Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialisation. Familie und Erziehung


Hausarbeit, 2016
13 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sozialisation in der Familie
2.1 Was bedeutet der Sozialisationsbegriff?
2.2 Primärsozialisation
2.3 Über den Familienbegriff
2.4 Über den Wandel von Familien- und Gesellschaftsstrukturen, Probleme der Sozialisation und Anforderungen an die Erziehung

3. Lösungen für Probleme, die im Bereich der Sozialisation auftreten - Erziehungsbegriff nach Luhmann
3.1 Erziehung als Funktion der Sozialisationsmodifikation

4. Schlussbetrachtung

5. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Thema Sozialisation in der Familie auseinander. Dabei soll insbesondere auf mögliche Probleme der Sozialisation eingegangen- und dazu ebenfalls versucht werden, eine mögliche Lösung vorzustellen. Die Frage, welche die Arbeit zu beantworten versucht ist, inwieweit mögliche Probleme der Sozialisation aufgefangen und bewältigt werden können? Dazu werden einige Aspekte der Thematik ausgewählt und genauer behandelt. Die Auseinandersetzung erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da dies im Rahmen des gegebenen Umfangs nicht möglich wäre. Es wird zunächst der Begriff Sozialisation genauer betrachtet und zu erläutern versucht. Anschließend wird ebenfalls der Familienbegriff näher erörtert und dargestellt. Diese Darstellung beinhaltet besonders auch den Wandel, welchen der Familienbegriff durchlaufen hat. Es soll dann auf die Lebensphase des Menschen Bezug genommen werden, in welcher er am stärksten durch die Familie sozialisiert und geprägt wird. Diese Phase bezieht sich auf die ersten Lebensjahre eines Kindes und wird in der Wissenschaft als Primärsozialisation bezeichnet. Nach diesen allgemeinen Darstellungen soll der Fokus der Arbeit auf der Auseinandersetzung mit den Problemen der Sozialisation liegen und dafür einen Lösungsvorschlag bieten. Da Sozialisation ein fortlaufender Prozess ist, der von verschiedensten Faktoren beeinflusst ist, die nicht immer zu kontrollieren oder in positiver Weise zu beeinflussen sind, geschieht Sozialisation und die damit verbundene Vermittlung von Normen und Werten möglicherweise nicht immer idealtypisch. Um diese Problematik aufzugreifen, wird in einem weiteren Kapitel der Ansatz von Niklas Luhmann vorgestellt, welcher unterscheidet zwischen dem Aspekt der Sozialisation und der Erziehung. Luhmann begreift Erziehung gewissermaßen als eine Erweiterung zur Sozialisation und bezeichnet die Funktion der Erziehung letztlich als Sozialisationsmodifikation. Was dies genau bedeutet und wie in diesem Sinne Erziehung die Sozialisation positiv beeinflussen und bereichern kann, soll ebenfalls im Rahmen der Arbeit darzustellen versucht werden. Die Arbeit endet mit einer abschließenden Betrachtung.

2. Sozialisation in der Familie

2.1 Was bedeutet der Sozialisationsbegriff?

Sozialisation meint einen Prozess, der sich auf das gesellschaftliche Leben bezieht und dem Individuum die Normen und Verhaltensweisen sowie Informationen über das Leben in seiner jeweiligen Gruppe vermittelt. Beim Prozess der Sozialisation sind dabei ganz besonders Werte und Normen von Bedeutung, da man generell davon ausgeht, dass beides Konstrukte sind, welche die Intentionen und damit das Verhalten des Individuums beeinflussen. Es geht also nicht nur darum, die Normen der sozialen Gruppe zu kennen, sondern vielmehr geht es auch darum, diese zu verinnerlichen. Im Fokus steht das soziale Miteinander und die Wertevermittlung. Sozialisation gilt dann als erfolgreich definiert, wenn das Individuum die genannten Werte und Normen nicht mehr nur verstanden, sondern sie auch gänzlich akzeptiert hat und sie dadurch zu eigenen Überzeugungen geworden sind.1

2.2 Primärsozialisation

Für die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialisation in der Familie ist besonders die so genannte Primärsozialisation von Bedeutung. Diese gilt als grundlegende Prägung des Menschen und findet in erster Linie ausschließlich in der Familie statt. In dieser Phase der Sozialisation bildet sich die Grundpersönlichkeit des Individuums heraus. Somit ist die erste Prägung, die innerhalb der Familie geschieht, von übergeordneter Bedeutung, was die Sozialisation angeht. Die primäre Sozialisation richtet sich entsprechend nach den Ressourcen, die eine Familie besitzt. Dies bezieht sich nicht zuletzt auf die Werte und Normen, weitere Orientierungen und Modifikationen gesellschaftlicher Erwartungen, die innerhalb der Familie gepflegt werden. Daraus lässt sich schließen, dass für den Prozess der primären Sozialisation und damit der Persönlichkeitsbildung die soziale Herkunft eine bedeutsame und nachhaltige Rolle spielt. Keine andere Lebensphase oder Sozialisationsphase hat dabei einen Einfluss, der an den genannten heranreicht.

„ Einige familiale Beziehungen sind durch die unterschiedlichen Rollen, Funktionen und sich wandelnden Kompetenzen von Eltern und Kindern vorbestimmt. Im Kleinkindalter haben Eltern die Aufgaben, die Kinder zu versorgen, ihnen Schutz zu bieten und sie anzuregen. Die Beziehung ist komplementär mit unterschiedlichen, aber aufeinander bezogene Anforderungen. “ 2

Spätere mögliche Interventionsmaßnahmen, die beispielsweise auf institutioneller Ebene geschehen, können daher, wie sich auch im weiteren Verlauf der Arbeit zeigen wird, nur noch als Modifikationen verstanden werden. Die Primärsozialisation hat auf das ganze Leben des Individuums eine nachhaltige Wirkung. Es entwickelt sich davon ausgehend ein bestimmter Persönlichkeitstypus, der in seiner Weise wiederum Einfluss auf das gesellschaftliche Leben und Miteinander nimmt. Vor allem aus diesem Aspekt bezieht die sozialwissenschaftliche Forschung ihre Rechtfertigung, sich mit der Wichtigkeit der Primärsozialisation zu beschäftigen.3

Ebenfalls die Forschungen von Piaget zur kognitiven Entwicklung legen nahe, dass es sich im frühen Kindesalter um eine wichtige Entwicklungs- und Prägungsphase handelt. Piaget bezeichnet die Lebensphase von 0-6 Jahren als sensu-motorische Intelligenzentwicklung. Kinder lernen hier bereits sich mit ihrer Umwelt oder mit deren Symbolen auseinanderzusetzen und laut Piaget liegen darin die Wurzeln des Denkens. Nicht zuletzt der Aspekt der Objektpermanenz, der sich in dieser Phase ausbildet, hat ebenfalls nachhaltige Auswirkungen auf das spätere Bindungsverhalten und Sozialverhalten des Menschen.4 Piaget ordnet die Übermittlung sozialer Regeln durch Erwachsene sogar im Wesentlichen nur dem Kleinkind- und Vorschulalter zu.5

2.3 Über den Familienbegriff

Da die Primärsozialisation fast ausschließlich im Rahmen der Familie stattfindet, soll nachfolgend der Familienbegriff aufgegriffen und näher erläutert werden; zudem soll betrachtet werden, was Sozialisation in der Familie bedeutet.

Im Jahr 1977 beschreibt das Wörterbuch der Pädagogik die Familie noch als dauerhafte Organisation oder Eltern-Kind-Beziehungen, die den Zweck haben, das gemeinschaftliche Leben oder die Art zu erhalten. Im Jahre 1989 definieren die Tippelt-Gloger, Gabriele: Familienbeziehungen aus pädagogisch-psychologischer Sicht. In: Ecarius, Jutta (Hrsg.): Handbuch Familie. Wiesbaden: VS Springer, 2007, S. 175f.

[...]


1 Mühler, Kurt: Sozialisation: eine soziologische Einführung. Paderborn: Fink, 2008, S. 41.

3 Mühler, S. 50.

4 Schmidt-Denter, Ulrich: Soziale Entwicklung. Ein Lehrbuch über soziale Beziehungen im Laufe des menschlichen Lebens. Weinheim: Psychologie-Verlag-Union, 1988, S. 257.

5 Schmidt-Denter, Ulrich: Soziale Beziehungen im Lebenslauf. Weinheim/Basel: Beltz, 2005, S. 238.

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Details

Titel
Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialisation. Familie und Erziehung
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V343551
ISBN (eBook)
9783668340527
ISBN (Buch)
9783668340534
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindergarten, Kindheit, Sozialisation, Erziehung, Familie
Arbeit zitieren
Gazala Shah (Autor), 2016, Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialisation. Familie und Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343551

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