Der Naturalismus von Émile Zola. Das Temperament von Thérèse Raquin


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Naturalismus

3. Thérèse Raquin
3.1. Das Werk
3.2. Analyse des Temperamentes der Figur Thérèse

4. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich im Allgemeinen mit dem Naturalismus von Émile Zola und im Speziellen mit dem Temperament der Figur Thérèse in Zolas Werk Thérèse Raquin (1867). Der Naturalismus besagt, dass jegliches menschliche Handeln durch Erbfaktoren determiniert ist. Somit ist dies auch auf vier verschiedene Temperamente zurückzuführen. Um nachfolgend Thérèses Temperament und ihr dadurch determiniertes Handeln zu analysieren, wird zu Beginn der Naturalismusbegriff nach Zola dargestellt und die Theorien, denen er sich bedient vorgestellt. Folglich wird der Ursprung der vier verschiedenen Temperamente erläutert und jedes einzelne charakterisiert. Im folgenden Kapitel dieser Arbeit wird der Roman Thérèse Raquin von Émile Zola behandelt, der zunächst zusammengefasst dargestellt wird, um einen Überblick über diesen zu erhalten. Folglich findet eine Analyse des Temperamentes zu der Hauptfigur Thérèse statt, welche aufzeigt, inwieweit ihre Entwicklung vorbestimmt ist.

Als wichtigste Orientierung für diese Arbeit gelten zum einen das Buch Zola und der französische Naturalismus, welches 1976 von Ronald Daus veröffentlicht wurde und zum anderen Das Viererschema in der antiken Humoralpathologie (1964) von Erich Schöner. Ersteres gibt einen generellen, aber dennoch präzisen Einblick in den französischen Naturalismus und ermöglicht das behandelte Werk von Zola im Hinblick auf dessen naturalistische Züge zu verstehen. Letzteres informiert über die Lehre der Temperamente und deren Ursprung.

2. Der Naturalismus

Émile Zola (1840-1902) gilt als der Begründer des französischen Naturalismus. Zum einen übernimmt er den bereits grundlegenden Begriff des Determinismus, welcher besagt, dass der menschliche Wille allein von den Naturgesetzen bestimmt ist. Somit ist alles, was dem Menschen widerfährt, bereits determiniert (Vgl. F.A. Brockhaus, 286). Zum anderen bedient er sich des Positivismus‘ nach Auguste Comte, dessen Merkmale das Tatsächliche und Gegebene sind.

Zola verknüpft die zwei genannten Eigenschaften des Naturalismus mit den nachfolgenden und lässt somit eine neue eigene Auffassung dieses literarischen Genres entstehen. Er will nicht einfach nur seine literarischen Werke dokumentarisch untermauern, sondern vielmehr das Ganze zu einem Dokument werden lassen (Vgl. Klingner, 1990, 40). Daher beruht Zolas Ansicht, neben der Evolutionstheorie Darwins, ebenfalls auf der Milieutheorie des Geschichtsphilosophen Hyppolite Taines (1828-1893), welcher in seinem dreibändigen Werk Histoire de la littérature anglaise (1863) glaubt, jeden Autoren mit den folgenden drei Faktoren vollständig erklären zu können. Taine sieht den Menschen nämlich als jemanden, der von Rasse, Milieu und Moment determiniert sei (Vgl. Daus, 1976, 39):

L’étude des caractères était celle des tempéraments, que le milieu physique presse de tous côtés sur notre destinée, que l’histoire des individus […] est soumise au plus rigoureux des déterminismes. (Martino, 1969, 24f.)

Eine weitere wichtige Grundlage für Zolas Naturalismus stellt die Vererbungslehre nach Dr. Prosper Lucas dar, welche besagt, dass jeder einzelne Mensch durch sein Erbgut determiniert sei (Vgl. Daus, 1976, 41). Zola erarbeitet die «Naturalistische Ästhetik» mit Berücksichtigung der oben genannten Theorien und veröffentlicht diese 1880 unter dem Titel Le roman expérimental, für den der Physiologe Claude Bernard als sein großes Vorbild gilt.

Zola verwendet für die Konstruktion seiner Romane nicht mehr Charaktere, sondern Temperamente, die bereits durch ihre Erbmasse determiniert sind: «Dans Thérèse Raquin, j’ai voulu étudier des tempéraments et non des caractères. […] J’ai choisi des personnages […] dominés par leurs nerfs et leur sang» (Zola, 2001, 24). Diese vier verschiedenen Temperamente treten mit ihren Namen erstmals im 12. Jahrhundert bei Honorius von Autun auf, sind aber in ihren Ursprüngen auf Hippokrates und Galen aus der Antike zurückzuführen (Vgl. Schöner, 1964, 93).

Hippokrates ordnet dem menschlichen Wesen vier verschiedene Körpersäfte oder auch Kardinalsäfte zu, nämlich Blut (lat. sanguis), gelbe Galle (griech. cholos), schwarze Galle (griech. Melascholos) und Schleim (griech. Plegma) (Vgl. Von Einsiedel, 717) und ist der Ansicht, dass diese auf Gesundheit oder Krankheit zurückzuführen sind (Vgl. Schöner, 1964, 1).

Jedoch ist Galen dafür verantwortlich, dass diese Säfte in ihrer «systematisierten, schematisierten und dogmatisch auf die Medizin» (Schöner, 1964, 1) angewandt werden und somit sehr einflussreich geworden sind. Die sogenannte «Viersäftelehre» wurde dann noch mit jeweils «vier Kardinalorganen, Elementen, […] Lebensaltern, Jahreszeiten, Tageszeiten, mit Himmelsrichtungen und Winden […]» (Schöner, 1964, 2) in Beziehung gebracht. Die heutigen verschiedenen Temperamente, nämlich der Sanguiniker, der Melancholiker, der Phlegmatiker und der Choleriker, fanden ihre Begriffsentstehung erst im 19. Jahrhundert. Diese Temperamente gelten als eine Art Grundvoraussetzung in Zolas Werken und jeder Figur ist eins zugeschrieben. Somit befindet sich ebenfalls der deterministische Aspekt in ihnen, da die Figuren nicht mehr aus Willkür bestimmte Dinge tun, sondern ihr angeborenes Temperament ihr Verhalten bestimmt. Der Sanguiniker wird als sehr offen, heiter und unbeschwert charakterisiert (Vgl. Ziegler, 1821, 3). Der Choleriker wiederum wird als reizbar, aktiv und impulsiv und der Melancholiker als grübelnd, ruhig und reserviert bezeichnet (Vgl. Ziegler, 1821, 5ff.). Das vierte Temperament, der Phlegmatiker, charakterisiert sich durch seine Besorgnis, sein ständiges Nachdenken und eine starke Kontrolliertheit (Vgl. Ziegler, 1821, 7f.).

3. Thérèse Raquin

1867 erschien Zolas Roman Thérèse Raquin, indem sein Ansatz zum ersten Mal zum Vorschein kommt (Vgl. Klingner, 1990, 40). Wichtig dabei ist allerdings, dass das Werk zu seinem Ansatz erst 13 Jahre später unter dem Titel Roman éxperimental erscheint, aber trotzdem die signifikanten Theorien bereits in Thérè se Raquin sehr markant und nachweisbar sind. Der Roman ist eine Ausarbeitung der Kurzgeschichte Un mariage d’amour, die bereits 1866 im Figaro veröffentlicht wurde (Vgl. Zeitler, 1973, 9336).

3.1. Das Werk

Thérèse wächst bei ihrer Tante und deren Sohn Camille in Vernon auf, nachdem ihr Vater sie im Alter von zwei Jahren dort abgegeben hatte. Aus Liebe zu ihrer Tante heiratet sie schließlich ihren Cousin, mit dem sie von klein auf in einem Bett geschlafen hat und seine ständigen Krankheiten miterlebt hat. Camille bringt eines Abends seinen alten Freund Laurent mit und Thérèse ist so beeindruckt von ihm, dass sie sich kurze Zeit darauf von ihm verführen lässt. Laurent und Thérèse entwickeln Gefühle füreinander und beschließen ihren Ehemann Camille umzubringen, damit ihrem Glück nichts mehr im Wege steht.

Eines Tages machen sie zu dritt eine Bootstour an der Seine. Auf dem Boot wirft Laurent Camille ins Wasser, woraufhin er ertrinkt. Die Beiden inszenieren das Ganze als Unfall, sind jedoch nach dem Mord Camille erschüttert. Thérèse und Laurent sind von Schuldgefühlen geplagt und deren ehemalige Leidenschaft ist erloschen. Einige Monate später heiraten die beiden schließlich, da sie sich erhoffen, dass sie zu zweit weniger Angst haben. Dennoch wird jede gemeinsame Nacht grauenvoller. Madame Raquin erleidet einen Schlaganfall und kann somit weder sprechen noch sich bewegen. Das Ehepaar nimmt keine Rücksicht mehr auf sie und schließlich die tatsächliche Todesursache aufgedeckt wird. Thérèse beschließt Laurent umzubringen und auch er hat den gleichen Mordgedanken. Kurze Zeit später erwischen sie sich aber gegenseitig bei dem Versuch, den anderen umzubringen. Schließlich begehen beide Selbstmord vor Madame Raquins Augen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Naturalismus von Émile Zola. Das Temperament von Thérèse Raquin
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Proseminar: Verbrechen und Verbrecher: Erzählungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V343298
ISBN (eBook)
9783668348080
ISBN (Buch)
9783668348097
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naturalismus, Zola, Temperamentenlehre, Thereseraquin, Therese, Emile, Darwinismus
Arbeit zitieren
Maren Lasar (Autor), 2015, Der Naturalismus von Émile Zola. Das Temperament von Thérèse Raquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343298

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Naturalismus von Émile Zola. Das Temperament von Thérèse Raquin



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden