[15] Ebd. S.130

[16] Linsky, Bernard/ Berger, Alan (Hrsg.): Saul Kripke, Cambridge, New York u.a. 2011, Cambridge University Press S.29

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Starre Bezeichnungsausdrücke und a posteriorische Notwendigkeiten
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V343226
ISBN (eBook)
9783668330801
ISBN (Buch)
9783668330818
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Notwendigkeit, Namen, Kripke, Philosophie des Geistes, Name und Notwendigkeit, a priori, Namenstheorie, Identität, starre Bezeichnungsausdrücke, Frege
Arbeit zitieren
Mona Schlachtenrodt (Autor), 2015, Starre Bezeichnungsausdrücke und a posteriorische Notwendigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343226

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