Mit dieser Arbeit möchte ich untersuchen welchen Stellenwert der Mythos für und innerhalb der Politik besitzt und inwiefern er eingesetzt wird beziehungsweise wurde, um die eigenen politischen Interessen durchsetzen zu können.
Hierzu werde ich mich im ersten Schritt mit dem derzeitigen Forschungsstand befassen und im Anschluss daran den Begriff des politischen Mythos zunächst definieren, bevor ich ihn von anderen Erzählungen wie der der Ideologie und der Utopie versuche abzugrenzen.
Das daran anschließende Kapitel beschäftigt sich mit der Frage wie politische Mythen überhaupt entstehen und welche Grundmotive, welche Formen des politischen Mythos bestehen und welche spezifischen Besonderheiten die einzelnen Arten besitzen. Darauffolgend werde ich versuchen zu verdeutlichen, wie politische Mythen vermittelt werden und welche Vermittlungsformen hierbei besonders im Mittelpunkt stehen bevor ich mich dann den Grundfunktionen zuwende, welche dem Mythos innewohnen.
Abschließend möchte ich ein konkretes Beispiel für den Gebrauch von politischen Mythen beschreiben. Konkret handelt es sich dabei um die Kampagne der polnischen Euroskeptiker zum polnischen EU-Beitritt aus dem Jahre 2003, welche ganz bewusst mythisch aufgeladen wurde um die Massen für sich zu mobilisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Definition des Begriffs „Politischer Mythos“
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Abgrenzung gegenüber Ideologie und Utopie
3.2.1 Mythos und Ideologie
3.2.2 Utopie und Mythos
4. Entstehung und Grundmotive von politischen Mythen
4.1 Wie entstehen politische Mythen?
4.2 Grundmotive von politischen Mythen
5. Vermittlung und Grundfunktionen von politischen Mythen
5.1 Vermittlungsformen des politischen Mythos
5.2 Grundfunktionen des politischen Mythos
6. Der EU- Beitritt Polens: Die Kampagne der Euroskeptiker vor der Volksabstimmung 2003
6.1 Das Europaverständnis der Euroskeptiker
6.2 Polen und Europa: Eine Erzählung von Vertrauen und Verrat
6.3 Weltteilung als Argumentationsstrategie
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert von Mythen innerhalb der Politik und analysiert, inwiefern diese gezielt instrumentalisiert werden, um politische Interessen durchzusetzen und Massen zu mobilisieren.
- Theoretische Grundlagen und Definition des Begriffs "Politischer Mythos"
- Abgrenzung des Mythos gegenüber Ideologie und Utopie
- Analyse der Entstehung, Grundmotive und Vermittlungsformen politischer Mythen
- Untersuchung der Grundfunktionen von Mythen in modernen Gesellschaften
- Fallstudie: Die Kampagne polnischer Euroskeptiker vor der Volksabstimmung 2003
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsbestimmung
Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs „Mythos“ bezieht sich mehrheitlich auf berühmte und beliebte Begebenheiten oder Personen. Aus wissenschaftlicher Perspektive, lässt sich ein Mythos als eine sinnstiftende Erzählung charakterisieren, welche versucht mit Bekanntem etwas schwer Verständliches oder etwas Unbekanntes vereinfacht darzustellen und somit versucht zu erläutern. Ein Mythos dient in diesem Kontext als geistiger Bezugsrahmen, schon allein deshalb, da „mythisches Denken auf einem Raster apriorischer Prämissen beruht.“
Religiöse Mythen unterscheiden sich von politischen Mythen hinsichtlich ihres Anspruchs. Erstere berichten von der Entstehung der Welt und interpretieren aktuelle Geschehnisse, indem sie eben solche in diesen Bericht integrieren und Geschichten weiterspinnen, „die der gesamten Wirklichkeit als eine zusätzliche, Sinn und Bedeutung stiftende Dimension unterlegt sind.“ Entgegen dem Mythos bestreitet die Wissenschaft die Existenz dieser Dimension und ersetzt „gleichzeitig das narrative durch ein analytisch- erklärendes Verfahren (…), das materiell- immanente Kausalitäten und Gesetzmäßigkeiten auffindet.“
Politische Mythen lassen sich analog dazu also als Erzählungen verstehen, welche „auf das politisch- soziale Geschehen gemünzt sind und diesem Geschehen eine spezifische Bedeutung verleihen.“ Der politische Mythos als sinnstiftende Narration, kann sich dabei sowohl auf politische Akteure, Institutionen und Handlungen als auch auf die Gesellschaftsordnung im Gesamten beziehen. Der als emotional aufgeladene Narration definierte politische Mythos, gibt die historische Wirklichkeit also nicht den Tatsachen entsprechend wieder, sondern interpretiert sie in einer stereotypisierten und selektiven Art und Weise, welche dieser „mythischen Lesart der Wirklichkeit [dadurch] einen Anschein von Historizität verleiht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung und Instrumentalisierung von Mythen in der Politik und umreißt das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Forschungsstand: Das Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der historischen Mythosforschung und identifiziert den Bedarf an fundierterer Theoriebildung.
3. Definition des Begriffs „Politischer Mythos“: Hier wird der politische Mythos definiert und von religiösen Mythen sowie Konzepten wie Ideologie und Utopie abgegrenzt.
4. Entstehung und Grundmotive von politischen Mythen: Dieses Kapitel analysiert, wie Mythen entstehen und welche inhaltlichen Kategorien wie Personen-, Ereignis- und Raummythen unterschieden werden können.
5. Vermittlung und Grundfunktionen von politischen Mythen: Hier werden die Kommunikationswege (wie Massenmedien) sowie die zentralen Funktionen (Sinnstiftung, Integration, Legitimierung) von Mythen dargelegt.
6. Der EU- Beitritt Polens: Die Kampagne der Euroskeptiker vor der Volksabstimmung 2003: In diesem Kapitel wird die Fallstudie der polnischen Euroskeptiker angewandt, um die praktische Nutzung mythischer Argumentationsmuster im Wahlkampf aufzuzeigen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung des Mythos als Instrument der politischen Mobilisierung.
Schlüsselwörter
Politischer Mythos, Politische Kommunikation, Machtpolitik, Ideologie, Utopie, Massenmobilisierung, Kollektive Identität, Euroskeptiker, Polen, EU-Beitritt, Medialisierung, Sinnstiftung, Integrationsfunktion, Historisches Gedächtnis, Narrativ.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Funktion politischer Mythen in modernen Gesellschaften sowie deren gezielten Einsatz zur Durchsetzung politischer Interessen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Mythos, seine Abgrenzung zu anderen Erzählformen, seine Vermittlungsmechanismen über Massenmedien und seine instrumentelle Rolle in Wahlkämpfen.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welchen Stellenwert Mythen für die Politik besitzen und wie sie als Instrumente zur Mobilisierung von Massen verwendet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch politik- und kulturwissenschaftliche Literatur, die in einem zweiten Schritt anhand einer Fallstudie (Euroskeptiker in Polen) empirisch illustriert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block zur Begriffsbestimmung, Entstehung und Funktion des Mythos sowie einen analytischen Block, der die Kampagne der polnischen Euroskeptiker von 2003 detailliert auswertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Politische Mythen, Sinnstiftung, Instrumentalisierung, Kollektives Gedächtnis und Medialisierung.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Mythos und Ideologie eine so wichtige Rolle?
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, da der Mythos zwar als emotionaler Baustein einer Ideologie dienen kann, in seinem Wesen jedoch oft liberaler und offener ist als die starre "entweder-oder"-Struktur ideologischer Systeme.
Welche spezielle Erkenntnis liefert die Fallstudie über Polen?
Die Studie zeigt, wie tief im kulturellen Gedächtnis verankerte Narrative – wie das des "Verrats an Polen" – genutzt werden können, um durch gezielte mediale Strategien kollektive Identität gegen eine vermeintliche Bedrohung von außen zu konstruieren.
- Citation du texte
- Alexander Schmucker (Auteur), 2015, Mythos und Politik. Welche Bedeutung haben Mythen für die Politik und inwiefern werden sie für die Durchsetzung politischer Interessen instrumentalisiert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343606