Die Arbeit beleuchtet die Rolle der "Corregidores" und dem von ihnen ausgeübten Zwangshandel, der "Repartimientos", auf die koloniale Gesellschaft Lateinamerikas. Werden die "Corregidores" in den Geschichten von Ricardo Palma oft als grausame Charaktere dargestellt, so waren sie doch nur Teil eines von der Krone initiierten Systems. Ursprünglich sollten sie die "Encomiendas" ablösen, in denen bis Mitte des 16. Jahrhunderts die Kolonisierung, zum Leidwesen der spanischen Krone, von Privatleuten vorangetrieben wurde . Die Staatsbeamten sollten nunmehr das Geld für die Monarchie eintreiben. Einerseits wurden die "Corregidores" mit umfangreichen Befugnissen ausgestattet, finanziell hingegen nur unzureichend entlohnt. Die "Corregidores", die sich für den Erwerb ihres Titels zum Teil verschuldet hatten, standen unter enormem ökonomischen Druck. Innerhalb kurzer Zeit etablierten sie flächendeckend einen Zwangshandel zu festgesetzten Preisen mit den an Handel wenig interessierten Indios, die bis dato meist nur für den täglichen Bedarf gearbeitet hatten. Legitimiert wurde dieser Zwangshandel mit dem Argument, die Indios seien von Natur aus faul und können nur auf diese Weise zur Arbeit angehalten werden. Trotz aller menschlichen Grausamkeiten, so sind sich die Historiker einig, führte das System zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der betroffenen Länder, gleichzeitig aber zum Erstarken der lokalen Eliten und Abspaltungen von der Krone. Ebenso schürte die Unterdrückung Konflikte mit der lokalen Indiobevölkerung. Auch mit der offiziellen Abschaffung der "Repartimientos" und "Corregidores" konnte die spanische Krone den Prozess der Abnabelung von Spanien, den sie selbst durch das System beschleunigt hatte, nicht mehr aufhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Corregidores in Lateinamerika
2.1 Herkunft der Corregidores
2.2 Die Aufgaben der Corregidores
2.3 Tatsächliche Funktion im kolonialen System
2.4 Legitimierung der Repartimientos
2.5 Wegbereiter für die Abschaffung der Repartimientos
2.6 Vetternwirtschaft der lokalen Eliten
3. Konsequenzen der Repartimientos für die Kolonien
3.1 Soziale Auswirkungen des Zwangshandels
3.2 Die Abschaffung der Repartimientos
3.3 Ökonomischer Einfluss auf die Kolonien
4. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Corregidores und des Systems der Repartimientos im kolonialen Lateinamerika. Ziel ist es, deren komplexe Funktion innerhalb der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen sowie die Auswirkungen dieser Mechanismen auf die indigene Bevölkerung und die spanische Kolonialverwaltung zu analysieren.
- Historische Entwicklung und Aufgaben der Corregidores
- Mechanismen des Zwangshandels (Repartimientos)
- Soziale und wirtschaftliche Folgen für die indigenen Gemeinschaften
- Die Rolle der Krone und lokaler Eliten im System der Ausbeutung
- Zusammenhang zwischen Zwangshandel und sozialen Unruhen/Rebellionen
Auszug aus dem Buch
Tatsächliche Funktion im kolonialen System
Die angestrebte Neutralität fand in der Realität nur wenig Umsetzung. Schon die Art der Amtsverteilung in Spanien machte den Corregidores eine neutrale Position unmöglich: De facto konnten sich Privatpersonen das Amt der Corregidores für über 10 000 Pesos kaufen. Um sich diesen Titel leisten zu können, nahmen Kolons einen Kredit in Spanien auf, der bei der Peruanischen Bank bei 8 % Zinsen wieder abbezahlt werden konnte. Dazu kamen hohe Kosten, die die Corregidores in Lateinamerika beim Aufbau einer eigenen Existenz erwarteten. Von vorn herein standen sie also unter einem enormen ökonomischen Druck. Der von der Krone gezahlte Lohn, der sich prozentual nach den eingezogenen Tributen richtete, reichte kaum für die Deckung der Kosten aus.
Zusätzlich fehlte die direkte Kontrolle bei ihrer Amtsausübung. Um ihre finanzielle Situation zu verbessern, erhoben die Corregidores Extra-Zölle oder trieben die Indios zur Zwangsarbeit an. Die wichtigste Einkommensquelle entwickelte sich für die Corregidores aber erst mit der Zeit. Durch ihre Rolle als Eintreiber von Tributen, die gerade zu Anfang noch aus Rohmaterialien bestanden, gingen viele Waren durch ihre Hände. Bald begannen sie selbst, mit Waren zu handeln. Die Indios, die es nicht gewohnt waren, für Geld zu arbeiten, sondern vorher nur für den Eigenbedarf und die Tribute den Acker kultivieren mussten, waren an Handel und Erwerb von Produkten wenig interessiert. Deshalb etablierten die Corregidores die Repartimientos, einen Zwangshandel von Gütern zu festgesetzten Preisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Wahrnehmung der Corregidores und Darlegung des Forschungsanliegens hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und sozialen Funktion.
2. Die Entwicklung der Corregidores in Lateinamerika: Untersuchung der historischen Herkunft, der administrativen Aufgaben und der realen, von Korruption geprägten Amtsausübung der Corregidores.
3. Konsequenzen der Repartimientos für die Kolonien: Analyse der sozialen und ökonomischen Auswirkungen des Zwangshandels auf die indigene Bevölkerung sowie der Prozesse, die letztlich zu den bourbonischen Reformen führten.
4. Schluss: Synthese der Erkenntnisse über die Verstrickung der Krone und lokaler Eliten in ein ausbeuterisches System, das maßgeblich zu sozialen Spannungen und Unruhen beitrug.
Schlüsselwörter
Corregidores, Repartimientos, Kolonialgeschichte, Lateinamerika, Zwangshandel, Indios, Tribute, Spanische Krone, Wirtschaft, Verwaltung, Bourbonische Reformen, Soziale Auswirkungen, Mita, Lokale Eliten, Ausbeutung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem Einfluss der spanischen Verwaltungsbeamten, der sogenannten Corregidores, und deren Praktik des Zwangshandels, den Repartimientos, im kolonialen Lateinamerika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Machtstrukturen der Kolonialverwaltung, die ökonomischen Zwänge der Corregidores, die ideologische Rechtfertigung von Zwangsarbeit und die sozialen Folgen für die indigene Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erläutern, welche Funktion die Corregidores und Repartimientos für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Lateinamerikas hatten und inwieweit sie das koloniale Gefüge beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die zeitgenössische Quellen, Gesetzestexte (Real Cédulas) sowie historiographische Fachliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die administrative Entwicklung des Amtes, die Entstehung und Legitimierung des Zwangshandels sowie die Analyse der negativen Folgen für die Indios und die politische Reaktion der Krone.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Corregidores, Repartimientos, Koloniales Lateinamerika, Zwangshandel, Indios und Bourbonische Reformen.
Warum griffen die Corregidores zum Zwangshandel?
Sie standen unter enormem ökonomischen Druck, da sie ihr Amt oft teuer erkaufen mussten und die offiziellen Gehälter zur Existenzsicherung und Kostendeckung nicht ausreichten.
Welche Rolle spielte die spanische Krone bei den Repartimientos?
Die Krone tolerierte das System trotz der offensichtlichen Ausbeutung, da sie finanziell davon profitierte und das System später sogar offiziell legalisierte und besteuerte.
Inwiefern beeinflussten die Repartimientos die Rebellionen gegen die Krone?
Das System der Ausbeutung und der enorme Druck auf die Bevölkerung, etwa durch Zwangszahlungen an Feiertagen, trugen maßgeblich zur Verschlechterung der Lebensbedingungen bei und förderten Aufstände wie die von Tupac Amaru.
- Arbeit zitieren
- Jost Fromhage (Autor:in), 2004, Einfluss der Corregidores und Repartimientos auf Wirtschaft und Gesellschaft im kolonialen Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34365