Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Geography / Earth Science - Economic Geography

Die Person des Unternehmensgründers

Probleme und Grenzen einer personenzentrierten Gründungsforschung

Title: Die Person des Unternehmensgründers

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 44 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefan Heumann (Author)

Geography / Earth Science - Economic Geography
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Die Kulturgeographie [als die der Wirtschaftsgeographie übergeordnete disziplinäre Kategorie, d. V.] [...] stellt Systemzusammenhänge zwischen Mensch, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Technik dar, die sich sowohl im Raum manifestieren, als auch nicht räumlich manifestierte Funktionsnetze und Prozeßbeziehungen bilden, deren räumliche und gesellschaftliche Gültigkeit für verschiedene Dimensionen [...] untersucht wird.“ [LESER (2001), S. 424] In exakt d iesem Schnittfeld bewegt s ich auch die Gründung neuer Unternehmen. Ökonomische „Organisationen“ [vgl. BYGRAVE & HOFER (1991)] sind zunächst einmal nichts anderes als das (zumeist) räumlich manifestierte Ergebnis eines durch gesellschaftliche, ökonomische, politische (und gelegentlich auch technische ) Faktoren beeinflussten menschlichen Handelns und damit materieller Ausdruck von Mensch-Umwelt-Beziehungen. Die in der Gründungsforschung zu beobacht ende Tendenz, diese Manifestation nicht mehr als einmaligen Akt, sondern als kontinuierlichen Prozess zu begreifen [vgl. z. B. SHAVER & SCOTT (1991)], unterstreicht zudem die kognitive Nähe zu einer Geographie, die wie kaum eine zweite Disziplin einem Denken in Prozesssystemen verhaftet ist. Trotz dieser grundsätzlich viel versprechenden Voraussetzungen sind in der geographischen Relevanz für die Gründungsforschung noch starke bereichsbezogene Unterschiede festzustellen. Anders als eher auf der strukturellen Ebene angesiedelte Themenkomplexe 1 fristet gerade die Gründerperson - zumindest in ihrer individuellen Reinform quasi der natürliche Feind einer räumlich und damit auch personell aggregierenden Wissenschaft - in der Geographie konzeptionell ein Schattendasein. Es wird naturgemäß nicht als Aufgabe der Geographie wahrgenommen, die Dispositionen, Ressourcen, Motivlagen und das Verhalten der Gründerperson auf der individuellen Ebene fassbar zu machen. Hier verlässt man sich auf die Konzepte von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, und so wird deren Präzision zur conditio sine qua non einer geographischen Auseinandersetzung mit der Gründerperson: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Die personenzentrierten Ansätze im Gesamtkontext der Gründungsforschung

2 Was ist ein Unternehmer? – zur Anthropologie der Gründungsforschung

2.1 Was tut ein Unternehmer? – die ökonomisch-funktionale Perspektive

2.2 Warum tut ein Unternehmer das, was er tut? – die motivationale Perspektive

3 Die Person des Unternehmensgründers

3.1 Empirie

3.2 Theorie

a Der Merkmalsansatz

b Der Verhaltensansatz

4 Zwischenfazit

5 Eigene Untersuchung

6 Ergebnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Herausforderungen einer wissenschaftlichen Erfassung der Gründerperson. Das Hauptziel besteht darin, die Probleme der personenzentrierten Gründungsforschung zu systematisieren, bestehende theoretische Ansätze kritisch zu hinterfragen und mittels einer qualitativen Untersuchung auf Branchenebene neue Erkenntnisse zu gewinnen.

  • Systematische Einordnung der personenzentrierten Gründungsforschung.
  • Analyse und Vergleich von Merkmals- und Verhaltensansätzen.
  • Diskussion der Bedeutung von Humankapital für den Gründungserfolg.
  • Untersuchung der Rolle sozialer Netzwerke im Gründungsprozess.
  • Evaluation der Bedeutung branchenspezifischer Rahmenbedingungen.

Auszug aus dem Buch

Der Merkmalsansatz

Merkmale werden im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden als kennzeichnende Eigenschaften mit einem vergleichsweise zeit- und situationsstabilen Charakter. Die Erklärungsansätze, die sich unter diesem Aspekt subsumieren lassen, befassen sich insbesondere mit der Frage nach personenbezogenen Eigenschaften des Gründers (Persönlichkeitsmerkmale, soziodemographische Merkmale, Qualifikationsmuster, ethnische Gruppenzugehörigkeit, usw.) und deren Auswirkungen auf den Prozess der Unternehmensgründung. Dabei kann das Augenmerk sowohl auf Gründungsaktivität wie auch auf Gründungserfolg liegen. Der vergleichsweise statische Charakter von Merkmalen und die daher relativ unproblematische Erhebung machen den Merkmalsansatz auch heute noch zur dominierenden Forschungstradition im Rahmen der personenbezogenen Gründungsforschung.

So postuliert z. B. der in der psychologischen leadership-Forschung verwurzelte trait approach (‚Eigenschaftstheorie’), dass es eben bestimmte Persönlichkeitsattribute sind, in denen sich der erfolgreiche Unternehmer von der übrigen Gesellschaft abhebt. Dabei stehen in der Regel Charaktereigenschaften und Wesenszüge im Vordergrund, die sich durch eine gewisse zeitliche und situative Stabilität auszeichnen (traits), während sich der erfolgreiche Unternehmer gerade durch die auf der interpersonalen Ebene existierenden Unterschiede bzgl. dieser Eigenschaften konstituiert. Die Nähe, die der trait approach damit zu SCHUMPETERs Unternehmertypus aufweist, ist so verblüffend wie offensichtlich. Das, was ANDERSECK [(2000), S. 11] als Gegenstand der great-man-theories bezeichnet, ist prinzipiell nichts anderes als ‚der moderne Typus des Industriekapitäns’, der ‚Revolutionär der Wirtschaft’, die herausragende Persönlichkeit, die bisher unbekannte Kombinationen durchsetzt (vgl. Abschnitt 2.1).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Die personenzentrierten Ansätze im Gesamtkontext der Gründungsforschung: Dieses Kapitel verortet die Gründungsforschung im interdisziplinären Feld und grenzt umweltorientierte von personenzentrierten Ansätzen ab.

2 Was ist ein Unternehmer? – zur Anthropologie der Gründungsforschung: Hier werden grundlegende Menschenbilder und wissenschaftliche Unternehmerkonzeptionen diskutiert, die auf die Fragen nach dem Handeln und der Motivation von Gründern zielen.

2.1 Was tut ein Unternehmer? – die ökonomisch-funktionale Perspektive: Dieses Kapitel erläutert die Rolle des Unternehmers im Produktionsprozess, insbesondere unter dem Aspekt des dynamischen Unternehmers nach Schumpeter.

2.2 Warum tut ein Unternehmer das, was er tut? – die motivationale Perspektive: Der Fokus liegt hier auf kultursoziologischen und psychologischen Erklärungsmodellen, wie etwa dem der Leistungsmotivation.

3 Die Person des Unternehmensgründers: Dieses Kapitel befasst sich mit der empirischen Forschung und theoretischen Fundierung bezüglich der Eigenschaften des Gründers.

3.1 Empirie: Hier wird ein Überblick über den Stand der empirischen Forschung zu Gründungsaktivität und Gründungserfolg gegeben.

3.2 Theorie: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Metatheorien zur Ordnung der verschiedenen Erklärungsansätze.

a Der Merkmalsansatz: Vorstellung der Forschungsrichtung, die zeitstabile Persönlichkeitsattribute zur Erklärung unternehmerischen Handelns heranzieht.

b Der Verhaltensansatz: Analyse der Perspektive, die das Handeln und den Gründungsprozess (creation of organizations) in den Mittelpunkt stellt.

4 Zwischenfazit: Zusammenfassung der zentralen Probleme der Forschung, namentlich das Theoriedefizit und inkonsistente Ergebnisse.

5 Eigene Untersuchung: Vorstellung einer qualitativen Analyse von IT-Gründungen zur Überprüfung der theoretischen Arbeitsthesen.

6 Ergebnis: Fazit der Untersuchung, das die überragende Bedeutung der Humankapitalausstattung unterstreicht und einen Komplementäransatz zur Integration von Merkmalen und Verhalten vorschlägt.

Schlüsselwörter

Gründungsforschung, Unternehmensgründer, Merkmalsansatz, Verhaltensansatz, Humankapitaltheorie, Netzwerkansatz, Gründungserfolg, Gründungsaktivität, Leistungsmotivation, IT-Branche, personenzentrierte Gründungsforschung, soziales Kapital, Entrepreneurship.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der personenzentrierten Gründungsforschung und untersucht die theoretischen sowie empirischen Schwierigkeiten bei der wissenschaftlichen Erfassung der Person des Unternehmensgründers.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Merkmals- und Verhaltensansätzen, die Rolle des Humankapitals und der sozialen Netzwerke sowie die Bedeutung branchenspezifischer Rahmenbedingungen für den Gründungserfolg.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die grundsätzlichen Probleme einer wissenschaftlichen Erfassung der Gründerperson aufzuzeigen und Ansätze für eine Systematisierung dieses Forschungsfeldes zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der theoretische Teil basiert auf einer Literaturanalyse, während im praktischen Teil eine eigene qualitative Untersuchung von fünf IT-Unternehmen durchgeführt wurde.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte (Merkmals- vs. Verhaltensansatz), diskutiert empirische Befunde zu Erfolgsfaktoren und erörtert die Notwendigkeit einer branchenspezifischen Analyse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gründungsforschung, Humankapitaltheorie, Netzwerkansatz und Unternehmerpersönlichkeit charakterisiert.

Wie bewertet der Autor den Einfluss von Humankapital?

Der Autor konstatiert eine überragende Bedeutung der Humankapitalausstattung, insbesondere durch den Faktor Branchenerfahrung, für den Gründungserfolg.

Was ergab die Untersuchung in Bezug auf soziale Netzwerke?

In der untersuchten IT-Branche spielten traditionelle Unterstützungsleistungen aus dem sozialen Netzwerk eine untergeordnete Rolle im Vergleich zur hohen Humankapitalausstattung.

Excerpt out of 44 pages  - scroll top

Details

Title
Die Person des Unternehmensgründers
Subtitle
Probleme und Grenzen einer personenzentrierten Gründungsforschung
College
University of Regensburg  (Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung)
Grade
1,3
Author
Stefan Heumann (Author)
Publication Year
2004
Pages
44
Catalog Number
V34339
ISBN (eBook)
9783638345934
ISBN (Book)
9783656251101
Language
German
Tags
Person Unternehmensgründers Probleme Grenzen Gründungsforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Heumann (Author), 2004, Die Person des Unternehmensgründers , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34339
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  44  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint