Deutsche Schulen stechen heute hervor durch eine sprachliche, soziale und kulturelle Vielfalt, welche ihren Ursprung in der Immigration verschiedenster Bevölkerungsgruppen hat. In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt etwa 16,4 Millionen Migranten, darunter haben über 8 Millionen den deutschen Pass.
Etwa 6 Millionen von ihnen sind Menschen mit Wurzeln in den sogenannten Gastarbeiter-Anwerbeländern. Sie bilden noch heute die größte Gruppe der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die größte Gruppe unter ihnen ist wiederum die türkische. Laut einiger Studien hing der Schulerfolg bisher von Sprachkompetenzen und sozialer Herkunft ab.
Um diesen Aussagen auf den Grund zu gehen, bedient sich diese Hausarbeit einiger Statistiken und Studien. Anhand eines Sprachvergleichs (Türkisch - Deutsch) soll veranschaulicht werden, welchen Schwierigkeiten Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ausgesetzt sind, wenn Deutsch ihre Zweitsprache ist. Im Anschluss werden Lösungsansätze im Bildungssystem angeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mehrsprachigkeit
2.1. Deutsch als Zweitsprache
2.2. Erstsprache
2.3. Zweitsprache
3. Sprachliche Herausforderungen für türkische Migrantenkinder
3.1. Erstsprache Türkisch – Zweitsprache Deutsch
3.2. Sprachvergleich Türkisch – Deutsch
4. Umgang mit Interkulturalität in der Schule
4.1. Heterogenität in der Schule
4.2. Ansätze zur Förderung von Mehrsprachigkeit und Heterogenität
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die sprachlichen Herausforderungen, denen Kinder mit türkischer Erstsprache beim Erlernen der deutschen Sprache im Bildungssystem gegenüberstehen, und erörtert pädagogische Ansätze für einen konstruktiven Umgang mit sprachlicher Heterogenität.
- Theoretische Grundlagen zu Mehrsprachigkeit sowie Erst- und Zweitspracherwerb.
- Historischer und sprachwissenschaftlicher Kontext der türkischen Migration in Deutschland.
- Detaillierter Sprachvergleich zwischen dem Türkischen und dem Deutschen (Aussprache, Orthografie, Syntax).
- Interkulturelle Bildung und Methoden zur Förderung von Sprachbewusstheit im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
3.2. Sprachvergleich Türkisch – Deutsch
Im Folgenden werden Beispiele verschiedener Sprachbereiche wie Aussprache, Orthographie und Syntax aufgeführt, die türkischen Deutschlernern, aufgrund der sehr unterschiedlichen Sprachstrukturen beider Sprachen, besonders große Schwierigkeiten bereiten.
Die Aussprache wird, vor allem durch der für Türkischsprachige sehr fremden Aufeinanderfolge von Konsonanten (z.B. Zange), erschwert. Die Silbenstruktur im Türkischen erlaubt meistens nicht mehr als zwei Konsonanten, weshalb der türkische Deutschlerner entweder ein Vokal in das jeweilige Wort einfügt (z.B. Stift → Schitift) oder einen Konsonanten auslässt (z.B. Kopf → Kof), damit ihm die Aussprache leichter fällt (vgl. Schroeder/Simsek 2014: S. 122).
Des Weiteren ist die „Länge oder Kürze eines Vokals im Türkischen kein bedeutungsunterscheidendes Merkmal“, weshalb die Unterscheidung von Wörtern wie Hasen und hassen Deutschlernern schwerfällt (Dirim 2005: S. 2). Anhand von Wortpaaren wie Buch – Bücher kann man einerseits die Schwierigkeit beobachten, „die Umlautung als bedeutungsveränderndes Element“ zu erkennen und andererseits die Wortverwandtschaft aufgrund des [χ]-Lauts (ach-Laut) im Singular und des [ç]-Lauts (ich-Laut) im Plural nachzuvollziehen (ebd.). Hinzu kommt, dass Türkischsprachige meist gehemmt sind, den [χ]-Laut auszusprechen, da dieser in der türkischen Bildungsschicht, aufgrund seines dialektalen Vorkommens in ländlichen Regionen Ostanatoliens, als verpönt gilt. Die türkische Hochsprache orientiert sich phonologisch am Istanbuler Dialekt, der solche Laute nicht kennt (vgl. Gabain 1963: S. 174). So kommt es unter anderem aus diesem Grund dazu, dass machen wie mahen und ich wie ih ausgesprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Sprachförderung von Migrantenkindern ein und beleuchtet den historischen Hintergrund der Arbeitsmigration.
2. Mehrsprachigkeit: Es werden Begrifflichkeiten rund um das Thema Mehrsprachigkeit sowie die Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitsprache definiert.
3. Sprachliche Herausforderungen für türkische Migrantenkinder: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen sprachlichen Hürden beim Erwerb des Deutschen für Lernende mit türkischer Erstsprache.
4. Umgang mit Interkulturalität in der Schule: Der Fokus liegt hier auf dem schulischen Umgang mit kultureller Diversität und konkreten pädagogischen Förderansätzen.
5. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit, sprachliche Vielfalt im Unterricht wertschätzend als Ressource zu begreifen.
Schlüsselwörter
Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Mehrsprachigkeit, Türkisch, Migrationshintergrund, Spracherwerb, Erstsprache, Interkulturalität, Heterogenität, Sprachvergleich, Sprachbewusstheit, Language Awareness, Bildungssystem, Deutschdidaktik, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sprachlichen und pädagogischen Herausforderungen für Migrantenkinder im deutschen Schulsystem, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Lernende mit türkischer Erstsprache.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Schwierigkeiten beim Erwerb der Zweitsprache Deutsch aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie Lehrkräfte diese als Lernchance durch Sprachvergleiche und interkulturelle Arbeit nutzen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Mehrsprachigkeit, Erst- und Zweitspracherwerb, Sprachkontrast (Türkisch-Deutsch), Heterogenität in Schulen sowie interkulturelle Pädagogik.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie einen linguistischen Sprachvergleich zwischen dem Deutschen und Türkischen, um spezifische Fehlerschwerpunkte zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen von Mehrsprachigkeit, einen historischen Abriss zur Migration, eine linguistische Fehleranalyse beim Spracherwerb und didaktische Konzepte wie „Language Awareness“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Sprachvergleich, interkulturelles Lernen und die Förderung von Mehrsprachigkeit charakterisiert.
Warum ist der Sprachvergleich zwischen Türkisch und Deutsch laut der Autorin wichtig?
Der Vergleich hilft Lehrkräften, Fehler der Lernenden nicht als Defizite, sondern als logische Folge der Unterschiede in den Sprachstrukturen (z.B. Silbenbau, Kasus, Suffixe) zu verstehen.
Welche Rolle spielt der „Language-Awareness-Ansatz“ in dieser Arbeit?
Dieser Ansatz dient als methodisches Konzept, um durch aktives Einbeziehen von Herkunftssprachen das Sprachbewusstsein zu fördern und die Motivation der Schüler zu steigern.
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- Esra Sahin (Autor), 2016, Deutsch als Zweitsprache. Herausforderungen für Migrantenkinder am Beispiel des Türkischen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343356