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Figurenbeschreibung zwischen Typisierung und Individualisierung in Hartmanns 'Iwein'

Title: Figurenbeschreibung zwischen Typisierung und Individualisierung in Hartmanns 'Iwein'

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 19 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Andreas Steiner (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Schwerpunkt der Betrachtungen wird in dieser Arbeit die Figurenkonzeption des Helden im „Iwein“ bilden.
Die Darstellung des Erec soll an dieser Stelle lediglich in ihren Grundzügen in Form von Thesen erfolgen, die Ausgangspunkt für eine detailliertere Untersuchung des Iweins bilden werden. In der Literatur wird allgemein angeführt, der epische Held in Hartmanns Artusromanen habe im Vergleich zum Legendenheld an Individualität gewonnen, strebe gemäß des eines Entwicklungsgedankens nach persönlicher Vervollkommnung und erreiche so den Status eines vorbildlichen und durch die Autorität des Artushofes bestätigten Helden.
Insbesondere durch den doppelten Durchlauf der motivisch aufeinander abgestimmten Aventiurenfolgen (s. 2.) wird auch tatsächlich ein individueller Erfahrungsweg des Helden entworfen.
Es wird im Folgenden zu prüfen sein, in wieweit dieser Erfahrungsweg mit den Begriffen Individualität oder Entwicklung überhaupt zu fassen ist.
Hierzu wird es nötig, Begriffsabgrenzungen vorzunehmen und Kategorien zu deren Anwendung zu bestimmen:
Die Forschung bietet eine Anzahl von Theorien zur Art der Personendarstellung in der Epik des Mittelalters an, die von EHRISMAN in ihrer Anwendung auf das Nibelungenlied zusammengefasst werden (EHRISMANN, S. 213-223).
Eine Anwendung der dort entworfenen Kriterien zur Beurteilung der Figurenbeschreibung auf die Heldendarstellungen in den Artusromanen „Erec“ und „Iwein“ erscheint als fruchtbar:
Das Feld zwischen Typisierung und Individualisierung der Figurenbeschreibung wird in dieser Darstellung mit den Begriffen Figuren oder Typen, Rollenträger und Charaktere abgesteckt.
Für diese Untersuchung sollen die Begriffe Rolle und Charakter herausgegriffen werden, da die Abgrenzung zwischen Figur und Rolle nicht scharf genug markiert werden kann (so EHRISMANN, S.218).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Menschenbild: Figur, Rolle oder Charakter?

2. Die Entwicklung des Helden zum idealen Herrscher, Aventiurenstruktur

2.1 Erec

2.2 Iwein - Der passive Held.

2.2.1 Calogrenants Erzählung

2.2.2 Iweins Aufbruch und Brunnenkampf

2.2.3 Hochzeit mit Laudine

2.2.4 Iweins Wahnsinn

2.2.5 Iweins Heilung/ Gräfin Narison

2.2.6 Iwein hilft Lunete I (Einkehr bei Lunete)

2.2.7 Episode um die Rettung Lunetes / Kampf gegen den Riesen

2.2.8 „Burg zum Schlimmen Abenteuer“

2.2.9 Kampf gegen Gawein

2.2.10 Fazit

3. Der Artushof

3.1 Wandel der Bedeutung des Artushofes im Iwein

3.2 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Figurenkonzeption in Hartmanns „Iwein“ und analysiert kritisch, ob sich der Held Iwein im Laufe der erzählten Abenteuer tatsächlich zu einem individuellen Charakter entwickelt oder ob er innerhalb der typisierten Rolle des höfischen Ritters verhaftet bleibt. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit Iwein seine Fehler reflektiert und eigenverantwortlich handelt oder lediglich auf äußere Zwänge und das arthurische Konzept reagiert.

  • Gegenüberstellung der Begriffe „Rolle“ und „Charakter“ in der mittelalterlichen Epik.
  • Analyse der „Doppelwegstruktur“ und deren Auswirkung auf die Heldenentwicklung in „Erec“ und „Iwein“.
  • Untersuchung der Passivität Iweins in verschiedenen Handlungsstationen.
  • Deutung der Bedeutung des Artushofes und dessen Wandel zwischen „Erec“ und „Iwein“.

Auszug aus dem Buch

2.2.3 Hochzeit mit Laudine

Bei näherer Betrachtung der Geschehnisse, die zur Hochzeit mit Laudine führen, wird deutlich, dass die handlungsauslösenden Impulse nicht von Iwein ausgehen:

Das oben angesprochene Beweisproblem zwingt ihn zur Verfolgung Askalons, doch die Situation entgleitet seiner Kontrolle (so BECK, S. 204), er gerät in Gefangenschaft und Abhängigkeit von Lunete, der er von nun an alle weiteren Handlungsschritte überlässt und dabei selbst versteckt bleibt.

Der gefangene Iwein erblickt Laudine, muss aber wie gelähmt ihrer Trauer zusehen (1333).

Die Darstellung der minne, die den hilflosen Iwein im Folgenden überwältigt, liest sich wie eine Bestätigung seiner Gefangenschaft (V. 1537): Er befindet sich fortan nicht nur in Bezug auf seine äußere Situation (gefangen, verwundet, unsichtbar), sondern auch innerlich (durch die Macht der minne über ihn; Beweisproblem) in einer Zwangslage, aus der er nur mit der Hilfe Lunetes wieder befreit werden kann.

Im Gegensatz zu der lähmenden und existenzbedrohenden Zwangslage Iweins treten die Frauen Laudine und Lunete als politisch vorausschauende Akteure auf: Laudine setzt Iwein nach Lunetes Rat bewusst gegen den nahenden Artus ein, während Iwein den Zusammenhang Hochzeit - Kampf gegen Artus nicht reflektiert. Laudine ist immerhin fähig, mit der aktiven Werbung um den völlig passiven und noch dazu verstummten Iwein von höfischen Protokollen der Brautwerbung abzuweichen (V. 2328), da sie aus ihrer Verantwortung für ihr Reich heraus ein übergeordnetes strategisches Ziel verfolgt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Menschenbild: Figur, Rolle oder Charakter?: Es werden theoretische Grundlagen zur Definition von „Rolle“ und „Charakter“ in der mittelalterlichen Epik erarbeitet, um die Untersuchung des Iwein-Helden vorzubereiten.

2. Die Entwicklung des Helden zum idealen Herrscher, Aventiurenstruktur: Dieses Kapitel führt das Konzept der „Doppelwegstruktur“ ein und bildet den theoretischen Rahmen für die Analyse der einzelnen Aventiuren.

2.1 Erec: Eine knappe Zusammenfassung der Erec-Entwicklung dient als Vergleichsfolie für die anschließende, detaillierte Untersuchung des „Iwein“.

2.2 Iwein - Der passive Held.: Dieses Kapitel analysiert Iweins Handlungen an verschiedenen Stationen der Erzählung und belegt seine grundlegende Passivität.

2.2.1 Calogrenants Erzählung: Untersuchung des initialen Abenteuers und Iweins Reaktion darauf.

2.2.2 Iweins Aufbruch und Brunnenkampf: Analyse der Brunnenaventiure und der damit verbundenen Probleme des arthurischen Konzepts.

2.2.3 Hochzeit mit Laudine: Darstellung der Heirat als Ergebnis externer Impulse, nicht als Ausdruck eigenständigen Handelns.

2.2.4 Iweins Wahnsinn: Interpretation der Krise als Folge der andauernden Passivität.

2.2.5 Iweins Heilung/ Gräfin Narison: Analyse der Heilungsphase und Iweins Selbsterkenntnis im Kontext des Traums.

2.2.6 Iwein hilft Lunete I (Einkehr bei Lunete): Untersuchung eines weiteren Moments der Selbsterkenntnis und des Schuldbewusstseins.

2.2.7 Episode um die Rettung Lunetes / Kampf gegen den Riesen: Analyse von Iweins Handlungsfähigkeit in der Harpin-Episode.

2.2.8 „Burg zum Schlimmen Abenteuer“: Untersuchung der erneuten Aventiure unter Termindruck.

2.2.9 Kampf gegen Gawein: Analyse des finalen Kampfes und der Bedeutung der Doppelzentrik.

2.2.10 Fazit: Zusammenfassendes Urteil über Iweins Entwicklung und seine Begrenztheit innerhalb der Rolle.

3. Der Artushof: Theoretische Einordnung des Artushofes als Garant idealisierter Ordnung im Vergleich zwischen „Erec“ und „Iwein“.

3.1 Wandel der Bedeutung des Artushofes im Iwein: Analyse der strukturellen Veränderung und Problematisierung des Artushofes im Iwein.

3.2 Fazit: Abschlussbetrachtung der Ergebnisse zur Charakterisierung des Helden und der Rolle des Artushofes.

Schlüsselwörter

Iwein, Hartmann von Aue, Figurenkonzeption, Rolle, Charakter, Artushof, Aventiure, Doppelwegstruktur, Minne, Passivität, Selbstreflexion, Individuum, Höfische Gesellschaft, Laudine, Epik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Figurenkonzeption im höfischen Roman „Iwein“ von Hartmann von Aue. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob der Protagonist eine echte Charakterentwicklung durchläuft oder in einer typisierten Ritterrolle gefangen bleibt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Helden, die Abgrenzung von „Rolle“ und „Charakter“, die Struktur der Aventiuren sowie die Bedeutung und der Wandel des Artushofes.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist zu prüfen, ob der im Roman abgebildete Erfahrungsprozess von Iwein reflektiert wird und ob er zu eigenverantwortlichem Handeln führt, das ihn über die bloße Erfüllung einer ritterlichen Rolle hinaushebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf bestehenden Theorien zur mittelalterlichen Epik (u.a. Ehrsman, Haug) basiert, um den „Iwein“ anhand von Kriterien wie Reflexion, Selbstmotivation und Handlungsfähigkeit zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der „Doppelwegstruktur“, die detaillierte Untersuchung der Passivität Iweins in den verschiedenen Aventiuren nach seiner Krise sowie die veränderte Rolle des Artushofes im Vergleich zum „Erec“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Iwein, Hartmann von Aue, Rollenkonzept, Charakterentwicklung, Artushof, Aventiurenstruktur, Passivität und Selbstreflexion.

Wie unterscheidet sich Iweins Entwicklung von der des Helden in „Erec“?

Im Gegensatz zum „Erec“, wo die Entwicklung hin zu einem integrierten Herrscher erfolgreicher erscheint, wird im „Iwein“ die Passivität des Helden stärker betont und der Lernprozess durch die Analyse als eher defizitär oder rein durch Zufälle begünstigt bewertet.

Welche Rolle spielen die weiblichen Figuren in Bezug auf Iweins Handlungsfähigkeit?

Weibliche Figuren wie Laudine und Lunete agieren als politisch vorausschauende Akteure, während Iwein in den beschriebenen Episoden passiv bleibt und meist auf deren Initiative oder durch äußere Umstände zu seinem Handeln gedrängt wird.

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Details

Title
Figurenbeschreibung zwischen Typisierung und Individualisierung in Hartmanns 'Iwein'
College
Free University of Berlin
Course
HS Erzählstrategien im höfischen Roman
Grade
1,5
Author
Andreas Steiner (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V34356
ISBN (eBook)
9783638346047
ISBN (Book)
9783640147427
Language
German
Tags
Figurenbeschreibung Typisierung Individualisierung Hartmanns Iwein Erzählstrategien Roman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Steiner (Author), 2002, Figurenbeschreibung zwischen Typisierung und Individualisierung in Hartmanns 'Iwein', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34356
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