Der amerikanische Philosoph Saul Aaron Kripke hielt 1970 eine Reihe von drei Vorlesungen, deren Ideen eine kleine Revolution in der Philosophie nach sich zogen. Später entstand aus den Mitschriften dieser Vorlesungen dann das Buch „Naming and Necessity“. Kripke greift zwei weitestgehend akzeptierte Paradigmen seiner Zeit an. Zum einen ist das die Kennzeichnungstheorie welche sich damit beschäftigt, was Namen eigentlich sind und wie sie mit der Sache zusammenhängen, die sie bezeichnen. Und die zweite bezieht sich auf „Necessity“ also auf den Begriff der Notwendigkeit, hierbei geht es vor allem darum, wie er damit zusammenhängt ob man etwas a priori erkennen kann und ob es notwendige Eigenschaften gibt.
In dieser Arbeit werden zunächst die eben erwähnten Theorien, welche sich vor Kripke etabliert hatten genauer dargestellt. Danach wird es um die Kritik gehen welche Kripke daran übt und die Theorie (beziehungsweise das Bild wie er es nennt), welches er alternativ dazu vorschlägt und abschließend wird Kripkes Standpunkt zu Identitätsaussagen, der sich aus seiner restlichen Theorie ergibt, erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Situation vor Kripke
2.1 Namen vor Kripke
2.2 Notwendigkeit vor Kripke
3 Kripkes kritischer Standpunkt
3.1 Kritik zur Notwendigkeit
3.2 Kritik an der Namenstheorie
3.3 Kripkes Vorstellung der Festlegung einer Referenz
3.4 Identitätsaussagen von starren Bezeichnungsausdrücken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachphilosophischen Thesen von Saul Aaron Kripke, insbesondere seine Kritik an der Kennzeichnungstheorie und seine Analyse der Begriffe Notwendigkeit und Kontingenz. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede zwischen traditionellen Auffassungen vor Kripke und dessen neuartigen Ansätzen darzustellen und zu erläutern, wie Kripkes Konzepte der starren Bezeichnung und a posteriorischer Notwendigkeiten das Verständnis von Identitätsaussagen verändern.
- Kritik an der Kennzeichnungstheorie nach Frege und Russell
- Unterscheidung zwischen epistemischer und metaphysischer Möglichkeit
- Konzept der starren Bezeichnungsausdrücke
- Kripkes Vorstellung zur Festlegung einer Referenz
- Notwendigkeit a posteriorischer Identitätsaussagen
Auszug aus dem Buch
3.1 Kritik zur Notwendigkeit
Quines Ablehnung von de re-Notwendigkeiten kritisiert Kripke scharf und behauptet sie seien durch eine falsche Betrachtungsweise des Gedankenkonstrukts möglicher Welten entstanden. Er argumentiert damit, dass es intuitiv sei, dass etwas eine notwendige Eigenschaft ist und etwas anderes eine Kontingente. Überhaupt ist die Intuition für Kripke ein sehr wichtiges Argument, da sich laut ihm letztendlich Argumente nur auf sie stützen können. Als Beispiel nimmt er die amerikanische Präsidentschaftswahl im Jahr 1968 in der der Republikaner Nixon die Wahl gewann.
Laut Kripke könne man davon ausgehen, dass Nixon immer noch Nixon gewesen wäre, hätte er die Wahl nicht gewonnen, beziehungsweise in eine anderen möglichen Welt könnte es Nixon geben, ohne dass er die Wahl gewonnen hat. Die Vorstellung dass bestimmte Handlungen oder Vorgänge im Leben eines Menschen vorbestimmt sind, also beispielsweise dass Nixon nur hätte gewinnen können, lehnt Kripke ab. Die Eigenschaft die Wahl gewonnen zu haben ist also eine Kontingente.
Man kann sich aber hingegen nicht vorstellen, dass es Nixon gegeben hat, ohne dass er ein Mensch oder überhaupt ein Lebewesen war. Ein Lebewesen zu sein muss also eine notwendige Eigenschaft Nixons sein. Eine weitere Eigenschaft die Kripke als notwendig einstuft, ist die Herkunft. So kann Nixon beispielsweise nicht Nixon sein, wenn er von anderen Eltern abstammt. Es wurde jedoch argumentiert, dass man sich sehr wohl vorstellen kann, wie das Leben einer Person verlaufen wäre, hätte sie andere Eltern gehabt. Vermutlich denken das viele von sich selbst ab und zu. „Was wäre aus mir geworden, wenn ich das Kind eines Paares gewesen wäre, das sich keine Bildung für mich hätte leisten können?“ beispielsweise. An dieser Stelle sprechen zwei nachvollziehbare Intuitionen gegeneinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt Saul Kripkes Werk „Naming and Necessity“ vor und umreißt die zwei Hauptthemenfelder: die Kritik an der Kennzeichnungstheorie und das Verständnis der Notwendigkeit.
2 Situation vor Kripke: Dieses Kapitel erläutert die sprachphilosophischen Grundlagen vor Kripke, insbesondere die Kennzeichnungstheorie von Frege und Russell sowie die traditionelle Kantsche Gleichsetzung von Notwendigkeit und A-priori-Wissen.
3 Kripkes kritischer Standpunkt: Hier wird Kripkes Kritik an der traditionellen Auffassung von Notwendigkeit und Namenstheorie detailliert dargelegt, seine Theorie der starren Bezeichnung eingeführt und die daraus resultierenden Konsequenzen für Identitätsaussagen analysiert.
Schlüsselwörter
Saul Kripke, Sprachphilosophie, Kennzeichnungstheorie, Notwendigkeit, Kontingenz, starre Bezeichnungsausdrücke, Referenz, Identitätsaussagen, a priori, a posteriori, metaphysische Möglichkeit, epistemische Möglichkeit, natürliche Arten, Essentialismus, Namensgebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachphilosophischen Konzepte von Saul Kripke, insbesondere seine Herausforderung der traditionellen Theorien zur Bedeutung von Namen und der Struktur der Notwendigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Kritik an der Kennzeichnungstheorie, die Unterscheidung zwischen epistemischer und metaphysischer Notwendigkeit sowie die Definition von starren Bezeichnungsausdrücken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Kripkes Kritik an den etablierten Paradigmen vor seiner Zeit verständlich darzulegen und aufzuzeigen, wie seine neuen Ansätze eine alternative Sicht auf Identität und Notwendigkeit begründen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit verwendet eine philosophische Analyse und Interpretation von Kripkes Hauptwerk „Naming and Necessity“, ergänzt durch eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Situation der Sprachphilosophie vor Kripke, der Widerlegung der sechs Thesen zur Kennzeichnungstheorie, Kripkes Konzept der Referenzfestlegung und den Folgen für Identitätsaussagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie starre Bezeichnung, Notwendigkeit, Referenz, Kennzeichnungstheorie und Identitätsaussagen charakterisiert.
Wie definiert Kripke den Begriff des „starren Bezeichnungsausdrucks“?
Ein starrer Bezeichnungsausdruck zeichnet sich dadurch aus, dass er in jeder möglichen Welt, in der das bezeichnete Objekt existiert, denselben Gegenstand referenziert.
Was ist der Kern von Kripkes Unterscheidung zwischen epistemischer und metaphysischer Möglichkeit am Beispiel des Tisches?
Kripke zeigt, dass wir uns epistemisch (in unserem Wissen) vorstellen können, ein Tisch bestünde aus Eis, aber metaphysisch gesehen ist der spezifische Tisch notwendigerweise aus dem Material, aus dem er tatsächlich besteht.
- Citation du texte
- Mona Schlachtenrodt (Auteur), 2015, Starre Bezeichnungsausdrücke und a posteriorische Notwendigkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343226