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Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität - eine erziehungswissenschaftliche Perspektive

Title: Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität - eine erziehungswissenschaftliche Perspektive

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 38 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andrea Adam (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Betrachtung des Egozentrismus im interkulturellen Kontext – explizit der Herausarbeitung des Egozentrismus als Denkhindernis für die Aneignung von Interkulturalität. Fokus und Interesse liegt somit in der Erarbeitung der Voraussetzungen und Bedingungen des Denkens und der Erkenntnis des Menschen im Zusammenhang von Interkulturalität. Im allgemeinen impliziert Interkulturalität ein Zusammentreffen und eine Interaktion zwischen Menschen oder Gruppen unterschiedlicher Kulturen. Sie wird so durch eine Konfrontation des Eigenen mit dem Fremden konstituiert. „Es gilt, das Eigene und das Fremde bzw. Andere in ihrer realistischen Differenz in einen Prozeß des Bemühens um Verstehen, um wechselseitige Anerkennung einzubringen“, womit zu den zentralen Begrifflichkeiten in der Interkulturalitätsthematik „Vielfalt, Gleichheit und Differenz, Anerkennung, Umgang bzw. Dialog, Verstehen, Individualität und Universalität“ (Eirmbter-Stolbrink 2003, S. 163) zählen. Sie manifestiert sich folglich in Differenz, in Form des Ich und Nicht-Ich und in der Anerkennung und Aneignung eines Ich- Fremden, sowie einer damit einhergehenden Pluralität von Perspektiven. In diesem Sinne beruht auch beispielsweise Interkulturelle Erziehung darin, zu vermitteln, dass die eigene Kultur nur eine unter vielen ist und Interkulturelle Bildung definiert sich in der Befähigung zum Umgang mit kulturellen Differenzen mit dem Ziel des besseren Verstehens (vgl. Auernheimer 1995, S. 180 & Auernheimer 2001). Im Kontext der hier eingenommenen erziehungswissenschaftlichen Perspektive ist Interkulturalität im fachlichen Diskurs eine Thematik von Aktualität und unbestrittener Notwendigkeit: Die Konzeptualisierungen Interkultureller Bildung, Interkulturellen Lernens oder Interkultureller Erziehung etc. schließen daran an. Im Zusammenhang dieser Konzepte, ihrer erfolgreichen Umsetzung und einem vollständigen tiefgreifenden Verständnis ist es aber notwendig, einen Schritt vor diesen anzusetzen und zu fragen, welche Bedingungen und Voraussetzungen, welche Struktur das Denken und die Erkenntnis des Menschen auszeichnet, damit Interkulturalität in diesem Sinne gewährleistet und möglich ist. Genau hier gewinnt der Egozentrismus als besondere epistemische Haltung auf intellektueller und sozialer Ebene an Bedeutung, da sich dieser als Denkhindernis zur Aneignung von Interkulturalität offenbart.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Egozentrismus in der Sprache und im Denkprozess

2.1 Hinführung zum Thema

2.2 Die egozentrische Sprache

2.3 Grammatik, Logik und Kausalität

2.4 Das formale Denken und das Beziehungsurteil

3 Der Synkretismus und die Prataxe

3.1 Die Beiordnung oder die Parataxe

3.2 Der Synkretismus

3.2.1 Der Synkretismus des Denkens

3.2.2 Der Synkretismus des Verstehens

4 Die Introspektion und der Realismus

5 Der Rückgang und die Überwindung des Egozentrismus

6 Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung von Interkulturalität

7 Der Beitrag der Pädagogik zur Überwindung des Egozentrismus

8 Interkulturalität als „neuer“ Aspekt der Erziehungswissenschaft und Bildungstheorie?

9 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretischen Voraussetzungen und Hindernisse für die Aneignung von Interkulturalität unter besonderer Berücksichtigung des Egozentrismus. Dabei wird analysiert, wie Denkstrukturen des Menschen – insbesondere der psychologische Egozentrismus – die Fähigkeit zur Differenzierung und Anerkennung des Fremden beeinflussen, und welchen Beitrag pädagogische Ansätze zur Überwindung solcher Denkhindernisse leisten können.

  • Analyse des Egozentrismus in Sprache und Denkprozess auf Basis der Entwicklungspsychologie Piagets.
  • Untersuchung kognitiver Phänomene wie Parataxe, Synkretismus, Introspektion und Realismus.
  • Erörterung der Bedeutung von Sozialisation und Dezentrierung für den Überwindungsprozess egozentrischer Haltungen.
  • Reflexion des Interkulturalitätsbegriffs im Kontext erziehungswissenschaftlicher Bildungstheorien.
  • Diskussion pädagogischer Methoden zur Transformation dogmatischer Denkmuster.

Auszug aus dem Buch

6 Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität

Der Egozentrismus ist als vorkritische und so vorobjektive Haltung der Erkenntnis zu charakterisieren, gleichbedeutend, ob es sich hierbei um die Erkenntnis der Natur, der Menschen oder des eigenen Ich handelt. Damit ist der Egozentrismus weder als ein Phänomen des Bewusstseins zu beschreiben – er ist gerade unbewusst, denn die Bewusstwerdung des Egozentrismus zerstöre diesen – noch als ein Phänomen des sozialen Verhaltens: der Egozentrismus ist eine Art unbewusste Perspektive.

Der Egozentrismus stellt ein System von Perspektiven und Wertungen dar, ein System der Interpretation. Er hat die Gestalt einer für das Individuum natürlichen Apperzeptionsform und lässt sich als ein Zentrieren des Denkens beschreiben, eine Abwesenheit intellektueller Relativität und rationaler Bezugssysteme. In Bezug auf das Erkennen des Kindes befindet sich dieses in einer physischen und sozialen Welt, deren Erkundung das Kind nie vollzogen hat. Damit konstituiert sich eine besondere Perspektive, an die es gebunden ist und die seine gesamte Wahrnehmung prägt. Diese Perspektive oder Haltung widersetzt sich jeder Relativität zur Gesamtheit.

Zur Überwindung des Egozentrismus bedarf es folglich keiner Addition neuer Kenntnisse, sondern einer Dezentrierung im Sinne einer Trennung von Subjekt und Objekt. Diese setzt eine Bewusstwerdung der Subjektivität voraus und das Hineinversetzen in mögliche andere Perspektiven, was mit einer Herstellung reziproker Beziehungen zwischen dem eigenen Subjekt und anderen Subjekten und Objekten einhergeht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Problem der Arbeit ein: die Untersuchung des Egozentrismus als erkenntnistheoretisches Hindernis für die interkulturelle Verständigung.

2 Der Egozentrismus in der Sprache und im Denkprozess: Dieses Kapitel erläutert Piagets Verständnis des Egozentrismus als allgemeine epistemische Haltung, die sich besonders in der kindlichen Kommunikation und Sprachverwendung zeigt.

3 Der Synkretismus und die Prataxe: Hier werden die Phänomene der mangelnden Synthese und der beiordnenden Denkweise analysiert, die als direkte Ausprägungen des egozentrischen Denkprozesses identifiziert werden.

4 Die Introspektion und der Realismus: Es wird dargelegt, inwiefern die Unfähigkeit zur Selbstbeobachtung und eine realistische, auf die Dinge projizierte Weltsicht den Egozentrismus festigen.

5 Der Rückgang und die Überwindung des Egozentrismus: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der sozialen Interaktion und des Kontakts mit fremden Denkmustern als notwendige Bedingungen für Dezentrierungsprozesse.

6 Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität: Hier wird der Egozentrismus explizit als starres Denkmuster entlarvt, das den Diskurs und die Anerkennung des Ich-Fremden verhindert.

7 Der Beitrag der Pädagogik zur Überwindung des Egozentrismus: Die Arbeit diskutiert pädagogische Methoden, insbesondere den sokratischen Dialog, um Lernende zur Reflexion ihrer eigenen Denkmuster zu befähigen.

8 Interkulturalität als „neuer“ Aspekt der Erziehungswissenschaft und Bildungstheorie?: Dieses Kapitel bettet die Interkulturalitätsthematik in den historischen Kontext bildungstheoretischer Ansätze, etwa von Humboldt, ein.

9 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Überwindung des Egozentrismus durch reflektierte Lernprozesse die Grundvoraussetzung für eine echte Aneignung von Interkulturalität darstellt.

Schlüsselwörter

Egozentrismus, Interkulturalität, Denkstrukturen, Piaget, Pädagogik, Denkhindernis, Dezentrierung, Synkretismus, Parataxe, Bildungstheorie, Erkenntnistheorie, Subjektivität, Objektivität, Paradigmendifferenz, Selbsterfahrung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Egozentrismus nicht als rein moralische, sondern als erkenntnistheoretische Denkstruktur, die als maßgebliches Hindernis für die Aneignung von Interkulturalität wirkt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die entwicklungspsychologischen Grundlagen des Denkens bei Piaget, die Bedeutung der Sprachphilosophie sowie klassische und moderne Bildungstheorien im Kontext interkultureller Kompetenz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Pädagogik durch intentionale Denkanleitungen dazu beitragen kann, den Menschen aus dogmatischen, egozentrischen Denkmustern zu befreien, um den Weg für eine genuine interkulturelle Begegnung zu ebnen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine erziehungswissenschaftliche Analyse, die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie (Piaget) mit geisteswissenschaftlichen Theorien (Dräger, Humboldt) verknüpft, um eine fundierte pädagogische Argumentationslinie zu entwickeln.

Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?

Im Hauptteil wird zunächst deskriptiv analysiert, wie egozentrische Denkmuster (Parataxe, Synkretismus, Realismus) funktionieren, bevor diese Erkenntnisse kritisch auf die Bedingungen für interkulturelle Bildung angewandt werden.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dezentrierung, Paradigmentransformation, Epistemische Haltung, Identifikation versus Differenzierung und den Gedankenkreis geprägt.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Ich und Nicht-Ich für die Interkulturalität so wichtig?

Ohne die Fähigkeit zur klaren Differenzierung bleibt das Andere bloß eine Projektion des eigenen Ich; eine echte Anerkennung setzt voraus, dass das Gegenüber in seiner eigenen, fremden Individualität erfasst wird.

Welche Rolle spielt die „sokratische Methode“ in diesem Kontext?

Sie dient als dialogisches Werkzeug, um den Lernenden durch gezieltes Hinterfragen dazu zu bringen, sein eigenes implizites Nichtwissen und die Partikularität seines bisherigen Wissens zu erkennen.

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Details

Title
Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität - eine erziehungswissenschaftliche Perspektive
College
University of Trier
Grade
1,3
Author
Andrea Adam (Author)
Publication Year
2004
Pages
38
Catalog Number
V34375
ISBN (eBook)
9783638346146
Language
German
Tags
Egozentrismus Denkhindernis Aneignung Interkulturalität Perspektive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Adam (Author), 2004, Der Egozentrismus als Denkhindernis zur Aneignung der Interkulturalität - eine erziehungswissenschaftliche Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34375
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