Die geschichtswissenschaftliche Forschung, genauer gesagt die Hexenforschung der vergangenen Jahrzehnte, untersuchte in besonderem Maße die Hexenverfolgungen, welche der aktuellen Lehrmeinung zufolge als Massenphänomen erst seit dem 16. Jahrhundert auftraten. Um diese Verfolgungen angeblicher Hexen besser verstehen zu können, erscheint es ratsam sich mit den Hexenvorstellungen auseinanderzusetzen, die den Hexenverfolgungen zugrunde lagen bzw., mit deren Genese im Spätmittelalter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersicht zur verwendeten Literatur
3. Definitionsversuche wichtiger Begriffe zum Verständnis des Hexenglaubens des 15. Jahrhunderts
3.1. MAGIE
3.2. ABERGLAUBE
3.3. VOLKSGLAUBE
3.4. DÄMONOLOGIE
3.5. TEUFELS- bzw. DÄMONENPAKT
3.6. KETZER
3.7. HEXEN und HEXER
3.8. HEXEREI
3.9. HEXENSEKTE
3.10. HEXENSABBAT
4. Die Deutungen von Hexerei, Zauberei und Dämonen bis zum Spätmittelalter
4.1. Altertum
4.2. Frühes Christentum
4.3. Früh- und Hochmittelalter
5. Die Entwicklung der Dämonologie im Spätmittelalter bis zum frühen 15. Jahrhundert
5.1. Die zunehmende Bedeutung des Dämonenpaktes als gedachte Basis der Zauberei und Hexerei
5.2. Die Rolle der europäischen Universitäten und ihrer theologischen Fakultäten für die Weiterentwicklung der Dämonologie im Spätmittelalter
6. Wichtige Informationen zum Hexenglauben des 15. Jahrhunderts
6.1. Eine fließende Grenze zwischen Vorteil- und Schadenzauber?
6.2. Die Hexenvorstellung der einfachen Bevölkerung und die der Gelehrtenwelt
6.3. Männern und Frauen zugeschriebene magische Wirkungsbereiche
6.4. Die Erörterung des Hexenglaubens in wichtigen gelehrten Traktaten des 15. Jahrhunderts
7. Der Formicarius des Johannes Nider
7.1. Die wichtigsten Informationen zum Leben des Dominikanergeistlichen
7.2. Allgemeine Informationen zum Formicarius
7.3. Die Inhalte des Formicarius (vor allem des fünften Buches)
7.3.1. Kräfte und Erscheinungsformen der Dämonen
7.3.2. Dämonen und Sexualität
7.3.3. Zauberei und Hexerei
7.3.4. Dämonische Besessenheit oder Geisteskrankheit?
8. Der Malleus Maleficarum des Heinrich Kramer
8.1. Allgemeine Informationen zum Hexenhammer und zu Heinrich Kramer
8.2. Inhaltsübersicht und beigelegte Dokumente des Hexenhammers
8.2.1. Die Bulle Summis desiderantes affectibus vom 5. Dezember 1484
8.2.2. Die Approbation / das Kölner Notariatsinstrument vom 19. Mai 1487
8.2.3. Die Apologia
8.3. Die wesentlichen Aussagen des Werkes nach Themen gegliedert
8.3.1. Hexerei im Allgemeinen
8.3.2. Die Einflussnahme der Hexen und Dämonen auf die Sexualität
8.3.3. Die (Schaden-)Zaubereien der Hexen
8.3.4. Mittel bzw. Schutz gegen/vor Hexerei
8.3.5. Kramers Empfehlungen für die rechtspraktische Umsetzung der Hexenverfolgungen
9. Die Beziehung des Formicarius des Johannes Nider zum Malleus Maleficarum des Heinrich Kramer
9.1. Liebestollheit und Liebeszauber
9.2. Frauenbild
9.3. Fruchtbarkeits- und potenzschädigender Zauber
9.4. Wetterzauber
9.5. Mittel gegen Hexen und Hexerei
9.6. Magischer Flug
9.7. Kannibalismus
9.8. Hexensekte
9.9. Besessenheit
10. Die Hexenverfolgungen des 15. Jahrhunderts
10.1. Mögliche Faktoren für das Aufkommen der Hexenverfolgungen
10.2. Rechtliche Grundlagen der Hexenverfolgungen
10.3. Die Verdächtigten und Opfer der Hexenverfolgungen
10.4. Die Ausbreitung der Hexenverfolgungen im 15. Jahrhundert anhand wichtiger Beispiele
10.5. (Frühe) Kritik an den Hexenverfolgungen
11. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert den Hexenglauben des 15. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf der Untersuchung des gelehrten Hexenbegriffs und dessen Entstehung im Spätmittelalter liegt. Ziel ist es, durch die Analyse bedeutender zeitgenössischer Quellen, insbesondere des Formicarius von Johannes Nider und des Malleus Maleficarum von Heinrich Kramer, das komplexe Zusammenspiel zwischen gelehrten Dämonologien und volkstümlichen Vorstellungen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der aufkommenden Hexenverfolgungen zu durchdringen und kritisch aufzuarbeiten.
- Aufkommen und Genese des neuartigen gelehrten Hexenglaubens im 15. Jahrhundert.
- Vergleichende Analyse der Hauptquellen Formicarius (Johannes Nider) und Malleus Maleficarum (Heinrich Kramer).
- Die Rolle der Scholastik und Theologie bei der Konstruktion des Hexenbildes (Teufelspakt, Hexensekte, Sabbat).
- Genderspezifische Zuschreibungen und soziale Faktoren in den damaligen Hexenverfolgungen.
- Historische Kontexte und rechtliche Grundlagen, die den Übergang zu systematischen Hexenverfolgungen begünstigten.
Auszug aus dem Buch
3.1. MAGIE
Zur Etymologie des Begriffes Magier meint Baschwitz, dass dieser ursprünglich aus dem Persischen kommen würde und die Bezeichnung für einen Priester gewesen wäre. Für Kieckhefer ist die Magie selbst ein „Ort“, wo Religion und Wissenschaft aufeinandertreffen, wo populäre Anschauungen sich mit denen der gebildeten Klassen vereinigen, wo literarische Konventionen und die alltägliche Wirklichkeit zusammenfließen. Unter Magie versteht Schild eine Technik, die auf dem Glauben an geheime Kräfte im Menschen und im Weltall beruht, Kräfte, die unter besonderen Voraussetzungen vom Menschen gelenkt und geweckt werden. Dillingers Definition von Magie besagt, dass Magie jedes System von Vorstellungen und Verhaltensweisen ist, das darauf abzielt die sichtbare, im Alltag erlebbare Welt mit einem Raum außerhalb dieser Welt in Beziehung zu setzen. Dieses System werde von Einzelnen oder informellen Kleingruppen getragen, die jeweiligen Vorstellungen und Verhaltensweisen seien weder institutionalisiert noch würden sie allgemeinen fixen Regeln oder Dogmen unterliegen. James George Frazer hatte nach Dillinger behauptet, dass der Unterschied zwischen Religion und Magie darin liegt, dass der Religiöse nie sicher ist, dass seine Wünsche erfüllt werden, während der Magier für seine Riten gesetzmäßige Wirksamkeit beansprucht. Der Magier fordere und befehle, der Religiöse bitte und bete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, den Hexenglauben des 15. Jahrhunderts zu untersuchen, und führt in die methodische Herangehensweise sowie die Auswahl der zentralen Quellen ein.
2. Übersicht zur verwendeten Literatur: Hier werden die wichtigsten Forschungswerke und Überblickswerke vorgestellt, die das Verständnis für den Themenkomplex Hexenwesen und Magie im Mittelalter prägen.
3. Definitionsversuche wichtiger Begriffe zum Verständnis des Hexenglaubens des 15. Jahrhunderts: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, indem zentrale Begriffe wie Magie, Aberglaube, Volksglaube und Dämonologie definiert und in ihrem zeitgenössischen Kontext beleuchtet werden.
4. Die Deutungen von Hexerei, Zauberei und Dämonen bis zum Spätmittelalter: Es erfolgt eine historische Einordnung der Konzepte von Hexerei und Dämonen, beginnend im Altertum über das frühe Christentum bis hin zum Früh- und Hochmittelalter.
5. Die Entwicklung der Dämonologie im Spätmittelalter bis zum frühen 15. Jahrhundert: Der Fokus liegt auf der wissenschaftlichen Fundierung der Dämonologie an Universitäten und durch scholastische Theologen wie Thomas von Aquin.
6. Wichtige Informationen zum Hexenglauben des 15. Jahrhunderts: Hier werden Faktoren analysiert, die das Aufkommen des neuartigen Hexenglaubens begünstigten, sowie die unterschiedlichen Vorstellungen in der Gelehrtenwelt und der einfachen Bevölkerung diskutiert.
7. Der Formicarius des Johannes Nider: Dieses Kapitel widmet sich dem Leben Johannes Niders sowie den Inhalten seines Werkes, das als eine der Hauptquellen der Arbeit fungiert.
8. Der Malleus Maleficarum des Heinrich Kramer: Eine detaillierte Betrachtung des Hexenhammers, seiner Entstehungsgeschichte, der theologischen Aussagen und der Empfehlungen Kramers für die rechtspraktische Umsetzung der Verfolgungen.
9. Die Beziehung des Formicarius des Johannes Nider zum Malleus Maleficarum des Heinrich Kramer: Eine vergleichende Analyse, die aufzeigt, wie Kramer Inhalte aus Niders Werk übernahm, um seine eigene dämonologische Argumentation zu stützen.
10. Die Hexenverfolgungen des 15. Jahrhunderts: Dieses Kapitel behandelt die Rahmenbedingungen, rechtlichen Grundlagen und die historische Ausbreitung der Hexenverfolgungen sowie frühe kritische Stimmen dazu.
11. Zusammenfassung: Abschließendes Resümee, das die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zur Entwicklung und Struktur des spätmittelalterlichen Hexenglaubens bilanziert.
Schlüsselwörter
Hexenglaube, 15. Jahrhundert, Dämonologie, Malleus Maleficarum, Johannes Nider, Heinrich Kramer, Hexenverfolgung, Schadenzauber, Teufelspakt, Spätmittelalter, Formicarius, Ketzerverfolgung, Inquisition, Magie, Hexensekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Wandel und die Entstehung des gelehrten Hexenglaubens im 15. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus auf die dämonologischen Theorien jener Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Dämonologie durch Theologen und Universitäten, die juristischen Voraussetzungen für Hexenprozesse sowie die Wechselwirkung zwischen dem gelehrten Hexenbegriff und dem populären Volksglauben.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Genese des neuartigen Hexenbildes zu verstehen, indem die Hauptquellen Formicarius und Malleus Maleficarum intensiv verglichen und auf ihre gegenseitigen Beeinflussungen hin untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Herangehensweise, basierend auf einer tiefgehenden Quellenanalyse gelehrter Traktate sowie der Auswertung aktueller Forschungsliteratur zur Hexenforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, eine historische Herleitung der Dämonologie, eine detaillierte Quellenanalyse von Nider und Kramer sowie eine Untersuchung der rechtlichen und sozialen Bedingungen, die zur Hexenverfolgung führten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Dämonologie, Teufelspakt, Inquisitionsverfahren, Schadenzauber, Hexensekte und scholastische Theologie geprägt.
Warum ist der Vergleich zwischen Nider und Kramer so wichtig?
Weil der Formicarius von Nider als eine der direkten Quellen für den Malleus Maleficarum von Kramer diente. Der Vergleich offenbart, wie Kramer Niders Ideen selektiv übernahm, um die Existenz einer „gefahrvollen Hexensekte“ zu konstruieren und die Verfolgungen zu legitimieren.
Welche Rolle spielt die „einfache Bevölkerung“ in der Arbeit?
Die Arbeit kontrastiert die gelehrten, oft abstrakten theologischen Vorstellungen mit dem praktischen Volksglauben, um aufzuzeigen, dass die Konzepte der Gelehrten (wie der Teufelspakt) in der Bevölkerung deutlich langsamer Fuß fassten als im akademischen Diskurs.
- Quote paper
- Johannes Schrittesser (Author), 2016, Der Hexenglaube des 15. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343700